Aktualität und Relevanz statt Popularität: DNND.de als Alternative zu Google News

12.07.2011 – Google News ist ein praktischer Dienst. Übersichtlich nach Rubriken geordnet werden hier Nachrichten verschiedener Zeitungen, Zeitschriften und Infodienste angezeigt. Für den Nutzer entsteht ein schneller Überblick in Echtzeit. Ein Klick auf die dargestellte Headline führt zum Originalartikel des jeweiligen Mediums.

Streng genommen erfährt man bei Google News allerdings nicht, was aktuell auf der Welt geschieht sondern erhält stattdessen eine Zusammenfassung derjenigen Nachrichten, die von besonders vielen Internetnutzern angeklickt werden. Die Darstellung der News-Ergebnisse beruht nämlich, ebenso wie bei der Google Websuche, auf einem Ranking Algorithmus.

Die Bereitschaft zur Suche nach einer Alternative, in der es um die Aktualität von Nachrichten und nicht um deren Popularität geht, scheitert, wie so oft, an dem großen Komfort der Google News, an der gewohnten und vertrauten Optik und nicht zuletzt auch daran, dass man Google ohnehin ständig benutzt. Dennoch lohnt es sich, einen Blick auf den kostenlosen Nachrichtendienst DNND.de zu werfen. 

Google News: Immer mehr Menschen lesen immer weniger Artikel

Die Darstellung von Nachrichten bei Google News basiert auf einem Ranking Algorithmus, wie man ihn auch von der Websuche, der Bildersuche oder der Blogsuche bei Google kennt. Im Ergebnis führt dieser Effekt dazu, dass sich immer mehr Menschen für immer weniger Nachrichten interessieren. Je größer das Nutzerinteresse an einem Beitrag, desto besser seine Platzierung bei Google News. Und je weiter oben sich ein Ergebnis hier wiederum präsentiert, desto mehr Folgeklicks entfallen auf den jeweiligen Artikel.

So ist es zu erklären, dass unter den Google Schlagzeilen besonders häufig Artikel aus der populären Springerpresse und anderen Verlagsgruppen mit großem Leserkreis erscheinen. Nicht selten setzt sich hier die Nachricht über einen Mafia-Mord im Ruhrgebiet, den Skandal eines „Deutschland sucht den Superstar“ Kandidaten oder die Meldung über ein neues Wundermittel gegen Krebs durch und verdrängt so die wirklich wichtigen Themen mit politischer oder gesellschaftlicher Brisanz.

Hinzu kommt, dass Google das Klickverhalten natürlich protokolliert. Aus den gesammelten Daten leitet sich ein individuelles Nutzerprofil ab, das unter anderem darüber bestimmt, welche Suchergebnisse Google dem Anwender künftig bevorzugt anbietet. Wer also einmal damit begonnen hat, eher belanglose Boulevardmeldungen anzuklicken, der erhält künftig noch mehr davon und verpasst dafür relevante Meldungen über wichtige politische Ereignisse.

Bei der Verwendung von Google News muss man sich bei allem Komfort also immer darüber im Klaren sein: Die Auswahl und Platzierung von Nachrichten basiert hauptsächlich auf ihrer Popularität im Netz und sagt wenig über Aktualität und gar nichts über inhaltliche Relevanz aus.

DNND.de: Individuell, aktuell, sparsam mit Daten und komfortabel

Wer sich stattdessen einen Nachrichtenüberblick wünscht, in dem die neuesten Meldungen unabhängig von ihrer Popularität angezeigt werden und wer zudem selber entscheiden will, welche Zeitungen, Zeitschriften, Magazine und Pressedienste in der Übersicht auftauchen sollen, der sollte sich den Nachrichtendienst von DNND.de anschauen.

Der kostenlose Service wird bereits seit 1999 von Thies Lindenthal und Sam Renkema angeboten und besteht nur aus einer einzigen Seite. Aktuell sind hier insgesamt 45 Zeitungen, Zeitschriften und andere Publikationen mit ihren jeweils drei neuesten Meldungen aufgeführt. Kleine Symbole vor jeder Meldung zeigt die neuesten sechs Meldungen aller vertretenen Publikationen und diejenigen Nachrichten, die seit dem letzten Besuch auf der Seite hinzugekommen sind.

Mit wenigen Klicks kann der Nutzer einzelne Publikationen von der Übersicht ausschließen und deren Anzeigereihenfolge ändern. Innerhalb weniger Minuten erstellt man sich auf diese Weise eine individuelle Nachrichtenseite. Nach der Konfiguration kann man entweder einfach ein Bookmark anlegen (In der URL werden die gewünschten Publikationen in der selber festgelegten Reihenfolge angezeigt) oder die persönlichen Einstellungen auf dem Server von dnnd.de speichern, um sie auch von anderen Rechnern aus aufrufen zu können.

DNND.de speichert nach eigenen Angaben lediglich die Uhrzeit und eine technische Kennung im Browser des Users. Darüber hinaus wird der Webanalysedienst Google Analytics verwendet. Einen inhaltlichen Einfluss auf die Darstellung der angezeigten Artikel nimmt weder dnnd.de selber noch hat das Klickverhalten der Nutzer einen Einfluss auf die Reihenfolge der dargestellten Meldungen.

Im Gespräch mit Jacob Jung stellt Betreiber Thies Lindenthal den Nachrichtendienst so dar:

Der Grundgedanke hinter DNND war von Anfang an ein ganz simpler: Wir wollten einen Nachrichtenüberblick bauen, der auf einen Blick verrät, was die Redaktionen der Republik bewegt. Klasse statt Masse. Denn die Redakteure filtern mit menschlicher Intelligenz und professionellem Sachverstand kontinuierlich die wichtigen Nachrichten aus der Flut von Neuigkeiten heraus. Dieses Expertenwissen fließt in DNND ein und macht den Dienst besonders.

45 Publikationen mit den aktuellsten Meldungen im Überblick

Mit insgesamt 29 Diensten bilden die deutschen Publikationen den Löwenanteil bei DNND.de. Aufgeführt sind jeweils die drei neuesten Meldungen von Basler Zeitung online, Berliner Morgenpost, Bild.de, de.indymedia.org, Der Tagesspiegel, Der Westen, DIE ZEIT, diepresse.com, FAZ.NET, Financial Times, FOCUS ONLINE, Frankfurter Rundschau, golem.de, Hamburger Abendblatt, Handelsblatt.com, heise online, junge Welt, Legal Tribune, n-tv, Neue Zürcher Zeitung, RP-Online.de, SPIEGEL ONLINE, Sport, stern.de, sueddeutsche.de, taz, Technology Review, TELEPOLIS und WELT ONLINE.

Weitere zehn ausgewählte Dienste bieten ihre Meldungen in englischer Sprache: Al Jazeera, BBC, CNN.com, DW-WORLD.de, guardian.co.uk, Haaretz.com, The Japan Times, The New York Times, The Washington Post und WIRED. Ergänzt wird die Auswahl von Le Monde, Le Figaro und Liberation.fr (französisch), De Standaard (niederländisch), El Pais (spanisch) und HOBAR (russisch).

DNND.de finanziert sich über eingeblendete Werbung. Wer sich hiervon gestört fühlt, der kann die Anzeigen in seinem Browser mit einem Ad Blocker ausschalten.

Leider fehlt in der Übersicht von DNND.de derzeit noch „der Freitag“. Es wäre wünschenswert, dass die Redakteure Kontakt mit dnnd.de aufnehmen, um dort ebenfalls zu erscheinen.

4 Kommentare

Eingeordnet unter Politik

4 Antworten zu “Aktualität und Relevanz statt Popularität: DNND.de als Alternative zu Google News

  1. pekama77@gmx.de

    Tolle Empfehlung (Ironie off), da kann ich ja gleich bei google bleiben, wenn dort eh nur der selbe Schrott steht. Warum nicht mal n Artikel über net-news-express und wie sie alle heissen. Wer MSM liest, schläft nur ruhiger und ist selber schuld, wenns mal passiert…

  2. Du hast DNND.de scheinbar nicht verstanden: Hier tauchen Artikel aus 45 Publikationen unabhängig von ihrer Popularität auf. Das heißt, Du siehst exakt das, was die jeweiligen Redaktionen für wesentlich halten und kannst zusätzlich die Publikationen rausfiltern, die Dir nicht zusagen. Der Unterschied zu Google News ist dementsprechend groß, weil es hier nicht darum geht, was am meisten gelesen wird.

  3. Ja, gerade als Schreiber sollte man schon auch die Metaebene im Blick haben, also wissen was die Redaktionen zu einem bestimmten Zeitpunkt so alles absondern. Wenn man das nämlich länger im Auge hat kann man da durchaus auch Veränderungen auf einer zeitlichen Achse früher erkennen. Zumal ja jeder weiß, dass vor allem bei brisanten Themen (wie etwa aktuell Systemcrash) gerne eine Salamitaktik gefahren wird.

    Es ist also durchaus ratsam zu monitore,n wann welches Scheibchen der Öffentlichkeit zugeschoben wird.

    Als blogger sollte man aber mit ebenso großer Sorgfalt die sozialen Netzwerke monitoren sowie die anderen (progressiveren) blogs.

    Wenn man das lernt – und vorallem wie gesagt die Metaebene liest – und die drei Ebenen dann auch nochmal zeitlich zueinander in Bezug setzt, lässt sich dann ganz gut erkennen, was gerade so die Stimmung in der Gesellschaft ist und wann welche Information wo ankommt. Man muss dazu auch nicht jeden Artikel lesen, aber so die Stimmung scannen einfach…

    Im Moment baut sich übrigens gerade eine größere Misstrauenswelle gegen das System als solches auf (wen wunderts), zeitgleich kann man aber eine deutliche Zunahme der zivilgesellschaftlichen Vernetzung feststellen. Die Menschen begreifen, dass es besser ist zu kommunizieren, anstatt sich abzuschotten.

    …und google news sollte man in der Tat sehr kritisch sehen, denn letztendlich wird hier auch Information monopolisiert und wozu Monopole führen, wissen wir ja hoffentlich alle…

    Trotzdem: Google news am besten auch immer auf der Metaebene scannen um zu wissen was so common sense ist.😉

  4. tim

    Die Sache mit Google News ist viel problematischer, als hier dargestellt wird. Google scheint nämlich großen Zeitungen eine privilegierte Darstellung ihrer Inhalte zu verkaufen. Das wird deutlich, wenn man die Personalisierungsfunktionen durchtestet. Insbesondere bei Focus, Stern, FAZ habe ich folgendes feststellen können: Nimmt man eine dieser Zeitungen in die Quellenliste auf und belässt die Einstellung bei „häufig“, dann bleibt die Quelle in der Liste erhalten. Sobald man allerdings den Schieber auf „manchmal“ oder „selten“ bzw. „nie“ verschiebt, wird der Quelleneintrag gleich ganz gelöscht. Auf diese Weise wird unterbunden, dass bestimmte Quellen aus der privilegierten Erwähnung ausgeschlossen werden. Schändlicherweise weist Google auf diese Praxis nirgends hin, zumindest habe ich solche Hinweise nicht finden können. Das wäre doch mal etwas für einen neuen Artikel, immerhin nimmt die Bedeutung von Google News in Zeiten von Tablets und Google Currents weiter zu.

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