Jacobs Woche (31.10. – 05.11.2011)

06.11.2011 – Die Union fordert den Mindestlohn, Papandreou denkt laut über direkte Demokratie nach, das ZDF hilft der Wirtschaft auf die Sprünge, das Deutsche Atomforum investiert drei Millionen Euro in die öffentliche Meinung, Sigmar Gabriel lädt Michael Sommer zum Tanzen ein und der doppelte Hans-Peter erklärt uns die Vorratsdatenspeicherung.

Die Woche mit Jacob Jung.

Die Woche beginnt mit einem Kracher. Die Union flirtet plötzlich heftig mit dem bösen alten Mindestlohn. Und damit nicht jeder Trottel sofort merkt, dass bei den Banknachbarn im Parlament abgeschrieben wurde, erhält das Ding einen neuen Namen: „Gesetzliche Lohnuntergrenze“. Die CDU hält es mit ihrem großen Vorsitzenden Konrad Adenauer, der einmal gesagt haben soll „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“. Mich kümmert es und deshalb gibt es im Blog die besten Unions-Zitate der letzten Jahre zum Mindestlohn.

Am Dienstag meldet sich ein anderer aufrechter Demokrat zu Wort. Der griechische Regierungschef Papandreou kommt auf den absurden Gedanken, doch mal das Volk darüber zu befragen, was es von „Rettungsaktionen“ und „Hilfspaketen“ hält. Um die Pointe direkt vorwegzunehmen: Merkel und Sarkozy brauchen nur zwei Tage, um dem Griechen den Unsinn auszutreiben. Und ernst gemeint hat er seinen Vorschlag ohnehin nicht. Interessant waren aber die entsetzten Reaktionen deutscher und europäischer Funktionsträger auf so viel Demokratie.

Apropos Demokratie: Mitbestimmung setzt politische Bildung voraus und für die ist in Deutschland vor allem das öffentlich-rechtliche Fernsehen zuständig. Während sich Tausende Demonstranten in Nizza gegen G 20 versammeln, Liquidatoren in Kiew demonstrieren, die UNESCO Palästina als Vollmitglied anerkennen und syrische Regierungstruppen weiterhin auf Demonstranten schießen, informiert uns Petra Gerster bei den heute-Nachrichten im ZDF lieber über Schnäppchenpreise beim Neuwagenkauf, die EADS Beteiligung an einem chinesischen Weltraumprojekt und eine bahnbrechende Studie der privaten „Stiftung Lesen“.

Am Mittwoch ist es ruhig und so bleibt genug Zeit, sich einmal durch das 79-seitige Konzept einer Düsseldorfer PR-Agentur zu ackern, um herauszufinden, für was das Deutsche Atomforum 2008 und 2009 insgesamt rund drei Millionen Euro ausgegeben hat. Die Mission: „Bis zur Bundestagswahl 2009 eine Grundstimmung pro Laufzeitverlängerung herstellen“. Ach ja: Das Deutsche Atomforum ist ein Zusammenschluss von RWE, Vattenfall, Eon und EnBW. Und ohne Fukushima hätte das Ganze doch auch prima geklappt.

Am Freitag meldet sich Sigmar Gabriel mit einer tollen Idee zu Wort. Auf der Suche nach potenziellen Wählern sind ihm die rund sechs Millionen GewerkschafterInnen wieder eingefallen, die im DGB organisiert sind. In den letzten Jahren war der Kontakt ein wenig eingeschlafen. Über die Agenda 2010 hatten sich die „alten Freunde“ ebenso wenig gefreut, wie über die Rente mit 67. Also verkündet Gabriel, dass der jeweilige DGB-Chef doch künftig automatisch im SPD-Vorstand sitzen soll, um beim Wahlkampf zu helfen. Dumm nur, dass Michael Sommer dem Gabriel noch am gleichen Abend einen dicken Korb gibt.

Am Samstag wird dann noch ein lustiger Brief an die Kanzlerin bekannt. Eine Handvoll „CDU-Innenexperten“, angeführt von Niedersachsens Ministerpräsident Uwe Schünemann, schreiben Angela Merkel ihren dringlichen Wunsch nach einer sofortigen Wiedereinführung der Todesstrafe Vorratsdatenspeicherung ins Poesiealbum. Bei so etwas darf der doppelte Hans-Peter natürlich nicht fehlen. Als Uhl zählt er zu den Unterzeichnern des Bittbriefes und als Friedrich hat er letzte Woche in der ZEIT behauptet, die Vorratsdatenspeicherung beziehe sich doch nur auf Daten, die von den Kommunikations-Anbietern ohnehin gespeichert würden.

 

14 Kommentare

Eingeordnet unter Die Woche, Politik

14 Antworten zu “Jacobs Woche (31.10. – 05.11.2011)

  1. Pingback: Jacobs Woche (31.10. – 05.11.2011) | Die besten deutschen Blogs aller Zeiten

  2. Ja, langweilig war es nicht. Außer in den heute-Nachrichten, dafür waren die auch an den folgende Tagen sehr unkonventionell.

  3. Diese Zusammenstellung beweist es deutlich und ist hervorragend gemacht, Jakob: „Neues aus der Anstalt“ hat keine Chance mehr, die Skurrilität der Situation noch zu überhöhen. Kabarett hilflos gegenüber der Realität.

    Die Mindestlohn-Diskussion, egal wer von wem geklaut hat, löst die Situation übrigens sowieso nicht. Weil sich die Debatte, wenn schon, um mögliche Höchstlöhne drehen müsste. Thema: Kaufkraft.

    Saludos del Uhupardo
    http://uhupardo.wordpress.com/2011/11/06/serie-der-tag-nach-dem-crash-teil-1-das-bandbreitenmodell/

  4. Hallo Jacob,

    ich sehe, Du entwickelst Dein Blog weiter. Sehr schön – auch die Ladezeiten scheinen mir jetzt komfortabler. Mach bitte auch weiterhin solche Wochenübersichten! Auch wenn ich nicht immer Deiner Meinung bin, lese ich Dein Blog gern.

    Vielleicht mal ein bisschen was zur Entspannung auch für Dich: Der Ybersinn-Redaktion wurde ein Telefonmitschnitt eines Gesprächs von Silivio Berlusconi mit Gianpaolo Tarantino zugespielt – das ist der, der Berlusconi die Frauen geliefert haben soll. Ist wirklich unglaublich, wie dieser Mann tickt!

    http://www.ybersinn.de/2011/11/06/berlusconi0001/

  5. „Aufregen ist was Gutes für mich.“

    Wusste ich doch, dass wir was gemeinsam haben. 😉

    Aber ich finde es NICHT lustig, wenn Berlusconi die Hosen runterlässt. Ich möchte mir das nicht mal in Entferntesten vorstellen, und ich kann nur hoffen, dass die Frauen, die das mit ansehen mussten, angemessen entschädigt wurden.

    Was hälst Du eigentlich von Claus Kleber?

  6. Bei mir sind Kopf und Augen zu weit oben angebracht, als dass es einen Unterschied machen würde, ob „der Pate“ seine Hosen oben oder unten hat.

    Claus Kleber? Der ist irgendwie schief.

  7. Schief? Im Sinne von schräg? Oder von ungerade?😉

    Für ZDF-Verhältnisse ist er ziemlich bissig, bissiger jedenfalls als Tom Buhrow und Caren Miosga zusammen …

  8. Stimmt – Stromlinienform in Person.

    Hmmm … Mich würde mal interessieren, was Petra Gersters Bruder Nobbi heute so treibt.

  9. Pingback: Jacobs Woche (31.10. – 05.11.2011) | Jacob Jung Blog « TJS-Telegramm

  10. @Jacob Jung
    Hallo Jacob,
    möglicherweise ist mein Beitrag an dieser Stelle völlig off topic, ich wusste aber einfach nicht in Welche Rubrik er gepasst hätte.
    Vielleicht verschiebst Du ihn nächträglich an eine passendere Stelle Deines Blogs, oder räumst ihm den Status eines Gastbeitrages ein?

    Vielen Dank für Dein Verständnis
    und beste Grüße
    selcarim (aka Knüppel)

    „Integrations“ Bambi des *Burda-Verlags für den deutschen Rapper Bushido

    Wer ist Bushido?
    Geboren am 28.09.1978 in Bonn, als Sohn einer deutschen Mutter und eines tunesischen Vaters (der trennte sich früh von der Mutter seines Sohnes) wuchs er, als deutscher Staatsbürger, bei der allein erziehenden Mutter in Berlin auf.

    Homophobe Ausfälle:
    In seinem, selbst verfassten, Song „Berlin“ fand sich 2003 die Textzeile: „“Berlin wird wieder hart, denn wir verkloppen jede Schwuchtel.“

    Nach öffentlichen Protesten weigerte sich seine Plattenfirma (Universal-Records) im Jahre 2005 die Sequenz „(…) Ihr Tunten werdet vergast“ zu veröffentlichen.

    Bei einem Konzert 2007 schimpfte er, gegen Homophobie demonstrierende Schwule und Lesben, von der Bühne herab: „Die Wichser können demonstrieren, sich aufhängen – ich scheiß drauf“.

    In einem Interview 2009 erklärte er: „Ich finde es nicht normal, schwul zu sein“.
    Auf Proteste von Schwulen und Lesben reagierte er mit dem Zeigen des Mittelfingers.

    Aufgrund dieser öffentlichen Proteste hat Bushido immer wieder scheinbar eingelenkt, aber nur um kurze Zeit später in seinen krankhaften Hass gegen Schwule und Lesben zurück zu verfallen und diesen dann erneut öffentlich in volksverhetzender Weise zu artikulieren.

    Als bekannt wurde, dass Bushido gestern ausgerechnet einen Bambi für „seine Verdienste um Integration“ bekommen sollte, fühlten sich weltweit Schwule und Lesben vom Burda Verlag verhöhnt und organisierten Proteste:

    Eine Facebook-Gruppe gegen die Auszeichnung organisierte in kurzer Zeit mehr als 13.500 Unterstützer. Auf Twitter wurde Bushido ebenfalls zum Thema. Und Teilnehmer einer spontanen Demonstration am Ort der Preisverleihung (Wiesbaden) trugen Plakate wie „Bambi der Schande“ und hielten Songtexte von Bushido in die Höhe.

    Bei der gestrigen Bambi-Verleihung äußerte sich der, ebenfalls ausgezeichnete, schwule Sänger der deutschen Popgruppe „Rosenstolz“, Peter Plate, auf der Bühne über Bushido, ohne dessen Namen zu nennen, wie folgt: „(…) er freue sich, bei der Verleihung dabei zu sein aber, um morgen noch in den Spiegel schauen zu können, müsse er etwas sagen. Es sei sicher richtig, Menschen eine zweite Chance zu geben. Aber einen Sänger auszuzeichnen, der Sachen singt und sagt, die frauenfeindlich, schwulenfeindlich, schlicht menschenverachtend sind, finde er nicht korrekt …“ Dafür erhielt Plate Beifall.

    Der so Kritisierte bat sich daraufhin ausgerechnet den „Respekt“ aus, den er Schwulen, Lesben und Frauen so offenkundig versagt.

    Im Vorfeld der Auszeichnung hatte der Preisverleiher (Burda Verlag) alle Kritik zurückgewiesen und trotzig darauf beharrt Bushido als „gelungenes Beispiel für Integration“ auszuzeichnen. Ganz abgesehen von den homophoben und frauenverachtenden Ausfällen des Rappers, kann ich nicht nachvollziehen, wieso ein, als Deutscher Geborener und in Deutschland Aufgewachsener sich „integrieren“ musste, obwohl er nicht als Migrant ins Land kam, sondern seit seiner Geburt in Deutschland alle staatsbürgerlichen Rechte für sich in Anspruch nehmen konnte.

    Die Proteste gegen die Preisverleihung reißen indes nicht ab. Politiker und Prominente zeigen sich empört über den Burda-Verlag und in der schwul-lesbischen Community wird zum Boykott von Burda-Produkten aufgerufen.

    *Burda-Verlag:
    • Bunte (1948–54 als „Das Ufer“, später „Bunte Illustrierte“)
    • Focus (1993); Focus-Money, Focus-Schule
    • Neue Woche (1998)
    • Superillu (1990)
    • Tomorrow (1999 bis Februar 2009)
    • TV Spielfilm
    • TV Today
    • TV Schlau
    • TV Spielfilm XXL
    • ARD Buffet
    Zielgruppenzeitschriften
    • Amica (bis Mai 2009[6])
    • Elle (1988, mit Groupe Hachette), Elle Bistro (1997), Elle Decoration (1990)
    • Frau im Trend
    • freundin (1962 übernommen)
    • Playboy
    Special-Interest-Zeitschriften
    • Burda Moden (1950); Burda Spezial.
    • Chip; Chip Foto Video Digital, Chip Sonderheft, Chip Test & Kauf.
    • Cinema
    • Das Haus (1949), Das Haus ideenMagazin, Das Haus Spezial
    • Fit for Fun
    • Freizeit Revue (1970); Freizeit-Revue Profi Rätsel, Freizeit Revue Rätsel Hitparade
    • Gartenspaß
    • Gartenträume
    • Glücks-Revue (1986); Glücks-Revue Spezial Rätsel, Glücks-Revue Spezial Rätsel Basar.
    • Gourmetträume
    • Guter Rat („Verbrauchermagazin“, 2002 übernommen)
    • Instyle (1999 übernommen)
    • Lisa (1994); Lisa Kochen und Backen (1997); Lisa Wohnen und Dekorieren (1998) Lisa Blumen und Pflanzen (2001).
    • Mein schöner Garten (1972)
    • Meine Familie & ich (1972 übernommen)
    • Freizeit Revue
    • Viel Spaß (1999)
    • Wellfit (2001).
    • Wohnen & Garten
    • Wohnenträume
    • Young (bis Februar 2009)
    TV- und Radiosender
    Burda Broadcast Beteiligungen:
    • BB Radio 50,0 %
    • Donau 3 FM 50,0 %
    • Ostseewelle 46,3 %
    • Studio Gong-Gruppe 41,7 %
    • Radio Teddy 17,5 %
    • Antenne Bayern 16,0 %
    • München TV 16,0 %
    • Radio Arabella 15,0 %
    • Die neue Welle, Karlsruhe 13,9 %
    • Radio Galaxy 10,5 %
    • Big FM, B-W 10,1 %
    • Hit Radio FFH 4,2 % (gehört zur Radio Tele FFH-Untergruppe, die auch planet more music radio und harmony.fm betreibt)
    • RTL II 1,1 %
    Quelle: Wikipedia

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s