Zum Tod von Franz Josef Degenhardt

14.11.2011 – Heute ist der Liedermacher und Schriftsteller Franz Josef Degenhardt im Alter von 79 Jahren gestorben. Wie kein anderer verlieh er der 68er Bewegung und der politischen Linken in Deutschland eine laute Stimme. Bis heute haben seine Lieder nichts von ihrer Aktualität, ihrer Klarheit und ihrer kompromisslosen Aufrichtigkeit verloren.

Als promovierter Jurist war Degenhardt seit 1969 als Rechtsanwalt in Hamburg tätig. Er wurde als Verteidiger unter anderem im Rahmen der Antidemonstrationsverbote für die APO und für Mitglieder der RAF aktiv.

1971 wurde er aus der SPD ausgeschlossen, weil er anlässlich der Landtagswahlen in Schleswig-Holstein einen Wahlkampfaufruf zugunsten der neu gegründeten DKP gestartet hatte. 1978 trat Franz Josef Degenhardt der DKP bei, in der er bis zu seinem Tode organisiert war.

Mich, wenn sie mich zu Grabe tragen,
also dann mitten durch die Stadt.
Auf einen offenen Leichenwagen,
dass man davon noch was hat.
Kurz durch die Schmuddelkinder-Viertel,
möglichst im Morgensonnenschein.
Lasst doch den schwarzen Kutscher fluchen,
mein erster Schulweg soll es sein.

[Franz Josef Degenhardt: Das Testament]

35 Kommentare

Eingeordnet unter Kultur

35 Antworten zu “Zum Tod von Franz Josef Degenhardt

  1. seb

    Schade, dass bisher das Lied über die Figur des „Rudi Schulte aus Essen“ noch nicht erwähnt wurde. Das Lied erzählt die Geschichte von einem Mann des 20. Jahrhunderts und seinem kämpferischen, und steten aber auch erschöpfenden und aufzehrenden Kampf als Kommunist und Arbeiter in Westdeutschland.
    So meint Lenin im Lied zum alten Rudis Schulte, geleht an die Kremlmauer in Moskau – „Schultn Rudi – haste gut gemacht“.
    Vielleicht gilt dies ja auch für Franz Josef Degenhart:

  2. werner köster

    Zum „Testament“ von Degenhardt. Es muß natürlich heißen „Möglichst im Morgensonnenschein“. In Ihrer Fassung ist es ja grauenhaftes Deutsch.
    Ciao, herzlichst
    Werner Köster

  3. Rainer

    Als ich das gerade gelesen habe, kamen mir fast die Tränen. Mit ihm geht ein Stück Hoffnung aus dieser hoffnungsarmen Welt.

  4. Oh je, wieder einer, von dem man lange nichts gehört hat und den normalen Medien erst wieder dessen Tod eine Meldung wert ist. Aber vielleicht wollte er das ja in den letzten Jahren so. Degenhardt hat als Rechtsanwalt sicher weniger bewirkt denn als Liedermacher, bei aller Problematik mancher Texte („Kreti und Spethi“ z.B.).

  5. Meine erste „Berührung“ mit FJD hatte ich irgendwann in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre, als ich mit der DGB-Jugend einen mehrtägigen Fortbildungskurs für Betriebsräte und Jugendvertreter in (West-) Berlin absolvierte.

    Wir waren in einem Gewerkschaftshaus am Wannsee untergebracht und abends gingen wir in einige dieser „total versifften“ linken Studenten-Kneipen, in denen zerschlissene Sofas rumstanden, die „vor Dreck starrten“ und in denen … u.a. die Musik von Franz-Josef Degenhard lief. Meine „Mitstreiter“ und ich waren uns damals ganz sicher, dass „die Revolution“ kurz bevorstand🙂

    Da ich damals sehr unter meinem autoritären Vater zu leiden hatte, der u.a. überhaupt nicht mit meiner Homosexualität umgehen konnte (ich hatte mich bereits mit 16 Jahren geoutet), gefiel mir Degenhards Song „Vatis Argumente“ so gut, dass ich mir die Vinyl-Single kaufte.

    Später habe ich FJD dann nur noch sporadisch gehört, auch weil ich Musik, als vermeintlich „taugliches Mittel“, um „politisches Bewusstsein“ zu schaffen und zu pflegen, total überschätzt fand. Die us-amerikanischen „Protest-Songs“ gingen mir seitdem ebenfalls zunehmend auf die Nerven und ich empfand sie immer stärker, als „verlogen“, weil die Texte mit dem tatsächlichen (politisch bewussten) Handeln der Interpreten und Komponisten so auffallend wenig zu tun hatten.

    ‚Väterchen Franz‘ habe ich aber weiterhin gemocht und sein „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“, nach dem ersten Hören, nie wieder vergessen.
    rip FJD

  6. Pingback: Jacobs Woche (13.11. – 19.11.2011) | Jacob Jung Blog

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