Friedrich brüskiert den türkischen Außenminister Davutoğlu

5.12.2011 – Die Deutsch-Türkischen Nachrichten berichten heute über einen Zwischenfall, der sich am vergangenen Freitag ereignet hat.

Während eines Treffens mit dem türkischen Außenminister Davutoğlu hatte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich von „islamistischen Terroristen“ gesprochen und war daraufhin von seinem Gast öffentlich gerügt worden.

Christlicher Terrorist

Der Innenminister hatte davon gesprochen, dass die deutsche Regierung jede Art des Terrorismus bekämpfe und dabei sowohl gegen rassistische als auch islamistische Terroristen vorgehe, als er von dem türkischen Außenminister unterbrochen wurde:

„Eine Minute bitte, ich habe nie den Ausdruck „christlicher Terrorist“ benutzt, obwohl die Mörder aus der Neo-Nazi Szene Christen waren. Sie können den Ausdruck „islamistischer Terrorist“ nicht benutzen. Haben wir jemals gesagt „deutsche Rassisten“, um die Mörder der Migranten zu bezeichnen?“

Friedrich bemühte sich um eine Rechtfertigung und sagte, man könne den Begriff „islamistischer Terrorismus“ benutzen, um Gruppen wie al-Kaida zu bezeichnen. Daraufhin widersprach Davutoğlu ihm erneut:

„Ja, wir können al-Kaida oder Bader-Meinhof als terroristische Organisationen bezeichnen, aber wir können dabei nicht den Terminus Islamisten oder Christliche Terroristen benutzen.“

Auch die Haltung der Bundesregierung zu den Mordanschlägen der Zwickauer-Terrorzelle dürfte das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei deutlich belastet haben.

Noch am 13. November hatte Hans-Peter Friedrich gegenüber der Tagesschau von den sogenannten „Döner-Morden“ gesprochen und damit einen Begriff verwendet, der die bedrohliche Ernsthaftigkeit und die extremistische Motivation der Taten unangemessen verharmlost.

Mehr zu diesem Thema: Der Staat und seine Opfer

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66 Kommentare

Eingeordnet unter Außenpolitik, Innenpolitik, Politik

66 Antworten zu “Friedrich brüskiert den türkischen Außenminister Davutoğlu

  1. Katja Neutze

    Es handelte sich natürlich nicht um “ISLAMISCHE Terroristen”, wie die RAF keine “christlichen Terroristen” waren (die haben sich übrigens auch nicht in ihren Bekennerschreiben auf die Bibel bezogen). Aber “ISLAMISTISCHE Terroristen” (Bezugnahmen auf den Koran liest man da durchaus!) waren es sehr wohl! Dass Friedrich den Unterschied zwischen islamisch und islamistisch nicht kennt, überrascht natürlich nicht, schade, dass er es deswegen Herrn Davutoğlu nicht erklären konnte.
    Da kann man mal sehen: Einer der in Deutschland intern als “Hardliner” gilt, ist im internationalen Vergleich ein Softie. Man muss eigentlich Davutoğlu und Erdogan gratulieren: Wie sie ausländische Politiker mit – teilweise sehr – eigenwilligen Thesen vor sich her treiben, das zeugt von Selbstbewußtsein, Redegewandtheit und Intelligenz.

    • Weltbürger

      @Katja Neutze
      Ich kann mich an kein Bekennerschreiben von “islamistischen Terroristen” erinnern. Auch der Koran liefert einzige Sure die Ihre Tat begründet.
      Keine monotoischtische Religion befürwortet Gewalt.
      Der Täter versucht sich nur auf die Religion zu beziehen um seine Taten zu rechtfertigen. Breivik sah sich als Kreuzritter, Sarkozy sieht sich als Führer der “den Kreuzzug zur Mobilisierung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, und dann die Arabische Liga und die Afrikanische Union” angeführt hat”. Kann man jetzt das Christentum dafür verantworten?
      Nein, es sind menschliche Verfehlungen einiger Einzelner.
      Es sind vergebliche Versuche Religion zu instrumentalisieren.

  2. Pingback: Jacobs Woche (4.12. – 10.12.2011) | Jacob Jung Blog

  3. Pingback: Christliche und islamistische Terroristen… : Klemmeisen

  4. F.Wagner

    Wer Terrorist ist, ist heute wie damals nicht so leicht zu sagen…, weil Anschläge oder Anschlagsversuche, wie die heutigen “Briefbomben”, immer irgendwem nützen. Sie dienen dem Systemerhalt, der Kapitalismus braucht das um sein Dasein zu rechtfertigen, ebenso die Kriege um Öl und andere Bodenschätze… Lebt “Gladio” noch ? “Beim schwersten Anschlag der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte sterben 13 Menschen auf dem Münchner Oktoberfest. Im Lauf der Jahre häufen sich die Indizien, dass diese Anschläge in einem bestimmten Zusammenhang stehen: Alle Täter kommen aus dem Umfeld rechtsradikaler Gruppen, mehrfach wird militärischer Sprengstoff benutzt.
    Die Spuren führen zu einer geheimen Struktur, koordiniert von der NATO und den nationalen Geheimdiensten – ohne parlamentarische Kontrolle. Ihr Name: “Stay behind”, später auch “Gladio”. Sie geht auf eine US-Initiative für “verdeckte Operationen” von 1948 zurück. Geheime Waffendepots werden angelegt und Agenten ausgebildet. Im Falle eines sowjetischen Angriffs auf Westeuropa sollten sie sich überrollen lassen und hinterrücks Sabotageakte und Guerillaoperationen durchführen. Doch der sowjetische Angriff blieb aus. Was aus den geheimen Strukturen wurde, ist weitgehend unbekannt.
    Spuren von Gladio finden …”
    http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=1214846,day=5,week=7,year=2011.html

  5. Pingback: Christliche und islamistische Terroristen… « Klemmeisen

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