Mittwochs beim Freitag – Jacob Jung: Kleine Presseschau (1.5)

01.06.2011 – E.on will gegen die Brennelementesteuer klagen, der evangelische Kirchentag in Dresden steht unter dem Zeichen von EHEC und der IWF plant die nächste Teilauszahlung der Griechenlandhilfe zu verweigern. Jörg Kachelmann ist frei, hinterlässt allerdings bei Alice Schwarzer einen bitteren Beigeschmack und Henryk M. Broder prügelt fröhlich auf alles ein, was links von ihm steht.

Jacob Jung: Kleine Presseschau (1.5) beim Freitag.

Frisch

Frisch geklagt ist halb gewonnen. Die Atomwirtschaft quittiert die Pläne der Bundesregierung für einen schnelleren Atomausstieg mit der Ankündigung von Klagen gegen die Brennelementesteuer. Dabei kommen E.on, RWE & Co. bei der zu erwartenden Neuregelung besser weg, als viele Beobachter glauben.

Immerhin soll die Novelle des Atomgesetztes den Betreibern der vom Netz genommenen Altmeiler ermöglichen, deren Strommengen auf neue Kraftwerke zu übertragen. Selbst die Grünen finden das nicht in Ordnung und lassen Jürgen Trittin in Bezug auf das neue Gesetz bereits von einer „Laufzeitgarantie für Atomkraftwerke“ sprechen.

Die jährlichen Einnahmen aus der Brennelementesteuer werden mit mehr als zwei Milliarden Euro angegeben. Ein Klacks, verglichen mit den mehr als 200 Milliarden Atomsubventionen seit 1950. Verzichtet die Bundesregierung auf die Steuer, dann werden die Lobbys erstmalig von der Regierung dafür bezahlt, dass sie ein Gesetz durchwinken. Normalerweise läuft das umgekehrt.

[Quelle: Handelsblatt]

Fromm

Unter dem Motto „…da wird auch dein Herz sein“ hat heute in Dresden der 33. deutsche evangelische Kirchentag begonnen. Im Rahmen von rund 2.000 Einzelveranstaltungen soll über Glaubensfragen und aktuelle politische Themen diskutiert werden. Eröffnet wird das rund 14 Millionen Euro teure Event von Bundespräsident Christian Wulff.

Am Freitag wird Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière auf dem Kirchentag erwartet, um zum Thema „Und sie hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen“ zu sprechen. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass sein vorheriges Ministerium den Kirchentag mit 400.000 Euro unterstützt.

Der Kirchentag findet unter besonders strengen Hygienestandards statt. Diese sind angesichts von EHEC kurzfristig erhöht worden. Die EHEC Komplikation HUS wird übrigens mit dem teuersten Medikament der Welt behandelt. Eine Ampulle des von Alexion vertriebenen Wirkstoffs kostet rund 5.800 Euro und wird von dem Pharmakonzern derzeit noch kostenlos zur Verfügung gestellt, um eine beschleunigte Zulassung zu ermöglichen.

[Quelle: evangelisch.de]

Fröhlich

Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Kaum steht allerdings Strauss-Kahn dem IWF nicht mehr vor, da verabschiedet sich der Währungsfonds aus der vereinbarten Griechenlandhilfe. Allem Anschein nach wird der IWF die nächste Teilauszahlung an Griechenland, fällig Ende Juni, verweigern. Begründet wird dies damit, dass die Finanzierung des laufenden Hilfsprogramms für die nächsten 12 Monate nicht gesichert ist.

Der Ausfall griechischer Staatsanleihen ist bislang nicht Simulationsgegenstand der laufenden europäischen Bankenstresstests. Würden die Banken die mögliche Pleite Griechenlands durchspielen, könnte dies den Rettungsschirm in Frage stellen. Nur die Nord/LB hält offiziell einen Schuldenschnitt auf griechische Staatsschulden für wahrscheinlich und bereitet sich bilanziell bereits auf diesen Einschnitt vor.

Die Zahlungsverweigerung des IWF hat zur Folge, dass EZB, EU-Kommission und IWF über ein neues Griechenlandprogramm entscheiden müssen. Dieses bietet die Möglichkeit, weitere Sozialeinschnitte, Sparmaßnahmen und Privatisierungen von den Griechen zu fordern. Am Dienstag hat der Komponist Mikis Theodorakis (Foto) die „empörten Bürger“ in Athen zu einer friedlichen Revolte gegen das Sparprogramm aufgerufen.

[Quelle: Der Standard]

Frei

Nach mehr als 40 Verhandlungstagen wurde Jörg Kachelmann in Mannheim vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Bei der BILD Berichterstatterin Alice Schwarzer hinterlässt der Wettermoderator allerdings einen bitteren Beigeschmack. Sie spricht mittlerweile bereits von einem „Freispruch dritter Klasse“.

Schwarzer, die in der letzten Zeit alle deutschen Talkshows dominiert und Will, Maischberger und Illner die Moderation entreißt, instrumentalisiert Kachelmann, um ein Bild starker Täter-Männer und schwacher Frauen-Opfer zu zeichnen. Dass sie dabei selber von dem „Meinungsmedium“ instrumentalisiert wird, ist der früheren Journalistin scheinbar nicht aufgefallen.

Mit Alice Schwarzer kann die BILD ihren Lesern den gewohnten Klatsch und Tratsch als journalistisch hochwertige Arbeit verkaufen. Einen kritischen Blick auf die Verhältnismäßigkeit des Verfahrens und die unnötige Bloßstellung des Beschuldigten spart sich das Duo Instrumentale. Das wäre für die BILD Leser auch viel zu kompliziert.

[Quelle: Bild Online]

Fleißig

Henryk M. Broder ist in seinem Element. Hätte man ihm vor kurzer Zeit in Aussicht gestellt, er können seine beiden Lieblingsthemen Antisemitismus und Diffamierung der Linkspartei in nur einer Überschrift vereinen, er hätte es nicht geglaubt. Die aktuelle Kampagne gegen DIE LINKE ermöglicht ihm jetzt nicht nur dies in täglicher Frequenz sondern fordert ihn geradezu heraus zu einer Abrechnung mit allem, was links von ihm steht.

Unter dem Titel „Abschied vom Club der toten Seelen“ lamentiert der alte Mann über seine eigenen linken Wurzeln. Gegen Springer und den Vietnamkrieg will er demonstriert haben, während er sich auf den Zusammenbruch der bürgerlichen Gesellschaft freute. Doch dann folgte die Enttäuschung über seinen linken Freunde, die ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist.

Die Reaktion der linken Intellektuellen auf die Entführung der Air-France Maschine 1976 und auf 9/11 haben ihm die Augen geöffnet und Broder fühlte sich wie im Albtraum: „Das war auch die Überzeugung der intellektuellen Schrittmacher, von Gaus bis Grass, von Theweleit bis Schorlemmer, von Joop bis Willemsen, die ihre klammheimliche Freude darüber, dass es endlich mal die Amis erwischt hatte, die seit 1865 keinen Krieg mehr auf eigenem Boden führen mussten, als Beweis moralischer Überlegenheit vermarkteten.

Ohne die Linksintellektuellen würde Broder also nicht für Guttenberg sondern gegen Sozialabbau, Krieg in Afghanistan und Libyen oder Lobbyismus demonstrieren. Interessant.

[Quelle: Welt Online]

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Politik

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s