De Maizière will „Heldengedenktag“ einführen

16.2.2012 – Am Rande eines Truppenbesuchs in den USA hat Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière vorgeschlagen, in Deutschland einen Veteranentag einzuführen. Auf Kritik stößt dabei nicht nur der Vorschlag selber sondern vor allem auch das vom Minister ins Gespräch gebrachte Datum.

De Maizière hält den Volkstrauertag für einen geeigneten Anlass, um die Veteranen der deutschen Bundeswehr zu ehren. Auch die Nationalsozialisten hatten den Feiertag im Jahre 1934 zum „Heldengedenktag“ umgemünzt und für ihre ideologischen Ziele genutzt.

Vom Volkstrauertag zum Heldengedenktag

Der Volkstrauertag wurde auf einen Vorschlag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge am 28. Februar 1926 erstmalig begangen. Die „Cellesche Zeitung“ berichtete am Tag darauf:

„Volkstrauertag! Der erste deutsche Volkstrauertag soll in erster Linie dem Ehrengedenken unserer im Weltkriege gefallenen Väter, Brüder und Söhne gewidmet sein. Es ist nur zu wünschen, daß sich diese ernste Feier recht tief und fest und feierlich, auch ohne viele Reden und Gesänge, aus dem ureigenen deutschen und menschlichen Empfinden heraus geltend macht in den Herzen des ganzen Volkes.“

Mit dem „Gesetz über die Feiertage“ benannten die Nationalsozialisten den Volkstrauertag am 27. Februar 1934 in „Heldengedenktag“ um. Von da an stand nicht mehr das Gedenken an die Kriegstoten aller beteiligten Länder im Vordergrund sondern die Heldenverehrung deutscher Soldaten. Die Nazis missbrauchten den Feiertag von da an, um im Rahmen von propagandistischen Großveranstaltungen völkisches und rassistisches Gedankengut zu pflegen und zu verbreiten, den Krieg vorzubereiten und das Bild des „deutschen Helden“ in der Mitte der Gesellschaft zu verankern.

Im Jahr 1952 wurde der Volkstrauertag in der Bundesrepublik wieder in seinen ursprünglichen Sinn zurückgeführt. In Abgrenzung zur faschistischen Tradition wurde er an das Ende des Kirchenjahres verlegt. Gedacht wurde seitdem den „Toten zweier Kriege an den Fronten und in der Heimat und den Opfern der Gewaltherrschaft aller Nationen“. In der DDR wurde anstelle des Heldengedenktages der „Internationaler Gedenktag für die Opfer des faschistischen Terrors und Kampftag gegen Faschismus und imperialistischen Krieg“ eingeführt.

In der rechtsextremen Szene in Deutschland wird der Begriff „Heldengedenktag“ bewusst weiterhin verwendet. An diesem Tag finden Nazi-Aufmärsche, zweifelhafte Gedenkveranstaltungen und rechtsradikale Kundgebungen statt.

De Maizière will Veteranen ehren

Der Verteidigungsminister wählte als Rahmen für seinen historisch zweifelhaften Vorstoß ausgerechnet einen Besuch in den USA. Hier spielt die unkritische Verehrung von „Kriegshelden“ traditionell eine große Rolle. Ohne der unzähligen unschuldigen Opfer in Korea, Laos, Vietnam, Kambodscha, Indonesien, Chile, Angola, Argentinien, El Salvador, Irak, Nicaragua, Iran, Sudan, Jugoslawien, Afghanistan oder Libyen zu gedenken, werden hier die Akteure dieser Kriege gefeiert und ausgezeichnet.

De Maizière sagte über sein Veteranenkonzept, es sei überfällig und wir hätten uns bisher davor gedrückt.:

“Eine Tradition entsteht nicht durch Verordnung. Aber vielleicht kann man mal eine Tradition stiften, und die Zeit ist jetzt reif.”

Der Minister führte aus, dass er an einem solchen Tag nicht nur die verwundeten Soldaten würdigen, sondern auch Tapferkeitsmedaillen für besondere Leistungen im Einsatz verleihen wolle. Gerade mit diesem Vorschlag knüpft de Maizière unmittelbar an die NS-Tradition an. Anstelle von stillem Gedenken, nicht nur an die Opfer der Kriege sondern auch an die Schuld von deren Verursachern, soll der Volkstrauertag zu einem militärischen Spektakel mit Lobreden und der Verleihung von Orden, Abzeichen und Medaillen umgemünzt werden.

Unterstützung erhielt der Verteidigungsminister heute von dem CDU-Bundestagsabgeordneten Bernd Siebert. Der Politiker betonte, dass der Begriff Veteran der Preis sei, den die Angehörigen der Bundeswehr für die Verteidigung „unser aller Freiheit mitunter zahlen müssen“ und führte weiter aus:

“Für die Soldaten der Bundeswehr würde ein Veteranentag ein Stück Anerkennung für ihre schwierige und gefährliche Aufgabe bedeuten. Gerade im Hinblick auf die laufende Neuausrichtung der Bundeswehr ist eine neue Kultur innerhalb der Armee, aber auch im Zusammenspiel von ziviler Gesellschaft und den Streitkräften notwendig.“

Auf Ablehnung stieß der Vorschlag des Ministers dagegen bei dem SPD-Wehrexperten Rainer Arnold. Er sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“, dass so ein Tag als „künstlich aufgepfropft“ empfunden würde. Außerdem halte er es für „undenkbar, das Veteranengedenken auf den Volkstrauertag zu legen“, da dieser Tag eine Tradition habe, die in „hohem Maße mit unserer unsäglichen Geschichte verknüpft“ ist.

Der Vorschlag des Ministers mag im Hinblick auf den neuen, aggressiven Kurs, den die Bundesregierung der Bundeswehr verordnet hat, konsequent wirken. Vor dem Hintergrund der historischen Verantwortung ist es unerträglich, wenn mit der Ummünzung des Volkstrauertages eine NS-Tradition wiederbelebt wird.

Betrachtet man zudem, den unsinnigen und absurden Bundeswehreinsatz in Afghanistan, dann täte de Maizière besser daran, sich um Schadensbegrenzung zu bemühen, als das Märchen von „Deutschlands Sicherheit, die am Hindukusch verteidigt werden muss“ durch einen Gedenktag für deutsche Veteranen zu bekräftigen und zu pflegen.

 

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45 Kommentare

Eingeordnet unter Innenpolitik, Politik, Rechtsextremismus

45 Antworten zu “De Maizière will „Heldengedenktag“ einführen

    • Bernie

      @rundertischdgf

      Der Zusammenhang ist mir auch aufgefallen, und seitdem ich weiß, dass die CDU/CSU nie Probleme damit hatte NS-Verbrecher in höchste Staatsämter der alten BRD (z.B. Globke) aufzunehmen, oder auch gute Beziehungen zu NPD, DVU und Konsorten pflegt – via “Verfassungsschutz” und ausgedienten Militärs (z.B. ein Ex-KSK-Kommandant), wundert mich eigentlich nichts mehr, d.h. eines: Wieso enttarnt diese Enkel von Nazis nicht jemand mal als Enkel von Adolf, Goebbels, Speer & Konsorten?

      Ich weiß in postdemokratischen Zeiten ist eben ein Skandal ein Skandal, der aber ohne Konsequenzen für den rechtslastigen Verteidigungsminister Deutschlands bleiben wird :-(

      Gruß
      Bernie

      • Mach es nicht so kompliziert und dramatisch. Hat nichts mit rechts und links zu tun, sondern schon eher mit A…….kr…….rei! Vielleicht ist es auch nur ein Faschingsorden?

        • Bernie

          @rundertischdgf

          Tja, vielleicht hast du recht? Vielleicht ich? Wer weiß ;-)

          Amüsierte Grüße und Hellau
          Bernie

  1. Peter Petereit

    Unter “Veteran” stelle ich mir jemanden vor, der noch am Leben ist.

    Noch, weil er vielleicht Glück hatte, versehrt oder unversehrt einen deutschen WK-II Nachfolgekrieg in Uniform “überstanden” zu haben.

    In diesem Sinn ist schon die Idee pervers, nicht der für den Imperialismus Gefallenen zu gedenken, sondern jenen, die mit Abzeichen dekoriert und angespornt ihr Bestes gaben/geben, willigen Nachwuchs zu rekrutieren.

    Der (Nachwuchs) in Kriegen, angezettelt von Leuten, die sich gut kennen, Menschen zu töten, die sie nicht kennen, in der vagen Hoffnung, auch mal Veteran zu werden und nicht vorzeitiger Madenfraß…

    Es kann freilich auch sein, daß der “fähigste und beliebteste” Minister “unserer” Bundesregierung: a) schlecht beraten wurde, oder b) sogar im Begriff ist, dem Wort “Veteran” eine völlig neue Bedeutung beizumessen.
    Als Deutschem Minister steht ihm das zu!

  2. Bernie

    @Peter Petereit

    Hast auch wieder ;-)

    Gruß
    Bernie

  3. Floh

    Man kann gar nicht so viel fressen wie man kotzen möchte , über das Reaktionäre Gesindel

  4. Bernie

    @all

    Ein Zufallsfund, der sich mit dem deckt, was De Maizière, Merkel, Westerwelle, Schäuble und Co. derzeit innen- wie außenpolitisch abziehen.

    Es scheint man arbeitet an einer Reaktivierung vor der – vor der dt.-dt. Einheit – der franz. Präsident Mitterrand gewarnt hat, und zwar mit folgendem überlieferten Satz: “[….] Bei territorialer Vergrößerung Deutschlands könnte der Kontinent auf die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurückfallen – einer Ära, als das Reich vom größenwahnsinnigen Kaiser Wilhelm II. regiert wurde[…]”

    Quelle und kompletter Text des Zufallsfundes von 2009:

    http://www.sueddeutsche.de/politik/deutsche-einheit-fuer-thatcher-war-deutschland-eine-gefaehrliche-kroete-1.28579-2

    Tja, damals hätte ich das noch für Humbug gehalten, aber Merkel (eine bekennende Thatcheristin) läßt sich ja als “eiserne Kanzlerin” feiern, und toppt damit sogar Bismarck, den echten “eisernen Kanzler” – Bleibt nur die Frage “Wann geht der Lotse Merkel von Bord?”

    …und wer folgt ihr nach? Der neue Verteidigungsminister – oder ein Baron und Zu Freiherr…..Guttenberg?

    Frägt sich
    Bernie

  5. auf der einen Seite leiden die ersten Menschen in Europa bereits Hunger und man ist nicht bereit, Geld für sie auszugeben und auf der anderen Seite ist dann aber Geld da für Orden! Wir sind doch noch viel weiter zurück, als ich bereits befürchtet hatte.

    • Bernie

      @Michael Morawietz

      Hier ein Link, dass es sogar schon Kältetote wegen des kapitalistischen Systems in Deutschland gibt:

      “[…]Tödlicher Frost
      Thomas Dudek 16.02.2012
      In Osteuropa sterben die Armen, die mit dem Wandel nicht klar kamen oder auf der Strecke blieben[…]”

      Quelle und ganzer Text:

      http://www.heise.de/tp/artikel/36/36427/1.html

      …die verhungern in der neuen EU nicht nur, nein die erfrieren noch….

      ..zynisch ausgedrückt: So kann man das Arbeitslosenproblem auch lösen.

      Gruß
      Bernie

      • Bernie

        ich meinte mit “kapitalistischem System in Deutschland” nicht, dass in Deutschland massenhaft Menschen erfrieren, sondern dass durch die dt. Hoheit über die EU in Resteuropa mittlerweile Menschen erfrieren, und verhungern….

        Tja, man gedenkt lieber “Mödern in Uniform” (Zitat: Kurt Tucholsky) statt den Opfern der “Markttaliban” (ZItat: Daniel Cohn-Bendit)

        Traurige Grüße
        Bernie

        • Ich habe mich selbst oft gefragt, ob ich im Dritten Reiche tatenlos zugesehen hätte. Ich habe in meiner Dämlichkeit meinem Vater sogar den Vorwurf gemacht, er habe damals tatenlos zugesehen. Mein Vater war in der Zeit ein kleines Kind. Ich bin ein erwachsener Mann. Ich bin in keiner Weise blöd. Und trotzdem werde ich den Eindruck nicht los, dass ich dabei zuschaue, wie wieder einmal ein Reich aufgebaut wird mit absolut unmenschlichen Zügen. Oder sollte ich langsam einmal meine Sichtweise ändern und sagen, mit absolut menschlichen Zügen. Bedeutet das tatsächlich Menschlichkeit. So soll es alles bleiben, gerecht und menschlich, sagte Frau Merkel unlängst. Wäre es nicht eigentlich meine Pflicht gegenüber den nachfolgenden Generationen, dieser Frau über das Maul zu fahren. Dürfen meine Kinder mich nicht eigentlich zu Recht fragen, weshalb ich das hier alles mitmache? Je mehr ich mich mit diesen Dingen beschäftige, je mehr fühle ich mich mitschuldig, denn ich schaue zu. Definitiv.

        • Peter Petereit

          “Markttaliban”… Klingt erstmal gut… Aber, ich glaube, der DCB hat auch nicht lange genug nachgedacht. Wer hat sie “erschaffen”, die sogenannten “Taliban”? Der “Markt”, solange es gegen die “Russen” ging. Danach waren sie nicht mehr marktkonform. Vor einigen Jahren noch gab es den Begriff “Partisan”. Der scheint ausgestorben, denn der ist nicht “demokratiekonform” im Sinne des jeweiligen Besatzers.
          Also “produzieren” wir weiter “Helden” und “Veteranen”, um den Drogennachschub und andere “Rohstoffe” zu sichern. Das ist traurig.

      • Floh

        Und wie weit sind wir in Deutschland davo noch entfernt ?
        Neue Armut – geplünderte Renten u. Sozialkassen –
        präkere Arbeits u.Lebensverhältnisse ?
        Die Lawine rollt bereits !

        • fischi

          Michael!

          Gutmenschentum zählt nicht mehr.
          Dazu ist das ganze Elend viel zu weit fortgeschritten.
          Ich glaube den Menschen ist es damal genauso oder so ähnlich wie uns gegangen.
          Gegen diese Verbrecher kann man sich nicht mit Plakaten wehren, dazu haben die einfach zu viel Macht und verteidigen auch mit ALLEN Mitteln.

  6. Arnold

    Die Politik unserer Regierung zielt auf eine wachsende verarmte Schicht ab. Die USA machen uns vor wie man diese Leute bei der Stange hält.
    Ich zitiere Schopenhauer:
    “….Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.”
    Besser kann man es nicht sagen. Wir brauchen Helden damit die wachsende Verarmung breiter Bevölkerungsschichten nicht in Unruhen mündet.

    • Floh

      Ja da ist was Wahres dran ! Deutschland braucht Kanonenfutter.
      Die meisten Rekruten für Afghanistan kommen schon aus
      dem Osten Deutschlands wo die Arbeitslosigkeit dank “Blühender Landschaften” am größten ist .
      Das ist gewollt und die USA leben uns das vor !
      “Mit dem Wissen wächst der Zweifel”
      (J.W.v.Goethe)
      http://www.NachDenkSeiten.de

      http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/110614_ndb_privatisierung.pd

      • Bernie

        @Floh

        Das dumme ist, dass das “Kanonenfutter aus dem Osten Deutschlands” noch das treueste Kanonenfutter überhaupt ist – Lies mal weiter unten den Link zu http://www.tinokaessner.de.

        Oder noch besser, lies mal das Buch – Es ist einfach unglaublich wie hier ein schwerstkriegsverseherter Ex-Feldjäger, und sein Kamerad, für den Afghanistan-Krieg, und den damit verbundenen Bundeswehreinsatz, werben…..mit dem, für mich immer noch falschen Zitat des Ex-Bundesverteidigungsministers Struck am Anfang – Ihr wißt schon, “Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt”…..Stockholm-Syndrom eben ;-)

        Gruß
        Bernie

  7. EBERHARD SCHNEIDER

    Diese Knalltüte wäre besser im Sachsenverbrechersumpf geblieben.
    Dann wäre er mittlerweile ein hohes Tier bei der Mafia

  8. Hartmut

    @Michael Morawietz

    Sie gehen hier recht hart mit sich selbst ins Gericht.
    Es stimmt ja nicht, dass Sie nur zuschauen. Durch Ihre Beteiligung mit gut begründeten Kommentaren allein in diesem Blog sind Sie ja schon aktiv und kein Zuschauer mehr.
    Zur Schuldfrage hatte ich mal eine Begegnung mit einem bekannten Jesuiten. Als wir auf das Thema, Schuld, zu sprechen kamen gab er mir folgende Antwort:

    “WIR SCHULDEN ALLEN ALLES”

    Das ist jetzt viele Jahre her, aber dieser weise Satz begleitet mich bis heute, wenn es um Schuldfragen geht.

    Viele Grüße
    Hartmut

  9. klaus bier

    Erst mal wieder ein großes Lob an dich Jakob für die letzten Artikel

    Der Vorschlag von DeMaiziere deutet an wie weit der Rechtsruck in Deutschland bzw Nationalismus und Großspurigkeitsgedenken fortgeschritten sind. Was sollen beschissen Ehrungen für Tote oder Versehrte zum Krüppel gemacht Soldaten, Sie lebendig oder ehren? So ein Käse, vlt sollte man es hinbekommen überhaupt Situationen wo Soldaten sterben zu vermeiden.
    Aber Nein, da wir ein deutscher Beklopptheit alles von unserem amerikanischen Freund übernehmen müssen hat Herr De Maiziere sicherlich noch bessere Vorschläge auf seiner Nordamerika gesammelt……….ich weiß mittlerweile, aufgrund der Fülle des Unsinns die auf einen einprasselt, nicht mehr ob ich heulen, lachen, kotzen oder sonst was machen soll……

  10. Berendi

    Der Vorschlag ist unerträglich und mit ihm die komplette militaristische und neoimperialistische Bagage in den Reihen der sogenannten Konservativen: Jetzt traut sich dieses jämmerliche Volk wieder aus allen Löchern zu kriechen.
    Mein Gott, wo sind wir mit diesen Vollpfosten gelandet und mit dem blöden Volk, das diesen Vollpfosten auch noch zujubelt.

    • K.S.

      Ich muss lachen bei dem Satz: “Jetzt traut sich dieses jämmerliche Volk wieder aus allen Löchern zu kriechen”.

      Selbiges hatte kürzlich Erika Steinbach ähnlich gesagt, als sie behauptete, der Nationalsozialismus sei links gewesen und viele sich darüber aufgeregt hatten.

      Damit will ich deinen Kommentar nicht schlecht machen, ich habe auch schon so gedacht. Aber die andere Seite sieht das auch so.
      Das muss doch eine Bedeutung haben.
      Die eine Seite spiegelt doch irgendwie die andere.
      Gewalt kann man eben nicht mit Gewalt bekämpfen, sondern nur mit Herz und Verstand.

  11. Berendi

    @Michael Morawietz: Nur Mut! Ich sehe das genauso wie Harmut: Wenn Sie nichts tun würden, wären Sie nicht hier.
    Und von diesem Blog auf die Straße ist nur ein kurzer Weg … und dort sind wir.
    Insofern: Gemeinsam sind wir stark.

    • @Berendi
      Danke fürs Mutmachen. Es fehlt mir aber eigentlich nicht an Mut. Vor wenigen Minuten ist mir etwas klar geworden: Die Leute kramen Hitlerbärtchen und Siesta-Sombreros aus ihren vermotteten Kisten und bewerfen sich gegenseitig damit. Dazu kommt dann noch das unaufhörliche Verdrehen von Wörtern und Begriffen. Mein Problem ist, dass ich zwar zuschaue, aber irgendwie trotzdem nicht durchblicke. Ich möchte der Frau Merkel, die hier nur symbolisch für ihresgleichen stehen soll, über das Maul fahren. Aber wie? Mir fehlen einfach die Worte, ich bin effektiv sprachlos und glotze blödsinnig zu. Auf der Strasse hätte ich das Problem, dass möglicherweise plötzlich jemand für mich redet und ich selbst aber gerade diese Worte gar nicht mag. Weisst Du warum ich kein Deutscher bin? Deutschland sucht den Superstar und ich suche definitiv keinen. Nicht fehlender Mut ist mein Problem, sondern fehlende Intelligenz und fehlende Kreativität.

      lg
      Michael

      • Roman

        Mir geht es ganz ähnlich bei der Frage mit dem “tatenlos” zusehen. Früher war das sicher etwas leichter, da gab es zwei Systeme in Europa die gegeneinander ausgespielt werden konnten und man konnte das jeweils andere System als Beispiel für seine Vorstellungen nutzen, wenngleich man oft nur die schönen Seiten des jeweiligen sehen wollte. Gleichzeitig konnten in beiden die Politiker nicht so hausen und ohne Rücksicht auf “Verluste” ihre Perversionen unters Volk kippen, denn das wäre, so denke ich zumindest, niemals in der heutigen Form akzeptiert worden. Da heute jedoch das “Gegensystem” fehlt, fehlen gleichzeitig auch Alternativen, um grundlegend etwas ändern zu wollen und man weiß oft gar nicht so recht, was besser sein sollte.

  12. Das hängt mit dem Bundeswehrkonzept für den deutschen Söldner zusammen. Die Bundeswehr hat es nötig, für sich Propaganda zu machen, denn die erhofften Freiwilligenströme bleiben aus. Und so ein Heldengedenktag macht was her, da halten der Herr Minister eine schmissige Ansprache an die lieben Kameraden, die versammelte Truppe ist mit gewaschenem Hals angetreten, Tschingbum und Tschingderassasa fehlen auch nicht, und das blöde Volk macht Ah und Oh. Alsogleich strömt das Kanonenfutter freudig in die Rekrutierungsbüros und opfert sich dem deutschen Vaterland.
    Weil es nämlich weiß, nach dem Heldentod gibt es ein Heldengrab samt Ritterkreuzorden. Und dafür lohnt es sich schon zu sterben. Und auch weil man weiß, es gibt einen Veteranengedenktag. Kann man schöner sterben?

    • Hartmut

      @Katja
      eine kleine Ergänzung zu Ihrem Kommentar:

      Die Todesnachrichten der Gefallenen im 2. Weltkrieg, deren Länge nach dem Dienstgrad bemessen war, endete stets mit folgendem Satz:

      …….., er starb für Führer, Volk und Vaterland !

      Ich bin gespannt, welcher Satz die kommenden Todesnachrichten der gefallenen Soldaten beschließt ?

      ………,vielleicht so:…………, er starb für die Freiheit der BRD – wir alle werden ihn am neuen Heldengedenktag ehren !

      oder so

      DULCE ET DECORUM EST PRO PATRIA MORI

      Süß und ehrvoll ist es, fürs Vaterland zu sterben.
      Zitat aus den Oden des römischen Dichters Horaz (65 – 8 v.Chr.), das auf den griechischen Dichter Tyrtäus um 670 v. Chr. zurückgeht.

      Dieser Spruch stand auch an vielen Schultoren vor dem 1. Weltkrieg.

    • @katja
      schöner kann man das, glaube ich, nicht zum Ausdruck bringen. Erinnert mich ein bischen an den braven Soldaten Schwejk oder wie der noch hiess. Ich glaube auch, dass da einige ihren alten Kaiser Wilhelm wieder haben wollen. Könnte man denen nicht ein weiträumiges Reservat mit Selbstverwaltung zur Verfügung stellen, selbstverständlich in der Euro-Zone?

  13. klean

    Was soll man zu diesen ideologischen Offenbarungen noch sagen? Vielleicht nur dies unkommentiert …

    Wie sinnvoll/sinnlos ist da wohl ein an die Brust gehefteter Orden? Geht & macht’s doch selber, wenn ihr Helden braucht, ihr Gehirnamöbenbefallenen!

    • Peter Petereit

      Danke, klean, dieses Video sollte man unseren “Heldenmachern” immer und immer wieder vorspielen, bis sie es begreifen. Ein frommer Wunsch, doch es würde sie nicht berühren. Sie sehen nur noch wie Menschen aus…

      • fischi

        Da kann es noch so viele Videos geben, das ist allerdings schon ziemlich bewegend, aber diese Verbrecher intressiert das nicht.
        Kann man sowas eigendlich noch als Mensch bezeichnen oder behandeln.
        Das ich mal sowas erleben muß hätte ich als notorischer Pessimist nie geglaubt

      • Bernie

        @klean

        Ich kann mich dem Kommentar von Peter Petereit nur anschließen.

        Übrigens, es gibt auch das Buch eines Pazifisten – und ehemaligen 1. Weltkriegssoldaten – das in dieselbe Richtung geht.

        Ich habs als ganz junger Mensch gelesen, und es geht mir mit 41 Jahren immer noch nach – Dort gab es ähnlich drastische Beispiele – von Kriegsversehrten:

        “Korbmenschen”; brutalst entstellte Gesichter bzw. Menschen in Sani-Häusern, und gar nicht “ehrenhafte” Bilder von Gefallenen auf den Schlachfeldern sowie dem Menschen, der wie Schlachvieh – schon im 1. Weltkrieg – in Massengräbern verscharrt wurde.

        Über Ernst Friedrich hier mal mehr:

        “[…]Ernst Friedrich, geboren 1894, eröffnete 1925 in Berlin das Erste Internationale Anti-Kriegs-Museum. 1930 war Ernst Friedrich für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. 1933 floh er vor den Nazis nach Belgien, 1940 weiter nach Frankreich, wo er sich der Resistance anschloß. Friedrich starb 1967 in Le Perreux sur Marne[…]”

        Gruß
        Bernie

        • Bernie

          Ergänzung:

          Staunend mußte ich gerade feststellen, dass Museum existiert noch immer – Tja, aber anscheinend hat fischi recht, wenn er die Verrohung unserer selbsternannten “Eliten” in Deutschland als solche bezeichnet.

          Hier mehr über das Museum:

          http://www.anti-kriegs-museum.de

          …es konnte weder den Angriffskrieg gegen Jugoslawien verhindern, noch die dt. Beteiligung am Afghanistan-Einsatz….

          Übrigens, ich will jetzt nicht zynisch sein, aber es gibt das berühmte Stockholm-Syndrom wo Geiselnehmer und Geisel….na ihr wißt schon….

          …das scheint es auch bei Versehrten zu geben, wie ein hochaktuelles Buch von 2 Elite-Soldaten der Bundeswehr beweist:

          http://www.tinokaessner.de

          Das Buch ist das Buch eines Profisportlers, und seiner Frau, die beide durch eine Kriegsverletzung zusammengekommen sein sollen….und das sich für mich, streckenweise, wie Bundeswehrwerbung, las……Stockholm-Syndrom eben :-(

          Gruß
          Bernie

  14. @ Michael Morawietz :Du brauchst die Schuld Deiner Vorfahren nicht auf Dich laden – das ist ungerecht und erweckt niemanden mehr zum Leben. Wenn Du Merkel nicht über den Mund fahren kannst, dann aber jedem um Dich herum, der sich jetzt in Deutschtümelei suhlt. Wenn Du oder ich Merkel und Co nicht über den Mund fahren, dann wird es bald das Ausland tun – spätestens wenn auch Deutschland das Geld ausgeht. Die Erkenntnis, dass sich die unvollständige Entnazifizierung nach 1945 gerade jetzt so sträflich bemerkbar macht, beschäftigt mich sehr. Ich hoffe, wir können noch etwas daran ändern. Hier einige meiner Gedanken zum Thema:http://wildezeiten.wordpress.com/

  15. Jutta Rydzewski

    Es passt doch alles hübsch zusammen. Aus dem Finanzhauptquartier wird gemeldet, dass unserer oberster Geld-Verweser, Wolfgang Schäuble, mal eben die Demokratie in Griechenland außer Kraft setzen will, in dem er befehligt, dass die anstehenden Wahlen abgesagt werden. Jawolll? Der Grieche ist nach Schäuble und weiteren Parteigenossen ein zu großes Risiko, und könnte nicht so wählen wie die Deutschen das für richtig halten. Also werden die Wahlen auf deutschen Befehl abgesagt. Jawoll!! Nahezu zeitgleich die Meldung aus dem Kriegsministerium der Verteidigung: Wir werden einen Heldengedenktag einführen. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir uns wieder alter, deutscher Tugenden wie Tapferkeit, Heldenmut, Stolz, Ehre und Vaterlandsliebe erinnern, denn schließlich sind wir wieder wer und nicht nur irgendwer. Und damit zurück zur Werbung. Nächstes Stück auf dem staatlichen Spielplan: Rücktritt des Bundespräsidenten. Einen schönen Tag.

  16. Jacob, guck dir das mal an: das pdf-dokument findet sich auf der seite des verfassungsschutzes brandenburg und ist gegen DEN HELDENGEDENKTAG gerichtet:

    http://www.verfassungsschutz.brandenburg.de/sixcms/media.php/4055/die_glorifizierung_des_sinnlosen_sterbens.pdf

  17. Jutta Rydzewski

    Nachtrag:

    Wie sagte schon der alte Churchill: Entweder man hat die Deutschen vor sich auf den Knien, oder man hat sie an der Gurgel. …

  18. Bernie

    @Jutta Rydzewski

    Ich bin ja wahrlich kein Thatcher-Fan, aber sogar die echte Maggie Thatcher war Churchills Ansicht was uns Deutsche, als wiedervereinigtes Land, angeht – Habs oben gepostet, was die “Welt” anno 2009 über Maggie Thatcher, und Mitterands, Aussagen über Deutschland angeht. Es scheint wirklich so, dass die damaligen Einheitsskeptiker richtig lagen – die Neue Rechte um CDU/CSU/FDP/SPD/GRÜNE arbeitet fleißig daran, dass Thatcher, Churchill, Lafontaine und Mitterrand recht behalten.

    Traurige Grüße
    Bernie

  19. K.S.

    DeMaiziere auf der Sicherheitskonferenz im Febr.2012 http://www.imi-online.de

    Die Rolle Deutschlands in der Welt‘. […] Lange Zeit wäre alleine diese Fragestellung, insb. die Frage nach der militärischen Rolle oder Verantwortung Deutschlands, einem Tabubruch gleichgekommen. Zwar hat Deutschland bereits vor 1990 militärisch Verantwortung getragen. Eine gesteigerte Eigenständigkeit oder gar eine Führungsrolle in der Welt war jedoch weder von innen gewollt – aber auch nicht von außen gewünscht – und auch das war verständlich.“

    Gottlob sei dieser – aus Sicht des Verteidigungsministers augenscheinlich suboptimale – Zustand nun ein für allemal „erfolgreich“ überwunden: „Das alles ist vorbei (wenn auch vielleicht noch nicht in allen Köpfen). Viele unsere Partner sehen uns längst als ‚gleichberechtigten‘ und damit auch ‚gleichverpflichteten‘ Partner an.“ Und weil dem so sei, müsse Deutschland auch bereit und in der Lage sein, in dem Maße militärisch „Verantwortung“ und „Verpflichtungen“ zu übernehmen, wie es seinem machtpolitisch-ökonomischen Gewicht in Europa und der Welt entspreche. Vor allem die Neuorientierung der Vereinigten Staaten erfordere – ungeachtet aller von den beiden US-Vertretern Hillary Clinton und Leon Panetta vorgebrachten Treueschwüren zu Europa – eine Stärkung der EU-Militärkapazitäten: „Nicht zuletzt durch die verstärkte strategische Ausrichtung der Amerikaner in Richtung Pazifik wird Europa künftig stärker für die eigene Sicherheit sorgen müssen – ob Europa das will oder nicht. […] Europa muss in der Lage sein, (auch militärisch) Verantwortung für sich selbst und die Sicherheit in seiner unmittelbaren Nachbarschaft zu übernehmen.“ Bei alledem gelte es aber für Deutschland, den Bogen angesichts der Vorbehalte vieler EU-Staaten nicht zu überspannen, warnte de Maiziere gleichzeitig: „In Europa wird im übrigen im Moment eher über zu viel deutsche Führung (als über zu wenig deutsche Führung) die Stirn gerunzelt.“

    Ich interpretiere die beiden letzten Sätze als Beruhigungsmittel, damit die Militarisierung und das Ansinnen für weitere Kriege bereit zu stehen, in der Öffentlichkeit nicht so auffallen.

    Lese ich dann den Bericht von Jakob, stelle ich fest, dass hier wirklich eine oder sogar zwei Rollen rückwärts gemacht werden.

    Die Aufforderungen der anderen Länder, Deutschland möge die Führungsrolle wahrnehmen, halte ich für eine Verführung oder ein “auf die Probe stellen” wie Deutschland sich verhalten wird, wenn es wieder Macht hat.
    Mit dem Ansinnen, einen Heldengedenktag einzurichten, weist genau das in die falsche Richtung.
    Nach den Erfahrungen von zwei Kriegen müßte Deutschland sich aus jedem Krieg heraushalten und der Anwalt von Friedensverhandlungen in allen Staaten der Welt zu sein.

    Deutschland hat diese Macht nicht für nichts bekommen, das meine ich jetzt nicht im materiellen Sinn sondern eher im spirituellen Sinn, indem es “wieder gut macht, was es zweimal falsch gemacht hat”.
    Geschieht das nicht, ist es wieder ein Machtmissbrauch. Denn Macht ist dafür da, Gutes zu tun und nichts Schlechtes.

  20. Bernie

    @K.S.

    Seh ich ganz genauso ;-)

    Übrigens, “[…]Nach den Erfahrungen von zwei Kriegen müßte Deutschland sich aus jedem Krieg heraushalten und der Anwalt von Friedensverhandlungen in allen Staaten der Welt zu sein[…]” würde ich noch Ergänzen durch “zwei Kriege” und “Menschheitsverbrechen bis dato unvorstellbaren Ausmaßes” (z.B. Auschwitz, Buchenwald, Sobibor und Treblinka als Vernichtungslager; Massenerschießungen von Zivilisten in Ost- und Südeuropa durch Wehrmacht und SS) – nur mal so am Rande erwähnt. Obwohl? Angeblich weiß ja die heutige junge Generation nicht einmal für was “Auschwitz” symbolisch steht – Gauck und Knopp wirken halt….beide sind nämlich nicht nur prominente Deutsche sondern auch Geschichtsfälscher erster Güte….

    Zynischer Gruß
    Bernie

  21. Pingback: Jacobs Woche (12.2. – 18.2.2012) | Jacob Jung Blog

  22. Und ein weiterer Afghanistan-Nazi-Vergleich: http://andreasmoser.wordpress.com/2012/02/24/bucherverbrennung-hier-und-dort/ (der natürlich wie alle historischen und die halbe Welt umspannenden Vergleiche erheblich hinkt)

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