Dem Osten ist der Westen ein Osten

Für den Osten liegt der Westen im Osten. Verändert man den Standort, dann verändert sich damit auch der Blick auf die Welt. Dabei steht der Schurke stets auf der anderen Seite. Dessen Friedensmission wird zur Kriegserklärung. Der Kampf im Namen der Freiheit zum Fanal der Unterdrückung.

Die Achse des Bösen behält ihre Position und ändert nur ihre Richtung. Das Böse liegt dabei immer jenseits der Achse. Wer von oben schaut, der erkennt auf beiden Seiten dieselben Methoden: Gewalt, Blut und Tod.

Diesseits der Achse erscheint klug und gerecht, was jenseits der Achse niederträchtig und gemein wirkt. Des einen Kampf der Gerechtigkeit ist dem anderen ein Akt des Terrors. Und des anderen Reaktion auf den Terror ist dem einen wiederum ein Angriff gegen die Freiheit.

Wir stehen einander gegenüber und erklären uns gegenseitig zu Terroristen. Wer von oben schaut, der würde zwei Seiten erkennen, die sich gegenseitig auf kindische Weise des Terrors bezichtigen.

Möglich ist das, weil wir in diesseits und jenseits denken. Weil jemand eine Grenze definiert und sie zur Achse des Bösen erklärt hat. Entfernt man diese Grenze für einen Augenblick aus dem eigenen Denkmodell, dann stehen sich plötzlich nur noch Menschen gegenüber. Menschen auf der Suche nach Freiheit, nach Erfüllung und nach Glück.

Doch bevor sich das Bild vertiefen kann, geben wir uns wieder der vertrauten Polarisierung hin. Der Freiheitskampf des anderen wird dem einen zum niederträchtigen Anschlag. Und der gerechte Rachemord des einen wird dem anderen zur brutalen Kriegserklärung.

Du willst wissen, wer die Terroristen sind? Dann suche diesseits und jenseits nach denen, die von Grenzen sprechen.

Du willst Frieden? Dann stell Dich mitten auf die Achse und schau Dich aufmerksam um.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Außenpolitik, Politik

2 Antworten zu “Dem Osten ist der Westen ein Osten

  1. Jacob Jung: ich finde Ihren Beitrag lyrisch, will sagen, ich verstehe Ihren Standpunkt nicht, sondern lese nur: Deine Meinung – meine Meinung, wo es doch in der rauen Wirklichkeit um Interessen geht, knallharte Geschäftsintereressen.

    Mein StandPunkt: das „Terrornetzwerk“ von Osama bin Laden ist eine Erfindung der Profiteure des „Terrorismus“ http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=7794020&postcount=653 , des bürokratisch-militärischen-finanzkapitalistischen Komplexes, der die USA (und rundum) beherrscht bzw. zu beherrschen sucht. will sagen: diese Geschäftsleute, die am Krieg – sprich: Tötung und Verletzung von Menschen und Zerstörung von Infrastruktur etc. wie momentan in Libyen – verdienen (!), weil sie die Produktionsstätten der Destruktionsmittel und die Verfügung über die Finanzierung der Destruktionsmittel besitzen – und dieses Macht nicht mehr hergeben werden: „nur noch über meine Leiche!“

  2. @profiprofil

    Danke für den Kommentar.

    Ich gebe es zu: Mein Beitrag hat tatsächlich einen lyrischen Touch erhalten, was eigentlich gar nicht meine Art ist. Vielleicht liegt es daran, dass ich hier versucht habe einmal nicht auf die globale Situation und die Motive der Drahtzieher zu schauen, sondern auf die Position der einzelnen Menschen, die sich polarisiert und feindlich gegenüber stehen, ohne sich gegenseitig überhaupt zu kennen.

    Wenn Sie dagegen etwas über meinen konkreten Standpunkt erfahren wollen empfehle ich:

    https://jacobjung.wordpress.com/2011/05/06/ein-mord-ein-milliarden-coup-und-ein-verdrehtes-rechtsverstandnis/

    und

    https://jacobjung.wordpress.com/2011/05/01/riskieren-usa-krieg-mit-russland-und-china-durch-den-libyeneinsatz/

    Einen schönen Abend wünscht
    Jacob Jung

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