Medienkritik: ZEIT ONLINE und die erleichterten Griechen

11.11.2011 – Unter dem Titel „Griechenland schöpft neue Hoffnung“ berichtet die ZEIT in ihrer Online-Ausgabe heute über den neuen griechischen Regierungschef Lucas Papademos.

Bereits im Teaser des Beitrags heißt es, viele Griechen seien erleichtert und trauten Papademos zu, Griechenland aus der Krise zu führen. Die ZEIT erweckt hier den Eindruck, als habe sie eine repräsentative Gruppe der griechischen Bevölkerung über ihre Einschätzung befragt.

Im Artikel erfährt man dann jedoch, dass dieses positive Urteil ausschließlich auf die Äußerungen eines einzigen Griechen beruht: Terry Pantazis, Inhaber eines Fotogeschäftes im Zentrum von Athen, findet es gut, dass Lucas Papademos jetzt Ministerpräsident wird. Hieraus leitet der Beitrag eine insgesamt positive Stimmung in der Bevölkerung ab und kommentiert: „Ein Land atmet auf“.

Man kann darüber streiten, ob es eine gute Idee ist, ausgerechnet einen früheren EZB-Vizepräsidenten zum neuen Regierungschef Griechenlands zu machen. Unstrittig sollte allerdings sein, dass es sich bei Papademos nicht um einen gewählten Vertreter des Volkes sondern um einen ernannten Ministerpräsidenten handelt, über dessen Akzeptanz in der Bevölkerung nur gemutmaßt werden kann.

Link zum ZEIT Artikel

22 Kommentare

Eingeordnet unter Außenpolitik, Politik

22 Antworten zu “Medienkritik: ZEIT ONLINE und die erleichterten Griechen

  1. Pingback: Medienkritik: ZEIT ONLINE und die erleichterten Griechen | Die besten deutschen Blogs aller Zeiten

  2. Nun gut, ich habe immerhin mit drei Griechen gesprochen (Mehrheit hat Recht oder nicht). Zwei davon winkten wortlos und verächtlich ab, hatten gar keine Absicht, sich überhaupt zu äussern. Der Dritte sah im neuen Regierungschef „ganz sicher Vorteile … für die Finanzmärkte“.

    Auf den Strassen von Athen dürfte die Anzahl der genervten Abwinker die absolute Mehrheit darstellen, alles andere wäre sehr verwunderlich.

    Saludos del Uhupardo
    http://uhupardo.wordpress.com/2011/11/10/papademos-und-monti-keine-chance-fur-die-neuen/

  3. „ausgerechnet einen früheren EZB-Vizepräsidenten zum neuen Regierungschef Griechenlands zu machen.“

    Das ist die Absicht und zeigt die Richtung, in die Griechenland nun gedrängt wird. Ich frage mich, ob das griechische Volk das mit sich machen lässt.

  4. Name

    Die Zeit, die teuersten Desinformationen und die teuerste Verblödung, die man an einem Kiosk käuflich erwerben kann.

  5. fischi

    Der Zeit-Artikel ist wie vieles andere was die Medien so von sich geben unter Volksverdummung abzuhaken.
    Ich denke mal das das griechische Volk weis das nur ein Verbrecher gegen einen anderen ausgetauscht wurde.

  6. batico

    Es fällt doch offenbar einer Vielzahl von Lesern auf, daß ZeitOnline in eine gefährliche, selbstzerstörerische Meinungsbeeinflussung abgedriftet ist. Unliebsame Kommentare, die makellos den unfähigen Politikern die Lügen-Maske herunterziehen, werden einfach gelöscht. Ein Diskurs wird nicht zugelassen. ZeitOnline ist wohl zum Zentralorgansblatt der Merkel-Regierung verkommen. Und somit auch der unseeligen EURO-Politik.

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  8. fischi

    Leider fallen aber noch viel zu viele auf die massive Propaganda rein.
    Im Moment werden die Lügen immer skrupelloser, das war am Ende der DDR auch so.
    Diese Propagandalügen haben auch einen großen Anteil zu deren Ende
    beigetragen.

    • Stimmt! Keiner hat denen mehr geglaubt!

      • fischi

        Leider wird das in heutigen Berichten total vernachlässigt.
        Deswegen finde ich die Blogs auch enorm wichtig, die Medien versagen leider reihenweise in diesem Staat.

        • Ja, ich auch.

          Dass die Medien über den Ruf nach Versammlungs- Presse-, Rede- und Meinungsfreiheit am Ende der DDR nicht berichten, ist klar, obwohl das eine der wichtigsten Forderungen im Herbst 1989 war! Die Parrallelen zu heute sind zu deutlich!

          Der Staat BRD macht heute mit denen, die gegen das System protestieren und diese verbrieften Rechte einfordern, 100 %ig das selbe, was die DDR damals gemacht hat. Es gibt absolut keinen Unterschied. Außer einen: Die DDR-Führung hat es nicht gewagt, so massiv und gewalttätig gegen die öffentlichen Demonstranten vorzugehen, wie es die Polizei heute tut. Soweit ich mich erinnere gab es nur einmal einen Gewalt-Ausbruch von Seiten der Polizei und Armee (wenn ich mich reicht erinnere): Am 7. Oktober 1989 in Berlin. Kläre mich auf, wenn Du etwas anderes weißt. Auch damals erschallte der Ruf – genau wie heute – „Keine Gewalt!“

  9. fischi

    Wir waren schon ganz schön naiv.
    Was Geld aus Menschen machen kann konnte ich mir nicht vorstellen.
    Gewalt gab es bei den Montagsdemos hier, im äußersten Osten, soviel ich weis nicht.
    Was sollten auch die paar Polizisten machen, die hatten doch auch keine Lust mehr.

    Wenn ich das sehe was heute abgeht, nein das kann es nicht sein.
    Von Stuttgart 21 waren ja genug Filme im Netz, wild prügelnde Polizisten-haben die überhaupt kein Gewissen?

  10. fischi

    Ich denke eher die Wahrnehmung was überhaupt Gewalt verschiebt sich immer weiter in eine Richtung mit der ich nichts mehr anzufangen weis.
    Die Schuldigen sind für mich vor allem die unkritischen Medien.

    • Ich denke, es sind nicht nur die Medien. Da steckt mehr dahinter. Und das Grundproblem ist diese Gesellschaft, die von ihrem Grundverständnis her gewalttätig ist. Musst nur auf die Sprache achten: „Märkte erobern“, „Konkurrenz ausschalten“, „Ressourcen ausbeuten“ und so weiter. Du findest sicher weitere Beispiele.

  11. batico

    Ich wurde jetzt zum zweiten Mal beit ZEITonline ohne begründung ausgesperrt – die Begründung kann nur lauten: Verstoß gegen das Prinzip, daß man nur konforme Meinungen zulassen will.

  12. Jochen1953

    Ich bin nicht sicher, ob meine Frage hier hin gehört, aber mir fällt nichts Besseres ein. Kann mir mal jemand kurz und verständlich erklären, weshalb ein Staatsbankrott eine solche Katastrophe für die Masse der Griechen sein soll? Im reichen Deutschland besitzen etwa 3/4 weder Staatspapiere noch Aktienpakete. Die bei einem Staatsbankrott in der Exportwirtschaft entstehenden Arbeitslosen würden durch die entfallenden Zinszahlungen entschädigt werden können. Wäre das in Griechenland anders oder habe ich etwas Wesentliches übersehen?
    Dank im Voraus

    • Ich sehe in einem Staatsbankrott ehrlich gesagt auch keine Katastrophe, sondern eher eine Chance zum Neuanfang. Genau das wollen die jetzt Herrschenden allerdings nicht und malen darum ein furchtbares Gespenst an die Wand, das im Grunde ihre Angst vor dem Verlust ihrer Macht widerspiegelt.

      Soweit ich das verstehe.

      Ansonsten denke ich, dass ein „Staat“, der immer ein durch die Herrschenden (egal wie die heißen mit all‘ ihren „ismus“) künstliches Gebilde ist, und darum gar nicht bankrott gehen kann. Eben, weil er ja ein vollkommen künstliches Gebilde ist

      Heute morgen hatte ich einen interessanten Gedanken: Der Staat braucht die Menschen (die an ihn glauben), aber die Menschen brauchen den Staat überhaupt nicht!

      Darum muss der Staat (die ihn gebildet haben) auch Gewalt ausüben, um sich selbst zu erhalten… Staatsgewalt…

      • batico

        Genau so ist es. Das uns – vermutlich angeborene – Bedürfnis, uns in sozialen Gruppen aufzuhalten und so unsere existenziellen Ängste zu lindern, werden von einigen Wenigen immer dazu genutzt, sich Vorteile zu Lasten der Gruppe zu verschaffen. Sie setzen sich dann an die Spitze des Rudels und (ver)führen den Rest. Vermutlich bedarf es einer höheren Kulturstufe, damit es höchstens noch einen „Primus inter Pares“, also einen Ersten unter Gleichen gibt. Es gibt solche Menschen schon, und ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre ein Schritt dorthin. Die derzeitigen Machthaber wollen dies alles nicht, da sie – aufgrund persönlicher Defizite intellektuell gar nicht in der Lage dazu sind, sich „sozial“ zu verhalten. Sie haben immer noch den Glauben, durch Geld und Macht über anderen zu stehen und ein „glückliches Leben“ haben zu können…..geht natürlich nicht, und aus dieser Frustration (eine gegen sich selbst gewendete Agression) machen sie allen Anderern das Leben schwer.

        Ich wünsche allen Lesern ein paar nette Feiertage !

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