Günter Amendt: Ein verspäteter Brief

„Zum Sozialismus gehört ein gutes Glas Wein und ein guter Joint“

(Günther Amendt bei einem Vortrag am 23.02.2011 im Frankfurter Gewerkschaftshaus Wilhelm-Leuschner-Straße)

Der Name Günter Amendt zieht sich durch mein Leben wie ein dünner und doch immer roter Faden. Keine Dekade ist vergangen, ohne dass ich ihm nicht an irgend einer Ecke, meist überraschend und unerwartet, begegnet bin. Nie persönlich aber dafür immer in Verbindung mit einer Veränderung meines Denkens, meines Fühlens und meines Handelns.

In den 1970ern hat er mich mit „Sex-Front“ heimlich aufgeklärt. In den 1980ern meine Sympathie für „Konkret“ begründet. In den 1990ern meinen Blick für die globalen Zusammenhänge der Drogenpolitik geschärft. Und in den letzten zehn Jahren meine Zuneigung für Bob Dylan neu belebt.

Immer wenn ich Günter Amendt sah, hörte oder las, dann habe ich zunächst gespürt und später gewusst, dass er aufrichtig um Aufklärung, um Wahrheit und um Gerechtigkeit gerungen hat. Ich habe seiner Integrität vertraut, mich auf seine Gedanken verlassen und mich von seinem Verstand und seiner Herzlichkeit überzeugen lassen.

Mehr als einmal habe ich darüber nachgedacht, die Einseitigkeit unseres Kontaktes zu durchbrechen. Habe angehoben ihm zu schreiben, um dann doch festzustellen, dass ich ihm nichts anderes zu sagen gehabt hätte als: Deine Gedanken haben die wichtigsten Stationen meines Lebens begleitet, meine Auffassungen und Entscheidungen geprägt, meine Zweifel zerstreut und meinen Blick für das Wesentliche geschärft.

Solche Zeilen hätten nur mein Bedürfnis, mich bei einem wichtigen Menschen zu bedanken, befriedigt und ihm selber keine Erkenntnisse gebracht. Und so blieb es beim Nachdenken darüber und bei der gedachten Möglichkeit, meinen Brief an Günter Amendt auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Als ich am 14. März diesen Jahres die BILD Überschrift „Horror-Unfall: Kiffer (38) rast 4 Menschen tot“ geflissentlich überlas, da ahnte ich noch nicht, dass diese Meldung eine Bedeutung für mein Leben haben würde. Erst später erfuhr ich, dass es Günter Amendt war, der am 12. März, gemeinsam mit seinen Freunden Sibylle und Dietmar Mues und Angela Kurrer an der Eppendorfer Landstraße stand und dort ums Leben kam.

Zu spät für ein paar persönliche Zeilen an einen Mann, den ich verehrt habe. Und doch noch rechtzeitig, um ihm meinen Dank auszusprechen.

www.guenteramendt.de

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