Innenminister Hans-Peter Friedrich: „Wer den Tod so liebt, der kann ihn haben“

10.07.2011 – Hans-Peter Friedrich war bis Anfang März 2011 ein Nobody, ein unbekannter Hinterbänkler im Bundestag und einer von unzähligen CSU-Landesgruppenvorsitzenden, die im politischen Leben eine eher untergeordnete Rolle spielen.

Durch den Promotionsbetrug von Karl-Theodor zu Guttenberg kam seine politische Karriere jedoch in Fahrt. Thomas de Maizière übernahm das Verteidigungsministerium nach Guttenbergs Rücktritt. Hans-Peter Friedrich rückte fast automatisch in das Innenministerium nach und ist seitdem unter anderem Herr über Polizei, Verfassungsschutz, Grenzschutz und Informationssicherheit.

Hardliner oder Weichei, reaktionärer Traditionalist oder innovativer Bürokrat, übereifriger Sicherheitsfanatiker oder gelassener Sachwalter der Stabilität? Wer ist der unscheinbare Jurist aus Oberfranken eigentlich, der seit diesem Jahr die deutsche Innenpolitik so maßgeblich bestimmt?

Friedrich und der Islam: Deutliche Signale zum Amtsantritt

Ich denke, dass die Menschen die hier leben und islamischen Glaubens sind, natürlich auch Bürger hier in diesem Land sind und zu diesem Land gehören; dass aber der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen lässt.“

Mit diesem Satz stellte sich der frisch gebackene Innenminister am 03. März diesen Jahres der Öffentlichkeit vor und katapultierte so seinen Bekanntheitsgrad in nur wenigen Minuten von 0 auf 100. Die Reaktionen auf diesen Affront gegen die Muslime in Deutschland und der Welt ließen nicht lange auf sich warten. Renate Künast warf Friedrich vor „Porzellan zu zerschlagen“, Cem Özdemir unterstellte ihm ein „krudes Gesellschaftsverständnis“ und Lamya Kaddor, Vorsitzende des liberal-islamischen Bundes, sprach von einer „Ohrfeige ins Gesicht der Muslime“.

Auch in den Reihen der Union war die Äußerung von Hans-Peter Friedrich nicht unumstritten. Zwar sprangen ihm Wolfang Bosbach und Volker Kauder erwartungsgemäß zur Seite. Ruprecht Polenz distanzierte sich allerdings von seinem neuen Innenminister und sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung: „Es passt nicht, wenn man sagt, eine Weltreligion gehöre nicht zu Deutschland“.

Als Friedrich am 01. Juli den jährlichen Bericht des Bundesverfassungsschutzes vorstellt, da betont er vor allem den gefährlichen Einfluss des Islam, insbesondere des Salafismus, auf die Sicherheit in Deutschland: „Salafisten streben eine völlige Umgestaltung des Staates, der Gesellschaft und unserer freiheitlich-demokratischen Ordnung an“. Sein Kollege vom Verfassungsschutz in Baden-Württemberg, Benno Köpfer, ergänzt: „Die salafistische Bewegung in Deutschland wäre ohne den saudischen Einfluss niemals so groß geworden. Saudi-Arabien gibt dafür sehr viel Geld aus“.

Als es wenige Tage später um die Rechtfertigung einer Panzerlieferung an das totalitäre Regime in Saudi-Arabien geht, als Mitglied des Bundessicherheitsrats hatte Friedrich dem Geschäft mutmaßlich zugestimmt, sind die Einwände gegen den Salafismus vergessen. Friedrich konstatiert: „Saudi-Arabien tut viel gegen Gewalt und Terror – davon profitieren auch wir“. und scheint zu vergessen, dass der Salafismus die prägende Strömung in der islamischen Monarchie ist.

Friedrich und der Terror: Sicherheit gegen Bürgerrechte

Neben dem Kampf gegen den Islam hat sich der Innenminister den Krieg gegen den Terror auf die Fahnen geschrieben. Vorratsdatenspeicherung, Anti-Terrorgesetze und ein nationales Cyber-Abwehrzentrum: Unter Hans-Peter Friedrich rüstet sich Deutschland gegen die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus und nimmt hierzu drastische Einschränkungen der Freiheits- und Bürgerrechte in Kauf.

Der bayerische Jurist und praktizierende Katholik ist ein überzeugter Anhänger der verdachtslosen und präventiven Überwachung und Kontrolle der Bevölkerung und setzt alles daran, die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland wieder einzuführen. In Bezug auf die Verlängerung der Anti-Terrorgesetze ist es ihm bereits gelungen, die Zustimmung von Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger zu erhalten.

Die liberale Ministerin hatte ihren Widerstand widerwillig aufgegeben, nachdem die Union mit den in Aussicht gestellten Steuererleichterungen einen Rettungsschirm für die FDP gespannt hatte. Leutheusser-Schnarrenberger nahm mit ihrer Annäherung an die SPD zwar eine persönliche Rache für diesen Deal zwischen Merkel und Rösler, musste der Verlängerung der Anti-Terrorgesetze um zunächst vier Jahre aber letztlich zustimmen.

Offen bleibt zunächst, wie Friedrich die Justizministerin im nächsten Schritt für die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung gewinnen will. Vielleicht hofft er darauf, dass sich Leutheusser-Schnarrenberger wie im Jahre 1996 freiwillig aus ihrem Amt zurückziehen wird. Kanzlerin Merkel dürfte sich in diesem Zusammenhang intensive Gedanken darüber machen, welches der neun Mitglieder des Bundessicherheitsrats das geheime Panzergeschäft mit Saudi-Arabien ausgeplaudert hat.

Friedrich und der Sport: Fairness und Solidarität

Neben vielen anderen Aufgaben ist der Innenminister in Deutschland auch für den Sport zuständig. Als eine seiner ersten Amtshandlungen in diesem Bereich versuchte Hans-Peter Friedrich die olympischen Winterspiele 2018 nach München zu holen.

Obwohl er mit einem guten Gefühl nach Durban flog, setzte sich Südkorea im Kampf um den Austragungsort durch. Und während der gesamte Saal nach der entsprechenden Verkündigung begeistert tobte und sich jeder für die Koreaner freute, gab sich der Innenminister keine Mühe, seine fairen und solidarischen Gefühle gegenüber dem Sieger zu verbergen.

Friedrich und die Bild Zeitung: Eine fruchtbare Verbindung

Hans-Peter Friedrich und die Bild Zeitung mögen sich. Der frisch gebackene Innenminister lässt sich gerne von dem Blatt interviewen und die Springer Gazette druckt bereitwillig alles ab, was Friedrich zu sagen hat. Zuletzt in einem großen Bild am Sonntag Interview vom heutigen Tag, in dem sich der Law-and-Order Politiker tief in die Karten schauen lässt.

Frauenfußball und internationaler Terror

Nach anfänglichen Plaudereien über den deutschen Frauenfußball (Friedrich mag Frauen und er mag Fußball und findet die Kombination aus beidem „wunderbar“) geht es direkt ans Eingemachte.

Der Kampf gegen den islamistischen Terror steht auf den Fragekärtchen der Bild Redakteure und Friedrich lässt sich nicht lange bitten: Er ist „zuversichtlich“, dass die „Anstrengungen der freien Welt“ gegen den internationalen Terror nach den Anschlägen vom 11. September erfolgreich und dass weitere Anschläge unwahrscheinlich sind.

Panzerlieferung nach Saudi-Arabien und Facebook

Über die umstrittenen Panzerlieferungen nach Saudi-Arabien will sich der Innenminister nicht äußern. Stattdessen wiederholt Friedrich, dass Saudi-Arabien „viel gegen Gewalt und Terror tut“ und dass er „alle salafistischen Bestrebungen“ mit „allen rechtsstaatlichen Mitteln“ bekämpfen will. Die Bild Redakteure begnügen sich mit der dünnen Antwort und wollen jetzt vom Innenminister wissen, ob er bei Facebook und Twitter aktiv ist.

Twitter nein, Facebook ja und hier will Friedrich dann auch brav auf das Interview mit Bild am Sonntag hinweisen. Gleichzeitig rät er Facebook, künftig sicherzustellen, dass es nicht mehr zu „Chaos-Partys“ kommt.

Respektspersonen, Linksextremismus und die 68-er Bewegung

Früher waren Pfarrer, Polizisten, Lehrer und Beamte Respektspersonen.“ Wehmütig blickt der Innenminister auf die Zeit vor der 68-er Bewegung, bevor die „Respektspersonen durch den Schlachtruf Demokratisierung mutwillig demontiert wurden“.

Friedrich fordert ein neues Bewusstsein. Der Staat ist zum Schutz seiner Bürger da, Eltern, Erzieher und Lehrer brauchen wieder mehr Autorität, Widerstand gegen Polizeibeamte muss strenger bestraft werden und der Fahndungsdruck gegen linksextremistische Gewalttaten muss erhöht werden: „Dazu gehört die gesamte Palette der Einsatzmöglichkeiten, auch verdeckte Ermittler.“

Vorratsdatenspeicherung, die Liebe zum Tod und John Wayne

In Bezug auf die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung geht Friedrich davon aus, sich zügig mit Leutheusser-Schnarrenberger einigen zu können. Die derzeit fehlende Möglichkeit zum Ausspähen unverdächtiger Bürger sieht der Innenminister als Schwächung der Ermittlungsmöglichkeiten: „Oft hilft der Zufall oder die Erkenntnisse befreundeter, ausländischer Sicherheitsdienste. Darauf können wir uns aber nicht ständig verlassen“.

Im Gegensatz zu einem seiner Amtsvorgänger, Innenminister Friedrich Zimmermann, trägt Hans-Peter Friedrich keine Waffe, sondern ist stattdessen immer von ein paar Menschen umgeben, „die eine haben und damit sehr gut umgehen können“. Mehr Nähe besteht da zu seinem Vorgänger Otto Schily, dessen an Islamisten gerichteten Satz „Wer den Tod so liebt, der kann ihn haben“ der Minister gerne unterschreibt: „Ich kann nicht erkennen, dass an diesem Satz etwas falsch ist“.

Am Ende des Interviews bekennt sich Hans-Peter Friedrich zu seiner Liebe zu John Wayne Filmen, in denen immer klar ist, wer gut und wer böse ist und in denen das Gute immer gewinnt: „In einer funktionierenden Demokratie funktionieren die Auswahlmechanismen. Am Ende kommen die Richtigen in Funktion und Verantwortung“.

Vom Hinterbänkler zum Law-and-Order Hooligan

Der frisch gebackene Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich lässt an seinen Standpunkten und Zielen keine Zweifel aufkommen. Der bislang unauffällige Hinterbänkler, dessen berufliche Erfahrungen sich auf das Politikerdasein beschränken, träumt von er Wiederherstellung deutscher Verhältnisse von vor 1968.

Ausgeprägte Staatsräson, wiederbelebte Autorität von Polizisten, Beamten, Lehrern, Erziehern und Eltern, hartes Durchgreifen gegen Störenfriede, unbegrenzte Kontrolle und Überwachung der Bürger durch den Staat und ein unbarmherziger Umgang mit den Feinden der freiheitlichen Grundordnung lautet seine Mission.

Ohne den Betrug von Karl-Theodor zu Guttenberg wäre Friedrich noch immer dort, wo er eigentlich hingehört: In die hinteren Bänke des Bundestags, an den Konferenztisch seiner CSU-Landesgruppe, an das Rednerpult seiner katholischen Studentenverbindung K.St.V. Ludovicia Augsburg und in die oberfränkische Provinz im Frankenwald.

Am Ende kommen die Richtigen in Funktion und Verantwortung“ lautet sein letzter Satz im Bild am Sonntag Interview. Keine Frage, dass er mit „dem Richtigen“ sich selber meint. Der unscheinbare Jurist hat sich in nur drei Monaten vom Hinterbänkler zum Law-and-Order Hooligan entwickelt und es steht zu befürchten, dass wir im Moment nur den Anfang der politischen Fakten erleben, die Hans-Peter Friedrich in Bayern, in Deutschland und in der Welt schaffen will.

23 Kommentare

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23 Antworten zu “Innenminister Hans-Peter Friedrich: „Wer den Tod so liebt, der kann ihn haben“

  1. Lux

    …und katapultierte so seinen Bekanntheitsgrad in nur wenigen Minuten von 0 auf 100.

    Nicht er, sondern die Medien haben seinen Bekanntheitsgrad nach „oben katapultiert„. Das ist ein feiner, aber gewaltiger Unterschied.
    Ich frage mich, worin der Verfasser des obigen Textes in dieser Aussage eine öffentliche Beleidigung (Affront) zu sehen vermag? Vielleicht verfügt er über die historischen Belege, um diese Aussage zu widerlegen? Ich jedenfalls nicht.
    Friedrich betont sogar: natürlich auch Bürger hier in diesem Land sind….
    Dem würde ich widersprechen. Denn die globalen Wanderungen basieren nicht auf Naturgesetzmäßigkeiten, sondern sind vor allem bedingt durch die „Neue Weltordnung“ und dem kapitalistischen System.
    Es verwundert auch nicht, daß die selben Medien, um einen künstlichen Eklat zu erzeugen, auf Stimmenfang bei diesbezüglich einschlägig bekannten Menschen ( z.B. dem Atlantikbrückler Özdemir) waren. Keiner von denen setzt sich mit dem Gesagten auseinander. Es wird einzig darauf eingedroschen, daß es gesagt wurde.
    Dies wiederum halte ich für äußerst bedenklich. Solches Gebaren ist allerdings bekannt und zwar immer dann, wenn der jeweils eindreschenden Seite die Sachargumente fehlen und das eigene ideologische Dogma verteidigt werden muss.
    Mindestens 80% der nichtmuslimischen Bevölkerung denkt noch weit radikaler als Friedrich.
    Das in einem Land, das für sich beansprucht eine Demokratie zu sein, in der zudem das Grundrecht auf Meinungsfreiheit gesichert sein soll, diese Menschen regelrecht Angst davor haben, in der Öffentlichkeit ihre Meinung auszusprechen, ist geradezu bezeichnend. Diese Angst ist begründet und basiert auf die zunehmende soziale Ächtung, die erfolgt, wenn solche Äußerungen getätigt werden.
    Das sind Kennzeichen einer Diktatur, aber niemals von Meinungsfreiheit oder gar Demokratie.
    Demokraten wie Roth oder Özdemir, die Angst vor der allgegenwärtigen Meinung des Volkes haben, sind nichts anderes als Faschisten. Denn sie versuchen alles niederzumetzeln, was ihrem eigenen Dogmatismus nicht entspricht.

    • Hier eine gut recherchierte Darstellung über den historischen Einfluss des Islam auf die westliche Welt:

      • Lux

        Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.
        Ich will nicht die erwähnten Einflüsse bestreiten, doch haben sie nur wenig bis nichts mit der islamischen Religion zu tun. Denn, wären die Araber beispielsweise zum Judentum (was sie ja in ihrer eigenen Variante übernommen haben) konvertiert, hätten ein grünes Spaghetti- Monster angebetet oder irgendeine andere Religion bevorzugt, wären diese Einflüsse ebenso erfolgt.

  2. Lux

    In der Dokumentation wird kein einziger Fakt genannt, der auf den Islam zurückzuführen wäre.
    Der Islam ist eine Religion. Oder besser gesagt, eine Ideologie im religiösen Gewand. Welche der genannten Elemente entstammen dieser Religion? Nichts. Wenn der Islam einen Einfluss auf Europa gehabt hätte, dann hätte Europa Mohammed oder Mekka als Wallfahrtsort übernommen.

    Zur Doku:
    – Sicherlich konnte durch die Araber antikes Wissen zurückübersetzt (!) werden. Die antiken Denker hatten nicht in Arabisch geschrieben, sondern in Griechisch und Latein. Eine Rückübersetzung wäre nicht erforderlich gewesen, wenn nicht zuvor die Christen in ihrem Wahn das antike Wissen nahezu vernichtet hätten. Dieses antike Wissen entstammte weder arabischen Gehirnen, noch hat es etwas mit dem Islam zu tun. Die Doku versucht hier ein völlig falsches Bild von dieser Epoche zu erzeugen.
    – Es gab spätestens seit Mohammeds Tod keine „religiöse und politische Einheit“ im islamischen Einflussgebiet. Dies ist eine Erfindung der Dokumacher. Ebenso haben handwerkliche und künstlerische Fähigkeiten nichts mit einer Religion zu tun. Die Religion beeinflusst lediglich das Dargestellte.
    – Was die Angaben zur Astronomie betrifft, so müssen sich die Erben der Erbauer von Stonehenge oder der Himmelsscheibe von Nebra ganz gewiss nicht verstecken. Zudem wird immer wieder in der Doku betont, daß das vorgetragene Wissen nicht den Arabern entstammte, sondern von ihnen übernommen wurde. Würde sich jemand erdreisten, zu behaupten, die europäischen Erfindungen und Entdeckungen basieren auf dem Christentum, würde man denjenigen auslachen. Und was behauptet diese Doku anderes?
    Alle Erfindungen, weltweit, wurden nicht wegen einer Religion,sondern trotz der Religionen gemacht.
    Z.B. Die arabische Kartographie beeinflusste die europäische Kartographie. Das heißt aber noch lange nicht, daß Europa nicht über eine eigene Kartographie verfügte.

    Wer das Atom spalten kann und über Satelliten kommuniziert, der muss die dafür emotionale und intellektuelle Reife besitzen. Und eine Mythologie die 2000 Jahre alt ist[oder 1300] und von einer primitiven Hirtenkultur entwickelt wurde, wird uns dabei nicht weiterhelfen.
    Michael Schmidt- Salomon

  3. Pingback: Nics Bloghaus

  4. echo

    Friedrichs Haltung zum Islam in Deutschland ist reaktionär, er ist auch ein Law-and-order-Politiker. Ansonsten ist diese Analyse aber arg herablassend und in dieser inhaltlichen Form unangemessen – es sei denn, es soll eine Satire sein. Wenn zudem der CSU-Landesgruppenvorsitzende und erste stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende, der Friedrich war, als politischer Hinterbänkler gilt, dann können Sie gleich auch die Kanzlerin als politisch relativ unbedeutende Person einstufen. Wer alle Maßstäbe verrückt, hat am Ende keine mehr.

    • @echo

      Meine Einschätzung bezieht sich darauf, dass Friedrich bis zu seiner Ernennung zum Bundesinnenminister in Deutschland weitgehend unbekannt war. Ansonsten kommen wir doch zu einem annähernd identischen Ergebnis: Friedrich ist einer reaktionärer Law-and-Order Politiker. Von daher kann meine „inhaltliche Form“ nicht so unangemessen gewesen sein.

      Was die von Ihnen kritisierte Herablassung angeht: Wer anlässlich seines Amtsantritts 4 Millionen Bürgern erklärt, dass sie eigentlich nicht dazu gehören und wer die Gesamtheit der Deutschen unter den terroristischen Generalverdacht stellt, der kann einen weniger herablassenden Umgang mit seiner Person wohl kaum für sich reklamieren.

    • Lux

      Friedrichs Haltung zum Islam in Deutschland ist reaktionär…

      @echo

      „reaktionär“ = dem Fortschritt feindlich gegenüberstehend

      1. Friedrich hat sich in keiner Weise feindlich gegenüber den Islam geäußert. Das Gegenteil ist der Fall. Er sagte: Ich denke, dass die Menschen die hier leben und islamischen Glaubens sind, natürlich auch Bürger hier in diesem Land sind und zu diesem Land gehören. Zur Gegenwart und Zukunft des Islam in Deutschland hat er nichts gesagt. Wie können sie da behaupten, er wäre dem Islam gegenüber feindlich eingestellt?

      2. Den Islam als fortschrittlich zu bezeichnen, sagt mehr über sie als über den Islam aus.

      • echo

        @ Lux

        Zu 1) Ich habe reaktionär natürlich im politischen Sinne definiert, das ist ein Unterschied. Das Zitat, das Sie von Friedrich bringen, steht bereits korrekt im Text des Blogmasters. Friedrich relativiert hier in der Tat seine früheren Aussagen. Er hat es aber erst gebracht, nachdem er, erstens, Innenminister war und erkennen musste, dass er etwas anders auftreten muss denn als Parteipolitiker und ihm dies aus Unionskreisen, sogar von Teilen seiner eigenen CSU, sehr nahegelegt wurde und, zweitens, erst nach scharfer Kritik aus allen Teilen der Gesellschaft. Frühere Aussagen Friedrichs als CSU-Landesgruppenchef lauteten stereotyp ‚Der Islam gehört nicht zu Deutschland‘ – als Anwort und scharfe Replik auf Wulffs Aussage: ‚Der Islam gehört mittlerweile auch zu Deutschland‘. Die veränderte Haltung Friedrichs ist aber rein taktischer Natur.
        Übrigens bleibt ja Friedrich stets dabei, dass der Islam historisch nicht zu Deutschland gehöre, womit er natürlich nicht unrecht hat. Das nur als Ergänzung, weil Sie behaupten, Friedrich sage nichts zur Gegenwart des Islam in Deutschland. Im Gegenteil, er wird nicht müde, zu betonen, dass der Islam als Religion oder als Ideologie (so scharf kann man das ja nicht trennen) weder früher noch jetzt noch künftig zu Deutschland gehört(e).

        Zu 2) Wer hat den Islam als fortschrittlich bezeichnet? Ich sicherlich nicht.

        @ Blogmaster Jung

        Inwiefern hat Friedrich die Gesamtheit der Deutschen unter terroristischen Generalverdacht gestellt? Mit welcher Aussage bzw. welchen Maßnahmen? Man sollte nicht übers Ziel hinausschießen mit solchen Urteilen.

      • Lux

        @echo
        1) Sie haben also das Wort „reaktionär“ im „politischen Sinn definiert“? Lächerlich, denn es verliert auch im politischen Sprachgebrauch nichts an seinem Sinn. Zudem haben sie nichts „definiert“ ( = bestimmen; die Bedeutung eines Begriffs genau festlegen), sondern sie wollten scheinbar etwas anderes damit ausgedrückt haben. Mr. Orwell hätte gewiss seine „Freude“ an ihnen gehabt. Jedenfalls benutzen sie Fremdworte, deren Bedeutung sie offensichtlich nicht kennen.

        2) Ja, das Zitat steht bereits im Text des Blogmasters. Es ist sogar die Grundlage seines Textes. Ich habe es lediglich wiederholt, um nochmals aufzuzeigen, daß ihre Interpretation dieses Zitates nichts mit dem eigentlichen Aussagegehalt des Zitates zu tun hat.

        3) Weshalb sollte ein „Parteipolitiker“, der übrigens auch in dieser Phase bereits hoher Funktionär seiner Partei war, ein anderes Verhalten an den Tag legen bzw. andere Aussagen tätigen, als er dies in seiner Funktion als Innenminister macht. Wissen sie was Authentizität ist? Naja, Fremdwörter sind nicht ihre Stärke. Aber mit den Begriffen Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit können sie doch etwas anfangen, oder etwa nicht?

        4) „…nach scharfer Kritik aus allen Teilen der Gesellschaft.

        Aha, Özdemir, Roth & Co. sind also die Gesellschaft? Nein, diese Menschen bilden in diesem Lande eine absolute Minderheit. Die Masse bzw. die meisten „Teile der Gesellschaft“ (inkl. sehr vieler Migranten) denkt völlig anders.
        Vielleicht sollten sie sich ‚mal unter die Bevölkerung mischen? Denn ihre diesbezügliche Behauptung basiert offensichtlich auf ihre Illusion und zu einem gerüttelten Maß aus ihren Informationsquellen (u.a. Industrie- und Staatsmedien), die ein Zerrbild der Wirklichkeit kolportieren. Diese Minderheitenmeinungen sind nicht nur vom neoliberalen Zeitgeist geprägt, sondern sie werden zusätzlich völlig überbewertet wiedergegeben.

        5) Danke für ihren Hinweis bezüglich der medial verbreiteten Polarität Wulff/Friedrich. Wissen sie, was Rattenfängerei ist? Wissen sie, was man unter Pseudopopulismus versteht? Wenn nicht, dann können sie danach googlen. Letztendlich sind für jeden Menschen, weltweit, nur seine Taten maßgeblich. Kleiner Denkanstoß: Der Pseudopopulist Helmut Kohl hatte seiner Zeit verkündet, „die Anzahl der in Deutschland lebenden Ausländer halbieren zu wollen“. Analog zu unserem jetzigen Fall gab es immense Aufschreie aus dem gleichen Lager wie heute. Kohl hatte sogar sein Versprechen eingehalten. Unter seiner Junta wurde die sog. „doppelte Staatsbürgerschaft“ eingeführt. Es handelte sich dabei um eine politische Milchmädchenrechnung. Sie dürfen aber auch Mogelpackung oder Etikettenschwindel dazu sagen. Auf alle Fälle wurden die gesellschaftlichen Probleme nicht gelöst, sondern verschärft. Ganz im Sinne der Interessen der „neuen Weltordner“.

        6) …weil Sie behaupten, Friedrich sage nichts zur Gegenwart des Islam in Deutschland.

        Der Artikel des Blogmasters basiert auf dieses spezifische Friedrich- Zitat. Aus diesem Zitat geht in keiner Weise eine Aussage Friedrichs zur Gegenwart des Islam in Deutschland hervor. Allein um dieses Friedrich- Zitat ging es in diesem Beitrag und in der Kommentarspalte.

        7) „Wer hat den Islam als fortschrittlich bezeichnet? Ich sicherlich nicht.

        Nach den Gesetzen der Logik (Logik = folgerichtiges Denken) haben sie das getan. Und zwar indirekt.
        Wie sie sehen, sind wir jetzt wieder beim Wort „reaktionär“ angekommen. Nichts verstanden? Es steht ihnen frei, den Text noch einmal zu lesen…😉

        @alle
        Man kann eine Krankheit nicht heilen, indem man das Fieberthermometer zerstört.

  5. Anonymous

    Lux,

    seit wann kann man den Lesen ohne zu verstehen? Was denkst du den? Haben die Berber einfach so Bücher übersetzt und sie den Europäern danieder gelegt?

    Tatsache ist, das die Moslems als gemeinwesen wissenschaftliche Tätigkeit geduldet und gefördert haben, während die Katholiken jeden den sie kriegen konnten verbrannt haben.

    • Lux

      „…seit wann kann man den Lesen ohne zu verstehen?…“

      Das geht sehr wohl.

      „Was denkst du den? Haben die Berber einfach so Bücher übersetzt und sie den Europäern danieder gelegt?“

      Das habe ich nirgends behauptet. Die „Berber“ hatten die Bücher nicht übersetzt. Diese Tätigkeit übernahmen vorzugsweise Juden. Es ist auch kaum vorstellbar, daß ein sich damals derart aggressiv ausbreitendes Imperium aus reiner Wohltätigkeit und Spendierlaune heraus das Übersetzen der Bücher gestattete. Wissen bedeutete auch damals Macht. Es müssen also andere Gründe vorgelegen haben.
      Die Araber erbeuteten diese Bücher aus den Bibliotheken der eroberten Länder. Vielleicht wussten sie nicht viel damit anzufangen und unterschätzten den Wert dieser Bücher? Diese Möglichkeit besteht zumindest.

      „Tatsache ist, das die Moslems als gemeinwesen wissenschaftliche Tätigkeit geduldet und gefördert haben, während die Katholiken jeden den sie kriegen konnten verbrannt haben.“

      Das haben sie in der Tat. Aber sie haben gewiss nicht jede wissenschaftliche Tätigkeit „geduldet und gefördert. Sonst hätten die Araber heute einen ganz anderen Technologiestand vorzuweisen und wären nicht von Technologieimporte jeglicher Art abhängig. Die wissenschaftliche Tätigkeit musste auch unter den Arabern immer im Einklang mit dem islamischen Dogmatismus stehen. Genauso, wie dies im katholischen und protestantischen Europa der Fall war.

  6. Pingback: Innenminister Hans-Peter Friedrich | thebabyshambler

  7. „Ohne den Betrug von Karl-Theodor zu Guttenberg wäre Friedrich noch immer dort, wo er eigentlich hingehört: In die hinteren Bänke des Bundestags…“

    Das ist eine sehr gute Zusammenfassung. Wobei er -streng genommen- überhaupt nichts im Bundestag zu verlieren hat.

  8. Herr Friedrich ist der ideale Politiker von heute. Genau so stellen sich Siemens und Deutsche Bank ihre Politiker vor. Fehlendes Rückrad, smart aber widersprüchlich, im Anzug ordentlich aussehend und beim Bankett spricht er genau die Worte, die man sich in der Denkfabrik ausgedacht hat.
    So muß ein Politikroboter aussehen. Perfekt.
    Vorbei die Zeiten, in denen führende Politclowns noch markige Sprüche riefen und alberne Bärte trugen.
    Außerdem: In einer Regierung Merkel wird nach außen taktiert und hinterm Vorhang gehandelt – möglichst ohne große Öffentlichkeit…
    Was soll ich sagen?: Viel Rauch um Nichts.

  9. echo

    @ Lux

    Liebe(r) Lux,
    ich schließe mich Ihrer Polemik ( … äääähhh … Entschuldigung, darf ich nicht verwenden, Fremdwörter sind für mich ja spanische Dörfer), also Ihrer wunderbaren Einlassung vollinhaltlich an. Sie haben alles trefflich ins rechte Licht gerückt, quasi ins rechte Lux (ist das jetzt auch ein Fremdwort, das ich nicht verwenden darf?).
    Oberlehrer wäre ein schöner Beruf für Sie!
    Es grüßt freundlichst …

      • echo

        @ Lux
        Besten Dank. Nett. Kannte ich nicht. Schramm habe ich immer geschätzt.

      • Lux

        @echo
        Ich denke, sie haben jetzt verstanden, was der „Oberlehrer“ (🙂 ) meinte. Sprache ist, egal in welcher Kultur und wo wir uns befinden, das oberste Kulturgut. Wird die Sprache „aufgeweicht“ (u.a. warnte Orwell davor, aber auch viele vor ihn), wird es immer wieder zu Missverständnissen führen müssen. Meine „Oberlehrerhaftigkeit“ basiert genau auf die Sorge darum. Und dabei geht es nicht um neue Worte, die in den Sprachen Einzug halten. Es geht darum, die Sprache als das zu bewahren, was sie ist. Kommunikationsmittel.

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