DIE LINKE und der Antisemitismus: Die zweite Welle der Stigmatisierung einer Partei

27.05.2011 – Am 25.05.2011 hat sich die Linkspartei im Rahmen einer aktuellen Stunde im Bundestag auf Antrag von Union und FDP einer Debatte über angebliche antisemitische und antizionistische Positionen und Verhaltensweisen innerhalb der Partei gestellt.

Grundlage der Vorwürfe und Verdächtigungen war ein 16-seitiges Papier der Soziologen Samuel Salzborn und Sebastian Voigt, in dem der Linkspartei unter dem Titel „Antisemiten als Koalitionspartner“ unterstellt wird, sich „affirmativ zum Antisemitismus zu positionieren“.

Nach der jahrelangen Verortung der Linkspartei als Hort der ewig gestrigen, der glühenden SED-Anhänger, der Wiedererwecker der DDR und der nie enttarnten Stasi-Spitzel erlebt man zur Zeit eine zweite Welle der Stigmatisierung. Diesmal konstruieren politische Gegner und Medien einen sorgfältig bedachten Makel, der besonders intensiv wirkt, weil er mit dem Begriff der wissenschaftlichen Studie verknüpft wurde: Die Linkspartei wird des Antisemitismus bezichtigt.

Gleichzeitig mit dem Bekanntwerden des Papiers der Soziologen wurden drei Ereignisse als angebliche Belege für einen weitgreifenden Antisemitismus in der Linkspartei angeführt:

  1. Das Auftauchen eines Links auf den Internetseiten des Ortsverbands der LINKEN in Duisburg zu einem antisemitischen und antizionistischen Flugblatt aus der rechten Szene.
  2. Die Enthaltung der Linksfraktion im Bundestag zu einem Beschluss vom November 2010, in dem die Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Schalit gefordert wurde.
  3. Die Teilnahme der beiden Abgeordneten Annette Groth und Inge Höger an der Free-Gaza Aktion im Mai 2010

Diese Ereignisse eignen sich weder zum Beleg für Antisemitismus noch betreffen sie die Linkspartei als Ganzes:

  1. Es lässt sich nicht feststellen, wer den Link zu dem betreffenden Flugblatt auf die Seite der Linkspartei Duisburg gesetzt hat. Da zahlreiche Personen Zugang zu dem Server hatten, ist der Link nicht mehr als die peinliche Folge eines technischen Versäumnisses und sagt ebenso wenig über die politischen Grundsätze der Linkspartei im Ganzen wie über die des Ortsverbands Duisburg aus.
  2. Die Linksfraktion im Bundestag hatte den Beschluss zur Freilassung von Gilad Schalit noch vor dem fast gleichlautenden Beschluss der anderen Parteien gestellt. Die Union lehnte es allerdings ab, gemeinsam mit den LINKEN einen Antrag einzubringen, formulierte die Vorlage um und entfernte hierzu einen Passus, der eine Freilassung des Soldaten zum Zeichen erklärte, dass auch palästinensische politische Gefangene freigelassen werden sollen.
  3. Die Teilnahme von Groth und Höger an der Free-Gaza Aktion wurde in der Linkspartei kontrovers diskutiert. Kritik kam auf, weil unterstellt wurde, dass die türkischen Initiatoren der Hilfsaktion radikal islamistischen und pro-faschistischen Organisationen nahe stehen würden. In einem offenen Brief an Pau machten Groth und Höger deutlich, dass sie keine antisemitische Ziele verfolgen. Die UNO hat nach der Free-Gaza Aktion das militärische Eingreifen der israelischen Marine verurteilt, die Aufhebung der Gaza Blockade gefordert und eine unabhängige, transparente Untersuchung angekündigt.

Dem Dämon DDR fehlt es zunehmend an Wirkung

Die Linkspartei wird seit ihrer Gründung fast ausschließlich über ihre angebliche Nähe zu DDR, SED und Stasi definiert. Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den politischen Zielen der Partei findet in der Öffentlichkeit kaum statt.

Die Dämonisierung führt dazu, dass die konkreten Standpunkte und Konzepte immer im Hintergrund bleiben, obwohl sie für sich genommen in der Bevölkerung einen großen Rückhalt erfahren könnten. Den Kapitalismus und seine Folgen zu kritisieren ist längst nicht mehr den Linken vorbehalten. Mehr Sozialstaatlichkeit und eine bessere Kontrolle von Banken und Konzernen zu fordern, ist gesellschaftlich opportun. Den Argumenten für die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns verschließen sich immer weniger Menschen. Die militärische Rolle der Bundeswehr in Afghanistan wird von weiten Teilen der Bevölkerung kritisch betrachtet und der gesellschaftliche Konsens über einen raschen Atomausstieg ist längst getroffen.

Nach mehr als 20 Jahren gesamtdeutscher Geschichte verfängt der Vorwurf der angeblichen DDR-, SED- und Stasi-Nähe immer weniger. Damit sich die Linkspartei dennoch nicht zu einer politischen Gefahr für die bürgerlichen Parteien entwickelt, wird in der Öffentlichkeit eine neue und vermeintlich haltbarere Stigmatisierung installiert: DIE LINKE als politische Heimat für Antisemiten und Antizionisten.

Die gezielte Verknüpfung von Antisemitismus und Linkspartei

Der Vorwurf des angeblichen Antisemitismus eignet sich zur Diskreditierung der Linkspartei wie kein anderer. Der Umgang mit dem Thema ist vor dem Hintergrund der deutschen NS-Zeit ohnehin schwierig. Zudem kritisiert die Linkspartei in ihren programmatischen Standpunkten die israelische Politik und fordert eine gleichberechtigte Zweistaatenlösung. Aussichtsreicher Anlass genug, aus vereinzelten Ereignissen und Äußerungen einen Vorwurf zu konstruieren, auf den man kaum entlastend reagieren kann.

Ein als Untersuchung ausgegebenes Positionspapier, das wohl nur die wenigsten an der Diskussion Beteiligten überhaupt gelesen haben, bietet den wissenschaftlichen Unterbau der Beschuldigungen. Allerdings handelt es sich hier nicht um eine eine Studie im wissenschaftlichen Sinne sondern vielmehr um ein bislang nicht vollständig veröffentlichtes Thesenpapier.

Die Bezeichnung des Papiers als „Untersuchung“ erweckt dabei den Eindruck, als seien  empirische Verfahren angewandt worden, um ein inhaltliches Phänomen innerhalb der Linkspartei zu analysieren und nachzuweisen. Dies trifft nicht zu. Stattdessen äußern die Autoren in der Schrift überwiegend ihre eigene politische Meinung und fügen Versatzstücke aus mehr als 150 Jahren deutscher und europäischer Geschichte zu einem Gesamtbild zusammen, wonach die Linkspartei den Antisemitismus in den eigenen Reihen pflegt und kultiviert und somit als potenzieller Koalitionspartner für andere deutsche Parteien zwangsläufig ausfallen muss.

Als Belege für diese These dienen einerseits Auszüge aus Schriften von Marx und Kautsky sowie eine kurze Abhandlung über den linken Antisemitismus in Ost- und Westdeutschland nach dem zweiten Weltkrieg und andererseits eine ausführliche Betrachtung der Beteiligung von Annette Groth und Inge Höger an der Free-Gaza Aktion sowie der Reaktion der Linkspartei hierauf.

Die insgesamt 16-seitige Schrift beschränkt sich im Übrigen auf die Wiederholung des Vorwurfs des Antisemitismus und mündet in dem Resümee, dass Bundestagsabgeordnete der Linkspartei einen antizionistischen Antisemitismus immer offensiver äußern würden und dass DIE LINKE deshalb kein Koalitionspartner sein dürfe.

Alban Werner, Redakteur der philosophischen und sozialwissenschaftlichen Zeitschrift Das Argument über das Papier: „Die „Studie“ von Samuel Salzborn und Sebastian Voigt taugt nicht als seriöses sozialwissenschaftliches Material, aber die Verwendung als politisches Kampfinstrument ist ihr sicher“ und rezensiert die Schrift umfangreich in einem eigenen Beitrag.

Ergänzt um ein antisemitisches Flugblatt, um einen Bundestagsbeschluss mit linker Enthaltung und um die Teilnahme von zwei Abgeordneten an einer umstrittenen Hilfsaktion für die Palästinenser im Gaza-Streifen entsteht initiiert von Politikern und unterstützt von den Medien in der Öffentlichkeit ein explosives Gemisch, das innerhalb von kürzester Zeit die Begriffe Antisemitismus und Linkspartei beinahe untrennbar miteinander verschweißt hat.

Für die Linkspartei ist es jetzt fast unmöglich, angemessen auf die Vorwürfe zu reagieren. Jede Äußerung zum Thema verstärkt nur die von Parteien und Medien forcierte Kopplung der Begriffe Antisemitismus und Linkspartei.

Umso bemerkenswerter ist es, dass Luc Jochimsen die ablehnende Position der Linkspartei zu Antisemitismus und Antizionismus im Rahmen der aktuellen Stunde im Bundestag klar und deutlich umrissen und die Vorwürfe als absurd und unhaltbar zurückgewiesen hat. In ihrer Rede hat sie exakt das geliefert, was den Anschuldigungen aus den Reihen der gegnerischen Parteien und parteiischen Medien fehlt: Belege, Beweise und Fakten.

Die Linkspartei wird mit dem konstruierten Vorwurf des Antisemitismus vorsätzlich und wider besserem Wissen öffentlich diskreditiert und demontiert. Dabei spielt der tatsächliche Inhalt der auslösenden „Studie“ ebenso wenig eine Rolle, wie die mangelnde Haltbarkeit der angeführten Ereignisse, die den angeblichen Antisemitismus belegen sollen.

Cui bono – Wer ist der Nutznießer einer Stigmatisierung der Linkspartei?

Interessant ist, dass weder die Redner in der aktuellen Stunde noch die Verfasser der Schrift „Antisemiten als Koalitionspartner“ der Linkspartei einen tatsächlichen, programmatischen Antisemitismus vorwerfen. Stattdessen zielen die Äußerungen auf den Vorwurf, dass man in der Partei versuche, antisemitische Wählerschichten für sich einzunehmen und es hierzu versäume, deutlich Position zu beziehen.

Es sei dahingestellt, welchen stilistischen Wert die Bezichtigungen der Klientelpolitik hat, wenn Sie von Vertretern der SPD, der CDU oder der FDP erhoben wird. Die Sozialdemokraten haben mit der Causa Sarrazin und der anschließenden Entscheidung für eine Migrantenquote im SPD-Vorstand gerade einen programmatischen Spagat um die Wählergunst ohne Beispiel vorgeführt. Die Union zeigt mit ihrem Wechselkurs in Sachen Atompolitik ein vergleichbares Potenzial. Zur Beurteilung der FDP bedarf es keiner Einzelbeispiele, da hier die gesamte Ausrichtung auf die Interessen einzelner, kleiner Gruppen beschränkt ist.

Die Antisemitismus Debatte eignet sich für DIE LINKE nicht zur Wählergewinnung. Kein überzeugter Antisemit zieht ernsthaft in Erwägung, die Linkspartei zu wählen. Schon gar nicht, nachdem sich alle bekannten Vertreter der Partei und ihr Vorstand in aller Deutlichkeit von jeder Nähe zu antisemitischen Standpunkten distanziert haben. Unter den bisherigen Wählern kann die aktuelle Debatte dagegen durchaus zu Irritationen und somit zu Stimmenverlusten führen. Eine solche Kampagne wäre das Zeichen einer ausgeprägten politischen Dummheit.

Zur parallelen Abbildung offensichtlich konträrer Grundsätze unter dem Dach von nur einer Partei sind prominente Politiker nötig, die sich dem umstrittenen Standpunkt anschließen. Im Fall SPD und Sarrazin wurde diese Rolle unter anderem von Klaus von Dohnanyi eingenommen. Es gibt keinen öffentlich wahrnehmbaren Vertreter der Linkspartei, der innerhalb der Debatte eine antisemitische Position eingenommen hat.

Der Linkspartei nutzt die unterstellte Nähe zum Antisemitismus also nicht. Rückschlüsse auf die tatsächlichen Nutznießer erlaubt allerdings der Titel des Papiers der beiden Soziologen: „Antisemiten als Koalitionspartner“.

Das Papier verfolgt das Ziel, die Linkspartei als möglichen Koalitionspartner künftiger Landes- und Bundesregierungen unmöglich zu machen. Den hauptsächlichen Nutzen aus der Kampagne ziehen also die Parteien, die ohnehin nicht als Koalitionäre in Frage kommen: Union und FDP.

Beide Parteien sehen in einer starken LINKEN eine erhebliche Bedrohung für den Fortbestand ihrer künftigen Regierungsfähigkeit. Mögliche Koalitionen aus SPD, Grünen und der Linkspartei würden das endgültige Aus für jegliche schwarz-gelbe Regierungsoption in der Zukunft bedeuten.

SPD und Grüne schließen sich an dieser Stelle gerne an, denn auch ihren machtpolitischen Zielen kommt eine möglichst schwache LINKE stark entgegen.

Die etablierten Parteien agieren vereint gegen den politischen Gegner von links

Die Antisemitismus-Kampagne ist ein weiteres Kapitel in der Geschichte der Unmöglichmachung einer Partei, deren inhaltliche Grundsätze das Potenzial zu weitreichenden politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen in Deutschland haben.

So wie auch die Grünen im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens von den damals etablierten Parteien als ideologisierte Spinner, regierungsunfähige Fantasten und wirklichkeitsfremde Wirrköpfe diffamiert und delegitimiert wurden, ergeht es seit ihrer Gründung auch der Linkspartei.

Allerdings zeigt die größere und brutalere Entschiedenheit mit der hierbei vorgegangen wird, die durch die fortgesetzte Beobachtung durch den Verfassungsschutz öffentlich suggerierte Gefährlichkeit der Partei und die Einbeziehung der kompletten Medienmaschinerie durch die politischen Gegner der LINKEN, wie stark sich die etablierten Parteien angesichts der stärker werden Präsenz der Linkspartei bedroht fühlen.

Führt man sich vor Augen, dass es der Linkspartei bei der Bundestagswahl 2009 mehr oder weniger aus dem Stand und trotz einer massiven Diskreditierung in der Öffentlichkeit gelungen ist, einen Stimmenanteil von 11,9 Prozent auf sich zu vereinen, dann wird die Furcht der Etablierten zumindest verständlich.

Einer politischen Kraft, die so konsequent für die Interessen der Mehrheit der Menschen eintritt wie die Linkspartei, wird der Vormarsch in die Regierungsverantwortung nicht verwährt bleiben, wenn es ihr gelingt, die Stigmatisierung, der sie durch Politik und Medien ausgesetzt ist, abzuwerfen.

Die angebliche Nähe zu DDR und SED kann heute in großen Teilen der Gesellschaft nicht mehr verfangen. Jetzt gilt es den unhaltbaren Vorwurf des Antisemitismus auszuräumen. DIE LINKE ist in dieser vermeintlich schwachen Position geübt und bestens dafür gerüstet, der Diskreditierung und Diffamierung aufklärend, sachlich und bestimmt entgegen zu treten.

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13 Kommentare

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13 Antworten zu “DIE LINKE und der Antisemitismus: Die zweite Welle der Stigmatisierung einer Partei

  1. Chapeau, Jacob Jung: auch dieser Beitrag ist ein brillanter Ausweis Deines strategisch-denken-koennen.de, und ich werde mich in meinem nächsten Essay zum Thema „publizistische – sprich: psychologische – Kriegsführung“ darauf beziehen.

    Wie es jeder weiß, der am Thema „Profiteure des Antisemitismusvorwurf“ wirklich interessiert ist, bekämpfe ich seit mehr als zwei Jahren die Instrumentalisierung des Holocausts durch Fight-For-Israel-Kämpfer – und dies anscheinend mit einer Kompetenz, die mir bis heute an dieser Front die Strafe der Nicht-Beachtung meiner Erkenntnisse und deren Begründungen eingebracht hat: http://profiprofil.wordpress.com/tag/antisemitismus/ .

    Das aber wird sich ändern, denn mit unserer – leider stehen wir da noch ziemlich allein auf weiter Flur – wissenschaftlichen Enttabuisierung des perfiden Umgangs mit den Vorwürfen „Antisemitismus“ und „Anti-Zionismus“ werden auch die Ängste vor der Einmischung in das heikelste deutsche Thema geringer werden. Prognose: Du wirst erleben, dass von den hier angesprochenen FFI-Leuten sich auch hier niemand kritisch äußern wird, weil sie dazu nicht imstande sind.

    Dein Beitrag eröffnet den Kräften in Deutschland und (!) in Israel, die momentan noch mit der Antisemitismuskeule – wie sie hier wieder mal wieder gegen die Linkspartei geschwungen wird – am wirklich-denken-koennen.de gehindert werden sollen, die Perspektive der Aufklärung, ohne die es im Nahen Osten – und damit weltweit! – keinen wirklichen Frieden geben kann, weil dieser ohne die bedingungslose Abrüstung nicht gestaltbar und finanzierbar ist: http://forum.spiegel.de/showpost.php?p=7890869&postcount=149

    Meine Prognose: aus diesen Gründen werden auch die G-8-Versprechungen bezüglich Finanzierung der „Demokratiebewegungen“ in Nordafrika nicht eingehalten werden!

  2. ForenBoy

    danke für diesen Beleg, dass Du doch ein LINKEN-Aktivist bist, was Du ja in der Freitags Community immer abgestritten hast.

    Subtil ist nicht die zutreffende Behauptung, DIE LINKE sei in ihrer Ganzheit antisemitisch, sondern Dein Versuch, die schlagenden Beweise klein zu reden, da muss ich Dir ein uneingeschränktes Lob aussprechen, das hast Du drauf.
    Aber vielleicht war es ja auch nur eine falsche Wortwahl.

    Aber die Altlasten aus der unter gegangenen DDR, bestehend aus SED, PDS, NDPD und Stasi klein zu reden, und zu behaupten, diese Argumente zögen nicht mehr so richtig in der Bevölkerung,und die These aufzustellen: „Damit entwickelt sich die Linkspartei zunehmend zu einer Gefahr für die Regierungsoptionen der etablierten Parteien“, ist ja wohl das unglaubwürdigste des ganzen Artikels, oder wolltest Du nur einen Witz machen?

    Die Partei DIE LINKE besteht doch zu weit mehr als 50% aus Wählern und Mitgliedern, die eher dem rechten Lager zugeordnet werden müssen, da bleibt Antisemitismus nicht aus.

    Und, die Partei DIE LINKE lässt doch mit ihren Führungskräften kein Fettnäpfchen aus, sich zu blamieren und in ein zwielichtiges Licht zu stellen, da kommt der Niedergang ganz von alleine.

    Eine echte linke Partei gibt es in Deutschland (leider) nicht. Da wo DIE LINKE drauf steht, ist wenig LINKS drin, man nennt so etwas auch Mogelpackung.

    Die einzige Chance, die der LINKEN bleibt, ist die Trennung von all den „Anhängern“, die nur wegen der utopischen HARTZ-Versprechungen (sprich noch mehr Geld fürs Nichtstun, auch Bedingungsloses Grundeinkommen genannt)sowie den Altlasten aus der „Ostzone“ (denn demokratisch war der Osten der Republik ja nie), und einen Neuanfang wagt.

    Da jetzt viele ehemalige GRÜNE und SPD-Wähler beginnen, die Partei DIE LINKE wieder zu verlassen, weil sie die utopischen Ideologien und Peinlichkeiten nicht mittragen wollen, bleibt nicht mehr viel Zeit.

    Danach könnte es vielleicht auch gelingen, ein akzeptables Grundsatzprogramm vorzulegen, welches nicht mehr bis zur Unkenntlichkeit verwässert ist, wie der aktuelle Entwurf.

    So jedenfalls wird das nichts mit DER LINKEN, und das ist auch gut so.

    • @ForenBoy: auch wenn ich Ihren Besinnungsaufsatz zwei Mal studiere, so werde ich aus seiner Intention nicht klug: WOZU haben Sie jetzt diese Zeilen abgesondert?! Um Jacob Jung eine rein zu semmeln, aus welchen persönlichen Gründen auch immer: dafür gibt es eMail!

      Um mit Pauschalurteilen und Arrogantien in Wessi-Manier eine Partei zu delegitimieren, die sich erkennbar im Aufbau befindet?! Oder verstehen Sie Ihre süffisanten Auslassungen als Kritik? Da lägen Sie aber „sowatt von daneben“, ist doch Kritik immer als wohlwollender Ansatz zu verstehen gewesen, einen Widerspruch zu verstehen bzw. (sich) verständlich zu machen – so, wie ich mit Ihnen umgehe.

      Interpretiere ich Ihren Standpunkt mit „links von der Linspartei“ richtig, oder haben Sie Ihr Bedauern über das Fehlen einer „echten linken Partei“ auch einfach nur so hingeschrieben?

      Dann würde ich mich aber über einen konstruktiven Beitrage – und Kritik ist immer „konstruktive Kritik“ sehr freuen, interessiert es mich doch sehr, was Sie als die essentials eines „akzptablen“ Grundsatzprogramms skizzieren würden: ich höre von Ihnen?

      • ForenBoy

        @ProfiProfil,

        mir genügt es schon, wenn JJ versteht, was ich sagen wollte, aber mache mir doch bitte nicht das zum Vorwurf, wozu DIE LINKE nicht imstande ist, nämlich sich politisch klar zu positionieren.

        Dieses Rumgeeiere seit Jahren in Sachen Grundsatzprogramm, das seit der ersten von LaFontaine und Wagenknecht geprägten Fassung von Diskussion und Abstimmung zur nächsten immer weiter verwässert wurde, umformuliert in Richtung schwammig und interpretationsfähig, beliebig und opportunistisch.
        Was kann ich dafür, dass diese Partei ihre heeren Ziele langsam aber sicher aus den Augen verloren hat?

        Die Haltung zur UNO und den (militärischen) Einsätzen der Bundeswehr, die roten Haltelinien, also die Bedingungen für eine Regierungsbeteiligung, „dem Stalinismus als System“, der Öffentliche Beschäftigungssektor, Religion und Kirche sowie Rechtsextremismus sollen nur ein paar Stichworte sein, die in dem vorgelegten Entwurf bis zur Beliebigkeit weiter „aufgebohrt“ wurden.
        Ganz zu schweigen von der „Weltuntergangs-Präambel“, die man erst gar nicht angefasst hat, da sonst wohl keine Mehrheit für eine Verabschiedung zustande gekommen wäre.
        13 Nein/Stimmenthaltungen von 44 sind ja auch so schon eine klare Kante.

        Es ist abzusehen, dass in den nächsten Sitzungen und Beratungen diese Verwässerung immer weiter geht, und dass am Ende des Jahres (wer es glaubt) ein Grundsatzprogramm heraus kommt, das auch von anderen Parteien getragen werden könnte.

        Wer seine Grundsätze aufgibt, gibt sich selbst auf, und da ist DIE LINKE besonders eifrig dabei.

        http://j.mp/iLC623 Entwurf
        http://j.mp/iPUqnh „akzeptabler“Entwurf 🙂
        http://j.mp/kxL9hs „erhebliche Nachbesserungen“

        Raju Sharma sagt es so:
        Über lange Zeit war die Programmdebatte in der LINKEN von dem Versuch gekennzeichnet, „programmatische Anschläge“ auf den ersten („offiziellen“) Entwurf abzuwehren.
        Nachdem dies aufgrund der massiven Kritik und zahlreichen Änderungsvorschlägen nicht mehr möglich war, hat die Redaktionskommission einen Vorschlag vorgelegt, der sichtlich von dem Bemühen getragen war, durch Kompromissformulierungen einen weitgehenden Konsens zu ermöglichen.
        Zum Teil gab es jedoch für diese Kompromisse von vornherein zu wenig substanzielle Übereinstimmung; zum Teil wurden erzielte Kompromisse aber auch von einer Mehrheit im Parteivorstand wieder aufgekündigt. So ist dieser Programmentwurf für mich nicht zustimmungsfähig.
        Ich habe dagegen gestimmt. http://j.mp/lvuSUx

        Und Halina Wawzyniak hier: http://j.mp/j6dQNi

        Das Problem mit den „roten Haltelinien“ , die von den einen manifestiert, und den anderen völlig abgeschafft werden sollen, kann man doch nicht damit lösen, dass man sie aus Gummi anfertigt.

        Aus Gummi wird wohl das ganze „Programm“ am Ende per Mitgliederentscheid zum Ende des Jahres 2011 (ich gehe eher von Mitte 2012 aus) „gestrickt“ sein.

  3. olsson

    Sehr schöner Artikel, den Nagel auf den Kopf getroffen!

    Der Antisemitismusvorwurf ist heutzutage Herrschaftsinstrument und universell anwendbar, wo antikapitalistische Kritik erscheint. Doch immer mehr blicken durch: Um Juden geht es schon längst nicht mehr, nur noch um Diffamierung, Kleinhalten und Dreck-ans-Bein-Binden. Eine Linke muss sich davon nicht eingeschüchtert fühlen.

  4. Pingback: Henryk M. Broder verrät in der WELT die Stoßrichtung der Antisemitismus-Kampagne gegen die Linkspartei « Jacob Jung Blog

  5. @ForenBoy: ich danke Ihnen für Ihre Stellungnahme, die mich sehr gut über Ihren Standpunkt informiert hat, über den ich mich in den nächsten Tagen noch schlau machen werde.

  6. UJN

    Lieber Jacob, danke für diesen Text, als Nachtrag möchte ich hier – sofern das technisch klappt – noch ein Video posten.
    Ein überaus erhellendes Interview zur kategorialen Unterscheidung der Begriffe Antisemitismus, Antizionismus und Israel-Kritik, die alle drei von interessierten Kreisen in der LINKEN unter dem Totschlagargument „Das ist Antisemitismus!“ zusammengefasst und benutzt werden, hat Moshe Zuckermann der österreichischen Journalistin Teresa Arrieta gegeben:

  7. UJN

    Mit dem „Einbetten des Videos“ scheint es nicht so recht zu funktionieren, daher direkt den Link zu youtube: http://youtu.be/-pj9Fx2mV_E

  8. Daß es um eine Kampagne gegen die Linkspartei geht, war jetzt nicht soo schwer festzustellen.
    Es geht aber doch auch – und das fehlt im Artikel leider völlig! – um eine Kampagne gegen jede ernsthafte Kritik am Apartheidstaat Israel. Und da ist die Partei leider voll in die Falle gerannt. Was soll es, daß Frau Jochimsen und sogar Sahra Wagenknecht sich von Boykottaufrufen distanzieren. Soll ich mich jetzt auch schämen, damals keine Äpfel aus Südafrika gekauft zu haben? Und daß ihr dieses ominöse „Existenzrecht“ unterstützt, das kein anderer Staat der Welt beansprucht und das laut Netanjahu inzwischen das Recht eines „Jüdischen Staates“ sein soll, was immer er damit meinen mag.
    In diesem zweiten Punkt ist die Kampagne leider absolut erfolgreich. Nur wird sich Niemand bei den „Linken“ für deren Gefügigkeit bedanken.
    Ich meine, als Linker muß man gegen Rassismus in jeder Form sein, ob er nun als Antisemitismus oder als Zionismus und Muslimfeindlichkeit daherkommt.

  9. Pingback: Linkspartei für Dummies: DIE LINKE als Alternative im deutschen Parteienspektrum. « Jacob Jung Blog

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