Wirtschaft. Wachstum. Wohlstand. Danke, Deutschland.

22.12.2011 – Passend zur Jahreszeit lächelt uns in diesen Tagen aus vielen Zeitungen und Zeitschriften ein junger Mann in Arbeiterpose entgegen und freut sich darüber, dass in Deutschland so viele Menschen in Arbeit sind, wie nie zuvor.

Mit der Anzeigenaktion stellt sich die Bundesregierung zum Jahreswechsel selber ein gutes Zeugnis aus und bedankt sich gönnerhaft bei ganz Deutschland.

Wer sich hiervon nicht angesprochen fühlt, weil er arm oder von Armut bedroht ist, trotz aller Anstrengungen keinen existenzsichernden Arbeitsplatz findet oder aufgrund statistischer Winkelzüge nicht in der bundesdeutschen Erfolgsbilanz auftaucht, der hat sich nicht genug angestrengt. So zumindest liest sich die steuerfinanzierte Kampagne des Bundeswirtschaftsministeriums.

Danke, Deutschland.

Deutschland geht es so gut wie lange nicht“. Mit diesen Worten verabschiedete sich Angela Merkel am 22.7.2011 in die parlamentarische Sommerpause. Was die Kanzlerin auf der Bundespressekonferenz so selbstbewusst feststellt, deckt sich kaum mit der Wahrnehmung und Lebenswirklichkeit großer Teile der Bevölkerung.

Doch darauf kommt es in der Politik nicht an: Wenn man nur lange genug betont, dass alles wunderbar ist, wird es irgendwann auch geglaubt. Und jeder der bekennt, dass es ihm eigentlich gar nicht so gut geht, bleibt als Versager zurück. Er hat den Anschluss an unsere Erfolgs- und Leistungsgesellschaft verpasst. Und weil die Rahmenbedingungen und Voraussetzungen so glänzend sind, muss er die Schuld daran wohl selber tragen.

Ein halbes Jahr später, diesmal steht das Parlament vor der Weihnachtspause, kommen Eigenlob und Erfolgsappell aus dem Bundesministerium für Wirtschaft. Den emotionalen Faktor erledigt dabei das eigentliche Kampagnenmotiv mit viel Bild und wenig Text.

Auf seiner Internetseite vertieft der Wirtschaftsminister seine Botschaft. Hier kann man unter anderem nachlesen:

„Deutschland steht heute robust da. Das ist das Verdienst der Wirtschaft und damit der vielen Unternehmerinnen und Unternehmer und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jeden Tag aufs Neue Höchstleistungen bringen.“

Hier zeigt sich, bei wem sich die Politik mit ihrer teuren Anzeigenkampagne vor allem bedanken möchte: Bei der „Wirtschaft“. Und warum geht es der Wirtschaft so gut? „Weil wir unsere Politik an den Grundsätzen der sozialen Marktwirtschaft ausrichten“. Aus dem missverständlichen „Danke, Deutschland“ wird also bei näherer Betrachtung ein dickes Dankeschön bei sich selber.

Und weiter heißt es beim Bundeswirtschaftsministerium:

„Der Arbeitsmarkt läuft auf Hochtouren. Über 41 Millionen Menschen haben einen festen Arbeitsplatz – das sind so viele wie nie zuvor. Die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordtief: Mit 6,4 Prozent liegt die Arbeitslosenquote so niedrig wie zuletzt vor 20 Jahren.“

Dass die offizielle Arbeitslosenquote unter anderem deshalb so niedrig ist, weil Unbeschäftigte ab 58 Jahren in der Statistik, ebenso wie Menschen in sinnlosen Maßnahmen der Arbeitsagenturen, einfach nicht mitgezählt werden, verschweigt der Minister. Auch auf die Qualität der neu entstanden Jobs wird nicht eingegangen. Ob Niedrig- und Hungerlohn, Zeitarbeit oder Befristung: Für den Wirtschaftsminister und die Regierung ist jedes prekäre Arbeitsverhältnis ein „fester Arbeitsplatz“.

Und wer sich jetzt noch fragt, warum er trotz Wirtschaftswunder, niedriger Arbeitslosigkeit und glänzender Aussichten nicht weiß, wie er seine Miete, seine Nahrung, seine Kleidung oder seine gesellschaftliche Teilhabe bezahlen soll, der erfährt beim Wirtschaftsministerium Folgendes:

„Die Arbeitnehmer haben spürbar mehr Geld in der Tasche. Um 3,2 Prozent sind die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte 2011 gestiegen.“

Im Ergebnis: „Deutschland steht robust da“, der „Wirtschaft geht es gut“, fast jeder hat einen „festen Arbeitsplatz“ und zudem haben wir alle auch noch deutlich mehr „Geld in der Tasche“.

Soweit die positive Sicht derjenigen, die für die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Deutschland verantwortlich sind. Und wie beurteilen Experten außerhalb des Politikbetriebes die Lage der Nation?

Reichtum enttabuisieren

Im Juli diesen Jahres erschien der Bericht der UN zur sozialen Lage in Deutschland. Hier zeigt man sich besorgt darüber, dass mittlerweile 13 Prozent der Deutschen unterhalb der Armutsgrenze leben, dass 1,3 Millionen Menschen auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, obwohl sie einer Arbeit nachgehen und dass in Deutschland 2,5 Millionen Kinder in Armut leben.

Ebenfalls im Sommer 2011 stellt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fest, dass die preisbereinigten Nettogehälter der drei untersten Einkommensstufen in Deutschland zwischen 2000 und 2010 um 16 bis 22 Prozent gesunken sind. Das Institut spricht in diesem Zusammenhang von „Auswüchsen, die man beschäftigungspolitisch nicht rechtfertigen kann“.

Anfang September fordern 3.100 Fachleute im Rahmen eines arbeitsmarktpolitischen Appells die Bundesregierung zum Kurswechsel auf und warnen eindringlich vor einem „Zwei-Klassen-Arbeitsmarkt“. Hier heißt es unter anderem:

„Was wir aktuell erleben ist eine Zwei-Klassen-Arbeitsmarktpolitik, die den langfristigen Zusammenhalt dieser Gesellschaft zunehmend aus den Augen verliert. Auf der Strecke bleiben dabei Langzeitarbeitslose und schwer Vermittelbare, darunter viele Menschen ohne Ausbildung, Menschen mit Behinderung oder chronischen Erkrankungen, ältere Arbeitslose oder ohnehin benachteiligte Jugendliche.“

Anfang Dezember veröffentlicht der OECD seine Studie „Devided we stand, die zu dem Schluss kommt, dass die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland seit 1990 deutlich stärker gewachsen ist, als in den meisten anderen OECD Ländern und widerlegt damit die weit verbreitete Annahme, dass Wirtschaftswachstum automatisch allen Gruppen innerhalb der Gesellschaft gleichermaßen zugute kommt.

Der OECD Generalsekretär Angel Gurria warnt davor, dass zunehmende Ungleichheit nicht nur die Wirtschaftskraft eines Landes schwächt sondern auch den sozialen Zusammenhalt gefährdet und politische Instabilität schafft.

Gestern hat der Paritätische Wohlfahrtsverband seinen Armutsbericht 2011 vorgelegt, in dem er vor einer Verfestigung der Armut auf Rekordniveau warnt, die Sozialpolitik der Bundesregierung kritisiert und eine rigorose armutspolitische Kehrtwende fordert.

Der Paritätische Armutsbericht kommt zu dem Ergebnis, dass rund 12 Millionen Menschen in Deutschland akut von Armut bedroht sind oder bereits in Armut leben. Dies entspricht 14,5 Prozent der Bevölkerung. Der Wohlfahrtsverband macht darauf aufmerksam, dass die Armut in Deutschland auch in den Jahren mit starkem Wirtschaftswachstum (2006, 2007, 2010) nicht zurückgegangen ist.

Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider verlangt, „den Reichtum in Deutschland zu enttabuisieren“ und erwartet von der Regierung, nicht länger vor der Verteilungsfrage zurückzuschrecken. Konkret fordert der Verband eine Erhöhung der Regelsätze in Hartz IV, den Ausbau des öffentlichen Beschäftigungssektors, die Sicherung von Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen und eine Vorbeugung gegen die drohende Altersarmut.

Heute meldet das statistische Bundesamt in Wiesbaden, dass die Reallöhne in Deutschland im dritten Quartal 2011 nur noch um 0,6 Prozent gestiegen sind. Dies ist der geringste Anstieg seit dem vierten Quartal 2009. Zwar stiegen die Nominallöhne in diesem Zeitraum um 3,0 Prozent. Allerdings erhöhten sich die Verbraucherpreise im selben Zeitabschnitt um 2,5 Prozent.

Danke, Bundesregierung.

Ob Presseerklärung der Kanzlerin, Anzeigenkampagnen des Wirtschaftsministers oder monatliche Erfolgsmeldungen aus dem Arbeitsministerium: Die Bundesregierung versäumt keine Gelegenheit, die glänzenden Wirtschafts- und Arbeitsaussichten in Deutschland in höchsten Tönen zu loben und damit vor allem sich selber anerkennend auf die Schulter zu klopfen.

Während Wirtschafts- und Lobbyverbände, private Stiftungen, „unabhängige“ Institute und die deutschen Qualitätsmedien in die allgemeinen Lobeshymnen einstimmen und sich gegenseitig zu ihren Leistungen beglückwünschen, muss man Studien und Berichte über die tatsächlichen Verhältnisse in unserem Land mit der Lupe suchen.

Das penetrante Übertönen kritischer Äußerungen und seriöser Untersuchungen durch geschliffene Werbephrasen und geschönte Berichte der Politik erinnert dabei an das laute Singen im nächtlichen Wald, mit dem man die Angst vor der Dunkelheit überwinden will.

Die Dunkelheit in diesem Bild steht für die Furcht von Politik und Wirtschaft vor all den Menschen, die keine Statistik und keine Untersuchung brauchen, um genau zu wissen, dass sie in elenden, bedrückenden und unwürdigen Verhältnissen leben.

Das größte Risiko für das System besteht darin, dass Arbeitslose, gering und prekär Beschäftigte, Rentner und alle anderen, die durch die stetig größer werdenden Maschen des sozialen Netzes fallen, begreifen, dass sie die Schuld an ihren Lebensumständen nicht selber tragen. Wenn sie erst damit aufgehört haben, sich gegenseitig mit Argwohn zu betrachten und sich stattdessen solidarisch miteinander verbinden, dann wird es für die Herrschenden, Mächtigen und Reichen finster.

Und je größer die Furcht wird, desto lauter fallen Erfolgsmeldungen und Durchhalte-Kampagnen auf Staatskosten aus. Danke, Bundesregierung.

108 Kommentare

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108 Antworten zu “Wirtschaft. Wachstum. Wohlstand. Danke, Deutschland.

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  2. Iris

    Die Kluft zwischen Propaganda und Wirklichkeit ist imo ein ziemlich guter Totalitarismusmesser.
    Dazu passend noch ’n Link.

  3. Die Propaganda der Bundesregierung läuft ja schon seit geraumer Zeit auf Hochtouren. Mit den ständig wiederholten Phrasen der Erfolgsmeldungen, fühlt man sich ungeniert an die Wochenschauen der dunkelsten Zeit Deutscher Geschichte erinnert. Klasse Artikel, Danke.

    Wilfried Schmickler ist auf dieses Thema auch vortrefflich eingegangen: „Soviele Menschen in Arbeit wie nie zuvor – Danke Deutschland“ http://youtu.be/EDWRUx0pp7I

  4. Es geht um Gehirnwäsche. Leider funktioniert sie auch bei vielen. Sogar die plumpen Versuche. Es lebe die „Berlusconisierung“!

    • Fritz

      Zur Gehirnwäsche gehört für mich auch die Pseudo-Opposition der Linken – würde sie es ehrlich meinen, sie ständen sichtbar draußen, würden für sich werben und massiv wachsen.
      Es gibt eine Menge Leute, die etwas ändern wollen – sie haben aber keine Plattform, auch durch die Linken nicht.

      Folgenden Absatz fand ich bezeichnend – ja, wenn sich alle organisieren würden, hätten Merkel&Co Probleme, dies wird aber so schnell nicht geschehen:

      „Das größte Risiko für das System besteht darin, dass Arbeitslose, gering und prekär Beschäftigte, Rentner und alle anderen, die durch die stetig größer werdenden Maschen des sozialen Netzes fallen, begreifen, dass sie die Schuld an ihren Lebensumständen nicht selber tragen. Wenn sie erst damit aufgehört haben, sich gegenseitig mit Argwohn zu betrachten und sich stattdessen solidarisch miteinander verbinden, dann wird es für die Herrschenden, Mächtigen und Reichen finster.

      Und je größer die Furcht wird, desto lauter fallen Erfolgsmeldungen und Durchhalte-Kampagnen auf Staatskosten aus. Danke, Bundesregierung.“

      • fischi

        Fritz,das mit den Linken verstehe ich auch nicht.
        Ich glaube Linke Ost und Linke West die haben ganz unterschiedliche Vorstellungen von Politik.
        Für mich ist eine Linke Partei die irgendwie mit dem Kapitalismus liebäugelt keine Alternative zu den anderen.
        Denn dann geht alles genau so weiter wie es ist.

        • Fritz

          Frag doch mal MdB`s von den Linken wann zuletzt der Antrag zur Abstimmung in Sachen Mindestlohn eingereicht wurde – vielleicht stimmt die Antwort überein mit der, die ich bekam; da war Steinmeier noch Außenminister.

        • Fritz

          Wie oft hast Du sie, die Linke, abseits von offiziellen Wahlkämpfen draußen gesehen um für den Mindestlohn zu kämpfen, darüber aufzuklären, für Volksabstimmungen zu werben, gegen den Einsatz in Afghanistan usw.?
          2013 kommen wieder die großen Versprechen und bis 2017 hören wir dann wieder das, was wir bisher hörten: Eine Pseudoopposition, damit sich nicht alle gänzlich einig sind.

  5. Anonymous

    Unter „…. , um zu genau wissen, dass sie in elenden, bedrückenden und unwürdigen Verhältnissen leben.“

    das „zu“ passt da irgendwie nicht hin oder kann ich nicht mehr lesen?

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  7. Sabine Engelhardt AKA atarifrosch beschäftigt sich bereits seit Oktober mit dieser Werbekampagne und hat auch bereits via Informationsfreiheitsgesetz angefragt, wie genau sich diese Kampagne denn gestaltet.
    http://blog.atari-frosch.de/?s=Werbeanzeigen+f%C3%BCr+Regierungsl%C3%BCgen

    Auch Wilfried Schmickler ist das schon sauer aufgestoßen:
    Soviele Menschen in Arbeit wie nie zuvor – Danke Deutschland

  8. satan

    Irgendwann wird eine „kritsche Masse“ der Volksverarschung erreicht und dann gnade ihnen Gott! Dann kassieren wir den Reichstag an einem Tag, ach was, in EINER STUNDE und wer sich nicht schnell genug retten kann, wird standesrechtlich aufgehangen! SO SIEHT DAS AUS! Es WIRD passieren, die Frage ist nur WANN, nicht OB!

    • Peter Petereit

      Es heißt „standrechtlich“. Aber das nur am Rande. Der Tonfall kommt mir bekannt vor. Unangenehm.
      Es ist, als höre ich da jemanden gegen Juden (austauschbar gegen welches menschliche Haßobjekt auch immmer) geifern…
      Solche Gedanken machen mir Angst. Nicht um mein Leben. Um das Leben vieler Meschen in diesem Land.
      Sollten sich solche Gedanken, wie ihre, „Satan“, in Taten manifestieren wollen, dann stünde sogar ich VOR Wulff oder Merkel. Oder Ackermann.

      • Lieber Peter, ich habe selber auch gezögert, den Kommentar freizuschalten. Da hier aber keine Links enthalten sind, habe ich es letztlich dennoch getan, auch wenn ich die Ankündigung von körperlicher Gewalt, gegen wen auch immer, zutiefst ablehne.

        Ich habe mir gedacht, dass hier das aufmerksame Regulativ meiner Leser reagieren wird und genau das hast Du ja auch getan. Vielen Dank dafür!

        LG, Jacob

        • Daniel Dauner

          Ich meine, es ist so zu sehen, dass dieser Mensch verzweifelt ist, und deshalb in seiner Machtlosigkeit so regiert.
          Es ist natürlich gefährlich, denn solche Menschen lassen sich auch unter Umständen missbrauchen.
          Tatsache ist aber, dass es in diesem Land so nicht mehr lange weitergehen kann, und ich bin auch ganz ehrlich, in mir kommt auch immer mehr Hass auf, gegen die Verbrecher von Berlin.
          Bombastus

        • batico

          Ihr Lieben, ja, Gewaltandrohung ist auch nicht meins. Bin Pazifist und anerkannter Kriegsdienstverweigerer (haha, ja, was man unserer Generation so alles zumutet !) Aber was „satan“ umtreibt kann ich nachvollziehen. Und denkt daran, daß unsere Machthaber sich täglich (mit)schuldig am Hungertod und Kinderarbeit auf der Welt machen, nur weil sie selbst den Hals nicht vollbekommen und unserer deutschen „Wirtschaft“ die Rahmenbedingungen und damit Legitimation dafür geben, daß in Afrika, Südamerika und Asien Menschen bis aufs Blut geknechtet werden, in Bergwerken ihre Gesundheit opfern und wenn sie nicht mehr können, als Organspender entsorgt werden. In diesem Zusammenhang auch Dank an unsere Kirchen, die ja heute wieder – warum auch immer, ich kapiers einfach nicht – so einen tollen Besuch haben werden. Die von Priestern geschändeten Kinderseelen werdens ihnen danken !

      • Fritz

        Gewalt ist natürlich abzulehnen – Frage: Und wie kann der einzelne Mensch friedlich etwas ändern? (Nicht durch Wahlen, das wissen wir inzwischen – aber wie dann?)

        • Geh‘ zur Demonstration am 15. Januar. Weltweit von #occupy world aufgerufen. Da erfährst Du und siehst Du, was Du tun kannst.

          Ansonsten: „Sei die Veränderung, die Du in der Welt sehen willst“ (Mahatma Gandhi) ist ein guter Wegweiser.

        • Fritz

          In Bezug auf: „Geh’ zur Demonstration am 15. Januar. Weltweit von #occupy world aufgerufen. Da erfährst Du und siehst Du, was Du tun kannst.

          Ansonsten: „Sei die Veränderung, die Du in der Welt sehen willst“ (Mahatma Gandhi) ist ein guter Wegweiser.

          Ich war am 15.10. mit dabei, seitdem wurde die Truppe immer weniger und vor allem langweilig. Wenn man sich am 15.01. wieder trifft (und man sich den Ars** abfriert), wann folgt das nächste und dann wieder das nächste Treffen?
          Und vor allem: Ja, schön, dann stehen einige tausend Leute auf der Straße – ob das Merkel, Ackermann, Springer und Bertelsmann tangieren wird?

          Also, will fragen: Außer goldene, süße Worte, was wird wo und wann konkret getan, bundesweit, um dieses System zu verändern?

        • fischi

          Dabei ist ja gerade das Problem das die Politik solche Aktionen erstmal versucht totzuschweigen.
          Geht das nicht wird versucht das auszusitzen.
          Dazu werden die Medien aktiviert und Falschmeldungen verbreitet.
          Das geht soweit das ganz normale eigendlich unpolitsche Menschen
          in die Rechte oder die Linke Ecke gestellt werden.

        • Fritz

          @ fischi

          Wo ist das Problem?

          a) die Linke macht das, worüber sie so oft posaunt: Sie steht draußen und bietet eine Plattform
          b) Occupy steht draußen, und zwar wöchentlich und zwar bundesweit und macht das das siehe a)
          c) Attac könnte das gleiche tun wie a)
          d) wenn sich niemand bewegt, könnten auch die Kirche(n) mal ein Zeichen setzen, abseits von Weihnachten und Ostern

          Damit das Volk auf die Straße geht braucht es keine Medien.

        • Fritz

          „Geh’ zur Demonstration am 15. Januar. Weltweit von #occupy world aufgerufen. Da erfährst Du und siehst Du, was Du tun kannst.“

          Ich gehe hin, war am 15.10. da und besuchte die Bewegung einige Wochen lang – die Truppe wurde immer jünger und kleiner – was erfahre ich also dort?
          Und was erfährt Karl Otto ohne Internet?

          „Ansonsten: „Sei die Veränderung, die Du in der Welt sehen willst“ (Mahatma Gandhi) ist ein guter Wegweiser.“

          Nicht alles, was Gandhi tat, war toll – aber sei es drum, dieser Spruch hilft Karl Otto wieweit? Was sollte er tun, wann wohin gehen?

  9. Wilfried Schmickler kommentiert :

    – Soviele Menschen in Arbeit wie nie zuvor – Danke Deutschland http://www.youtube.com/watch?v=EDWRUx0pp7I

  10. Peter Petereit

    Als hätte ich Deinen Artikel „erahnt“…
    Heute mittag habe ich ff. Beispiel für allgegenwärtige Mietmäuler als Kommentar in Deinen „Freitagsblog“ gestellt: Hier passt das viel besser hin.
    Die sind „allgegenwärtig“…

    pedrei56 schrieb am 22.12.2011 um 13:47
    Aus dem politischen Feuilleton, „Deutschlandradio Kultur“, 22.12.2011

    http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/1634669/

    „Wer die Abteilung „Politisches Sachbuch“ einer Buchhandlung aufsucht, stößt dort auf folgende Titel: „Die verblödete Republik“, „Die korrupte Republik“, „Die verlogene Politik“ oder „Die Dilettanten. Wie unfähig unsere Politiker wirklich sind“.

    Man gewinnt den Eindruck in einem verrotteten System zu leben und von grenzdebilen Politikern im Auftrag dunkler Mächte regiert zu werden. Und alles werde immer schlimmer. Da nimmt es nicht wunder, dass sich über die Hälfte der Deutschen mit dem politischen System unzufrieden zeigt.

    Dabei sieht die Wirklichkeit anders aus. Erstens wurden wir noch nie in unserer Geschichte so gut regiert wie heute. Und zweitens: Kaum ein anderes Land der Welt wird so gut regiert wie die Bundesrepublik Deutschland.“

    u.s.w.
    Tja, Meinungen kann man offenschtlich kaufen… Und verkaufen.

  11. Die permanente Schönfärberei waren die deutlichen Zeichen des Unterganges der DDR. Es hat „denen“ keiner mehr geglaubt, eben, weil das täglich gelebte Leben anders aussah.

    So entzieht sich auch diese Regierung systematisch jede Glaubwürdigkeit selbst.

    Ich bin schon auf ihr Ende gespannt. In einem gebe ich dem Kommentator vor mir recht: „Es WIRD passieren, die Frage ist nur WANN, nicht OB!“

    Das mit „standesrechtlich aufhängen“ ist unter der Gürtellinie, außerdem sachlich falsch und indiskutabel.

    • fischi

      Solveigh ich hoffe das auch habe aber arge Bedenken ob das für das Volk gut geht.
      Das Ende der DDR war da Pillepalle, hier geht es um das große Geld, jedenfalls bei denen die die Macht haben.
      Und die Nato ist bestimmt auch ein Fakt dabei.

      • Stimmt, fischi.

        Wenn wir aber in der Angst bleiben, wird sich nie was ändern. Die führen uns durch die Angst, die sie uns machen, in den Abgrund.

        Ach übrigens, das hier ist in dem Zusammenhang interessant. Sie sind nämlich NICHT allmächtig und auch ihre NATO und was weiß ich nicht noch alles nützt ihnen nichts, wenn die Menschen endlich aufstehen. Insbesondere der Teil der iranischen Revolution ist interessant:

        Ach ja, und das hier sollten wir uns auch vor Augen halten und wissen:

        • Fritz

          Volker Pispers – jaja.

          Dieter Nuhr, Urban Priol, Georg Schramm usw – das Tragische ist aber doch: Sie alle präsentieren die Fakten, Tatsachen (wenn nicht mag man mich korrigieren), das Publikum lacht, klatscht, staunt dann und wann – und, meine Behauptung, wieder wählen gehen. Statt einer Kochshow oder eines Kinoabends wird der polit Wahnsinn präsentiert, vielleicht wollen sie ja etwas ändern – und das Publikum sitzt, läßt sich (zurecht) unterhalten — ändert das etwas am Zustand?

          Meine Behauptung: Im Publikum dürften wenige bis keine H4ler, Aufstocker und Niedriglöhner sitzen, richtig? Können diese sich nämlich meist nicht leisten.

          Müßte man sich nach einem solchen Abend nicht hinsetzen beim Bier, Wein oder whatever und sagen: Das ist keine Show gewesen, sondern auch Realität, laß uns vernetzen, Betroffene ansprechen und diesen Zustand verändern!?
          Zugespitzt wäre das natürlich doof, weil ein gänzlich anderer Zustand würde einen solchen Kabarettabend , es gäbe ihn dann nicht mehr. 😉
          Ich nehme aber an: Die meisten Zuschauer und Hörer gehen nach der Show heim, sie hatten einen amüsanten Abend – andere nicht.

          Mal so ein Gedanke am Rande: Was, wenn Kabarettisten – oder gibt es das schon (?) – eine Plattform ins Leben rufen, über die man sich dann vernetzen könnte? Solch eine Plattform, wenn noch nicht existent, könnte man mittels Fernseher, Schilder auf der Bühne etc. effektiv verbreitern.

    • Fritz

      „Ich bin schon auf ihr Ende gespannt. In einem gebe ich dem Kommentator vor mir recht: „Es WIRD passieren, die Frage ist nur WANN, nicht OB!““

      Darf ich fragen wer das wie anpacken wird?

      Wir dürfen bald alle GEZ zahlen, egal ob man einen Fernseher, Radio, Computer hat oder nicht.
      Praxisgebühr ggf. bald nicht nur pro Quartal.

      Auf was warten die Menschen was noch geschieht, was könnte der entscheidende Tropfen sein, wer bereitet die Plattform zum Widerstand und was kann diese ausrichten wenn sie gewaltlos ist?

      • Ich weiß nicht, ob Du auf facebook ein Profil hast. Wenn ja, gib dort occupy in die Suchleiste ein und lies, was sie zu sagen haben und überlege, ob Du Teil sein willst. Du kannst diesen Begriff auch bei google eingeben und so erfahren, was bereits jetzt geschieht.

        Es sieht ruhiger aus als es ist…

        Gehe zu YouTube und gib Anonymus ein. Schau Dir die Videos an. Wenn Du der englischen Sprache mächtig bist, wirst du mehr Informationen als auf Deutsch bekommen.

        Das sind die WER, die WIR sind.

        Das WIE werden wir wohl erst unterwegs erfahren.

        Ansonsten siehe meine Kommentare.

        • Fritz

          Und wie erfahren Menschen davon, die mitmachen wollen, aber keinen Netzanschluß haben?

          Bei uns ist die Occupy-Bewegung inzwischen nicht mehr als eine Teenie-Studi-Truppe, leider. Viele andere gaben auf weil das Niveau der Bewegung hier wirklich schei** ist.

          Wenn die ab Frühjahr wieder offen sichtbar und hörbar sind, wöchentlich, dann bin ich gespannt ob es Sinn macht wieder hinzugehen und ggf. mitzumachen.
          Die große Frage aber ist: Wie viele Millionen Bundesbürger müßten bundesweit auf die Straße gehen, und wie oft, um was erreichen zu können? (Tausende reichten ja nicht um z.B. den Castor aufzuhalten und Millionen weltweit reichten einst nicht um den ersten Golfkrieg zu verhindern.)

  12. dass du uns so deutlich daran erinnerst, dass wir von durchschnittlichen bis unterirdischen köpfen regiert werden, ist so vor dem feste ja nicht gerade fair..eigenlich sollte die illusion noch bis neujahr halten, wir sind vom elend der welt weit entfernt. ich versuchs mal witer zu verdrängen und werde mir den blog über die feiertage nicht anschauen…frohes fest

  13. bravo56

    Wieder einmal Danke für einen fantastischen Beitrag.
    Eine Regierung, die sich ausschließlich dem Wohl der Wirtschaft verschrieben hat, die eine „Marktkonforme Demokratie“ ausruft, glaubt womöglich noch die eigenen Werbesprüche. Diejenigen, denen ihre größte Sorge gelten müsste, die Armen und die von Armut Bedrohten, wurden von den letzten Regierungen nur als Sparpotential benutzt.
    Es müsste ein Sturm der Entrüstung durch die Republik gehen.

    • Fritz

      „Es müsste ein Sturm der Entrüstung durch die Republik gehen.“

      Es _müßte_, richtig, aber dieser Sturm kommt nicht. Meines Erachtens könnte, eher müßte die Linke ein Zeichen setzen, tut sie aber nicht. Ist die Linke damit glaubwürdig?

  14. Marlies

    „Wenn sie“ (Arbeitslose, prekär Beschäftigte, Renter usw.) „erst damit aufgehört haben, sich gegenseitig mit Argwohn zu betrachten und sich stattdessen solidarisch miteinander verbinden, dann wird es für die Herrschenden, Mächtigen und Reichen finster.“

    Aber für uns auch, fürchte ich.
    Denn leider sieht man immer wieder, dass die Verlierer der Verhältnisse aufeinander losgehen und nicht etwa auf ihre wirklichen Feinde. Da missgönnt der Niedriglöhner dem Arbeitslosen die Stütze, da glaubt der prekär Beschäftigte, die „Ausländer“ würden ihm den Arbeitsplatz wegnehmen. Rassismus und rechtes Denken breitet sich aus. Ich hab da in der letzten Zeit über einige Untersuchungen gelesen, die dies nahelegen. Anstatt zu erkennen, dass wir alle im selben Boot sitzen, hassen die ihre Leidensgenossen.
    Ich werd langsam zur Misanthropin…

    • Iris

      So sehe ich das auch. Ich denke nicht, dass wir die Merkels, Acker- oder Bertelsmänner vor der weniger kritischen als wütenden Masse schützen müssen (die haben sicher schon vorgesorgt für den Tag, an dem der von ihnen erzeugte soziale Sprengstoff hochgeht), sondern die, auf die sie den Hass umgelenkt haben.

    • Fritz

      Sagst Du uns, wie der H4ler, Obdachlose usw. Frau Merkel, Herrn Rösler, Herrn Ackermann oder Liz Mohn mit effektivem Ergebnis mitteilen kann wie deren Lage ist? (Ich wette, Ackermann&Co wissen das genau bzw. steuern diesen Prozeß mehr als bewußt.)

      Das, was Du beschreibst, ist doch wunderbar: Das Fußvolk beschäftigt sich gegenseitig, Polizei ist beschäftigt und Politiker führen das aus was die Wirtschaft, Bilderberger&Co ihnen vorgibt.

      Und wenn uns die SPD wie auch Linke immer wieder sagt wie toll doch alles ist, „Reichtum für alle“ und weitere Slogans, was willst Du dagegen sagen? Und die Massenmedien klären ja nicht auf was wirklich geschieht.

  15. Wahrsager

    Danke, Deutschland, für die Schande eines Sozialstaats, die TAFELN, Millionenarmenspeisungen im reichsten Land der Erde…:

    „Die Deutschen Tafeln, das sind über 880 Tafeln mit mehr als 2.000 Tafel-Läden und Ausgabestellen bundesweit. Die deutschen Tafeln versorgen regelmäßig ca. 2-3 Millionen bedürftige Personen, davon 30% Kinder und Jugendliche, 50% Erwachsene im erwerbsfähigen Alter (v.a. ALG-II- bzw. Sozialgeld-Anspruchsberechtigte, Spätaussiedler und Migranten)
    20% Rentner. Die Zahl der Tafeln und der versorgten Personen ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Die Menge der gespendeten Lebensmittel ist tendenziell steigend, aber nicht in der Geschwindigkeit, in der die Nachfrage steigt. Mit Sorge beobachten die Tafeln vor allem die steigende Anzahl der bedürftigen Kinder und Jugendlichen.“
    http://www.tafel.de/die-tafeln/zahlen-fakten.html

  16. Wie die Fakten, ganz im Gegensatz zum offiziell vermittelten Schein, in Bezug auf Hartz-IV wirklich sind, lässt sich gut anhand der Untersuchungen „Was der Mensch braucht“ 2010 und 2011 ablesen.

    Das ist staatlich verordnete Armut. Doch diese Fakten ignorieren sowohl Regierung als auch (Hartz-IV-Befürwortungs-)Oppositionparteien.

    • fischi

      Die Tafeln wurden doch von der Politik als selbstverständlich vereinnahmt.
      Das ist auch ein Skandal über den keiner spricht.
      Die Regionalpolitiker brüsten sich gerne mit den Tafeln, wobei sie keinerlei Unterstützung geben.
      Außerdem ist der Staat laut Grundgesetz dafür zuständig für die Grundbedürftigkeiten der Bevölkerung zu sorgen.

  17. King Nothing

    Erinnert mich irgendwie spontan an die unsägliche „Du bist Deutschland“ Kampagne vor ein paar Jahren.

    Klar, Deutschland geht es gut … aber damit sind schon lange nicht mehr wir gemeint – das gemeine Volk. Damit ist die Wirtschaft gemeint, die großen Unternehmen, Versicherungen, Finanzinstitute, Medienkonzerne, etc. und deren reiche Lenker. Deren Deutschland geht es gut. Zumindest noch. Denn unsere Kanzelerin wird es durch ihre fatale Europa Politik schaffen, die ganze EU an die Wand zu fahren. Dann werden in ganz Europa „deutsche Zustände“ herrschen. Und wie es einem Land, das maßgeblich von seinen Exporten lebt, dann noch gut gehen soll, wenn sich alle kaputt gespart haben, das wird sich noch erweisen müssen.

    Übrigens auch einen sehr guten Artikel zum Thema gab es heute auf den Nachdenkseiten von einem Gastautor: „Die doppelte Spaltung der Gesellschaft“ von Michael Hartmann. Er erklärt, warum die Agenda 2010 so fatale Auswirkungen darauf hatte, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter geöffnet hat, ob mehr Bildung eine Lösung dafür sein kann und warum Deutschland Gefahr läuft, eine tief gespaltene Gesellschaft zu werden.

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=11687

    • Das wäre ein Anfang für eine produktive Diskussion über gesellschaftlichen Fortschritt. Findet sie nicht statt, kann es sein, dass wir in Deutschland in zehn oder 15 Jahren eine Debatte über Jugendunruhen und ihre Ursachen führen müssen, wie sie aktuell in Großbritannien Politik und Medien beherrscht.

      Ich bezweifle, dass dies noch zehn oder fünfzehn Jahre dauert

      • Fritz

        Habe ich es richtig verstanden, daß letztlich die Hoffnung auf der Jugend beruht, daß sie (gewalttätig) das macht, was die Erwachsenen bislang nicht schafften?

        Was, wenn junge Menschen für Unruhe sorgen – sollten wir das verurteilen oder ihnen dafür dankbar sein?

  18. Dagmar Brandt

    DANKE, DEUTSCHLAND, dass ich im Laufe von sieben Jahren Erwerbslosigkeit ca. 15.000 € an Ersparnissen verloren habe und nun mein ererbtes Haus verhökern darf. Von diesem Verkaufserlös werde ich zehn Jahre bis zur Rente überdauern, das heißt, auch meine Krankenkasse selbst finanzieren. Worüber ich gerade fieberhaft nachdenke ist, ob ich zur Aufstockung meiner Rente aus diesem Erlös etwas in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen soll. Ob diese Rechnung aufgeht? Auf jeden Fall weiß ich nicht, wie ich die Krankenkassenbeiträge ab 70 selbst finanzieren soll.

    • Das wird auch „Enteignung“ der Bevölkerung genannt.

      Danke, Deutschland!

      • Fritz

        Ja, und wer ändert das nun?

        • Fritz

          „Wir, Fritz. Oder keiner.“

          How, wie konkret?
          Warum stehen eigentlich die Linken (als Partei) nicht draußen und mobilisieren? Dort hätten sie gewaltiges (Wähler)Potential, könnten die SPD und Grüne „plattmachen“ – wenn sie denn wollen würden.

          Warum steht hier keine Linke mit dabei? http://www.nachdenkseiten.de/?p=11711#h16

          Wer stellt im BuTag den Antrag auf Abstimmung über den Mindestlohn? Fast alle wollen ihn doch inzwischen, offiziell.

        • Sie sprechen Deine Sprache.
          Obwohl Satire und obwohl ich die schon öfter gesehen habe und sie mir öfter aus dem Herzen sprechen, hier machen sie eine weltweite Protestbewegung klein und bedeutungslos. Warum wohl? Sollen sie als Ventil dienen? Der Hofnarr, dem erlaubt ist, auch mal gegen die Macht zu monieren, damit die Menschen mal so richtig Dampf ablassen können und dann wieder nach Hause gehen und sich freuen, dass endlich mal einer die Wahrheit gesagt hat – und weiter im Alltagstrott?

          Ein Soziologe aus der Schweiz spricht ehrlicher und offener – und er hat erkannt, wohin die Entwicklung geht:

          Übrigens hat selbst ein Herr Schäuble erkannt: „Die occupy-Bewegung ist nicht am Ende – das fängt erst an!“ Und wenn dieser Herr mit diesem Satz schon beginnt mit weiteren „Sicherheits(lies Überwachungs-)maßnahmen dagegen zu rüsten, weil sie Angst vor dieser Bewegung haben, dann kann Deine und die Einschätzung der „Anstalt“ wohl eher nicht stimmen.

        • Fritz

          @ Solveigh (Ich fand darunter keinen Kommentar-Button

          „Ein Soziologe aus der Schweiz spricht ehrlicher und offener – und er hat erkannt, wohin die Entwicklung geht:“

          Was ist an seinem Statement neu, was offen, was ehrlich? Ich empfand das als gequirlte … Du weißt schon, alles längst bekannt.
          Schön, ich bin auch sauer und wütend – und, was soll ich tun? 2013 wieder wählen gehen? Was denn, es gibt ja keine Partei, die für soziale Gerechtigkeit und Mindestlohn eintritt; und sag jetzt bitte nicht – sie wollen eben nur offiziell.

          Auf die Straße gehen mit einem Schild? Was denkst Du wird passieren? Spottende Leute? Polizei? Ein Psychologe wird kommen?
          Wir haben 40% Nichtwähler, es gab in Dresden Anfang 2011 eine Demo, auf der tausende Leute abgehört wurden – die Occupy in Deutschland, was ich so mitkriege, ist sowas von tot, von mausetot. Am 15.01. gibt es wieder eine nette Party (noch zu kalt als daß daraus etwas werden könnte.) Und dann? Im Sommer wieder, im Herbst? Wird das wenigstens ein müdes Lächeln bei Merkel&Co verursachen?
          Was denkst Du, wann sich etwas ändern wird? 2015? 2020? 2030? 2080? (Dann sind bereits einige der Demo-Leute doood.)

          Sahra Wagenknecht übrigens hat vor 2, 3 Jahren gesagt, sie rechnet mit Unruhen in, damals, 2 bis 3 Monaten – es hat sich null getan und die Linke hat vieles getan, aber keine Plattform geboten damit sich viele anschließen können. Übrigens auch nichts, nachdem man sie bat etwas zu tun, wenn man seine Hilfe dafür anbot etc.

          Also, liebe Solveigh, was rätst Du Karl Otto und Lieschen Müller, die kein Internet haben und ggf. im Vorort von Buxtehude oder Offenbach oder Gera oder Gotha wohnen, wie sie sich beteiligen können?

        • Fritz

          Dieser Soziologe spricht übrigens von – welche meint er, Deutschland zählt ja nicht dazu.

  19. Floh

    Man kann nur allen raten , die hier ihre Meinung schreiben und diese Bloggs lesen, geht hinaus und teilt euer Wissen den Unwissenden mit. Auch wenn man von denen belächelt wird , deren Gehirne schon vom neoliberalen Zeitgeist u. Verdummungsfernsehen angefressen sind. Vieleicht ist es noch nicht zu spät.
    Steter tropfen höhlt den Stein .

    • fischi

      Floh,das mache ich schon lange.
      Allerdings ist das bei Leuten die in prikären Jobs hängen besonders schwer.
      Erfolge hab ich aber indem ich mehreren Kollegen die Augen über die Riesterrente geöffnet habe.
      Die Versicherungsvertreter lügen dort wie gedruckt.

  20. Danke Deutschland …

    – für die Etablierung des Niedriglohnsektors
    – für die weitere Öffnung der Schere zwischen Arm und Reich
    – für unseren brutalst ehrlichen und streitbaren Bundespräsidenten als moralische Instanz im Politikbetrieb
    – für die Überwachung DER LINKEN durch den Verfassungsschutz
    – für die Repressionen gegen Demonstranten
    – für die Privatisierung öffentlichen Eigentums
    – für die Milliardenschwere Stützung des Finanzsektors … und natürlich auch für die 5€-Erhöhung der Hartz IV-Sätze (ersteres ging natürlich schneller)
    – und natürlich für Eure schicken Propagandaplaktate
    – (…)
    (Aufzählung hat NATÜRLICH keinen Anspruch auf Vollständigkeit)

    An dem Plakat lässt sich gut ablesen, das Arbeit als Wert an sich definiert wird. Wer eine Arbeitsstelle hat, hat zufrieden zu sein, die Regierung zu loben und überhaupt die kritische, undankbare Schnauze zu halten.
    Unabhängig von Entlohnung, Inhalt und Rahmenbedingungen der Arbeit. Denn schließlich ist man immerhin noch ein Arbeitsplatzbesitzer und damit nicht der letzte Dreck auf den jeder schadlos einprügeln kann.

    Ein Plakat mit dem Titel:
    „Ich fühle mich in meinen ureigensten Interessen durch die Politik vertreten. – Danke Deutschland!“
    wäre vermutlich doch zu dreist gewesen.

  21. Pingback: Hinweise des Tages | NachDenkSeiten – Die kritische Website

  22. Andi

    Das Schöne ist: wir werden gar nicht mehr aus dieser Nummer rauskommen, denn es heißt schon bald: Danke, Europa! Unsere Nachbarn in der EU sind auf derselben sozialdarwinistischen Schiene, wie z.B. in Frankreich, wo demonstrierende arbeitslose Jugendliche als Vorstadtmüll bezeichnet/behandelt werden. Politisch heißt es dann: mitgehangen, mitgefangen! Wir sollten uns besser angewöhnen, diese Misere nicht nur auf Deutschland zu beziehen, sondern auf ganz Europa.

    • Nur würde ich das irreführende Wort sozialdarwinistischen durch das treffende und nicht verschönende Wort: „Raubtierkapitalismus“ ersetzt haben wollen.

      Es ist wichtig, den Dingen den richtigen Namen zu geben.
      „Sozialdarwinistisch“ ist doch
      a) so niedlich, ist ja sozial, ne? und
      b) naturgegeben: Darwin und seine Sicht auf das natürliche Gesetz der Evolution.

      Die Darwinsche Sichtweise wird noch immer benutzt und gelehrt, obwohl die Biologen längst festgestellt haben, dass die Natur viel eher auf dem Prinzip der Symbiose und Kooperation als auf dem Prinzip des Fressens oder Gefressen-Werdens beruht, das Prinzip, auf dem auch der Raubtierkapitalismus beruht und immer beruht hat, auch wenn er sich in Europa von 1945 bis 1990 eine etwas freundlichere Maske aufgesetzt hat.

      Worte sind Befehle an unser Unterbewusstsein. Darum werden sie von den Herrschenden bewusst gewählt und verbreitet. Das wird Dir jeder ehrliche Psychologe und NLP-Trainer bestätigen.

      Darum ist es so wichtig, die Worte auf ihre Bedeutung hin zu untersuchen und die Dinge dann bei ihrem richtigen Namen zu nennen.

      Während ich das schreibe, werde ich an einen Film erinnert, der den metaphorischen Titel hatte: „Vergiß‘ Deinen Namen nicht!“ – Es war der einzige Weg, die eigene Identität nicht zu verlieren, da den Menschen in den KZs durch Nummern ihre Namen und damit ihre Identität geraubt wurde! Das kann durchaus in übertragenem Sinne verstanden werden! Auch uns wird unsere Identität und das Verständnis für unsere Welt durch Um- und Falschdeutung der Sprache genommen!

  23. Peter Petereit

    Passend dazu Vielleicht noch folgende „Hymmne“

    (Hubert von Goisern)
    „gott erhalte,gott beschütze,unser land und unsre pfründe,

    unsre priester unsre päpste,und vor allem auch die sünde.

    lieber gleich heim ins reich,auf dem kreuzweg himmelwärts,

    als auf ewig mit den narren,immer nur im kreise fahren.“

    • Peter Petereit

      P. S.: Klar war bei der „Hymmne“ ein „M“ zuviiel. Dafür ist es auch nicht „“meine““. Aber, im Vertrauen gesagt, der Dichter unserer Nationalhymne hat noch ein wenig mehr aufgeschrieben. Das „Kongredsslied“ zum Beispiel., Danke Wolfgang Rieck und Joachim Piatkowski.

  24. Lieber Jacob Jung,
    zum Glück „lag“ dein Beitrag heute auf der WordPress-Seite ganz oben. Sonst hätte ich ihn nicht gefunden und jemanden verpasst, der meine mündlichen Meckerein zu „Danke, Wirtschaft!“ in die passenden, doch wohl überlegten Worte fasst.
    Insofern: „Danke, Jacob Jung“!
    Ihre Mama007

  25. Hervorragender Artikel, Jacob, muchas gracias! Die Südländer sind alle pleite, nur Deutschland geht es gut – wenn man 12 Millionen Menschen einfach mal ignoriert, weil sie sowieso niemanden interessieren.
    http://uhupardo.wordpress.com/2011/12/22/jeder-siebte-deutsche-ist-arm/

    Saludos del Uhupardo

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