Henryk M. Broder verrät in der WELT die Stoßrichtung der Antisemitismus-Kampagne gegen die Linkspartei

28.05.2011 – Die aktuelle Kampagne gegen DIE LINKE bezichtigt die Partei des Antisemitismus und flankiert damit die zweite Welle der Stigmatisierung. In die allgemeinen Mutmaßungen über den angeblichen Antisemitismus in der Linkspartei stimmt erwartungsgemäß auch Henry M. Broder für die WELT ein und unterstellt ihr zusätzlich Größenwahn. Der hauptamtliche Beleidiger des Springer Konzerns begründet dies damit, dass die DIE LINKE nicht mal in der Lage ist, den Mindestlohn durchzusetzen, aber den Nahostkonflikt lösen will.

Für Broder ist das schlimmer als Antisemitismus. Und er verrät damit selbstgefällig die tatsächliche Stoßrichtung der Kampagne.


Die zweite Welle der Stigmatisierung: Antisemitismus in der Linkspartei

Seit ihrer Gründung wurde die Linkspartei als Hort der ewig Gestrigen, der DDR- und SED-Anhänger und der Stasi-Spitzel diffamiert. Nach mehr als 20 Jahren gesamtdeutscher Geschichte verfängt dieser Vorwurf immer weniger. Zunehmend wird die Linkspartei jetzt an ihren politischen Grundsätzen und Zielen gemessen. Da sich diese vehement für die Interessen der Mehrheit der Gesellschaft einsetzen, wird DIE LINKE für die etablierten Parteien zunehmend zur Gefahr. Mit dem Antisemitismus-Vorwurf will man dem wachsenden Einfluss der Partei entgegen wirken.

Ihren vorläufigen Höhepunkt nahm die Kampagne in einer aktuellen Stunde im deutschen Bundestag am 25.05.2011. Beantragt von Union und FDP sollte hier über antisemitische Positionen und Verhaltensweisen in der Linkspartei gesprochen werden. Aufgrund ihrer Fraktionsgröße stand ihr dabei nur ein Redebeitrag zu. Für DIE LINKE sprach Luc Jochimsen.

In seinem Artikel für die WELT, erschienen am 29.05.2011, „entlarvt“ Henryk M. Broder unter dem Titel „Die Linke ist antisemitisch – und größenwahnsinnig“ den Redebeitrag von Jochimsen als rhetorisch trickreich, unterstellt ihr Irreführung und befeuert die Debatte um den Antisemitismus in der Linkspartei mit eigenen Theorien, Herleitungen und Behauptungen.

Gilad Schalit – zwei Anträge im Bundestag und eine irreführende Darstellung

In ihrer Rede wies Luc Jochimsen den Vorwurf zurück, die Linkspartei habe sich durch die Ablehnung eines Bundestagsbeschluss zur Freilassung des israelischen Soldaten Schalit antizionistisch gezeigt. Für Broder ist ihre Darstellung irreführend und mit rhetorischen Tricks verbunden: „In Wahrheit hatten Union, FDP, SPD und Grüne im November 2010 in einem Antrag die Freilassung Schalits gefordert“.

Broders Einschätzung triff nicht zu. Tatsächlich hatte sich im November 2010 im Bundestag Folgendes ereignet: Zwei Beschlüsse kamen hier zur Abstimmung. In beiden wurde die Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Schalit gefordert, der seit seiner Entführung durch Palästinenser an einem unbekannten Ort im Gaza-Streifen gefangen gehalten wird.

Die erste Beschlussvorlage wurde von der Linkspartei eingebracht, die zweite, fast gleichlautende, von der Union. Einziger Unterschied der Anträge: Die Linkspartei wollte gleichzeitig mit der Forderung nach der Freilassung des Soldaten ein humanitäres Zeichen für die Freilassung palästinensischer politischer Häftlinge setzen. Die Union lehnte es allerdings aus Prinzip ab, einen Antrag der Linkspartei zu unterstützen und entwarf kurzerhand eine eigene Beschlussvorlage.

Insofern trifft die Aussage von Jochimsen zu, wonach es DIE LINKE war, die den Antrag überhaupt erst eingebracht hat.

Broders Aspekte: Existenzrecht, Krebsgeschwür und Größenwahn

Die drei kleinen Zwischenüberschriften des Broder Artikels fassen seine Argumentation zusammen: „Existenzrecht für Israel“, „Israel ein Krebsgeschwür“ und „Größenwahn schlimmer als Antisemitismus“.

Existenzrecht für Israel

Broder behauptet in diesem Abschnitt, die Linkspartei würde das Existenzrecht Israels faktisch in Abrede stellen. Er begründet seine Behauptung mit einem Beschluss der Partei vom 20. April 2010, in dem unter anderem eine Einbeziehung der Hamas in den Nahost-Friedensprozess gefordert wird.

Der Beschluss selber wird von Broder weder zitiert noch verlinkt und das aus gutem Grund. In den hier aufgestellten Forderungen heißt es nämlich unter anderem: „Die Fraktion DIE LINKE fordert die Bundesregierung nachdrücklich auf, bei der Verhandlung mit der Hamas sich dafür einzusetzen, dass aus ihrer Charta die Punkte gestrichen werden, die das Existenzrecht Israels bestreiten bzw. in Zweifel ziehen“.

Ferner fordert die Linkspartei hier: „das sofortige Ende des palästinensischen Raketenbeschusses auf israelisches Territorium und der israelischen militärischen Angriffe auf palästinensisches Gebiet“ und setzt sich bereits zum damaligen Zeitpunkt für die Freilassung von Gilad Schalit ein.

[Quelle: AG Friedensforschung]

Beschränkt man die Forderungen der Linkspartei, so wie Broder es tut,  auf die Einbeziehung der Hamas in die politischen Verhandlungen, so soll dadurch der Eindruck entstehen, man streite Israel sein Existenzrecht ab. Betrachtet man dagegen die vollständige Position der Linkspartei, dann wird klar, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

Israel ein „Krebsgeschwür“

Im nächsten Abschnitt zitiert Broder den iranischen Staatspräsidenten Ahmadinedschad: „Israel ist ein Krebsgeschwür, das aus der Region verschwinden muss“.

Der einzige genannte Zusammenhang zur Linkspartei: Broder führt an, dass DIE LINKE das natürlich nicht sagt. So bleibt er zwar den Zusammenhang schuldig, gewinnt aber eine Überschrift und sechs Textzeilen, die zumindest beim Überfliegen, hierbei dürfte es sich um die bevorzugte Konsumform des passionierten WELT-Lesers handeln, den Eindruck erwecken, dass die Linkspartei in Verbindung mit Israel von einem Krebsgeschwür spräche.

Zusammenhanglos und ohne Beleg führt er anschließend aus, dass die Linkspartei „Initiativen“ unterstützen würde, deren Ziel die „Einstaatenlösung“ und somit das „Ende Israels“ sei. Welche Initiativen hiermit gemeint sind und in welcher Form diese von der Linkspartei unterstützt werden sagt Broder nicht. Auch hier genügt es ihm, den unerklärten Begriff der „Einstaatenlösung“ mit der Linkspartei in Zusammenhang zu bringen.

Größenwahn schlimmer als Antisemitismus

Unter der dritten und letzten Teilüberschrift unterstellt Broder der Linkspartei in Hamburg, sie würde eine Einstaatenlösung für Palästina fordern. Als Beleg wird hierzu auf eine Diskussionsveranstaltung hingewiesen, zu der das Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung e.V. für den 02. Juni 2011 eingeladen hat.

In der offiziellen Einladung ist die Hamburger LINKE als Unterstützer der Veranstaltung aufgeführt. Die in diesem Zusammenhang zu diskutierende „Einstaatenlösung“ sieht die Errichtung eines demokratischen, säkularen Staates vor, in dem Juden, Araber und alle anderen Bevölkerungsgruppen die Staatsbürgerschaft und dieselben Rechte und Pflichten haben. Sie steht in deutlichem Gegensatz zu der Forderung nach einem Palästinenserstaat im gesamten historischen Palästina und wurde in der Vergangenheit beispielsweise von Albert Einstein unterstützt.

Die Hamburger Linkspartei wird auf der Einladung als Unterstützer der Veranstaltung und nicht als Unterstützer einer dort, neben anderen, vertretenen Positionen genannt. Es handelt sich um eine Veranstaltung, in deren Rahmen über mögliche Lösungen des Nahost-Konflikts diskutiert werden soll und nicht um die Kundgebung einer bestimmten politischen Richtung.

Broder spielt hier mit einer absichtlichen Ungenauigkeit und setzt darauf, dass seine Leser nur unzureichend mit den unterschiedlichen Lösungsansätzen für die Region vertraut sind. So gelingt es ihm ein weiteres Mal, die Linkspartei in einen antizionistischen Zusammenhang zu stellen, ohne hierfür auch nur den mindesten Anhaltspunkt, geschweige denn einen Beleg anzuführen.

Im letzten Abschnitt seines Artikels macht sich Henryk M. Broder darüber lustig, dass DIE LINKE „daheim nicht mal in der Lage ist, den Mindestlohn durchzusetzen“, dennoch aber den „Nahostkonflikt lösen“ will und endet mit der Feststellung, dass Größenwahn schlimmer als Antisemitismus ist.

Broder verrät die Stoßrichtung der Antisemitismus-Kampagne

Auf den ersten Blick hat der Mindestlohn mit dem Antisemitismus-Vorwurf gegen DIE LINKE nicht mehr zu tun, als dass er Broder zu seinem Aufmacher, dem angeblichen Größenwahn der Linkspartei, verhilft.

Eine zweite Betrachtung eröffnet allerdings den Blick auf die Stoßrichtung der Antisemitismus-Kampagne: An der Forderung der Linkspartei nach einem flächendeckenden Mindestlohn lässt sich das gesellschaftliche Potenzial der Partei erkennen. Aus der Sicht der arbeitenden Bevölkerung lässt sich kein Einwand gegen die Forderung, gleiche Arbeit mit gleichem Lohn zu bezahlen, vorbringen. Die etablierten Parteien verweisen bislang nur auf bereits bestehende Tarifverträge und die angeblich negativen Auswirkungen eines Mindestlohnes auf die Wirtschaft.

Immer mehr Menschen begreifen allerdings, dass es sich hierbei um eine Schutzbehauptung im Dienste von Unternehmen, Konzernen, Investoren und Aktionären handelt, die in erheblichem Maße von Billiglöhnen und prekären Arbeitsverhältnissen profitieren.

Wenn das Thema Lohngerechtigkeit in künftigen Wahlkämpfen an Bedeutung gewinnt, dann kann die Linkspartei als einzige politische Kraft in Deutschland auf ihre diesbezüglichen Grundsätze verweisen und damit einen erheblichen Stimmenzuwachs generieren. Eine starke Linke ist quer durch alle politischen Lager eine Horrorvorstellung für die etablierten Parteien. Die konstruierte Antisemitismus-Kampagne kommt den Vertretern der Union, der FDP, der SPD und den Grünen somit grade recht und Broder plaudert in seinem WELT Artikel selbstgefällig den tatsächlichen Hintergrund der unhaltbaren Verleumdung aus.

Mehr zum Thema: DIE LINKE und der Antisemitismus: Die zweite Welle der Stigmatisierung einer Partei

11 Kommentare

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11 Antworten zu “Henryk M. Broder verrät in der WELT die Stoßrichtung der Antisemitismus-Kampagne gegen die Linkspartei

  1. Pingback: DIE LINKE und der Antisemitismus: Die zweite Welle der Stigmatisierung einer Partei « Jacob Jung Blog

    • bert bricht

      Broder und Konsorten sind verbale Gewalttäter, die die eigene Aggression mit dem Holocaust rechtfertigen. Das wird im Umfeld dieses Blogs vielfach wissenschaftlich fundiert und journalistisch sauber zum Ausdruck gebracht. Aber fällt Ihnen etwas auf? Ohne uns solcher Menschen politisch zu entledigen,wird es niemals Frieden geben in der Welt. Mein Ansatz: Machen Sie es alle wie ich! Ich nehme jeden Menschen an als das was er ist: ein Mensch mit psychologischer Disposition für Gut und Böse. Auch ein Broder könnte mir ein Freund sein. Sobald jemand mir als Angehöriger einer Ethnie oder einer Religion gegenübertritt und aus deren Geschichte einen Selbstwert schöpft, ist er für mich als Mensch gestorben. Broder und Göbbels gehören tatsächlich in den selben sprichwörtlichen Ofen. Juden, die Juden sein wollen, Christen, die Christen sein wollen, Muslime, die Muslime sein wollen, sind alle Faschisten, ohne es zu wissen. Die Deutschen im dritten Reich waren sich auch nicht bewußt, verdorbene Menschen zu sein. Obgleich viele es waren.

      • @ Bert Bricht: während ich Ihren Ansatz teilen kann, kritisiere ich Ihre Schlussfolgerungen bzw. Ihre Formulierungen:

        Verstehe ich Sie Recht, dass dann ein Mensch für Sie „gestorben“ ist, wenn er aus der Zugehörigkeit zu einer Gruppe ein Geschäft („Selbstwert“) macht, dann – so würde ich sagen – werden Sie um sich herum bald keine Bezugspersonen mehr machen, ist das Geschäftsinteresse doch ein urmenschliches Interesse, weil es auf dem Bedürfnis der sozialen Existenzsicherung basiert, auf die nur Eremiten und reiche Erben verzichten können.

        Dass das „Jüdischsein“ in erster Linie eine Geschäftsidee ist, das habe ich – als erster? Jedenfalls bisher als einziger! – nicht nur so provokativ formuliert, sondern auch – bisher unwiderlegt – begründet http://profiprofil.wordpress.com/2009/11/26/wer-ist-eigentlich-jude/. Um der Provokation die 2antisemitische Spitze“ zu nehmen habe ich dieses Geschäftsinteresse nicht als typisch jüdisch, sondern – wie gesagt – als typisch menschlich herausgestellt, behaupte also, dass jeder, der sich „als Angehöriger einer Ethnie oder einer Religion“ oder eines Vereins („Bayern München“) oder einer Partei („Neonazi“) oder einer Stadt („Ick bin en Baliner“) herausstellt/profiliert, dass jede dieser Persönlichkeiten dies einzig und alleine eines „Geschäftsinteresses“ wegen tut, genauer gesagt: dass er/sie sich davon eine irgendwie geartete Bereicherung verspricht: WIDERSPRUCH erwünscht!

        Für Ihre Formulierung mit dem „sprichwörtlichen Ofen“ sollten Sie sich mal schämen: die ist total daneben, oder aber sie entspricht Ihrem Geschäftsinteresse!?

        Und dass Sie alle Geschäftsinteressenten als Faschisten bezeichnen, das ist für Sie so was von intellektuell peinlich, dass ich mich frage, wie Sie dieses Geschäftsinteresse begründen können: si tacuisses …

        Gerd Weghorn

  2. Die Strategie von Broder oder Salzborn ist m. E. nicht ganz so bundespolitisch orientiert, wie das in Deinen beiden hervorragenden Essays zugespitzt zum Ausdruck gebracht wird.

    Damit will ich die These aufstellen, dass auch diese „jüdischen“ Kämpfer (ihr Selbstverständnis, das man auch als solches achten sollte, indem man von ihnen in ihrer Rolle als selbst ernannte „Juden“ sprechen sollte http://profiprofil.wordpress.com/2009/11/26/wer-ist-eigentlich-jude/ ), dass also auch diese jüdischen Fight-For-Israel-Fighter null Interesse an bundesdeutschen Themen wie „Mindestlohn“ und „Koalitionswürdigkeit der Linkspartei“, sehr wohl aber ein elementares Interesse an diesen beiden Themen haben:

    Erstens: pointiert gesagt lautet der Kampfauftrag an die deutschen Juden, die ideellen Voraussetzungen für die Durchführung des „eigentlich wichtigen Krieges“ zu schaffen – Afghanistan, Irak, Libyen und Somalia sind i. Vergleich dazu nur Fingerübungen, Maöver mit scharfer Munition – nämlich für die avisiert „humanitären Militärintervention“ (J. Fischer) zwecks „regime change“ im Iran. http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=5793484

    Zur Erreichung mindestens einer solchen Gleichgültigkeit gegenüber dem potentiellen Irankrieg – wie die momentane Gleichgültigkeit in der deutschen Öffentlichkeit gegenüber dem Libyenabenteuer der „Nato“ – zur Erreichung mindestens dieses Zieles also muss der deutsche „Tiefenpazifismus“ aus den Köpfen der Plappernden Kaste – auch Elite genannt – beseitigt, zumindest aber per „Delegitimierung“ neutralisiert werden, eine Taktik, auf die sich niemand so gut versteht wie die bellizistischen Juden.

    Anders gesagt: Die im Art. 26 GG sogar unter Strafe gestellte „Kriegsführung“ https://profiprofil.wordpress.com/tag/kriegsfuhrung/ – sprich: das Verbot der Führung von „Angriffskriegen“ – muss als Wertgöße, als „antifaschistisches Erbe“, nicht nur praktisch, sondern eben auch publizistisch diskreditiert werden – und da ist natürlich die Linkspartei, mit ihrem Alleinstellungsmerkmal (Chapeau!) Pazifismus, schon das richtige Angriffsobjekt, quasi als Fingerübung für den von der Bundesregierung jetzt schon durch die Bundeswehrreform „auf den Weg gebrachten“ Verfassungsbruch: „Eine zentrale Frage allerdings muss zuvor beantwortet werden. Nämlich, ob es das Grundgesetz erlaubt, den Schutz der Menschenrechte in aller Welt als Bundeswehr-Aufgabe über die Landesverteidigung zu stellen. Jürgen Trittin hat am Freitag im Bundestag ebendies gefordert“ http://www.zeit.de/politik/deutschland/2011-05/bundeswehr-regierungserklaerung-de-maiziere/komplettansicht Natürlich: nach Flitschpiepe Fischer jubelt jetzt Zögling Trittin der mit Anti-AKW-Protesten politisch voll ausgelasteten „Neuen Mitte“ die Militarisierung der deutschen Außenpolitik stickum unter. Pfui Deifi, „Bündnis 90“!

    Es kommt ja richtig dicke: „Auslandseinsätze der Bundeswehr könnten künftig auch dann erforderlich sein, wenn keine nationalen Interessen betroffen sind“ (ebenda). Dass ein Irankrieg den „deutschen Geschäftsinteressen“ nicht nur nicht entspricht, sondern diametral widerspricht, das ist auch (und insbesondere) der US-Administration bekannt, doch muss der Kommentator von zeit.de konstatieren: “Immerhin hat sich in allen Bundestagsfraktionen (außer der Linken) inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass Sicherheitspolitik und Außenpolitik untrennbar miteinander verknüpft sind.“ Tolle Erkenntnis! Mit der Konsequenz jener von mir prognostizierten „Militarisierung der Außenpolitik“!

    Zweitens sollte in diesem Kontext nicht übersehen werden, dass mit der Linkspartei nur der Esel geschlagen, der Reiter aber gemeint ist: ich spreche hier von Herrn Westerwelle, über einen Mann, an dem ich kein gutes Haar gelassen habe, der sich aber mit der Enthaltung im UN-Sicherheitsrat seit langem als erster Politiker an den Buchstaben des Grundgesetzes gehalten und damit das strikt pazifistische Vermächtnis der Verfassungseltern in die politische Debatte zurück gebracht hat. Und wenn er die Enthaltung auch nur „aus Versehen“ getätigt haben sollte, so war und ist dies ein Fanal, das – kommen wir auf Broder und Co. zurück – seitdem landesweit die Bellizisten aufgerüttelt und zum Aufbau dieser Lügengebäude namens „Schutz der Zivilbevölkerung“ und „Bundeswehrreform“ angestachelt hat. Dazu der ZEIT-Kommentator: „Es wird Zeit (!), dass auch Guido Westerwelle erkennt, dass Größe mehr ist als nur große Worte.“

    Broder und Co. werden sich bei der Didaktisierung dieses „Lernprozesses“ von niemandem übertrumpfen lassen (wollen), denn sie jedenfalls wissen genau, WOZU dieser Verfassungsbruch „gut“ sein wird.

  3. Zu meiner These vom „eigentlich wichtigen Krieg“ Israel vs. Iran noch diese Info als Nachtrag über die Verbrämung von Krieg als „Regionalkonflikt“, in dem Deutschlands Unterstützung benötigt werde:

    Zitat J. Bindenagel:

    „Die Bundesrepublik läuft ausgerechnet in dem Moment Gefahr (!), politisch an die Seite gedrängt zu werden, in dem die Umstürze im Nahen Osten dringend nach einer starken Führung Europas verlangen. Die Libyenkrise kam zu einem Zeitpunkt, an dem die USA nichts weniger wollten (!) als einen weiteren Angriff auf ein arabisches Land anzuführen. Sie fürchteten (nämlich – GW), das werde nur einen von Iran geleiteten Widerstandsblock stärken, wenn es zu einer neuen Runde von Regionalkonflikten kommen sollte, die Iran und Israel einschließen werden.“
    Quelle: Süddeutsche Zeitung,18. Mai 2011

    J.D. Bindenagel war US-Botschafter in Bonn und ist Vizepräsident der DePaul-Universität in Chicago.

    Höchst informativ ist auch der Link auf eine Plattform von Akademikern, die sich selbst als Elite im Bereich Außen- = Sicherheitspolitik verstehen, die ich demnächst auf http://www.blogfighter.de kritisieren werde.

    Hier der Link zum Thema „privilegierte Eliten“ – am Beispiel The World Security Network:

    http://www.worldsecuritynetwork.com/corp/index3.cfm

    Drei Dependancen werden genannt:

    World Security Network UK (London)
    World Security Network – Deutschland e.V. (Berlin)
    World Security Network Foundation USA (New York)

  4. FWD

    Lenin hat sinngemäß gesagt: Dort, wo auch nur der Hauch der Pest des Antisemitismus existiert, kann kein Sozialismus sein. Ein Zitat, das öffentlich in der DDR nicht zitiert wurde, von meinem Vater persönlich dagegen umso häufiger.


    Andrej Hermlin wurde 1965 als jüngstes Kind von Stephan Hermlin geboren.

  5. Auf vorwärts.de hat Werner Jurga einen Beitrag abgelegt, der ihn als Kompagnon der hier kritisierten Fight-For-Israel-Strategen ausweist. Da die Redaktion von vorwärts.de sich geweigert hat, meine Kritik an Jurgas Agitation zu veröffentlichen (was ich bei vorwärts.de nachvollziehen kann), poste ich meinen Kommentar hier:

    Werner Jurga: Was ich an Ihrem Beitrag http://www.vorwaerts.de/blogs/linkspartei-ae-hier-die-willkommenen-genossen-da-die-antisemiten kritisiere, das ist die Verwendung des Begriffs „Antisemitismus“ als Waffe der Denunziation von Isreal-Kritikern bzw. Feinden der israelischen Regierung; nennen wir sie ruhig: „Judenhasser“!

    Angenommen, die gäbe es als signifikante – sprich: wahrnehmbare, tonangebende, unkritisierte – Fraktion („Bolschewiki“) innerhalb der Linkspartei, dann wäre es Ihnen dennoch nicht gestattet, gegen sie die Antisemitismuskeule zu schwingen, was Sie gleichwohl tun.

    Begründung: da ich mich mit diesem Thema ernsthaft, also erkenntnisinteressiert, beschäftigt habe http://profiprofil.wordpress.com/tag/antisemitismus/ ,
    ist mir Ihre Pseudo-Definition von „Antisemitismus“ nicht unbekannt, die Sie verschämt als Zeitungszitat posten, obwohl Sie selbstverständlich den wahren Urheber kennen: „Antisemitismus fängt an, wie der Kölner Stadtanzeiger zutreffend kommentiert, wenn Hass ins Spiel kommt. Hass auf Israel, Hass auf die Israelis, Hass auf die Juden.“

    Ich darf Sie da gleich korrigieren, ist doch nicht einmal der „Hass auf die Juden“ „Antisemitismus“, sondern er ist einfach „Judenhass“, eine – konzediert – bedrückende Einstellung, aber absolut nichts außergewöhnliches auf der Welt, sondern etwas ganz normales, so normal wie der „Deutschenhass“ vieler Juden oder der „Hass“ auf Christen, auf Muslims, auf – nehmen Sie, wen Sie wollen: das Finanzamt, den Nachbarn oder eben auch auf „die Linken“ http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,765597,00.html

    „Hass“, das sollten doch wenigstens Sie aus eigener Erfahrung wissen, ist eine sehr menschliche Eigenschaft, weshalb man mit einem Hassenden persönlich professionell umgehen (lernen) sollte.

    Mit der „Antisemitismus-Etikettierung“ – Ihrer Anheftung eines „Nazisterns“ gewissermaßen – überhöhen und skandalisieren Sie also eine negative Charaktereigenschaft (von der auch Sie mit Sicherheit nicht immer frei sind) zu einem Verbrechen namens „Völkermord“, wenn Sie den Ihrer Meinung nach in der (!) Linkspartei „offenbar geduldeten Hass“ als Ausdruck einer „antisemitischen“ Gesinnung bewerten! Und dafür haben Sie Ihre Gründe, stimmt´s?

    Was nämlich dürfte Ihr Begriff von „Antisemitismus“ sein? Ich denke – bitte korrigieren Sie mich – dass für Sie Antisemitismus offensichtlich kein völkerrechtlich definiertes Verbrechen ist, sondern lediglich die Etikettierung einer Meinungsäußerung von der Art – ich zitiere Sie: „Zum Beispiel mit der Dämonisierung des jüdischen Staates, mit falschen NS-Vergleichen, Boykott-Aufrufen oder Hetze im Internet.“ Das aber wäre eine Ungeheuerlichkeit Ihrerseits.

    Die Peinlichkeiten Ihrer „Beispiele“ lasse ich jetzt mal aus der Betrachtung und nehme mir nur Ihr blumiges, beliebig zu gebrauchendes „Kriterium“ namens „Dämonisierung“ vor, nicht ohne anzumerken, dass es eine chinesische Volksweisheit gibt, derzufolge niemand mit Steinen werfen sollte, der in einem Glashaus sitzt, doch Sie scheinen sich daran nicht halten zu wollen?

    Begründung: Worin die „Dämonisierung Israels“ besteht, das werden Sie mir nicht erklären können. Aber prototypisch an Ihnen ist schon, dass Sie den Dorn im Auge ihrer Feinde, nicht aber den Balken im eigenen Auge sehen, profilieren Sie sich doch in genau Ihrem Beitrag unbestreitbar als „Dämonisierer“ einer gesamten Partei!

    „Dämonisierung“, „Delegitimierung“ als „Beispiel“ (sic) für „Antisemitismus“: was soll der Quatsch, Herr Jurga? Wo finde ich Ihre Definitionen!?

    Eine „dämonisierende“ Meinung zu äußern, auch gegenüber Israel oder gegenüber einem Juden, alles das – nehmen Sie es bitte zur Kenntnis – ist vom Art. 5 GG nicht nur gedeckt, sondern sogar geschützt.
    Es gibt – sieht man mal vom Sonderfall „Holocaustleugnung“ ab – kein Sonderrecht in punkto Einschränkung des Verfassungsrechts auf „Freiheit der Meinung“. Und wer dies versucht, der muss mit meinem Feedback rechnen.

    Wenn Sie sich – wie ich – über den Einfluss von Judenhassern oder Linkenhassern oder den Einfluss von Hetzern überhaupt ängstigen, dann publizieren Sie DAS, doch möchte ich Ihnen nahelegen, mit dem Antisemitismusvorwurf äußerst bedacht und zurückhaltend umzugehen, ist der doch aufgrund seines unauslöschlichen Nazi-Stigmas exzellent als Keule zur publizistischen „Dämonisierung“ und „Delegitimierung“ von politischen Gegnern geeignet ist, die alles sind, nur keine „Antisemiten“.

    Begründung: im Unterschied zu Judenhass oder Bayernhass ist Antisemitismus ist – objektiv gesehen – kein Thema mehr, denn zur Wiederholung des „Völkermords“ an den Juden wird es kein zweites Mal mehr kommen, dafür ist auch militärisch gesorgt – und ich kenne keine Gruppierung, die das nicht wüsste oder die dazu operationell imstande wäre, auch der Iran wäre das nicht!

    Stattdessen hängt die Zukunft Israels primär von seiner Politik ab, von seinen Umgangsformen mit seinen Verbündeten und Nachbarn: pazifistische Koexistenz oder kolonialistische Apartheid, Vielvölkerstaat (wie die Schweiz) oder „jüdischer Staat“ – vor diesen Herausforderungen stehen die Juden. Nicht aber vor der ihrer Vernichtung.

  6. Pingback: Mittwochs beim Freitag – Jacob Jung: Kleine Presseschau (1.5) « Jacob Jung Blog

  7. Was für eine Schlammschlacht! Und es geht nur um Nebenkriegsschauplätze. Die Linke hat doch auch keine Antwort auf die drängenden Fragen unserer Gesellschaft, wie Merkel ganz offen zugibt.

    Dieser Kleinkleinkrieg der Parteien untereinander, der unfähigen Mandatsträger, diese Ablenkungsmanöver der Tendenzjournalisten, diese Meinungsmache in den Kapitalistenmedien ist einfach nur widerlich und überflüssig, sie bindet Kräfte, die sich besser um die Lösung unserer Probleme und deren politischer Durchsetzung kümmern würden.

    Dazu muss man allerdings in den Tellerrand schauen und nach Parteien ausschalten, die nicht in den Medien erwähnt werden. Zugegebenermaßen sind die meisten dieser Parteien völlig indiskutabel. Es gibt aber eine, die Antworten auf alle Fragen hat, deren demokratische Grundwerte außer jeder Diskussion stehen, die im Gegensatz zur Linken mit ihrem lächerlichen Mindestlohn eine radikale Reform der Wirtschaft zum Nutzen aller durchführen kann, und zwar mit Hilfe einer einfachen Steuerreform, die durch zwei Gesetze realisiert werden kann.

    Wir brauchen keine Fortsetzung der bisherigen Verhältnisse durch mehr oder weniger missglückte Reformen, egal von welcher Partei sie durchgeführt wird, sondern einen radikalen Neuanfang, der die Wurzel des Übels beseitigt und die blühenden Landschaften realisieren kann, von denen andere nur schwafeln. Als Einstieg empfehle ich http://www.bandbreitenmodell.de/vision

  8. Pingback: Die lange Nacht der Plagiate | Serdargunes' Blog

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