Mittwochs beim Freitag – Jacob Jung: Kleine Presseschau (1.6)

08.06.2011 – Das „junge Mädchen Angela“ wird in Washington geehrt, die Weltbank warnt vor den Folgen zu starken Wachstums und das neue Internetprotokoll IPv6 erschreckt Datenschützer. Die Reaktorkatastrophe in Fukushima hätte sich auch ohne Tsunami ereignet, die NATO bombardiert massiv das Anwesen Gaddafis in Tripolis und wird von dessen Tochter in Belgien angeklagt.

Jacob Jung: Kleine Presseschau (1.6) beim Freitag

Geehrt

Im Rosengarten des Weißen Hauses hat US-Präsident Barack Obama gestern Angela Merkel die Freiheitsmedaille verliehen. Vor 250 ausgewählten Gästen zeichnete der Präsident in seiner Laudatio das Bild vom „jungen Mädchen Angela“, das angesprochen war, als Konrad Adenauer 1957 vor dem amerikanischen Kongress an Millionen Ostdeutsche erinnerte, die unter sowjetischer Besatzung in Unfreiheit lebten.

Unerwähnt blieb dabei, dass Angela Merkel in Hamburg geboren wurde und sich ihr Vater 1954 freiwillig dafür entschied, nach Templin umzusiedeln. Auch auf die Tätigkeit der heutigen Kanzlerin für die FDJ im Bereich Agitation und Propaganda ging der Präsident nicht ein.

Und so erwiderte das alte Mädchen Angela die Lobrede brav:

Die Sehnsucht nach Freiheit lässt sich nicht dauerhaft einmauern. Wovon man heute nicht zu träumen wagt, kann schon morgen Realität sein“.

Außerdem stellte Merkel eine stärkere Beteiligung Deutschlands in Bezug auf Situation in Libyen in Aussicht. Sie weiß eben, was sich gehört.

[Quelle: RP Online]

Gewarnt

Die Weltbank hat vor den gefährlichen Folgen des wirtschaftlichen Wachstums in den Schwellenländern des fernen Ostens und Lateinamerikas gewarnt. Im aktuellen Jahresbericht der US-geführten Organisation heißt es, es drohe ein neuer Ölpreisschock und ein Anziehen der Preise für Nahrungsmittel.

Grundlage der Einschätzung bildet die aktuelle Konjunkturprognose der Weltbank. Danach wächst die Wirtschaft in Brasilien, Russland, Indien und China bis 2013 um jährlich 6,3 Prozent, während es die Euro-Zone lediglich auf 1,7 bis 1,9 Prozent bringt. Zur Wachstumsprognose der USA hatte der Notenbankchef Ben Bernanke gestern erklärt, dass deren Konjunktur an Fahrt verloren hätte. Das Wachstum würde in diesem Jahr schwächer als erwartet ausfallen.

Nach der Einschätzung des österreichischen Filmemachers Erwin Wagenhofer (Filmautor von „Let´s Make Money“ und Träger des Amnesty International Human Rights Award) handelt es sich bei der Weltbank um eine rein westlich orientierte Organisation, die durch auflagengebundene Darlehen an Entwicklungsländer Absatzmärkte erschließt und die natürlichen Ressourcen der jeweiligen Länder ausbeutet.

[Quelle: Spiegel]

Getestet

Heute beginnen die Tests von Google, Yahoo und Facebook für die Einführung des neuen Internet-Protokolls IPv6. Das System soll künftig sukzessive das bisherige IP-Protokoll (IPv4) ersetzen, da weltweit nicht mehr genug freie IP-Adressen zur Verfügung stehen. Während der jetzige Standard die Vergabe von rund 4,3 Milliarden Adressen ermöglicht, bringt es IPv6 auf 340 Sextillionen mögliche Identifizierungen.

Ein Großteil der noch bestehenden Netz-Anonymität basiert auf der häufigen Neuzuteilung von IP-Adressen durch Provider.

Wird eine Internetverbindung unterbrochen, dann ordnen diese dem jeweiligen Nutzer bei seiner nächsten Verbindung meist eine neue Adresse zu. Mit der Einführung des IPv6-Standards ist dieser IP-Wechsel nicht mehr erforderlich.

Datenschützer befürchten, dass die Einführung von IPv6 drastische Folgen für den Schutz der Privatsphäre im Internet haben wird. Bislang ist die Zuordnung von Internetaktivitäten zu bestimmten Personen nur über die Vorratsdatenspeicherung möglich. Wenn die User ihre IP-Adresse künftig jedoch dauerhaft behalten, ist eine Speicherung der Daten auf Providerseite nicht mehr nötig, um eine eindeutige Zuordnung vorzunehmen.

[Quelle: FAZ]

Gelogen

Vor zwei Wochen hat die Betreiberfirma der drei havarierten Reaktoren in Fukushima, das Unternehmen Tepco, zugegeben, dass sich bereits zu Beginn der Katastrophe in allen drei Anlagen Kernschmelzen ereignet haben. Erst gestern hat die japanische Regierung den Super-Gau offiziell bestätigt.

Im gleichen Zuge wurden durch die Behörden auch die Angaben über die Strahlungswerte korrigiert. Demnach muss die Radioaktivität unmittelbar nach dem Unglück mit mindestens 770.000 Terrabecquerel beziffert werden. Dieser Wert entspricht dem Doppelten der bisher zugegebenen Belastung.

Mittlerweile wurde auch eingeräumt, dass die Kernschmelze im Fukushima Reaktor 1 bereits fünf Stunden nach dem Erdbeben vom 11. März 2011 begonnen hat. Damit ist klar, dass nicht der anschließende Tsunami sondern schon das Erdbeben alleine die Ursache für die Katastrophe war. Somit lässt sich jetzt besser einschätzen, was von den larmoyanten Einreden hiesiger Atomkraft-Befürworter zu halten ist, die vergleichbare Szenarien für Deutschland ausschließen, weil sich hier keine Tsunamis ereignen können.

[Quelle: Heise]

Geflogen

Die NATO intensiviert ihre Luftangriffe auf Libyen und konzentriert sich dabei zunehmend auf das Anwesen Gaddafis in Tripolis. Mittlerweile wurden die Angriffe auch auf die Tagesstunden ausgedehnt. Alleine gestern flogen NATO Verbände ab 11.30 Uhr Ortszeit fast 30 Angriffe. Offiziell zielten die Attacken auf eine Militärkaserne in der Nähe des Gaddafi Anwesens. Regierungssprecher Mussa Ibrahim erklärte allerdings, dass das Anwesen selber von Bomben schwer getroffen und beschädigt wurde.

Sowohl die russische als auch die chinesische Regierung kritisieren die NATO Angriffe scharf. So sagte der russische Sondergesandte für Afrika, Michail Margelow, vor Journalisten:

Je länger das Blutvergießen andauert, desto schwieriger wird es sein, nach dem Bürgerkrieg einen nationalen Versöhnungsprozess einzuleiten“.

Gestern hat die Tochter Gaddafis, Aisha Gaddafi, in Paris und Brüssel Klage wegen der Tötung von vier ihrer Verwandten durch einen NATO Luftangriff auf Tripolis erhoben. Obwohl in der Klageschrift kein Tatverdächtiger genannt wird, ist es klar, dass sich der Vorwurf gegen die in Brüssel ansässige NATO richtet. Aktuell wird geprüft, ob die Klage von Aisha Gaddafi zu einer Verhandlung führen wird.

[Quelle: Fokus]

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