Erzkonservativer Erzbischof: Woelki zieht nach Berlin und verärgert Schwule und Lesben

04.07.2011 – Der bisherige Erzbischof von Berlin, Georg Sterzinsky, ist am 30. Juni 2011 verstorben. Bereits wenige Tage später ernennt der Papst mit Rainer Maria Woelki einen umstrittenen Nachfolger. Die große Eile der Ernennung ist durch die aktuellen Reisepläne des Papstes erklärbar. Dieser wird am 22. September im Berliner Olympiastadion vor 50.000 Menschen eine Messe halten und Woelki soll ihm dabei assistieren.

Für Verärgerung und breiten Widerstand sorgen vor allem schwulen- und lesbenfeindliche Äußerungen Woelkis, über die der Spiegel berichtet hat. Auch Gerüchte über die Nähe des neuen Erzbischofs zur katholischen Laienorganisation Opus Dei irritieren Beobachter und lassen Zweifel an der Eignung des überraschend Berufenen aufkommen.

Homosexualität verstößt gegen die Schöpfungsordnung

Im Herbst 2010 hatte sich das Erzbistum Köln geweigert, den Publizisten Georg Schwikart zum Diakon zu weihen. Rainer Maria Woelki war von Februar 2003 bis zu seiner Ernennung zum Erzbischof von Berlin am 02. Juli 2011 Weihbischof im Erzbistum Köln gewesen.

In einem Gespräch mit Schwikart hatte Woelki nach einem Bericht im Spiegel geäußert, dass Homosexualität gegen die Schöpfungsordnung verstoße. Schwikart hatte in einem Aufklärungsbuch geschrieben, dass es auch Männer gebe, die Männer lieben. Dies hatte im konservativen Kölner Erzbistum für Verstimmung gesorgt.

Auch die angebliche Nähe von Rainer Maria Woelki zur katholischen Laienorganisation Opus Dei stößt in Berlin auf Kritik. Woelki hatte im Jahr 2000 an der Päpstlichen Akademie vom Heiligen Kreuz promoviert. Opus Dei ist der Träger der Universität. Die Organisation gilt als politisch rechtsgerichtet und steht vor allem durch ihre enge Zusammenarbeit mit den Diktatoren Franco und Pinochet in der Vergangenheit in der öffentlichen Kritik.

Auch die nach wie vor praktizierten Selbstgeißelungen der Mitglieder von Opus Dei – Numerarier und Assoziierte tragen zwei Stünden täglich einen schmerzhaften Bußgürtel und züchtigen sich wöchentlich mit einer 5-schwänzigen Handgeißel – sorgt bei Beobachtern für Irritation und lässt Zweifel daran aufkommen, ob die Berufung Woelkis nach Berlin eine glückliche Wahl ist.

Zwiespältige Reaktionen auf die Ernennung Woelkis

Das geringste Problem mit der Ernennung des erzkonservativen Woelki zum Erzbischof hat scheinbar Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Er freut sich über die Entscheidung für einen Nachfolger Sterzinskys und bietet dem neuen Erzbischof eine gute Zusammenarbeit an.

Wowereits Parteikollege, der Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs sieht die Ernennung kritischer. Dem Tagesspiegel sagte der Politiker: „Die Katholische Kirche ist schlecht beraten, jemanden in die Hauptstadt zu schicken, der offenbar ein Problem mit Homosexuellen hat. Die katholische Kirche tut sich keinen Gefallen, wenn sie den Vertreter einer rückständigen Glaubensrichtung in Berlin zum Bischof macht, da dies dem Lebensgefühl der Menschen widerspricht.

 

Josef Winkler, kirchenpolitischer Sprecher der Grünen, geht davon aus, dass sich die Frage, ob Woelki in Berlin bestehen kann, vor allem an seinem Umgang mit Homosexuellen entscheidet: „“Die reine Ablehnung von Homosexualität als verdammungswürdig ist sicher nicht der richtige Umgang.“

Für die CDU Bundestagsabgeordnete Monika Grütters sind vor allem die Gerüchte um Woelkis Nähe zu Opus Dei bedenklich. Sollten sie zutreffen, so sei dies „verheerend“. Der Berliner Erzbischof brauche „Offenheit für eine so heterogene Gesellschaft“ wie der in Berlin.

Eine überraschende Ernennung und ein deutliches Zeichen des Papstes

Rainer Maria Woelki selber war durch seine Ernennung vor allem überrascht worden und sieht sich selber nicht als „Heilsbringer“ für Berlin. Seine bisherigen Kontakte zu Berlin beschränkten sich auf Besuche als Tourist. Außerdem sagte er dem Kölner Domradio, er habe als Student versucht, theologische Literatur für Priesteramtskandidaten in Ost-Berlin über die Grenze zu schmuggeln.

Ratzinger setzt mit der Ernennung Woelkis ein deutliches Zeichen. Während seiner Tätigkeit als Weihbischof im Erzbistum Köln hatte der konservative Theologe wiederholt kritisiert, dass der Glaube nicht mehr selbstverständlich zum Alltag gehöre. Christen würden immer weniger und die Säkularisierung schreite voran. Dass es Woelki allerdings gelingen wird, große Teile der Berliner Bevölkerung mit Ablehnung von Homosexualität und Bekenntnissen gegen die Säkularisierung für die Ziele der Kirche zu gewinnen, scheint unwahrscheinlich. Und das ist auch gut so.

2 Kommentare

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2 Antworten zu “Erzkonservativer Erzbischof: Woelki zieht nach Berlin und verärgert Schwule und Lesben

  1. Wirklich-denken-koennen.de: das sei´ s Panier!

    Stimmt das etwa nicht: „Homosexualität verstößt gegen die Schöpfungsordnung“?!

    Wer sich seinen Schöpfer erfunden und ihm seine eigenen Gesetze als Gottes Wort untergejubelt hat, der darf sich doch schlussendlich wohl auch noch auf sein von ihm höchstselbdritt verfasstes Opus Dei berufen!

    Woher also die Empörung?

    Das ist Woelki sein Wolkenkuckucksheim, und sein Chef bestimmt, wo´s lang geht, und zwar „im Himmel wie auf Erden“! Wem also der Laden nicht gefällt, der kann ihn umkrempeln – oder soll zum Teufel gehen, der ist eh´ unterhaltsamer.

    Was also soll die moralinsaure Empörung? Denkt endlich mal wirklich – sprich dialektisch – und Ihr werdet sehen: je schärfer der Widerspruch sich gestaltet, desto fortschrittlicher die Menschheitsgeschichtet waltet. Oder so!

    Die Woelkis kommen, die Woelkis gehen – bleibt denn die „alleinseeligmachende Kirche“ für immer bestehen?! Deren Chance ist um so größer, je weniger (!) von der Marke Woelki berufen werden.

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