Griechenland im Ausverkauf: Die Wiege Europas und die Demokratie werden von Großbanken verramscht

17.06.2011 – Griechenland geht es schlecht. Der Staat steht kurz vor dem Bankrott, die politische Führung ist zerstritten, die Regierung in der Auflösung begriffen und immer mehr Menschen wehren sich auf Straßen und Plätzen massiv gegen Kürzungen, Sozialabbau und Privatisierung.

Gleichzeitig beraten die EU-Kommission, der IWF, die Vorstände der Großbanken und die Chefs der vermögenden europäischen Regierungen darüber, unter welchen neuen Bedingungen sie bereit sind, weitere Hilfen an das verschuldete Land zu leisten.

Diese Hilfen kommen allerdings weder in der griechischen Wirtschaft noch bei den Menschen an. Sie dienen alleine den europäischen Großbanken, die sich so auf Kosten der Steuerzahler selber hohe Renditen und Sicherheiten bewilligen.

Alte und neue Mythen über Griechenland

Die Tochter des phönizischen Königs Agenor spielte einst am Strand von Sidon, als sich Zeus in sie verliebte. Um dem Zorn seiner Gattin Hera zu entgehen, verwandelte sich der Göttervater in einen Stier und ließ sich von Hermes zum Strand von Sidon führen, um dort das Vertrauen der Königstochter zu gewinnen.

Als sie ihre erste Furcht überwunden hatte, ihn streichelte und seine Hörner mit Blumen umkränzte, da nahm er sie auf seinen Rücken und schwamm mit ihr nach Matala auf der griechischen Insel Kreta.

Der damals noch fremde Erdteil wurde nach der phönizischen Prinzessin benannt. Bis heute nennen wir ihn Europa.

Ein anderer Mythos ist neueren Datums: Hierbei handelt es sich um das Märchen vom immer fröhlichen, faulen Griechen, der die Renten seiner verstorbenen Verwandten kassiert, umgeben von anstrengungslos erworbenem Luxus in einem Ferienparadies residiert und sein ausschweifendes Leben aus den hart erarbeiteten Euros der europäischen Steuerzahler finanziert.

Dieses Bild ist nicht erst in Umlauf, nachdem Angela Merkel die Südeuropäer zu mehr Anstrengung und weniger Urlaub aufgerufen hat. Allerdings hat die polemische Äußerung der Kanzlerin den schlechten Eindruck vertieft, den viele Europäer von ihren hellenischen Nachbarn haben.

Wie leben die Menschen in Griechenland wirklich?

Die Lebensumstände in Griechenland sind einfach und bescheiden. Man ernährt sich hier oft aus eigenem Anbau, unterstützt sich gegenseitig solidarisch, verzichtet auf jede Form von Luxus und gibt sich mit einer rudimentären medizinischen Versorgung zufrieden. Wer auf staatliche Unterstützung angewiesen ist, der kommt ohne die Hilfe von Freunden und Angehörigen nicht über die Runden. Wer im Alter oder als Kranker alleine ist, der hat keine Chance auf ein würdiges Überleben.

Wer in Griechenland einer selbständigen Beschäftigung nachgeht, der führt meist ein kleines Geschäft oder einen kleinen gastronomischen Betrieb und ist vom Tourismus abhängig. Die Urlaubssaison beginnt im Mai und endet im Oktober. Die ohnehin geringen Einnahmen müssen ausreichen, um die Zeit von November bis April zu überstehen.

Die einfachen Menschen in Griechenland, die schlecht bezahlten Angestellten, die vielen touristischen Saisonarbeiter, die annähernd nicht unterstützten Arbeitslosen und die Rentner, die meist auf finanzielle Hilfe ihrer Verwandtschaft angewiesen sind, haben in der Vergangenheit ebenso wenig über ihre Verhältnisse gelebt, wie sie jetzt von den Rettungspaketen profitieren.

Seit der Verabschiedung des ersten Rettungspakets stieg die Arbeitslosigkeit in Griechenland von 11 auf mehr als 16 Prozent, während das Bruttosozialprodukt um 4,8 Prozent geschrumpft ist. Die Menschen vor Ort leiden nicht nur unter den sozialen Kürzungen und dem Verlust ihrer Arbeitsplätze. Sie sind auch drastischen Preissteigerungen für Produkte des täglichen Lebens ausgesetzt.

Ein Pfund Butter kostet mittlerweile fünf Euro, die Mehrwertsteuer wurde auf 23 Prozent erhöht. Die bislang reduzierte Mehrwertsteuer für viele Produkte der Grundversorgung wurde inzwischen auf den Höchstsatz angepasst. Der Steuerfreibetrag soll nun von jährlich 12.000 Euro auf 6.000 Euro reduziert. Bereits bei einem Einkommen ab 500 Euro im Monat werden dadurch jetzt Steuern fällig. Geringverdiener sind dann nicht mehr in Lage, für ihren ohnehin bescheidenen Lebensunterhalt aufzukommen.

Wohin fließen die Milliarden aus den Rettungspaketen?

Aufgrund der negativen Bewertungen durch die internationalen Rating-Agenturen ist Griechenland nicht mehr in der Lage, sich am Kapitalmarkt Geld zu beschaffen. Hier springen nun stattdessen die europäischen Rettungspakete ein und gewähren den Griechen Kredite in Milliardenhöhe.

Allerdings hat die Barmherzigkeit ihren Preis: So stiegen die Zinsen für griechische Staatsanleihen von Januar bis April 2010 von ursprünglich 2,2 Prozent auf 4,85 Prozent. Ab September 2010 musste der griechische Staat die Anleihen bereits mit 8,5 Prozent verzinsen, um noch Abnehmer hierfür zu finden.

Seit 2011 hat die Verzinsung nun eine zweistellige Höhe erreicht und nähert sich der 25-Prozent Marke.

Die Milliarden aus den Rettungspaketen dienen insofern vor allem den immensen Zinszahlungen, die der griechische Staat leisten muss und fließen umgehend an europäische Großbanken zurück. Gleichzeitig haben sich diese Banken innerhalb des letzten Jahres konsequent von ihren Griechenlandpapieren getrennt, obwohl sie sich 2010 auf freiwilliger Basis bereit erklärt hatten, die Papiere zu halten. Als Käufer ist die EZB eingesprungen, die über die exakte Höhe der derzeit gehaltenen griechischen Staatsanleihen allerdings Stillschweigen bewahrt.

Insgesamt beträgt die griechische Staatsverschuldung mittlerweile über 300 Milliarden Euro und führt zu jährlichen Zinszahlungen in Höhe von rund 18 Milliarden Euro. Im Vergleich dazu: Deutschland ist mit 1,7 Billionen Euro verschuldet und zahlt hierfür rund 36,7 Milliarden Zinsen pro Jahr.

Die europäischen Rettungspakete kommen also weder der griechischen Wirtschaft noch der griechischen Bevölkerung zugute. Stattdessen werden mit den Milliardenbeträgen die Großbanken gefüttert, die durch ihre Spekulationen und Geschäftspraktiken einen erheblichen Anteil an den Ursachen der griechischen Schuldenkrise tragen und die sich bereits jetzt auf die lukrativen Schuldenkrisen der nächsten Euroländer vorbereiten.

Zorn, Empörung und Solidarität

An die Bewilligung der bereits gewährten und künftigen Finanzhilfen an Griechenland werden harte Bedingungen geknüpft. Die griechische Regierung ist aufgefordert, einen extremen Sparkurs durchzusetzen. Löhne und Gehälter sollen weiter gekürzt, Renten eingefroren und soziale Leistungen noch drastischer reduziert werden.

Gleichzeitig müssen, dem neoliberalen Kurs der EU folgend, Unternehmen der Daseinsvorsorge, also vor allem Wasser-, Strom- und Kommunikationsunternehmen, privatisiert werden. Häfen, Flughäfen und auch historischer Kulturbesitz sollen an private Konzerne verhökert werden. Selbst über den Verkauf griechischer Inseln an Investoren aus dem Ausland wird bereits diskutiert.

Alle geforderten Maßnahmen gehen eindeutig zu Lasten der einfachen Bevölkerung. Die Menschen wissen, dass sie die aktuelle Misere internationalen Spekulanten, europäischen Großbanken und nicht zuletzt ihrer eigenen, korrupten Regierung zu verdanken haben und gehen seit Monaten zu Tausenden auf die Straße, um gegen Kürzungen und Sozialabbau zu demonstrieren.

Während die kürzlich in Spanien entstandene Protestbewegung sich in ganz Europa großer Solidarität erfreut, wird der Kampf der griechischen Bevölkerung weitgehend ignoriert. Eine breite Solidarität mit den notleidenden Griechen scheitert am zuvor fest verankerten Bild vom faulen Volk, das sich seinen Wohlstand weiterhin auf Kosten der europäischen Steuerzahler sichern will.

Die maßgeblichen Akteure des europäischen Finanzzirkus verfolgen hierbei nur ein einziges Ziel: Griechenland wirtschaftlich so lange am Leben zu erhalten, wie Hilfsprogramme und Rettungspakete missbraucht werden können, um immense Renditen zu finanzieren und hochverzinste Staatsanleihen zu besichern.

Sobald diese Option ausgeschöpft ist, werden die EU, der IWF, die europäischen Großbanken und die Chefs der vermögenden europäischen Staaten Griechenland fallen lassen und sich von der ursprünglichen Wiege Europas und der Heimat der Demokratie abwenden.

Eines sollte dabei allerdings nicht außer Acht gelassen werden: Die griechische Bevölkerung ist nicht nur empört, zornig und aufgebracht. Sie ist auch mutig, solidarisch und wehrhaft.

Während sich andere europäische Protestbewegungen mit friedlichen Kundgebungen, Sitzblockaden und zaghaften Forderungen zufrieden geben, bricht in Griechenland eine massive Revolution der Unterdrückten und Notleidenden gegen die Mächtigen und Korrupten aus. Schon jetzt gehören Straßenschlachten, Brandsätze und offene Kämpfe zwischen Polizei und Bürgern zum Straßenbild in Athen und anderen Städten.

Diese Bewegung braucht unsere Aufmerksamkeit und unsere Solidarität. Denn in Griechenland kämpfen Menschen entschieden für europäische Ideale: Für Freiheit, für Gerechtigkeit, für Solidarität und für Demokratie.

Massenproteste in Athen gegen Sozialkürzungen, Stellenabbau und Privatisierung

Beitrag über die Verursacher und Nutznießer der griechischen Schuldenkrise (Monitor, 16.06.2011)

16 Kommentare

Eingeordnet unter Außenpolitik, Politik, Sozialpolitik

16 Antworten zu “Griechenland im Ausverkauf: Die Wiege Europas und die Demokratie werden von Großbanken verramscht

  1. Das Problem der Proteste in Griechenland und anderswo ist, dass die Protestierenden nur gegen etwas sind, aber nicht für etwas. Weg ist keine Richtung, auf die Weise kommt man nie ans Ziel, denn man hat gar kein Ziel.

    Das sind die besten Voraussetzungen für finstere Kräfte, die Wut für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen. Man sieht es gerade in Nordafrika – daraus kann nichts Gutes erwachsen.

    Mit dem Bandbreitenmodell könnte man natürlich nicht nur unser Land retten, sondern auch Griechenland, Spanien usw. Leider ist dieses geniale Wirtschaftsmodell bisher nur auf Deutsch verfügbar. Wer kann Übersetzungen anfertigen? Oder wer kennt jemanden in Griechenland, Spanien usw., der Deutsch kann?

    Das wäre die erste Bedingung: Die Protestierenden müssten Kenntnis von einem System haben, das ihnen hilft. Dann müssten sie sich davon überzeugen, dass dieses System hält, was es verspricht. In Deutschland wird das Bandbreitenmodell bereits seit fünf Jahren diskutiert, und niemand, auch Fachleute nicht, hat einen Fehler gefunden.

    Wenn dann die Protestbewegung überzeugt ist, dass eine Änderung des Wirtschaftssystems nach dem Muster des Bandbreitenmodells durchgeführt werden muss, hat sie ein Ziel, und dieses Ziel kann sie durchsetzen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Wie viele Brandsätze werden noch gezündet, wie viele Menschen verletzt oder getötet werden, bis es soweit ist? Wird es jemals so weit sein?

    Warum fragt niemand dort, wie es anders gehen kann? Es sind sich alle einig, dass es so nicht weitergehen kann – aber wie dann? Das ist doch die erste, naheliegende Frage! Wie kann man angesichts dieser Situation protestieren? Wie fühlt man sich, wenn man keine Antwort hat? Ruft man dann nach dem starken Vater, der es schon richten wird?

  2. Ich machte am 14. August 2009, also einen Monat vor der Bundestagswahl, folgende „PROGNOSE

    Die SPD wird auch den Bundestagswahlkampf 2009 nicht für sich entscheiden können,
    weil ihr zur Realisierung dieses Ziels das Führungspersonal
    mit der dafür notwendigen KAMPFKOMPETENZ fehlt.

    Diese These zu belegen fällt nicht schwer, werden wir doch tagtäglich in Kenntnis gesetzt von der strukturell bedingten Unfähigkeit „der Politik“, die in Deutschland wirklich Herrschenden zu etwas zu bewegen, was ihren Geschäftsinteressen nicht (zugleich auch) dienstbar gemacht werden könnte; das gegenwärtig hervorstechendste Beispiel ist der verständnisvolle Umgang mit den wirklich kriminellen Verursachern der „Finanz- und Wirtschaftskrise“[1]: ich spreche hier von den staatlichen Garantien einer Absicherung ihrer Casino-Gewinne sowie der gesamtgesellschaftlichen Begleichung ihrer Spielschulden durch steuerfinanzierte Bad Banks: tolle Idee (Stoppok)!

    Angesicht der auf diese Weise vom spekulativen Finanzkapital provozierten “Staatsverschuldung”, die ja momentan noch potenziert wird durch die – und das ist überhaupt der Knüller “unseres” Finanzsystems – den wirklichen Verursachern (Banken und Versicherungen) wiederum “geschuldeten” Kreditzinsen, die für die staatlicherseits aufgelegten “Konjunkturprogramme” und “Bankbürgschaften” aufgebracht werden “müssen”[2], pointierter gesagt: angesichts der daraus resultierenden Verhinderung einer sozialen Bildungs- und Sozialstaats-Politik ist es nunmehr absolut egal, wer im Bundestag, wer im Landtag oder wer in einem Stadtrat “regiert”, haben doch unsere „Volksvertreter“ ab 2010 ff. noch weniger zu bestellen, als je zuvor!

    Ihr Job wird (auch) in den kommenden Jahren darin bestehen, für die veröffentlichte Meinung – je nachdem – die Lachnummer, den Hotzenplotz, den Dorfdepp, die Skandalnudel oder den Blitzableiter abzugeben, eine für den Abgeordneten frustrierende Angelegenheit, die man persönlich wohl noch am leichtesten erträgt, wenn man sich dafür dann wenigstens (wie ein Beamter) alimentieren lassen kann. Doch werfe – an dessen Stelle – der den ersten Stein, der anders handeln würde!“

    http://www.blogfighter de

    • Dieser Kommentar ist ja nun wirklich nicht zielführend – er beweist nur, wie hellsichtig der Kommentator ist. Glückwunsch! Was aber schlägt er nun vor? Was kann uns, was kann den Griechen helfen? Will der Kommentator mit seinem Schlusssatz auch noch unsere gewählten Volksvertreter in Schutz nehmen?

      Diese Analyse lässt doch nur den Schluss zu, dass sich nichts ändern wird, und das heißt: Die Situation wird eskalieren. Ja aber was passiert dann? In Griechenland ist es schon ziemlich stark eskaliert, da sind die Leute auf die Straße gegangen. Renommierte Experten wie Professor Hankel sind der Meinung, dass dies auch bei uns passieren wird, und er findet das sogar gut (siehe http://www.rottmeyer.de/prof-hankel-wortbruch-lugen-und-volksverdummung/ Prof. Wilhelm Hankel: “Wortbruch, Lügen und Volksverdummung”. Interview von Frank Meyer). Aber ich frage: Was soll dabei herauskommen? Dann gehen die Ratlosen auch noch auf die Straße und machen Randale – bis der Blutrausch vorbei ist, oder was?

      Die Deutsche Demokratische Partei ddp hat eine ganz klare Marschrichtung: Das Bandbreitenmodell muss eingeführt und die parlamentarischen Spielregeln müssen so geändert werden, dass der Staat aus dem Würgegriff der Parteien befreit wird. Siehe Interview mit Jörg Gastmann: „Eine Partei zur Entmachtung der Parteien!“ http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34089/1.html

  3. Danke für Dein Lob und für die kritische Anmerkung, Werner Popken, doch hier handelt es sich nur um die Einleitung meiner Kritik an der SPD-Führung, die ich vielschichtig zu gestalten wusste, weil sie so vielfältig ist http://profiprofil.wordpress.com/category/spd/ .

    Die von Dir vorgeschlagene Etablierung einer „Partei zur Entmachtung der Parteien“ wird aber aus genau dem gleichen Grunde nicht zustandekommen, den ich in der Einleitung meiner Prognose hier zitiert habe (und den Du überlesen hast): „Die SPD wird auch den Bundestagswahlkampf 2009 nicht für sich entscheiden können, weil ihr zur Realisierung dieses Ziels das Führungspersonal mit der dafür notwendigen KAMPFKOMPETENZ fehlt.“

    Programme hin, Konzepte her: was in Deutschland (und weltweit) fehlt, das ist die http://www.kampfkompetenz.de der sozial und demokratisch gesinnten Führungskräfte, ohne die sich nichts verändern wird, und zwar in einer Richtung, die über die den innenpolitisch zentrierten Ansatz der von Dir erwähnten ddp http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34089/1.html – den ich diskussionswürdigt finde – hinausgeht, in Richtung der unwiderruflichen, vom Art. 26 GG gestützten Abkoppelung von den Konfliktlösungspraktiken durch Kriegsführung , wie sie das Imperium charakterisieren: https://profiprofil.wordpress.com/tag/kriegsfuhrung/

    Die außenpolitische Agenda 2020 der SPD und ihrer Koalitionspartner müsste werden die bedingungslose (!) Demilitarisierung Deutschlands, verbunden mit der Konversion der Nato von einem militärischen Angriffspakt in eine pazifistisch operierende Weltpolizei auf der Grundlage der UN-Charta.

    Diesen Aspekt der Demilitarisierung durch Entrüstung hatte ich am 14. 8. 2009 noch nicht als notwendige Bedingung einer sozialdemokratischen Politik gesehen, die diese Bewertung verdient und die dieser Partei das Alleinstellungsmerkmal – neben Linkspartei , Grüne und ddp – vermittelt, das die Linke insgesamt bräuchte, um die Richtlinien auch der Innenpolitik bestimmen zu können.

    Vor zwei Jahren lag das Gewicht meiner Argumentation noch einseitig auf der Ermutigung der Parteiführung zu einer Politik, die dem raffenden Kapital die Giftzähne zieht – wenn es Dich interessiert: hier ist der Link zum gesamten Artikel: http://profiprofil.wordpress.com/2009/08/14/womit-die-spd-die-wahlen-gewonnen-hatte/ – doch ohne Mut vor den Fürstenthronen, basierend auf der Kampfbereitschaft der SPD des 19. und der professionellen Kampfkompetenz des 21 Jahrhunderts, wird die soziale und demokratische Linke das bleiben, was sie seit 100 Jahren ist: ein karrieristisch orientierter Papiertiger, der ab und an von den Herrschenden instrumentalisiert wird, um besonders arbeitnehmerbedrückende Gesetze durchzudrücken – und dann wieder in der Versenkung zu verschwinden. Ohne FÜHRUNGS- und KAMPFKOMPETENZ der Führungskräfte auf allen Ebene der SPD braucht es auch keine „Partei zur Entmachtung der Parteien“ mehr, weil die politische Impotenz für die linken Parteien konstitutiv ist. Jetzt schon. Hier und heute.

  4. Ein toller Artikel… ich habe ihn zum lesen auf meinem Blog empfohlen.

    • Sehr guter Beitrag! Wir sitzen alle in einem Boot und müssen zusammenhalten. Ebenso finde ich den Einwand von Werner Popken über die Ziele der Bewegung als gerechtfertigt. So verpufft evtl. die aufgebrachte Energie ohne das irgendetwas geändert werden kann und resultiert bei einer weiteren Frustration der aufgebrachten Masse. Deswegen bin ich der Meinung, das in den heutigen Zeiten der Globalisierung, dieses Problem Paneuropäsich unter der Wahrung des Subsidiaritätsprinzip gelöst werden kann. Eben weil die einzelnen Länder – isoliert voneinander – zu sehr eingeschränkt sind in ihrem Kampf gegen ein global agierendes und eng verknüpftes Netz. Die Bürger in Spanien und Griechenland müssen merken das sie nicht alleinemit ihren Bemühungen sind gleichzeitig muss abedr auch das deutsche Volk aufwachen und sich an diesem Kampf partzipieren. Und dieser Kampf muss unanbhängig von dem Parteidenken geschehen. Egal ob links- mitte oder rechts, Frau, Kind oder Mann, Anarchist, Polizist oder Soldat, alles zusammen eine Faust gegen das heutige von den Banken dominierte System. Eine paneuropäische bzw. globale Leitforderung bzw. Slogan könnte lauten: Wir haben die Schulden nicht gemacht, also bezahlen wir nicht! Wir und erst recht unsere Kinder sind Schuldenfrei!

      • @django7:

        Forderungen kann man viele stellen, die Frage ist, wie man sie umsetzen kann. Ich halte es für ausgeschlossen, „die Bürger“ im eigenen Lande, geschweige denn in ganz Europa zu mobilisieren.

        Wir haben in verschiedenen europäischen Ländern, beispielsweise in Frankreich, aber auch bei uns, immer wieder Straßenschlachten mit brennenden Autos erlebt, ohne dass sich etwas geändert hätte.

        Allerdings haben wir in ganz Europa demokratische Verfahren – ob wir eine Demokratie haben, ist eine andere Sache. Es werden also regelmäßige Wahlen abgehalten, und bei diesen Wahlen darf man zwischen Parteien wählen. Nach einer Wahl hat die Partei mit den meisten Stimmen den meisten Einfluss.

        Das ist so, und das muss man ausnutzen. Wenn man eine Partei findet, die die eigenen Ziele unterstützt, muss man dafür sorgen, dass diese Partei an den Wahlen teilnehmen kann, dass sie gewählt wird und dass sie möglichst die absolute Mehrheit bekommt, damit sie alle ihre Ziele durchsetzen kann.

        Wenn man eine solche Partei nicht findet, muss man sie gründen oder in eine der vorhandenen Parteien eintreten und diese von innen her verändern, damit sie die eigenen Ziele vertritt.

        Die Frage ist also: Welche Ziele habe ich? Diese Ziele müssen positiv definiert sein. Nur gegen etwas zu sein, ist zu wenig. Nur Wut zu haben, bringt nicht weiter. Wir brauchen eine Vision einer besseren Zukunft. Wie soll unsere Welt für uns, unsere Kinder und unsere Kindeskinder aussehen?

        Ich wäre bei solchen Fragen vermutlich leicht überfordert, aber glücklicherweise habe ich unter http://Bandbreitenmodell.de/vision eine Vorstellung gefunden, die mir sehr zusagt, und in der Deutschen Demokratischen Partei ddp eine Partei, deren Werte http://www.ddp-partei.de/werte.html und deren Programm http://www.ddp-partei.de/programm.html mir sehr gefallen. Also engagiere ich mich für diese Partei und tue mein Bestes, um diese über den geschilderten Weg an die Macht zu bringen.

  5. @WernerPopken

    Sie haben mich falsch verstanden, von brennenden Autos war nicht die Rede. Proteste müssen zivilisert, unbewaffnet und standhaft sein, mit dem Ziel eine Demokratie aufzubauen.

    • @Django7:

      Zivilisert, unbewaffnet und standhaft, das reicht? Das Ziel ist nicht die Demokratie, sondern der Aufbau der Demokratie? Wer soll denn definieren, was eine Demokratie ist? Kommt die Definition irgendwie vom Himmel, wenn alle auf der Straße sind? Werden plötzlich alle erleuchtet? Oder ist es nicht vielmehr harte Arbeit, Überzeugungsarbeit, die eine Überzeugung voraussetzt. Wo soll die herkommen? Wer entwickelt die?

      Der Begriff Demokratie ist einfach zu schwammig. Selbst die DDR hat sich als Demokratie bezeichnet, standhaft über Jahrzehnte hinweg. Ist die USA eine Demokratie, England Frankreich? Welche Art von Demokratie hätten Sie denn gerne?

      Informieren Sie sich, was die ddp unter Demokratie versteht, und setzen Sie sich damit auseinander: http://www.ddp-partei.de/werte.html – das ist kompliziert genug, aber konkret. Demokratie heißt nicht, auf die Straße zu gehen. Und wo die Leute auf die Straße gegangen sind, ist in den seltensten Fällen eine Demokratie daraus hervorgegangen.

      Hierzulande gehen die Leute zivilisiert, unbewaffnet und standhaft seit 40 Jahren gegen die Atomkraft auf die Straße. Das Ergebnis ist ein Land voller Atomkraftwerke. Es wären noch mehr Atomkraftwerke, wenn die Leute nicht auf die Straße gegangen wären, das gebe ich zu, aber wie die Ereignisse immer wieder und konsistent gezeigt haben, macht die Regierung doch, was sie will. So viele Leute können Sie gar nicht auf die Straße bringen, dass die Regierung sich beeindrucken ließe.

      Eine neue Partei allerdings, die mehrheitsfähig wäre, wäre für die etablierten Parteien eine echte Gefahr. Das zeigt allein zeigt schon, dass dies der richtige Weg ist, dafür lohnt es sich zu arbeiten, selbst wenn es zunächst aussichtslos erscheint. Ich verlange ja nicht mehr, als dass man sich informiert.

  6. @WernerPopken

    Gebe Ihnen in allen Punkten recht… werde ich machen.

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  10. Hi everyone

    Please check this news that has never made it to the German media.
    I only send you this because it contributes to the misinformation of the public opinion in Germany, because it is considered 100%.sure that Germany will pay Greece for the forced loan during IIWW, because it was a loan.

    Germany is in difficulty because ever since 1990 the German state should have print in the annual State budget the debt to Greece. If Greece persists on that, then Germany will be in difficulty because all these years would be considered that the State budge was in purpose falsified, and besides, Germany will indeed not compete the Mastriht point of agreement with result that it will need to be placed under EE supervision!

    Thanks a lot for your attention

    http://www.csmonitor.com/World/Europe/2010/1004/Germany-finishes-paying-WWI-reparations-ending-century-of-guilt

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