Mutti, Du siehst in letzter Zeit so müde aus. Abgespannt. Ich glaub, ich schreib Dir mal was auf.

22.05.2011 – Du musst Dich unbedingt ausruhen. Mal wieder einen schwäbischen Kuchen backen. Mal einfach die Seele baumeln lassen. Und Du musst aufhören, alles immer sofort zu kommentieren. So wie früher. Da hast Du manchmal wochenlang gar nichts gesagt.

Ja, ich weiß: Steffen seibert. Aber das hättest Du ja vorher wissen können.

Schau mal: Als die Amis den Osama gekillt haben, da hast Du Dich ganz doll gefreut. Da hat ja auch keiner was dagegen. Aber solche Gefühlsausbrüche muss man doch für sich behalten können. Du bist doch die Chefin der christlichen Partei. Und die Christen, die haben so eine veraltete Regel. Die sagen, dass man nicht töten soll. Klingt komisch, ist aber so.

Gut. Du hast dann so gerade eben noch die Kurve noch gekriegt. In Gedanken wärst Du bei den vielen tausend Opfern des Terroristen gewesen, als Du gesagt hast: „Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten.“ Der Steffen hat uns dann erklärt, dass man Deine Äußerungen immer im Zusammenhang verstehen muss. Da haben sich alle wieder etwas beruhigt und vor lauter Erleichterung auch nicht mehr nach dem Zusammenhang gefragt. Glück gehabt.

Die Wogen hatten sich grade wieder geglättet und schon wieder sind die Pferde mit Dir durchgegangen: Du hast den Südeuropäern gesagt, dass sie mal ein bisschen weniger Urlaub machen und ein bisschen länger arbeiten sollen. Du würdest ja gerne helfen, aber dafür auch Leistung erwarten.

Das hat wieder einigen nicht so gut gefallen. Vor allem den Südeuropäern. Die fragen sich jetzt, wie ausgerechnet die Chefin des Landes, in dem jeder Einwohner mit fast 25.000 Euro an den Staatsschulden beteiligt ist, dazu kommt, ihnen gute Ratschläge zu erteilen. Immerhin sind das fast 10.000 Euro mehr als zu Beginn Deiner Regierungszeit.

Und weil das beim Osama schon so gut geklappt hat, seid Ihr im Kanzleramt einfach wieder zurückgerudert. Du hast schnell nachgelegt, dass sich die Deutschen ja auch mehr anstrengen und weniger Urlaub machen sollen.

Jetzt müssen wir nur mal abwarten, wie Dein Volk das so findet. Manche sagen ja, dass Du die Steuermilliarden an die Banken und Lobbys verhökerst, den Euro kaputt machst, den Bürgern ihre mühsam verdienten Groschen wegnimmst und die Bedürftigen links liegen lässt.

Ich weiß ja vom Seibert, dass man das alles im großen Zusammenhang sehen muss.

Aber ob das die einfachen Leute auch verstehen werden?

5 Kommentare

Eingeordnet unter Innenpolitik, Politik

5 Antworten zu “Mutti, Du siehst in letzter Zeit so müde aus. Abgespannt. Ich glaub, ich schreib Dir mal was auf.

  1. Qué se vayan todos, muchacho!

  2. Pingback: Mittwochs beim Freitag – Jacob Jung: Kleine Presseschau (1.4) « Jacob Jung Blog

  3. „Ich glaube – und hoffe – auch, dass Politik und Wirtschaft in der Zukunft nicht mehr so wichtig sein werden wie in der Vergangenheit. Die Zeit wird kommen, wo die Mehrzahl unserer gegenwärtigen Kontroversen auf diesen Gebieten uns ebenso trivial oder bedeutungslos vorkommen werden wie die theologischen Debatten, an welche die besten Köpfe des Mittelalters ihre Kräfte verschwendeten. Politik und Wirtschaft befassen sich mit Macht und Wohlstand, und weder dem einen noch dem anderen sollte das Hauptinteresse oder gar das ausschließliche Interesse erwachsener, reifer Menschen gelten.“

    Arthur C. Clarke

    Ob Politiker oder Theologen die dümmsten Menschen der Welt sind, ist eine müßige Frage. Sicher ist, dass für beide Berufsgruppen nur solange eine Nachfrage besteht, wie das arbeitende Volk daran glaubt, die Vertreibung aus dem Paradies müsse ein einmaliges Ereignis vor langer Zeit gewesen sein.

    Herzlich Willkommen im 21. Jahrhundert:

    http://www.deweles.de/willkommen/cancel-program-genesis.html

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