Es ist vollbracht: Apple Messias Steve Jobs im iHeaven

06.10.2011 – Steve Jobs, Gründer und langjähriger CEO des Computer-Konzerns Apple, ist tot. Der mehrfache Milliardär starb gestern in Kalifornien an den Folgen einer Krebserkrankung und hinterlässt eine trauernde Weltgemeinde, die mit Jobs ihren Verkünder, ihr Oberhaupt und ihren Messias verliert.

Wie kein anderes Unternehmen gilt Apple als Konzern der Innovationen. Dabei war keines seiner jemals auf den Markt gebrachten Produkte wirklich innovativ. Neu- und bislang einzigartig ist jedoch die Strategie, eine Marke zur Religion zu erheben.

Alle Bestandteile einer Religion – Mythos, Prophet, Symbol, Antagonist, Konzil und Devotionalien – verbinden sich bei Apple zu einem Markenkonzept, dessen Intentionen Marktanteile, Geld und Macht sind.

Apple, die sechste Weltreligion

Der Mythos Apple wurde in einer Garage, der neuen Form des Stalls, geboren. Dort entstand 1976 der Apple I, der zum Preis von 666,66 Dollar angeboten wurde und dessen Prototyp zwar nicht in einer Krippe, dafür aber in einem selbstgebautes hölzernes Gehäuse zur Welt kam.

Der angebissene Apfel ist heute eines der bekanntesten Symbole der Welt. Das Logo ziert überdeutlich die von Dritten sichtbare Seite jeden Apple Produktes und ersetzt damit nicht nur in Klassenzimmern und Hörsälen sondern auch in Wohn- und Schlafzimmern, in Büros, in Konferenzräumen, in Zügen, in Flugzeugen und auf der Straße das Kruzifix.

Die Produkte sind dabei die Devotionalien der Apple Religion. iMac, iPod, iPhone und iPad dienen der religiösen Andacht und sind gleichzeitig offen getragenes Glaubensbekenntnis. Sie demonstrieren Zusammengehörigkeit, missionieren Ungläubige und halten den Antagonisten auf Abstand.

Gegenspieler der Apple Religion war zunächst IBM und später Windows. In der betonten Gegensätzlichkeit zum teuflischen Gegner wird das Credo von Steve Jobs: „think different“ zum Weihwasser in den Händen der Gläubigen.

Die weltweit 345 Apple Retail Stores sind die Kirchen, Bethäuser und Gemeindezentren der sechsten Weltreligion. Dort ersetzt die Genius Bar Beichtstuhl und Seelsorge. Für die Kommunikation mit den Genius Mitarbeitern gilt ein strenges Protokoll. Mitgebrachte Geräte müssen zu Beginn der Sitzung auf der Bar abgestellt, Probleme zutreffend beschrieben, Fragen ehrlich beantwortet werden. Nach 15 Minuten erteilt der Genius dann die Absolution.

Einzigartige Innovation oder teure Kopie?

Apple gilt als Innovationsmotor in der Computerbranche. Beschäftigt man sich jedoch eingehender mit den Apple Produkte, dann stellt man fest, dass die hauptsächliche Innovation in der extremen Preisakzeptanz und dem gefälligen Design besteht.

Der Gedanke Bildschirm und Motherboard, wie im iMac, in einem Gehäuse zu vereinen, war auch 1998 nicht neu. Als Apple 2001 den iPod auf den Markt brachte, war das Konzept MP3-Payler bereits sechs Jahre alt. Auch das iPhone konnte sich zur Markteinführung im Jahr 2007 auf eine lange Entwicklungsgeschichte von Smartphones stützen. Und als das iPad 2010 auf den Markt kam, waren bereits neun Jahre vergangen, nachdem Microsoft 2001 den Begriff Tablet PC eingeführt hatte.

Trotzdem feiern die Apple-Jünger jedes neue Produkt als Offenbarung, erteilen Monate vor dem Verkaufsstart tausendfache Vorbestellungen und reißen den Apple-Händlern die eintreffenden Neuheiten gierig aus den Händen. Und selbst wenn sich Apple im Jahr 2006 dazu entscheidet, seinen Kunden mit der Apple Remote eine simple Infrarot-Fernbedienung anzubieten, dann bricht die Apple-Gemeinde in kollektive Verzückung aus und vergisst, dass man sogar in Deutschland ab 1956 mit dem „Zauberschalter“ der Firma Tonfunk sein Radiogerät drahtlos ein- und ausschalten konnte.

Auf wirklichem technischen Fortschritt kann die Begeisterungsfähigkeit also nicht beruhen. Scheinbar ist es also eher das Design der Apple Produkte, das ihre Begehrlichkeit verständlich macht. Eine große Kunst ist es allerdings nicht, sich mit einem Klientel, das bereit ist mehr als das Doppelte üblicher Preise zu zahlen, vernünftige Industrie-Designer zu leisten. Doch wenngleich auch das Apple-Design im Vergleich mit anderen Technik-Produkten angenehm hervorsticht: Eine unglaubliche Innovationskraft steckt wohl nicht darin, Ecken zu runden, Oberflächen zu glätten und Unansehnliches geschickt zu verbergen.

So bleibt zur Erklärung des Phänomens Apple eigentlich nur der religiös anmutende Impetus, mit dem die Marke von Beginn an konsequent aufgeladen wurde. Das Image ist blütenrein, kreativ, smart und fortschrittlich. Wer seine Persönlichkeit um diese begehrten Attribute ergänzen will, der schmückt sich mit den Insignien seiner Glaubensgemeinschaft und trägt den schimmernd satinierten Apfel wie eine Monstranz vor sich her. Und wenn Raum, Zeit und Gelegenheit dies gerade einmal nicht erlauben, dann bleiben immer noch die weißen Kopfhörerkabel, die zu dezenten Taschen leiten, in denen sich Großes vermuten lässt.

Sei individuell. Trage unsere Uniform und zahle dafür.

Think different. So ermutigt Apple Ungläubige und so stellt der Konzern sicher, dass sich die Zahl Abtrünniger in Grenzen hält. Unter dem Diktat von Oberhaupt Steve Jobs und seinen Keynotes genannten Konzilen ordneten sich Gläubige auf der ganzen Welt den Konsumanweisungen ihres Messias unter und betonen ihren teuer erworbenen Individualismus durch das Tragen einer einheitlichen Uniform.

Während die Kirchen ein Mitglied nach dem anderen verlieren, gewinnt Apple seit Jahren sekündlich neue Anhänger hinzu. Dabei vergrößerte sich das Vermögen von Steve Jobs mit jedem verkauften „i“ und mit jedem Klick in iTunes- und App-Stores bis zu seiner aktuellen Höhe von rund 8,3 Milliarden Dollar.

Solche Beträge sammelt man nicht durch den Verkauf guter und fair hergestellter Produkte. Und auch eine hohe Moral ist für eine solch ausgeprägte Generierung von Vermögen eher hinderlich als nützlich.

Bereits 1974 gewährte Steve Jobs seinem damaligen Freund und Mitbegründer Steve Wozniak einen Einblick in seinen karstigen Charakter. Er beschaffte Wozniak einen Auftrag von Atari über die Programmierung des Computer-Spiels Breakout. Jobs erhielt hierfür 5000 Dollar, behauptete jedoch gegenüber seinem Partner, nur 700 Dollar erhalten zu haben und speiste diesen mit einem Anteil von 350 Dollar ab.

2006 geriet der taiwanesische Computerhersteller Foxconn aufgrund unmenschlicher Arbeitsbedingungen in die Schlagzeilen. Mitarbeiter von Foxconn leisten durchschnittlich rund 80 Überstunden, erhalten teilweise gerade einmal einen Monatslohn von 50 Euro, dürfen während der Arbeitszeit nicht miteinander sprechen und sind gezwungen, mit gefährlichen Substanzen zu arbeiten, wenn sich durch diese das Produktionstempo erhöhen lässt. Apple lässt den überwiegenden Teil seiner Produkte in Asien fertigen und hat Foxconn die Auftragsfertigung übertragen. Von einer Mitverantwortung für den Selbstmord von mindestens 18 Foxconn Mitarbeitern kann sich Apple nicht freisprechen.

Die Akkus vieler Apple-Produkte lassen sich nicht mehr austauschen und haben insgesamt eine eher niedrige Lebensdauer. Kritiker sehen hierin einen Garantiebruch, einen unfairen Wettbewerb und eine geplante Obsoleszenz. Laut Greenpeace verhält sich Apple in den Bereichen Umweltschutz, Verwendung von giftigen Materialien und Klimaschutz, entgegen anders lautenden Konzernaussagen, nicht bestmöglich.

2011 erhielt Apple den Negativpreis „Big Brother Award“, weil herausgekommen war, dass der Konzern mit iPhones und anderen GPS-fähigen Geräten detaillierte Nutzerdaten sammelt. Eine Möglichkeit, dieser Datennutzung zu widersprechen, fehlt in Apples Datenschutzerklärung.

Weltreligion oder Börsenkonzern: Die Entscheidung liegt beim Anwender

Ein Konzern aus den USA legt eine religiöse Fährte und Millionen von Anwendern gehen Apple auf den Leim. Der Besitz und die offensive Zurschaustellung eines der hochgeschätzten Produkte ist gleichsam die Eintrittskarte für einen besonderen Lifestyle. Wer individuell, kreativ, smart und irgendwie anders sein will, der ordnet sich dem „think different“ gerne unter und sieht im Tod von Steve Jobs die vorläufige Erfüllung eines religiösen Mythos.

Keine Frage: Apple Produkte sind anziehend. Es macht Freude, sich ihnen durch vielschichtige Verpackungen zu nähern, an ihnen zu riechen, sie zu berühren, sie einzuschalten und sie bedächtig in den Alltag zu überführen.

Weniger „think different“ und mehr “think differentiated” würde allerdings zu einer zutreffenderen Beurteilung führen. Wer den Ärger über schrittweise ausfallende Anschlüsse, CD-Laufwerke, Trackpads und Tasten an seinem MacBook, das Unverständnis über die zurückgehende Batterieleistung seines nicht austauschbaren iPhone Akkus und die Wut darüber, dass man sich Apple ganz und gar ausliefern muss, wenn man die zahlreichen Funktionen und Ausstattungselemente seiner teuer erworbenen Geräte auch tatsächlich vollumfänglich nutzen will, zulässt, der gelangt zu einer differenzierten Beurteilung des Konzerns und seiner Produkte:

Vergleichsweise teure Geräte mit eher konventioneller Technik und reduzierter Haltbarkeit in einem attraktiven Gewand, hergestellt von einem gewinnorientierten Konzern, der sich in Sachen Moral und Umweltschutz nicht wesentlich von anderen börsennotierten Konzernen unterscheidet und der mit großem Aufwand Daten über seine Kunden sammelt.

Eine solche Betrachtungsweise würde auch Steve Jobs eher gerecht. Jobs war ohne Zweifel ein begabter Unternehmer mit vielen guten Ideen, dem es gelungen ist, innerhalb weniger Jahrzehnte eine international verbreitete Marke mit dem weltweit höchsten Markenwert und ein immenses Privatvermögen aufzubauen.

Zum Propheten, Glaubensführer und Messias wird er erst von seinen Anhängern gemacht, denen der frühe Tod ihres Meisters zum göttlichen Zeichen dafür gerät, selber Teil eines Mythos, einer Legende und einer weltumspannenden Gemeinschaft zu sein. Think differentiated!

25 Kommentare

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25 Antworten zu “Es ist vollbracht: Apple Messias Steve Jobs im iHeaven

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  2. PeterPan

    der gesamte artikel ist unnötig … was gibt es an den produkten zu meckern ? vllt gab es all die dinge ja wirklich schon nur war apple so schlau es richtig zu machen!
    microsoft hat den begriff tablet pc 2001 eingeführt und trotzdem träg der erste ordentliche tablet pc einen apfel als logo!

    und jeder der mal mit einem betriebssystem aus dem hause apple gearbeitet hat weiß auch warum man am ende nicht wieder zur schrottigen konkurenz will wo der laptop nach einem halben jahr gefühlte 10 min braucht um hochzufahren und die gesamte festplatte verstopft ist.

    • Das mit dem Betriebssystem glaub ich sofort, denn das ist FreeBsd das da unter der Haube werkelt. Der restlich Krempel ist fast nicht zu benutzen, viel zu teuer und ist veraltet schon wenns rausgekommen ist. Der erste richtige Tablet mit Apfel drauf, ich lach mich tot, das Ding ist ein aufgeblasenes PDA mit dem Betriebssystem eines Telefons.
      Aber glaub und vor allem bezahle ruhig weiter, die Erben von Jobs werden`s Dir danken.

  3. Gotteslästerer beim ZDF-Ausgebeutet für das iPhone
    Wie Apple in China produzieren lässt:
    http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/16/0,1872,8355632,00.html

  4. Symptomatisch für unsere Schaumschläger- Gesellschaft, dass selbst angesehendsten und reichsten Menschen von der angeblich so tüchtigen Medizin nicht geholfen werden kann! Noch dazu bei einer Erkrankung die es in der gesamten ‚armen und dummen‘ Natur nicht gibt! Mehr unter Mörder- Medizin?

  5. Innovativ war aber Apple mit i-Tunes gewiss: man konnte mit einem Klick seine erwünschte Musik-Produkte kaufen. Das gleiche gilt heute für Filme und andere technische Produkte. Da war Apple doch der Vorreiter und der Grund warum Apple so schnell bei der Jugend beliebt wurde, vor allem bei den Technik-Freaks.

    Musik war mit iPod einfacher zum Downlaoden, Spielen, Ordnen und Bedienen. Journalisten und Fernsehmoderatoren holten sich iPods, weil es ihnen von Techniker der Medien-Branche empfohlen wurde und das war die beste Werbung für Apple.

    Ich weiß noch wie bei uns in der Schule am Anfang nur Computer-Freaks apple Computer kauften und sie waren alles außer modebewusst.

    Ich bin selber kein Apple-Fan und besaß noch nie Apple-Produkte. In dem Artikel fehlen aber die wesentliche Argumente von Apple-Anhänger für Apple-Produkte (die man genügend zu lesen und hören bekommt), nämlich die Software die alles einfacher machte, wie z.B. Online-Videothek.

    Wahrscheinlich hat Herr Jung nie Freude daran gehabt sich mit Apple-Anhängern über Apple-Vorteile zu sprechen🙂

    • Genau das Gegenteil ist der Fall: Ich benutze selber seit langer Zeit eine ganze Reihe von Apple-Geräten (jetzt in diesem Augenblick zum Beispiel) und kenne ihre Stärken und Schwächen ziemlich genau. Allerdings macht mich das nicht zu einem Anhänger des Apple-Kultes und genau von dem handelt mein Artikel.

      Eine kleine Anmerkung zu iTunes und App-Stores: Apple hat Verkauf immatrieller Güter per Internet nicht erfunden sondern in den beiden Verkaufsplattformen lediglich Möglichkeiten für attraktive Profite entdeckt.

      • Zugegeben: das überrascht mich sehr.

        Ja, Sie beschäftigen sich in diesem Artikel hauptsächlich mit dem Apple-Kult. Dadurch bekam ich aber den falschen Eindruck, dass Sie Apples stärken nicht kennen würden. Mein Fehler.

  6. infopessimist

    Nun, ein Kult ohne Jünger ist keiner. Ich bin mir nicht sicher, dass man es Apple vorwerfen sollte, dass seine Produkte Kultstatus erlangt haben. Auch nicht sicher bin ich, ob man es den Apple-Jüngern vorwerfen soll, dass sie sich an den Produkten freuen können und diesen den Kultstatus geben – von den Medien mal gar nicht zu reden.

    Es geht beim Apple-Hype wie beim Apple-Bashing (der Artikel streift unnötigerweise letzteres) fast nie um die Produkte, aber fast immer um deren Image und das von Apple. Es ist doch wirklich langweilig, erbsenzählerisch darauf zu bestehen, dass sie mit dem Produkt x und y >nicht< die ersten waren, dass i-Zeugs völlig überteuert ist und dass, wer hätte das gedacht, sogar Apple-Produkte kaputt gehen können.

    Die Kritik an der Firmenpolitik ist berechtigt: Nein, es ist nicht ok, um den Preis sogar von Menschenleben möglichst billig zu produzieren, und es ist nicht ok, als Datenfangnetz mit Facebook und Google zu konkurrieren. Aber wir reden hier über eine der weltweit erfolgreichsten Firmen, nicht über Greenpeace. Das führt wohl zu mancherlei Verwechslung: ein höchst innovativer (dabei bleibe ich mal) und erfolgreicher Firmenchef muss nicht gleichzeitig ein guter Mensch sein. Erst die Vermischung von Person, Firma, Produkt und Image generiert ein künstliches Bild und damit den Kult, den man anprangern kann. Wie anderer Kult auch ist er undifferenziert und blendet große Teile der Wirklichkeit aus.

    Ebenso undifferenziert und mit nur begrenztem Bezug zur Wahrheit ist dann auch prompt die Kritik. Warum ist es erwähnenswert, dass Steve Jobs steinreich geworden ist? Ist Reichtum unmoralisch, wenn man in chinesischen Billigfabriken produzieren lässt? Wenn das grundsätzlich gilt, hätte ich nichts dagegen. Tut es aber nicht. Ist der Reichtum nicht redlich verdient, weil die Produkte gar nicht so innovativ sind und sogar kaputt gehen? Es gibt sogar Menschen, die ganz ohne Produkt steinreich werden.

    Nein, ich bin kein Jünger, ich bin nicht mal Fan. Ich arbeite nur gerne mit meinem Apple-Rechner und dass, weil ich die Alternativen nur zu gut kenne und auch benutzen muss. Mehr nicht.

    • „Warum ist es erwähnenswert, dass Steve Jobs steinreich geworden ist? Ist Reichtum unmoralisch, wenn man in chinesischen Billigfabriken produzieren lässt?“

      Natürlich ist es unmoralisch, wenn man auf Kosten der Lebensumstände, der Gesundheit und sogar des Lebens anderer zu Reichtum gelangt. Was für eine Frage. Ich kann nicht nachvollziehen, auf welcher moralischen Grundlage man hier zu einer anderen Einschätzung gelangen könnte.

      Mein Verweis auf den hohen Preis von Apple Produkten steht in direktem Zusammenhang damit, dass man sich als Hersteller bei entsprechenden Gewinnmargen (Apple Produkte werden aus denselben Teilen und in denselben Fabriken hergestellt, wie Produkte mit deutlich niedrigeren Preisen) mühelos ein kostspieliges Produktdesign leisten kann.

      Abschließend: Zwischen der Aussage, dass „sogar Apple-Produkte kaputt gehen können“ und einer geplanten Obsoleszenz besteht ein deutlicher Unterschied. Ich benutze seit 20 Jahren fast täglich Geräte von Apple und stelle fest, dass Langlebigkeit, Reparaturfähigkeit und Robustheit seit einigen Jahren nicht mehr zu den primären Produkteigenschaften zählen.

      • infopessimist

        „Natürlich ist es unmoralisch, wenn man auf Kosten der Lebensumstände, der Gesundheit und sogar des Lebens anderer zu Reichtum gelangt. Was für eine Frage. Ich kann nicht nachvollziehen, auf welcher moralischen Grundlage man hier zu einer anderen Einschätzung gelangen könnte.“

        Ich komme doch gar nicht zu einer anderen Einschätzung, obwohl das unvollständige Zitat den Eindruck erwecken soll. Bei der Einschätzung der moralischen Qualität heutiger Produktionsverhältnisse sind wir bestimmt ganz dicht beisammen. Mir gefällt nur nicht die Gemengelage in der Argumentation, in der (s.o.) „Person, Firma, Produkt und Image“ beliebig im Dienste der „Messias“-These vermischt werden.

        Ja, der Preis. Ich habe vor kurzem versucht, ein hochwertiges (bewusst) nicht-Apple-Notebook zu konfigurieren mit i5- oder i7-Prozessor, 17″ blendfreiem Display, 8 GB Ram und 256 GB SSD – die Preisunterschiede im Vergleich zum Macbook waren unwesentlich (und die Preise lagen nicht immer darunter …).

        Von Defekten bin ich zum Glück bislang verschont geblieben, höre davon aber ebenfalls gehäuft. Mein Eindruck ist, dass Produkte verfrüht und noch nicht reif auf den Markt kommen – zuletzt bei den iMacs mit Grafikproblemen und natürlich Lion.

  7. Glad to disagree, Jacob!

    Guter Verriss, sehr eloquent geschrieben. Nur zwei Detailanmerkungen: (1) Du gehst auf Jobs legendäres Privatvermögen ein. Der Haken ist hier allerdings, dass der Großteil dieses Geldspeichers nicht auf Apple zurückgeht, sondern auf Jobs‘ Entschluss, Pixar an Disney zu verkaufen; ein Deal, der ihn über Nacht zum größten privaten Inhaber von Disney-Wertpapieren gemacht hat, einer der lukrativsten Aktien der Welt. (2) Du sprichst den „Skandal“ um iPhone-Ortungsdaten an: Keine Redaktion hat sich die Mühe gemacht zu differenzieren (!), dass es hier nie um personenbezogene Nutzerdaten ging, sondern um geographische Triangulationsdaten von Sendemasten & WLAN-Routern (vergleichbar mit dem ebenfalls völlig fehlinterpretierten Google Street-View „Skandal“), und dass Apple darum kein so großes Geheimnis gemacht hat, wie immer behauptet wird. Man darf nicht vergessen, dass diese Technologie nicht nur Navigationsdienste auf Geräten überhaupt erst ermöglichte, die gar keine GPS-Kapazitäten besaßen, sondern das bestehende GPS-System um Dimensionen schneller gemacht hat.

    • Lieber Henrie,

      vielen Dank für die erste differenzierte Kritik an meinem Artikel! In Bezug auf beide von Dir angesprochenen Punkte, die in meinem Beitrag allerdings auch nur als „Nebenstränge“ aufgetaucht sind, gebe ich Dir überwiegend Recht.

      Seit der Übernahme von Pixar durch Disney hielt Jobs 6 Prozent der Aktienanteile von Disney, die zu diesem Zeitpunkt mit rund 3,5 Milliarden US-Dollar bewertet wurden. Allerdings hielt Steve Jobs im März 2010 auch 5,426 Millionen Apple-Aktien, die rund 2 Milliarden US-Dollar Wert sind.

      Mein Hinweis auf den „Datenskandal“ steht eher als Synonym dafür, dass Apple seinen Kunden insgesamt eine sehr hohe Bereitschaft zur Preisgabe von persönlichen Daten abverlangt, wenn man in den Genuss sämtlicher Systemvorteile kommen will. Genius ist eine tolle iTunes Funktion, bedingt aber unter anderem die Freigabe Deiner kompletten Musikbibliothek gegenüber dem Konzern. Um iTunes überhaupt nutzen zu können, benötigst Du grundsätzlich die jeweils aktuellste Version des Safari Browsers. Ich könnte mehr Beispiele aufzählen, vor allem dann, wenn wir noch auf das iPhone zu sprechen kämen, gehe aber davon aus, dass Du diese Einschränkungen und Bedingungen selber bestens kennst.

      Vielen Dank für die konstruktive Kritik und Dir einen schönen Tag.

      Jacob

      • Hast du dich eigentlich nicht gefragt, wieso er ausgerechnet zwei Tage nach der von Insiderkreisen als „enttäuschend“ bezeichneten iPhone 4S-Präsentation verstarb? Denkst du, was ich denke?
        Oder greift hier das, was Bill Hicks mal über Conan O’Brian sagte: „He’s a company man to the bitter, fucking end.“

  8. interessant was der Computer Genie Richard Stellman über Steve Jobs sagte

    „Steve Jobs, the pioneer of the computer as a jail made cool, designed to sever fools from their freedom, has died.

    As Chicago Mayor Harold Washington said of the corrupt former Mayor Daley, „I’m not glad he’s dead, but I’m glad he’s gone.“ Nobody deserves to have to die – not Jobs, not Mr. Bill, not even people guilty of bigger evils than theirs. But we all deserve the end of Jobs‘ malign influence on people’s computing.

    Unfortunately, that influence continues despite his absence. We can only hope his successors, as they attempt to carry on his legacy, will be less effective.“

    Stichwörte: Monopol , Samsung , Kostenlose Open-Source Programme auf apple store verboten, I-Phone geheime Ort-Speicherung

  9. Christian

    „Dabei war keines seiner jemals auf den Markt gebrachten Produkte wirklich innovativ.“

    Das kann m.E. nur jemand schreiben, der von der Geschichte der Computertechnik wenig bis gar keine Ahnung hat. Klar, ist ja auch ein politischer Blog.

    Ich selbst bin weit davon entfernt mich zu den sog. „Apple Fanboys“ oder gar „Steve Jobs-Jüngern“ zu zählen. Den Produkten von Apple jedoch die Eigenschaft „innovativ“ abzusprechen ist in etwa so wie zu sagen „dabei hat uns die Erfindung des Automobils nicht wirklich vorangebracht“.

    Was will uns der Autor also sagen? Ist er neidisch auf die Erfolge eines Steve Jobs und versucht diese kleinzureden? Macht es ihn wütend, dass Steve Jobs nicht, wie etwa dessen ehemaliger Rivale Bill Gates, seine Milliarden in den Dienst Allgemeinheit gestellt hat? Macht es ihn traurig, dass Menschen sich eher für Technik begeistern als für in seinen Augen wichtigere Themen? Ist er im Grunde seines Herzens technikfeindlich und wünscht sich die Steinzeit zurück?

    • @Christian

      Dein Kommentar widerlegt meine These von der mangelnden Innovation nicht. Ich habe insgesamt fünf Apple Produkte angeführt (iMac, iPod, iPhone, iPad und Apple Remote), bei denen es sich um Varianten bereits lange vorher und von anderen entwickelter Innovationen handelt. Durch Design, Präsentation und Marketing wurde zwar ein innovativer Eindruck erzeugt. In Wirklichkeit waren es aber „nur“ hübsch verpackte Kopien bereits bekannter Produkte.

      Um das zu widerlegen, müsstest Du jetzt doch zumindest ein einziges Produkt nennen können, bei dem es sich tatsächlich um eine Erfindung von Apple handelt. Die Frage ob ich neidisch, wütend, traurig oder technikfeindlich bin mag zwar interessant sein, hat aber mit der Innovationskraft von Apple nichts zu tun.

      • Christian

        Ich gebe Dir Recht: für sich betrachtet stellte keine der von Apple eingesetzten Techniken eine wirkliche Innovation dar. Jedoch waren die Endprodukte fast immer eine Innovation. Apple war z.B. die erste Computerfirma, die es fertig brachte einen Heim-PC zu bauen, bei dem es nach dem Auspacken und Anschließen wirklich mit dem Arbeiten losgehen konnte, ohne zeitraubende Treiber-Installationen und den letzten Nerv ziehendes Rumgezicke des Betriebssystems.

        Ich finde es schon wert, dies als Innovation anzuerkennen. Ich möchte es nochmal mit dem Automobil vergleichen: die ersten Autos fuhren zwar auch, waren aber sehr wartungsintensiv und nur etwas für technisch Versierte. Erst viel später (weit nach dem 2. WK) baute man Autos, mit denen auch technisch Unbegabte tausende von Kilometern am Stück zurücklegen konnten, ohne zwischendurch immer wieder das halbe Auto auseinander legen zu müssen.

        Apple auf Marketing und Design zu reduzieren ist m.E. zu kurz gegriffen und verkennt die Tatsache, dass Apple vor allem für Usability steht, also für die Einfachheit in der Anwendung. Jüngstes Beispiel ist das iPhone. Niemand wird bestreiten, dass Apple den Smartphone-Markt mit der Einführung dieses Produkts gründlich aufgemischt hat. Das soll keine Innovation sein? Vielleicht haben wir aber auch unterschiedliche Auffassungen von dem Begriff.

      • Hi Christian,

        wahrscheinlich nähern wir uns jetzt tatsächlich etwas aneinander an. Dreh- und Angelpunkt ist hierbei sicherlich die Definition von „Innovation“. Wenn wir uns darauf einigen, dass Apple innovative Technologien, Patente und Erfindungen zu interessanten Produktneuheiten verbindet, dann kann ich zustimmen.

        Die häufig gelobte Usabilty von Apple Produkten basiert ja vor allem auf den Systemen ab OS X. Die Grundlage hierzu wurde interessanterweise nicht von Apple geschaffen sondern von Steve Jobs Unternehmen NEXT, das er in der Zeit seiner Abwesenheit von Apple geleitet hatte.

        In Bezug auf die von Dir zuvor unterstellte Technik-Feindlichkeit muss ich anmerken, dass ich seit vielen Jahren ununterbrochen von etlichen Apple-Geräten umgeben bin. Ich schreibe Dir gerade auf einem MacBook, das per Airport-Express mit dem Netz verbunden ist, telefonieren mit einem iPhone und höre Musik per iPod. Ich will damit sagen, dass ich Apple Produkte mag und dass sie sowohl in meiner Freizeit als auch in meinem Beruf eine zentrale Rolle spielen.

        Enttäuscht bin ich allerdings darüber, dass in meinen Augen die Qualität der Produkte in den letzten Jahren rapide abgenommen hat. Auf der Tastatur von meinem MacBook funktionieren etliche Buchstaben nicht mehr, auf meiner externen Apple Tastatur hat die Lehrtaste ihren Geist aufgegeben. Bei der Mighty Mouse hat die Scrollfunktion geschätzte vier Wochen funktioniert und bei meinem iPhone hängt die Funktion des eingebauten Mikrofons von der Tagesform ab. Das interne CD-Laufwerk vom Macbook ist nach weniger als einem Jahr kaputt gegangen, das Gehäuse ist an mehreren Stellen gesprungen, das Trackpad reagiert oft nur stark verzögert, der Lüfter ist so laut wie eine Waschmaschine im Schleudergang und der Audio-Ausgang produziert einen Fehler, durch den die internen Lautsprecher dauerhaft ausgeschaltet sind und sich nicht mehr verwenden lassen.

        Viele Grüße, Jacob

  10. Bernd

    Dieser Artikel spricht mir aus der Seele. DANKE

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  12. Oliver von Palubin

    leider hat das wenig mit Politik zu dein Artikel, aber lassen wir das mal so stehen. Ich kann nicht meckern über die Qualität der Produkte, bis dato immer Glück gehabt und besonders wie mein iBook G4 ist bis zu 5 Jahre ohne Probleme gelaufen. Jetzt mit den MacBook (mid 2009) ist mir schon heruntergefallen, ohne ein Kratzer, ohne Schaden in der Festplatten und fehlende Daten, nicht mal der Bildschirm hat darunter gelitten. Man muss bedenken beim Preis ist auch im Startpaket die Software von iLife dabei, wenn man im Windows vergleichbares sucht kommt noch mehr Geld zusammen bei der Zusammenstellung. Aber ich arbeite damit gerne, weil ich schnell und ohne Probleme alles das machen kann was ich brauche, wenn nötigenfals sogar Windows virtuell via Parallels laufen kann und das deutlich besser abgesichert als Stand-alone da es im Sandkastenprinzip arbeitet. Ich denke die Apple schon viel länger kennen und auch „lieben“ dessen Produkte sind meiner Erfahrung ganz andere Charaktere als die neu dazu kommen verhalten sich meiner Meinung nach extremer so wie ich das aus dem Windows Bereich kenne. Es gibt keine Firma die unsauber arbeitet. Apple Mitarbeiter haben sogar den Foxconn Standort aufgesucht um die Vorfälle zu prüfen die dort passiert sind, Foxconn tut alles um es zu vertuschen um nicht die Aufträge zu verlieren und zu gefährden. Samsung be-nutzt ja fast Monopolweise ihre Macht im Speicher, Festplatten, Handy, TV, Receiver, usw. sind sie fast überall Nummer 1 also insgesamt schwerer und größer als Apple, nur von Apple wird mehr berichtet, Jacob du magst ja recht haben das andere Hersteller Produkte früher rausgebracht haben und kein Erfolg hatten. Denke mal an Newton war noch weiter zurück als der Tablet PC, wie auch das Palm Tablet waren die Vorläufer des ganzen. Jetzt kommt der Unterschied der entscheidend ist. Was spricht dagegen die Kopie noch genialer und besser machen als das Original, Apple hatte auch niemals gesagt das sie die ersten sind und waren sondern nur das Produkt revolutioniert haben, was stimmt, mit alten Dingen brechen was neues machen und besser. Das macht der feine Unterschied aus. Dennoch plädiere ich dafür es nicht an einer Person, ein Produkt und alles andere daran festzumachen was das wirkliche Problem ist ein ganz anderer Standpunkt. Anmerkung bei noch nicht zu vergessen jedes Jahr bekam Steve Jobs ein solidarischen Dollar ausgezahlt, er hat komplett auf das eigentlich zustehende Gehalt verzichtet, seine Aussage war es als es wieder zurück kam als iCEO (i = interim), sich nur der Vision und Apple zu helfen alles zu tun um sein Projekt Apple zu retten und erfolgreich zu machen und daher nur 1 Dollar Jahresverdienst erhält, er betonte sogar in ein Interview, ihm geht es nicht um das Geld er hat ja schon genug davon, sondern um alleine Apple. Welcher Manager/Chef würde von sich alleine mal ganz ehrlich auf das Gehalt komplett verzichten und es bei 1 Dollar Jahresgehalt ein Unternehmen führen ? Das Aktienpaket was Steve Jobs als er Next in Apple integrierte ist ja alleine gewachsen durch die Börse bzw. der Wert des Unternehmens wie auch Pixar und eben so das Aktienpaket Pixar/Disney das er hatte, betone nochmals als Chef von Pixar und Apple auf die volle Höhe des Gehaltes eines Chefs/CEO zu verzichten. Das wäre wie Ackermann würde auf sein Gehalt verzichten und er hat automatisch das Einkommen das aus dem Aktienpaket entsteht durch die Börse. Schon mal daran gedacht ???

    • Hi Oliver,

      mit Einigem von dem, was Du schreibst, bin ich einverstanden. Zum Thema Gehaltsverzicht möchte ich allerdings etwas anmerken:

      Steve Jobs hat von Apple zwar kein Gehalt, dafür aber 1999 einen Gulfstream V im Wert von 35 Millionen US-Dollar, in der Zeit von 2000 bis 2002 rund 30 Millionen Apple Aktien und 2010 noch einmal 5.426 Millionen Apple-Aktien erhalten.

      Ganz umsonst hat er insofern nicht gearbeitet😀

      Gruß, Jacob

      • Oliver von Palubin

        habe doch oben geschrieben mit den Aktien hat er verdient, ein geschenkten Gaul guckt doch niemand ins Maul wie auch ich. Aber ein Ackermann würde NICHT wie alle 98% der Chefs ebenso wenig verzichten auf das reguläre Gehalt, gehen wir mal von diesen Standpunkt aus. Da sind wir ein Stück weiter.

      • Aber schau: Eine Apple Aktie ist heute gut 422 US-Dollar Wert. Das kannst Du ja mal mit dem Portfolio aus dem Jobs-Nachlass Multiplizieren. Ob per Bargeld, Aktie oder Luxus-Jet bezahlt wird, macht doch nicht den geringsten Unterschied. Du kannst doch nicht ernsthaft davon ausgehen, dass der Verzicht von Jobs auf ein „reguläres Gehalt“ ein Zeichen von Bescheidenheit ist, wenn er stattdessen mit milliardenschweren Aktien zugeballert wurde. Klar würde Ackermann auch auf seine paar Millionen Gehalt verzichten, wenn man ihm stattdessen ein paar Milliarden in Form von Aktien geben würde.

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