Ungerechtigkeit als gesellschaftliches Prinzip

28.1.2012 – Die ursprüngliche Grundlage aller demokratischen Konzepte ist die Überzeugung, dass es in den Gesellschaften gerecht zugehen soll. Der Begriff der Gerechtigkeit beschreibt dabei einen Zustand, in dem Chancen und Güter angemessen und gleich zwischen allen Beteiligten verteilt werden.

Wie ist es zu erklären, dass sich die modernen, westlichen Gesellschaften, von deren Überlegenheit ihre Führer scheinbar so überzeugt sind, dass sie selbst nicht davor zurückscheuen, sie mit kriegerischen Mitteln in andere Regionen der Welt zu „exportieren“, so offensichtlich gegen das Grundprinzip der Gerechtigkeit verstoßen?

Die moderne Klassengesellschaft

Niemand wird ernsthaft bezweifeln können, dass es in unserer Gesellschaft ungerecht zugeht. Die vielzitierte „Schere zwischen Arm und Reich“ öffnet sich immer mehr. Das belegen nicht nur unzählige Studien, Untersuchungen und Statistiken. Man spürt die deutlichen Unterschiede zwischen Gutverdienern und prekär oder gar nicht Beschäftigen, zwischen Einflussreichen und Machtlosen und zwischen Regierenden und Regierten allerorten selber, unabhängig davon, ob man der Gruppe der Privilegierten oder der Gruppe der Bedrückten angehört.

Und während sich immer mehr Menschen auf der einen Seite keinen Rat mehr wissen, wie sie ihren Lebensunterhalt, ihre gesellschaftliche Teilhabe, ihre medizinische Versorgung oder den Zugang zu Kultur und Bildung finanzieren sollen und eine andere Gruppe nicht weiß, was sie mit ihren Millionen und Milliarden noch alles anstellen soll, beschäftigen sich Politik und Medien über Monate fast ausschließlich mit der Eurokrise oder den Verfehlungen des Bundespräsidenten.

Letzteres Thema taugt dabei immerhin als Sinnbild für die gesellschaftlichen Verhältnisse. Während sich jeder Mensch, der auf staatliche Leistungen angewiesen ist, bis weit über die Grenzen seiner Würde vor den Behörden und ihren Vertretern entblößen muss, nahm und nimmt das Staatsoberhaupt Privilegien für sich in Anspruch, die den Vorstellungsrahmen „normaler Bürger“ sprengen. Und nicht nur die Ursachen der Affäre um das „Bundes-Unschuldslamm“ sondern auch der Umgang mit den berechtigten Vorwürfen ist kennzeichnend für das Verständnis von Gerechtigkeit in unserer Republik. Der Präsident lässt Vorhalte von sich abperlen und erklärt sich selber zum Maßstab von Anstand und Moral. Die Kanzlerin spricht ihm mittlerweile alle paar Tage das uneingeschränkte Vertrauen aus und es besteht kein Zweifel, dass er exakt so lange im Amt verharren wird, wie er es persönlich für richtig und angemessen hält.

Dabei gibt es eine deutliche Parallele zwischen einem politischen Amtsinhaber und jedem Hartz IV Empfänger in Deutschland. Beide erhalten nämlich aus den Geldern der Steuerzahler einen monatlichen Betrag, der dem Lebensunterhalt dienen soll.

Gelangt der Hartz IV Empfänger nun an einen wirtschaftlichen Vorteil, so wird dieser umgehend von seinem Bezugsanspruch abgezogen. Versäumt er es, diesen Vorteil proaktiv der Behörde zu melden, dann drohen ihm zusätzlich Sanktionen, die bis zum vollständigen Verlust dessen gehen, was gemeinhin als „Existenzminimum“ definiert wird. Mit anderen Worten: Die Annahme von Vorteilen kann gegenüber einem Hartz IV Empfänger mit „Existenzverlust“ geahndet werden.

Ganz anders im Falle des Politikers. Unbestritten hat Christian Wulff eine ganze Reihe von Vorteilen angenommen. Ebenso unbestritten hat er diese der Öffentlichkeit nicht proaktiv mitgeteilt. Und während er zur Zeit lediglich mit einem Verlust an Reputation zu kämpfen hat, droht ihm selbst im schlechtesten Fall eine Situation, in der er dem Druck nicht mehr standhalten kann oder will und sich zum Rücktritt entscheidet. In diesem Moment wird ihm allerdings keineswegs die finanzielle Grundlage entzogen. Stattdessen verfügt er bereits jetzt über einen lebenslangen Anspruch auf die Fortzahlung seiner Bezüge und die Nutzung eines „bemannten“ Büros und eines Dienstwagens.

Nun könnte man sagen, dass ein Bundespräsident, wenn er seine Sache denn gut macht, dem Land einen besonders wertvollen Dienst erweist. Vor diesem Hintergrund mag es zumindest teilweise nachvollziehbar sein, wenn er auch nach Ablauf seiner aktiven Dienstzeit einen „Ehrensold“ erhält.

Machen wir uns also auf die Suche nach anderen Anhaltspunkten für eine ausgeprägte Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft und betrachten dazu verschiedene Lebensbereiche, die nicht mit den Privilegien der regierenden Minderheit verknüpft sind.

Medizinische Versorgung und Gesundheit

Werfen wir dazu zunächst einen Blick, auf das deutsche Gesundheitssystem. Selbst bei rein äußerlicher Betrachtung stellt man fest, dass wir es hier mit einem ausgeprägten Klassensystem zu tun haben. Auf der einen Seite stehen die Pflichtversicherten. Bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze zahlen die Versicherten Beiträge ein, mit denen die Kosten für die medizinische Versorgung getragen werden sollen. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, denen aufgrund ihres beruflichen Status oder ihres Einkommens die private Krankenversicherung zur Verfügung steht.

Während Ärzte für gesetzlich versicherte Patienten feste Beträge pro Quartal erhalten und selber dafür verantwortlich sind, alle notwendigen Leistungen aus diesem vergleichsweise niedrigen Budget zu bestreiten, können Leistungen für privat Versicherte in vollem Umfang und sogar zu deutlich erhöhten Regelsätzen abgerechnet werden. Mit anderen Worten: Der Arzt verdient an einem Privatpatienten deutlich mehr als an einem Kassenpatienten. Eine Praxis kann folglich nur dann wirtschaftlich erfolgreich betrieben werden, wenn der Anteil an Privatpatienten groß genug ist.

In der Praxis führt dies zu einem völlig unterschiedlichen Umgang zwischen gesetzlich und privat versicherten Patienten. Private erhalten deutlich schneller einen Termin, werden meist so aufmerksam und zuvorkommend behandelt, dass sie gerne wiederkommen, haben Zugriff auf neuere und aufwendigere Behandlungsmethoden und können damit rechnen, dass sich der Arzt deutlich mehr Zeit für sie nimmt.

Man erkennt also auf den ersten Blick, dass man es hier mit einer Zweiklassen-Medizin zu tun hat. Bei näherer Betrachtung stellt man allerdings fest, dass neben der ersten und der zweiten Klasse im Medizinbetrieb längst auch eine dritte Klasse entstanden ist.

Während nämlich Menschen, die aufgrund ihrer Einkünfte zwar noch keinen Zugang zur privaten Medizin erhalten, jedoch immerhin über ein Einkommen verfügen, von dem es sich leben lässt, ihren Versorgungsstatus durch private Zusatzversicherungen oder die „Buchung“ von individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) deutlich aufbessern können, stehen diese Optionen Geringverdienern, Aufstockern, Hartz IV Empfängern oder Rentnern am Existenzminimum keineswegs zur Verfügung.

Deren gesundheitliche Versorgung orientiert sich in unserer Gesellschaft stattdessen am absoluten Minimum und das kann man auch deutlich sehen. Wir bewegen uns in immer schnelleren Schritten auf einen Status zu, in dem man sozial Benachteiligte an einem unvollständigen Gebiss, einer eher notdürftigen Brille, einer schlechten Befindlichkeit und einer geringeren Lebenserwartung erkennen kann.

Das staatliche Gesundheitssystem wurde ursprünglich als solidarisches und paritätisches Modell konzipiert, das den Anspruch verfolgte, jedem Menschen die gleiche Versorgung auf der Höhe der medizinischen Entwicklung zukommen zu lassen. Bereits die Einführung der privaten Gesundheitsvorsorge konterkarierte dieses Konzept. Wenn sich gerade der Besserverdiener und der Vermögende aus einem Solidarsystem verabschieden können, dann ist dieses System natürlich nicht mehr solidarisch.

Wenn nun darüber hinaus auch die ohnehin schon schlechter gestellte Gruppe der gesetzlich Versicherten noch in eine obere und eine untere Klasse unterteilt wird, dann ist der Anspruch der Gerechtigkeit, der diesem System ursprünglich innewohnte, endgültig zerstört.

Grundversorgung und Konsum

Werfen wir als nächstes einen Blick auf das, was man gemeinhin als „Konsum“ bezeichnet. Gemeint sind damit alle materiellen und immateriellen Güter, die sich Menschen in unserer Gesellschaft leisten oder eben nicht leisten können und von denen nach einer weit verbreiteten Auffassung ein erheblicher Teil der Lebensqualität abhängt. Nicht umsonst basiert eines unserer Hauptargumente gegen sozialistische Systeme in den Einschränkungen von deren Bürgern in Bezug auf den freien Zugang zu freien Märkten.

Beginnen wir mit denjenigen Konsumbereichen, die zur Grundversorgung zählen, allen voran der Bereich der Lebensmittel. In Deutschlands Geschäften findet sich ein schier unbegrenztes Angebot an Nahrungsmitteln. Hier ist jede geschmackliche und ideologische Präferenz vertreten. Wir sind permanent ebenso mit exotischen Früchten, ausgefallenen Erzeugnissen aus aller Welt und vegetarischer und veganer Kost versorgt, wie mit biologisch erzeugten oder fair gehandelten Produkten, antiallergischen Lebensmitteln oder laktosefreien Milchprodukten, um nur einige Beispiele zu nennen.

Einzige Voraussetzung für den Zugang zum atemberaubenden Angebot: Man muss es sich leisten können. In der Realität bleibt allerdings Millionen von Menschen in unserem Land keine andere Wahl, als bei ALDI, LIDL oder anderen Discountern zum jeweils billigsten Produkt zu greifen. Ganz unabhängig davon ob es uns schmeckt, ob es gesund ist, ob wir mit dessen Konsum Schuld an elenden Lebensbedingungen in anderen Ländern oder unverantwortlichen Produktionsbedingungen im eigenen Land haben und ganz unabhängig davon, ob wir mit unserem Einkauf maßgeblich genau die Konzerne unterstützen, die selber zu den hauptsächlichen Nutznießern von niedrigsten Löhnen und unverantwortlichen Arbeitsbedingungen zählen: Wir haben nicht die Wahl, wenn wir nicht zu den Privilegierten der Gesellschaft gehören.

Genauso sieht es im Bereich Bekleidung aus. Auch hier sind Menschen mit niedrigen Einkünften gezwungen, zum Billig-Shirt beim Discounter zu greifen, mit dessen Produktion ganze Länder in Armut und Unterdrückung gehalten werden, während man privilegiert sein muss, um eine wirkliche Wahl zu haben.

Nächstes Beispiel: Stromversorgung. Einmal ganz davon abgesehen, dass der Anteil des monatlichen  Einkommens, den Menschen heute für ihre Energieversorgung aufwenden müssen, absurd ist, steht die Entscheidung für einen Anbieter, der ökologisch verantwortlich handelt und dessen Strom von daher meist teurer ist, wieder nur denjenigen zu, die über ein ausreichendes Einkommen verfügen. Und während diese Gruppe es sich zusätzlich leisten kann, ihre neuesten Elektrogeräte nach Energieeffizienz auszuwählen, müssen Geringverdiener, Hartz IV Empfänger und die meisten Rentner mit alten und stromfressenden Kühlschränken, Waschmaschinen und Fernsehgeräten Vorlieb nehmen.

Der Staat subventioniert Solaranlagen auf den Dächern von Eigenheimen, investiert in die Entwicklung von Elektro-Autos und gibt Unsummen für Straßenbauprojekte in ganz Deutschland aus. Gut für diejenigen, die sich Haus und Solar-Panels, Hybrid-Fahrzeuge und die Nutzung von Straßen und Autobahnen leisten können. Schlecht für diejenigen, die systembedingt im „Sozialhilfe-Quartier“ leben, sich weder jemals ein neues noch ein altes Auto anschaffen können und infolge dessen auch nie in den Genuss vierspuriger Autobahnen und gut ausgebauter Fern- und Verbindungsstraßen kommen werden.

Gesellschaftliche Teilhabe und Bildung

Wenden wir uns einem dritten und vorerst letzten Beispiel zu, wenngleich sich diese Liste fast unendlich erweitern ließe. Sprechen wir von der gesellschaftlichen Teilhabe und vom Bildungssystem.

Betrachtet man Deutschland anhand der unzähligen Filme, Serien und Berichterstattungen im öffentlich-rechtlichen und im privaten TV, dann entsteht der Eindruck von einem Land, in dem die größten Probleme seiner Bewohner in der Entscheidung bestehen, welche Fremdsprachen im Kindergarten gelehrt werden, welche musikalischen, künstlerischen oder sportlichen Impulse man im frühkindlichen Stadium setzen soll oder welche kulturellen Veranstaltungen man am Abend und am Wochenende besucht.

Die Lebenswirklichkeit von Millionen von Menschen sieht hierzulande allerdings ganz anders aus, denn jedes dieser hochzivilisiert wirkenden Angebote ist mit hohen Kosten verbunden, die sich wieder nur die Gruppe der Privilegierten leisten kann. Und während die Kinder der Gut- und Besserverdiener von einem Kurs zum nächsten gefahren werden und die Eltern bereits in der Grundschulzeit Pläne über die beruflichen Optionen des Nachwuchses schmieden, gelingt es den sozial Benachteiligten meist nicht einmal, ihren Kindern überhaupt den Zugang zu einer qualifizierten Schule zu verschaffen, da bereits in den Grundschulen erbarmungslos selektiert wird.

Auch der Zugang zu den kulturellen Errungenschaften, auf die wir uns so viel zugute halten, besteht nur begrenzt. Entweder sind Kino-, Theater-, Konzert- oder Museumsbesuche mit hohen Eintrittsgeldern verbunden oder sie verlangen ihren Besuchern das Vorzeigen eines Dokumentes ab, dass sie für jedermann als soziale Randfiguren erkennbar macht.

Zugang zu kulturellen Angeboten besteht so fast ausschließlich über das Fernsehen und, solange noch ein funktionierender PC und Geld für den Internetzugang zur Verfügung steht, über das Netz. Im TV können sich sozial Benachteiligte dann, wenn sie sich für die Privaten entscheiden, Tag für Tag anschauen, warum sie es nicht wert sind, von der Gesellschaft respektvoll behandelt und ernstgenommen zu werden. Schließlich erleben sie dort Laiendarsteller, die in ihre eigene Rolle schlüpfen und Zeugnis von Dummheit, Verkommenheit und Fettleibigkeit ablegen.

Entscheiden Sie sich stattdessen für die Öffentlich-Rechtlichen, dann müssen sie feststellen, dass sie dort überhaupt nicht vorkommen. Stattdessen geht es hier zunehmend um die unerreichbare Welt der Reichen und Schönen, um Fernurlauber und Kreuzfahrt-Passagiere, um Adelshäuser und rauschende Feste und selbst in den Nachrichtensendungen nehmen die Berichte über aktuelle Börsenkurse und die Entwicklung der Finanzmärkte mittlerweile einen deutlich größeren Raum ein, als die seriöse Beschäftigung mit der sozialen Wirklichkeit von Menschen, die nicht das Glück haben, in eine privilegierte Welt hinein geboren zu sein.

Gerechtigkeit als Gesellschaftsprinzip

Nun höre ich die neoliberale Front bereits erwidern: „Jeder ist seines Glückes Schmied“ oder „Wer sich der modernen Leistungsgesellschaft verweigert, der darf sich nicht über die Konsequenzen beklagen“.

Wer allerdings angesichts der hiesigen Verhältnisse tatsächlich von Chancengleichheit ausgeht, der macht es sich zu einfach. Denn erstens hängen die Möglichkeiten zum sozialen Aufstieg aus vielen Gründen maßgeblich von der eigenen Herkunft ab. Zweitens muss sich der Zivilisationsgrad einer Gesellschaft doch gerade daran messen lassen, wie sie mit denjenigen umgeht, die den hohen Leistungsanforderungen nicht entsprechen können oder wollen. Und drittens sollte die Definition dessen, für was eine Gesellschaft steht und damit auch die Festlegung, welche Leistungsansprüche gelten sollen, von der Gemeinschaft aller und nicht von den Maßstäben weniger, die zufällig an der Spitze stehen, getragen werden.

Wenn wir also feststellen, dass unser Zusammenleben nicht von Gerechtigkeit im Sinne der gleichen Verteilung von Chancen und Gütern getragen ist und wenn wir darüber hinaus wissen, dass genau hierin die Ursache für vielfältige Probleme in unserer Gesellschaft besteht, dann sollte man erwarten, dass die Herstellung von Gerechtigkeit zu den zentralen Zielen der Politik gehört.

Davon ist unsere politische Kultur allerdings weit entfernt. Union und FDP fühlen sich traditionell der Vertretung der Interessen der Privilegierten verpflichtet. Im Prinzip kann man ihnen hieraus keinen Vorwurf machen. Dieser muss sich eher an diejenigen richten, die diese Parteien immer noch wählen, obwohl sie keinen Zweifel daran erkennen lassen, für wen sie tätig sind.

Anders sieht es bei der SPD aus, die zumindest traditionell für die Interessen der sozial Benachteiligten steht. Mit der Agenda 2010 haben die Sozialdemokraten allerdings einen Paradigmenwechsel unter Beweis gestellt, von dem sich die Partei bis heute nicht verabschiedet hat. Wer, wie die SPD, die Voraussetzungen für Niedrigstlöhne und Sozialabbau im heutigen Ausmaß überhaupt erst geschaffen hat, kann nicht mehr für sich in Anspruch nehmen, im Sinne der gesellschaftlichen Gerechtigkeit zu agieren. Unterstützt wurden die Sozialdemokraten dabei von den Grünen, die sich über ihre Rolle als Mehrheitsbeschaffer hinaus, heute vor allem für die Interessen der Öko-Eliten einsetzen, die Schwachen gänzlich aus dem Blickwinkel verloren haben und keinerlei Hemmungen verspüren, es in Sachen Wirtschaftsnähe, Käuflichkeit und Lobbybezogenheit den großen Parteien gleichzutun.

Mit der Entstehung der Piratenpartei entstand zunächst die Hoffnung auf eine neue politische Kraft, die der Ungerechtigkeit in der Gesellschaft den Kampf ansagt. Hier musste man als Beobachter allerdings schnell erkennen, dass nicht jeder, der sich in der Politik schwach und unbeholfen gibt, automatisch auch auf der Seite der sozial Benachteiligten steht. Spätestens seit dem Credo „Wir wollen Armut verhindern, nicht Reichtum“ wurde klar, dass in der neuen Partei der Liberalismus vor der Sozialstaatlichkeit steht. Seit Sebastian Nerz als Bundesvorsitzender der Piraten zudem erklärte, seine Traumkonstellation sei eine Koalition mit der FDP und den Grünen, dürften sich innerhalb der Partei zumindest Diskussionen über die grundsätzliche Ausrichtung abzeichnen.

Bleibt noch die Linkspartei, die sich zwar konsequent für die Interessen der sozial Benachteiligten einsetzt und als einzige Partei für eine konsequente Verteilung von Vermögen von oben nach unten eintritt, die aus verschiedenen Gründen für viele Menschen aber nicht wählbar scheint. Bis 2013 kann sich hieran noch einiges ändern, wenn es DIE LINKE nicht versäumt, an ihrer Außenwirkung zu arbeiten und es ihr gelingt, zumindest denjenigen, die vom fortschreitenden Sozialabbau direkt betroffen sind, klarzumachen, dass sie deren Interessen vertritt.

Über die parteipolitische Betrachtung hinaus ist es hochgradig bedenklich, wie weit sich unsere Gesellschaft mittlerweile von dem Anspruch der Gerechtigkeit entfernt hat. Noch einmal: „Gerechtigkeit bezeichnet nach der Definition der philosophischen Enzyklopädie „einen idealen Zustand des sozialen Miteinanders, in dem es einen angemessenen, unparteilichen und einforderbaren Ausgleich der Interessen und der Verteilung von Gütern und Chancen zwischen beteiligten Personen oder Gruppen gibt“.

Im Vorfeld fast aller großen Revolutionen und Aufstände der Weltgeschichte lassen sich mutwillige Verstöße gegen das Prinzip der Gerechtigkeit feststellen. Wann immer sich eine kleine Gruppe Privilegierter über die Mehrheit anderen erhoben, Recht und Gesetz nach ihren Bedürfnissen gebogen und Macht und Einfluss zur Mehrung ihres eigenen Vermögens missbraucht hat, dann dauerte es nicht allzu lange, bis sich die unzufriedene Mehrheit über die Herrscher erhob und ihnen die Privilegien entzog.

Vor diesem Hintergrund kann es nicht verwundern, dass sich der jüngste UN-Bericht zur soziale Lage in Deutschland entsetzt von den hiesigen Verhältnissen zeigt und vor dem Verlust von politischer Stabilität und vor sozialen Unruhen warnt.

 

80 Kommentare

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80 Antworten zu “Ungerechtigkeit als gesellschaftliches Prinzip

  1. Zu bei H4: „diesen Vorteil proaktiv der Behörde () melden,…“ das reicht dem Verwaltungsgesindel nicht. Selbst Rückzahlungen aus der NK Abrechnung, äußerst fristgerecht gemeldet, lässt das Pack im Jobcenter den §-Hammer schwingen. Sie genießen es. Biete spezielle Abhilfe unter Einsatz der Energiesparleuchte:
    http://dinkelschnitte.wordpress.com/2012/01/13/daggis-umweltratgeber-01/

    • Peter Petereit

      Das „Verwaltungsgesindel“ ist kein „Gesindel“. Die machen („schlimmstenfalles automatengleich“) nur das zur Praxis, was in sogenannten Gesetzen vorgeschrieben ist. Dafür werden sie bezahlt und davon leben ihre Familien. Manche den Umständen entsprechend gut, manche schlecht, weil sie auch um ihren Arbeitplatz fürchten, die vermutlich zu recht, denn Deutschland geht’s ja immer besser…
      In den „Jobcentern“ gibt es auch kein „Pack“. Es kann sein, dass ich’s zufällig noch nicht getroffen habe, obwohl ich „Stammkunde“ bin. Meine AV’s hatten einfach nichts für mich in der Schublade, obwohl doch (Meldung von Heut‘) die „Wirtschaft“ nach Arbeitskräften schreit… Ich meine, Theorie und Praxis stehen hier einfach mal so im Widerspruch.
      Multimedial wird so gelogen, dass sich nichtmal mehr die Balken finden, die sich „biegen“ lassen… Was Du, „Blinkfeuer“ hier machst, ist „auseinanderdividieren“… Mit 3/8 im Turm versuche ich mich in dieser Disziplin auch gelegentlich. Ich habe es immer bereut. Nicht wegen Sanktionen (hab‘ ich auch schon hinter mir, aber selbstverschuldet, gelegentlich sollte man seine Post mal lesen). Mit 3/6 bin ich sebstverständlich unschuldig… Ich erinnere mich an eine der wenigen „Hartz-IV-Verhindern“ Demo’s in Güstrow. 30, vielleicht 50 Menschen waren da.
      Ich mal ausgenommen, waren die meisten „Verwaltungsgesindel“. Bis auf einen zünftig gekleideten Zimmermann.Der hatte die Ursache unsere Misere klar und RECHTS erkannt. Ausländer. Dem habe ich offen widersprochen. Einige vom „Verwaltungsgesindel“ auch. Fotos von damals (um 2001/2) hab ich noch irgendwo und stelle sie auf Wunsch ins Netz.
      Abschließend einfach nur ein Tipp: Erst denken. dann wüten. Und, nichts für ungut.

      • Für diesen beachtlichen Blog-Beitrag, der sich beträchtlich vom Unterhaltungsgeschmier der Mainstream-Müll-Medien wie von SPON, BILD und PRALINE unterscheidet, meinen herzlichen Dank. Gerade hier auf einer kleinen Marokko-Fahrt fallen die krassen Klassengegensätze ungeheuer auf, welche mit steter Polizeipräzens durchgesetzt werden müssen. Mein Bericht dazu:

        http://n0by.blogspot.com/2012/01/wasserfall-von-ouzoud.html

        Das Bild vom Sturm auf die Bastille wäre eben auch passend zu meinen Gedanken, welche mir nahezu zeitgleich hier in Marokko zuflogen. Danke Erhard oder n0by mit Null

  2. Pingback: Umleitung – Presseschau vom 30.1.2012 » xtranews - das Newsportal aus Duisburg » Adolf Sauerland, Duisburg, Junge Welt

  3. Pingback: Hinweise des Tages | NachDenkSeiten – Die kritische Website

  4. Martin Sachs

    Kann ich nur bestätigen.
    Ich bin gelernter Lagerist (Handelsfachpacker), habe 2005 meine letzte Arbeit auf dem 1. Arbeitsmarkt verloren. Ich hatte mich dann, um von Zeitarbeit wegzukommen, Anfang 2006 angemeldet zur Schule, Meister für Lagerwirtschaft.
    Die ersten 3 Teilprüfungen mit 95-98% jeweils Note 1, ging mir dann das Geld aus, jede Woche (außer in den Ferien) von Mittelhessen nach Wiesbaden zu fahren, jeweils 20 € Sprit oder 27 € Zug.
    Zuständig für Unterstützung ist in diesem Fall KEINER. Nicht die KfW, die mir über das Instrument des Meister-Bafögs diese Schule ermöglicht hat, nicht das Arbeitsamt, nicht mal Hartz-IV.
    Mit dem Meisterschein hätte ich auch ohne vorher in Führungsverantwortung gewesen zu sein eine Arbeit als Lagerleiter bekommen können, um in den 1. Arbeitsmarkt zurückzukehren. Das ist auch mit 17 Jahren Berufserfahrung illusorisch für die heutige Jobbeschreibung, die im Lagerleiter einen Studierten vorsieht der von praktischer Mitarbeiterführung im Regelfall keine Ahnung hat.
    Alles was mir bleibt, ist ein Leben in Hartz-IV, entweder als Aufstocker (wenn ich Zeitarbeit habe), oder als Vollempfänger (zwischen 2 Zeitarbeitsjobs). Man wird vom System einfach unten gehalten, wenn man nicht das Geld hat aufzusteigen, was man nicht verdienen kann wenn man unten ist.

    • Solitz

      Bestätigen kann ich Ihren Kommentar und Ihre Erfahrungen – auch wenn sie noch so bitter sind und kaum einen Bürger in diesem Staate interessieren. Sie und ich, unbekannterweise, tragen die Probleme aus, die uns Andere eingebrockt haben.

      Ausbildung, Grund – und IHK Ausbildung habe ich absolviert, jahrelang als SB in verschiedenen Betrieben gearbeitet und mich stetig weitergebildet. Wirtschaftsenglisch, SAP, DATEV und und und ….seit 2004 bin ich faktisch weg vom 1. Arbeitsmarkt. Alles was mir blieb sind meine schönen Erinnerungen an einen geregelten Tag und mein gutes Einkommen. Ich bin jetzt 41, werde demnächst 42. Jahre alt. Meine Bewerbungen sind ein Klotz am Bein, ich muss demnächst wieder zum „Abchecken“ bein AB. Mappe vorlegen, Beine breit und abtasten lassen – EGV inkl. und immer nett sein – was mir immer schwerer fällt in dieser Situation. Ein Strafgefangener, aber noch weit von Gitmo entfernt.

      Ich habe keine Chance, selbst einen geringqualifizierten Job zu bekommen, trotz Bewerbungen, auch wenn es sich „nur“ um einfache Arbeiten im Büro handelt. Entweder bin ich denen zu teuer, zu dumm oder zu alt. Oder zu verharzt. Das ist auch das Ergebnis der „Pressearbeit“ in diesem Unschland.

      Dieses „Von der Leyer Gequatsche“, was sich immer und immer wieder in den Medien lesen läßt, ist reine Zeitverschwendung und hilft mir und anderen Hartzies nicht. Wir werden alle kurz und dumm gehalten, der Rest der Republik schaut zu und nickt ab, angstgeschnürt und gelähmt. Ein schön ruhiges Volk, da wären andere Staatsoberhäupter ( auch die Gestrigen ) sehr angetan vor so viel Zustimmung und Unterwürfigkeit. Duckmäsertum a la Radikalenerlaß.

      Ich sehe für mich keine rosige Zukunft und keine Hoffnung mehr, jemals aus H4 rauszukommen – das meine Zukunftspläne im Bach gelandet sind, wirft man mir aber vor. Das zumindest habe ich schon „durch die Blume“ bei Absagen und in Gesprächen zu hören und lesen bekommen. Ich habe fertig – mit Deutschland und seiner Finanzmafia.

  5. Die Schwachen. Ich halte diese Bezeichnung für grundfalsch. Es gibt keine schwachen, es gibt nur Menschen, deren Handlungsspielraum durch diskriminierende, verletzende oder devastierende, kurz entautonomisierende strukturelle Kräfte oder Verhaltensweisen anderer eingeengt bis zerstört wurde. Das hat nichts mit Schwäche zu tun. Das hat mit nichts anderem als anthropologischen Grund(un)möglichkeiten des Menschen zu tun. Diese Vorstellung ist hochschwanger mit vom hier im Artikel kritisierten Neoliberalismus, der die vollumfängliche Individualautarkie proklamiert. Der Schwarm der rationalen Nutzengetriebenen Individuen, der nach einige Zeit „Schwache“ produzieren soll. Ist das Kriegsopfer, das von Bomben zerfetzt wird, auch schwach? Die Schwachen sterben zuerst, oder? Der Starke hätte einen Steifen noch mitten in der Atombombe. Ah, nein, er hätte den biokosmischen Intelligenzanfall und hätte sich vorher an einen anderen Ort begeben. Gut, ein übertriebener Vergleich. Nein, nicht nur. Man muss die Parallelen sehen. Eine Ordnung, die von vornherein eine ruinierte Existenz, eine depravierte, devastierte Existenz kennt und voreinrichte und die möglichen Existenzprozesspfade derart konfiguriert, dass notwendigerweise viele ihren eigenen nie finden können und schon gar nicht gehen und auf den vorgegebenen nur begrenzte Stallplätze angerichtet sind. Aus welchem Grund sollen diese Subjekte als Schwache bezeichnet werden? Sie kommen nicht mit im Wettlauf um den Stallplatz? Das etwa? Ist es so schwer, sich diese Phantasie aus sich hinauszudenken. Man muss schon darin die perverse List sehen, die sich noch im Gutdünken einnistet. Man muss sich auf den Weg machen, eine Perspektive zu erarbeiten und in sich internalisiert zu haben, damit der erste, der spontane Gedanke nicht „der Schwache“ ist, sondern zunächst einmal eine Leerstelle, die man füllt mit den lebendigen Worten des Anderen. Und das herangetragene Wort „der Schwache“ Aversion und Ekel evoziert oder zumindest Fremde und Unverständnis. Denn diese List neigt sich unter anderen Vorzeichen, unter anderen Affektionsangeboten und zeigt dann ihre Fratze. Eine Fratze ist es schon, eine Deformation durch strukturelle Kräfte als personale Schwäche zu bezeichnen. Das ist das Matthäusprinzip, via negativa.

  6. Hans

    Jemand der mehr leistet, muß mehr bekommen als jemand der weniger leistet, obwohl er körperlich in der Lage dazu wäre. Wenn man diesen Mechanismus außer Kraft setzt, orientiert sich jeder der nur noch am absoluten Mindestmaß was man bringen muß. Die Effizienz sinkt in den Keller, zum Nachteil aller.

    • Frau Lehmann

      „Jemand der mehr leistet, muß mehr bekommen als jemand der weniger leistet, obwohl er körperlich in der Lage dazu wäre. “

      Stimmt. Kaum jemand könnte und würde dem widersprechen. Aber leider wird das eben so nicht gehandhabt. In meinem Job z.B. orientiert sich die zusätzliche Vergütung nicht nach der Leistung, sondern ob der Arbeitgeber Geld dafür zur Verfügung stellt. Wenn keins da ist, fällt die Leistungsbewertung dann eben nicht so gut aus, damit es keine Höherstufung geben muss.

      „Wenn man diesen Mechanismus außer Kraft setzt, orientiert sich jeder der nur noch am absoluten Mindestmaß was man bringen muß. “

      Falsch. Mit Ihrer Aussage gehen Sie davon aus, dass kein Mensch ohne zusätzlichen Anreiz gut arbeiten würde. Zählen Sie sich auch dazu? Ich mich jedenfalls nicht und ich wehre mich gegen solch eine Unterstellung. Mit dieser Einstellung züchtet man sich regelrecht solche egozentrischen Menschen, die nur etwas tun, wenn sie daran verdienen können.
      Und was die Effizienz der Arbeitskraft angeht: naja, da gibts meiner Meinung nach wesentlich wichtigere Kriterien, um einen MENSCHEN zu bewerten. Bin ich eine Maschine?

      Gruß
      Cora

      • Hans

        Es geht nicht um einen „zusätzlichen Anreiz“, es geht darum überhaupt einen Anreiz zu haben. Wenn es egal ist ob man 10 Stunden am Fließband arbeitet oder nur 1 Stunde, dann wird kaum einer länger als die 1 Stunde dort stehen. Ein anderes Problem ist, dass das Leistungsprinzip in Teilen der Gesellschaft zweifellos außer Kraft gesetzt wurde. Bezahlung korreliert nicht länger immer und überall notwendigerweise mit Leistung. Das gilt es wieder zu ändern.

      • Hans

        „Mit dieser Einstellung züchtet man sich regelrecht solche egozentrischen Menschen, die nur etwas tun, wenn sie daran verdienen können.“

        Jeder Mensch tut nur dann etwas, wenn er daran „verdient“. Das muß nicht unbedingt monetär sein, es kann auch „nur“ Anerkennung, Spaß an der Tätigkeit, Hobby, Pflichtbewußtsein etc. sein. Leider gibt es aber auch sehr viele Jobs die überhaupt keinen Spaß machen etc. und auch diese Jobs müssen erledigt werden, für diese Jobs ist dann eben der monetäre Faktor entscheidend. Wenn es dafür kein Geld gäbe, würde kein Mensch der Welt diese Arbeiten ausführen. Mit Egozentrik hat das wenig zu tun.

        • Frau Lehmann

          „Jeder Mensch tut nur dann etwas, wenn er daran „verdient“.“

          Nein. Jeder Mensch wird durch Anreiz, Lob, Anerkennung, finanzielle Vergütung in dem, was er tut bestärkt und motiviert. Was er tut, tut er in erster Linie aber aus einer inneren Einstellung heraus. Pflichtgefühl ist kein Lohn, der von außen kommt. Anerkennung erfolgt als Antwort auf eine Handlung, nicht als ausschließliches oder wesentliches Motiv, überhaupt etwas zu tun (Ausnahme sind Kinder oder Menschen, die über ein sehr geringes Selbstwertgefühl verfügen). Sonst dürfte wirklich niemand mehr im sozialen Bereich arbeiten, denn sooooo toll wird man da nicht bezahlt. Eine „gesunde“ Einstellung ist die, dass ich, wenn ich arbeite, die Arbeit auch gut machen wil. Diese „Moral“ gestehe ich jedem Menschen zu. Es gibt sie sogar noch, solche Menschen. Woher kommt denn sonst sowas wie Enthusiasmus und Engagement? Das sind innere Einstellungen, die ich nicht durch einen besonders hohen Lohn entwickeln kann. Klar geht es dabei auch um eine Art „Lohn“, aber um einen, den ich mir selbst gebe. Würde es solche Menschen nicht geben, sondern nur welche, die für sich eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufmachen, wäre unsere Gesellschaft längst am Ende. Und ich bleibe dabei: letztere Einstellung mag vielleicht oberflächlich gesehen effektiv sein oder kann effektiv genutzt werden, unterschlägt aber den menschlichen und sozialen Faktor und ist egoistisch, weil am reinen Eigennutz orientiert. Der Mensch ist aber nicht nur auf seinen eigenen Vorteil aus. Wäre das so, hätte sich die menschliche Gesellschaft niemals als Gesellschaft entwickeln können. Leider befinden wir uns gerade im Rückwärtsgang.

          „Leider gibt es aber auch sehr viele Jobs die überhaupt keinen Spaß machen […] Wenn es dafür kein Geld gäbe, würde kein Mensch der Welt diese Arbeiten ausführen.“
          Logisch wäre es dann, wenn diese Jobs besonders gut bezahlt würden. Ist das so? Welche Jobs zählen Sie dazu?

          Ich wundere mich immer wieder, dass jemand das nicht verstehen will oder kann.

  7. Betr. Noch-Immer-BP WULFF

    Als vor nunmehr zweiundzwanzig Jahren in der Noch-DDR aussm Westen eingereiste Jungeunionler ´n Marxkopf mit dem Spruch plakatierten: Tut mir leid, hab mich geirrt, schrieben paar Aktivist(inn)en mit schwarzem Filzstift drauf:

    LIEBER GOTT UND DU
    VERGIB DER CDU.

    Ob der da oben nach der Causa BP-Wulff jemals der CDU wird vergeben können?

    Richard Albrecht am 31.01.02
    _http://gegen-den-strom.org_

  8. Michel

    Der Artikel deckt sich zu 100% mit meinen An- und Einsichten inkl. den vor mir gemachten Erfahrungen und Beobachtungen. Danke dafür!

    Mir geht einmal mehr der Hut hoch, wenn ich in den aktuellen Nachrichten des „Propagandaministeriums“ von dem tollen „Jobwunder“ in Deutschland höre.
    Oder meinen die damit die vielen 400 € – Jobs, die in den Tageszeitungen ausgeschrieben werden?

    Als „Vollbeschäftigten“ scheint man heute eine Person zu verstehen, die auf den Tag verteilt von einem zum anderen 400-Euro Job hetzt. Aber gut, so haben diese kaum Zeit mehr, um über ihr trostloses Dasein nachzudenken oder gar die gefakten Statistiken (z.B. kürzlich in der Bild: „Der Euro ist kein Teuro) – http://www.bild.de/geld/wirtschaft/euro/euro-kein-teuro-21839012.bild.html
    hinterfragt. Das nur als Beispiel, auf die manipulierten Arbeitslosen-Statistiken aus der „Parallelwelt“ unserer Politiker, möchte ich erst gar nicht weiter eingehen.

    Und auch „nur mal so nebenbei:“ Als Ü50-er habe ich persönlich trotz Qualifikation und reichliche Berufserfahrung am Arbeitsmarkt weder eine Chance in einem meiner Ur-Berufe, noch in einem „minderwertigeren“ Job, den ich durchaus annehmen würde. Es gibt ihn schlichtweg so gut wie nicht mehr! Für mich nicht mal über eine dieser unsäglichen Zeitarbeitsfirmen.

    Aber von dem Zustand der heutigen Arbeitswelt und der Versklavung von Menschen mal abgesehen:

    M.E. ist es an der Zeit, dass dieses ungerechte System nicht nur theoretisch an den Pranger gestellt wird, sondern dass man sich dagegen auflehnt, und zwar mit aller Macht!!!
    Bis vor einiger Zeit war ich noch der Ansicht, irgendwann – so wie bspw. in den 60-er Jahren – werden die „Jungen“ bzw. Studenten und (Pseudo-) Intellektuellen auf den Straßen für Aufruhr sorgen. Da dem nicht so ist, aus welchen Gründen auch immer, muss ich „alter Sack“ lauter als jemals zuvor heraus schreien, was in dieser Gesellschaft mehr als nur „stinkt“. Ich glaube nicht, dass sich alleine durch Blog-Einträge zu diesen Themen, auch wenn ich mich nun ja selbst daran beteiligte, wirklich etwas „tun“ oder gar ändern wird.

    Und auch wenn ich mit Reaktionen wie „Früher war auch nicht alles besser“ – wie immer – rechnen muss, behaupte ich: Es war „früher“ sehr vieles besser als heute, vor allem für den Otto-Normal-Bürger. Nur kann das ein 25…30-Jähriger nicht wissen, weil der zu dieser Zeit das nicht erlebt und erfühlt hat.

    Ich bin kein Linker, weil ich mittlerweile das ganze Parteien-System für absolut reformbedürftig betrachte. Abgesehen davon, dass ich das gesamte System für immer fragwürdiger halte.

    Unsere Volksvertreter leben leider in einer anderen Welt als wir. Der ehemalige Steinewerfer und spätere Außenminister Fischer, ist längst auch in diese andere Welt übergewechselt und hat damit nicht nur seine einstigen Ideale verraten. Er ist ein Beispiel dafür, weshalb man man diese von Macht -und Geldgier besessenen Partei-Demoraten grundsätzlich nicht mehr wählen kann. Nie waren all diese „Nasen“ weiter vom Bürger entfernt als heute!

  9. Roman

    Gerechtigkeit…..
    ein großes Wort in unserer Zeit und Gesellschaft. Die Ungerechtigkeiten, die hier angesprochen sind, sind absolute Grundlage unserer kapitalistischen Gesellschaft. Diese würde „etwas“ gerechter sicher auch funktionieren, aber nicht mit den heute üblichen Profiten. Aktionäre und Kleinanleger sind ja mittlerweile schon enttäuscht, wenn nicht jedes Jahr wieder neue Traumrenditen ausgeschüttet werden unabhängig der gesellschaftlichen und finanzpolitischen Entwicklung. Die Politik hat für diese Erwartungen den Weg geebnet. Grundlagenindustrie wurde mit der Begründung des Wettbewerbes privatisiert, genau das Gegenteil ist eingetroffen. Eine Krähe hackt der anderen…. Außerdem können diese Güter (Strom, Wasser usw.) als knappes Gut auf dem Markt wie Industriegüter inzwischen gehandelt werden und sind wie im Bsp. Strom börsennotiert. Früher war dies in keinster Weise möglich, da die Grundversorgung durch das Gesetz geregelt wurde und von Spekulationen ausgenommen waren. Das Arbeitsamt, oder wie auch immer das ständig umbenannt wird, wurde aus der staatlichen Verantwortung herausgelöst (inzwischen arbeiten die Bearbeiter dort nach wirtschaftlichen Kriterien; d.h. denen muß ein Einzelschicksal auf Grund wirtschaftlicher Vorgaben egal sein). Dem Volk hat man die Privatisierungen mit sinkenden Preisen verkauft bzw. stillschweigend durchgezogen. Das erschreckende daran ist, die daraus resultierenden immer größer werdenden Ungerechtigkeiten sind keine unabwägbaren Dinge gewesen, nur haben sie keinen Entscheider davon abgehalten, diese durchzusetzen.

    Wenn wir nicht in absehbarer Zeit diese Privatisierungen der Infrastruktur (Bahn, Bus, etc.), Energie sowie Sozialverantwortung wieder in staatliche Hand geben wird diese Schere weit schneller und heftiger auseinander gehen, als es beherrschbar sein wird. Irgendwann begreifen auch mal die „Benachteiligten“ unserer Gesellschaft das sie eine gar nicht so kleine Masse sind die es nur zu organisieren gilt.

    Der Staat, also niemand anderes als wir selbst, müssen wieder mehr Gemeinverantwortung übernehmen (wollen). Dieses Gefühl und dieses Bestreben ist in den letzten Jahren erfolgreich bekämpft worden. Hier ist die Politik gefragt. Nur wenn ich mir da unsere Politiker, die nichts anderes als die Vermittler o.g. Dinge dem Volk gegenüber sind, so ansehe, sehe ich düster. Das System, wie es jetzt läuft wird wohl leider durchhalten bis zu einem nicht absehbaren „Ende“. Solange Geld den Stellenwert hat wie es heute der Fall ist drehen wir uns hier immer schneller im Teufelskreis.

    • Michel

      Durch die Privatisierungs-Aktionen mit den propagierten Versprechen: „Servicefreundlicher und preiswerter“ wurde letztlich ALLES schlechter und teurer für den Bürger. DAS ist die Wahrheit, und zwar nicht nur „gefühlt“, sondern traurige TATSACHE!

      In Bereichen der Grundversorgung verstößt diese Privatisierungs-Welle gegen das Deutsche Grundgesetz.

      Beispiele:

      Müllabfuhr
      Energie-Versorgung
      Post

      Ich bin kein „Beamten-Freund“, aber als o.g. Bereiche noch in städtischer bzw. staatlicher Hand und Funktion waren, standen Preis und Leistung noch im Einklang miteinander.
      Mancher beamtete Briefträger war aus heutiger Sicht damals vielleicht „korrupt“, weil er wusste, wer in seinem Bezirk lebt, wer wohin umzuziehen gedenkt oder berufliche gerade Probleme hat und hatte diese „Erkenntnisse“ evtl. hier oder da weiter getragen, ABER er war im Regelfall eine Vertrauensperson. Man konnte sich auf ihn verlassen und er selbst sah sich als „Beamter“ in dieser Position, in der ein unkorrektes Arbeiten weit weniger zu seinem Gedankenspiel gehörte, als es heute „natürlicherweise“ bei Tagelöhnern aus Zeitarbeitsfirmen, ICH-Ags‘ und Inhaber von Kiosken und Taxi-Unternehmen der Fall ist, die im Auftrag der „Post“ die gelben Briefkästen in der Pampa leeren.

      Was ist bei der Post denn billiger und was besser oder gar schneller geworden? Was ist bei der Deutschen Bundesbahn so viel „toller“ geworden? Die lügen sich doch alle selbst in die Tasche, und das natürlich zum Leid ihrer Bediensteten, die sie noch haben.
      Wo sehen SIE noch den gelben Briefkasten in IHREM Ort, wie viele gibts in IHREM Ort davon?
      Was müssten SIE für eine Briefmarke HEUTE bezahlen?
      Sie ziehen gerade um oder wollen aus einem anderen Grund ihre Briefe nachgesendet bekommen?
      Was mussten Sie dafür „früher“ machen?
      Ganz einfach: Postkarte mit neuer Adresse oder von dann bis dann bin ich hier… ausfüllen, die Sie ganz locker und kostenlos abschicken konnten.
      HEUTE – trotz Privatisierung und Beamtentum-Abbau“ – sieht das so aus:
      Riesen-Formular ausfüllen und so um die 15 € für nur 6 Monate und das auch NUR für Briefe bezahlen. Pakete kosten extra.
      Klasse Sache die Privatisierung der Deutschen Post, nicht wahr?

      Ist die Bahn pünktlicher geworden? Und wo BESSER?
      Teurer JA!

      Müllabfuhr? O.K., Herr Trittin hat es geschafft, dass wir als einziges Land in Europa heute unser grünes, braunes und weißes Glas daheim selbst sortieren und irgendwann in diese Glascontainer werfen. Alle Achtung, dieser „Grüne“ hat es als einziger in Europa geschafft, eine neue Unternehmer-Idee zu entwickeln, die einzig und alleine „cleveren“ Geschäftemachern das Geld in die stets aufnahmefähige Hosentasche spült. Arbeitsplätze? Lach…
      Ja, ja, die gigantische Idee, die sonst kein Mensch in der Welt sonderlich gut findet, dafür wird den „Grünen“ garantiert in Deutschland mal ein Denkmal aufgestellt. So ganz „nebenbei“ haben die Grünen dafür gesorgt, dass eine „Kultur“ einfach so verschwindet. Man stirbt heute gesünder, wenn man in der Kneipe um der Ecke nicht mehr rauchen darf. Klasse Sache, weil so finden sich nur noch die an eine „Gesundheits-Sekte“ glaubenden Jünger zum Gedankenaustausch im Park zusammen.

      Was für eine glanzvolle Epoche mit schwachsinnigen Volksverarschern in der wir leben. Sie wird als eine der DÜMMSTEN in die Geschichte eingehen. Die Welt wird sich später mal über diese Menschen totlachen, die dieses Kasperle-Theater einmal mehr typisch Deutsch mitgemacht haben.

      Aber Hauptsache man kann einmal im Jahr noch nach Mallorca fliegen…
      Wenn es sich die Mehrheit nicht mehr leisten kann, wird sie sich Gedanken machen. Vorher nicht!

      • Roman

        Sehr richtig. Und traurig gleichermaßen. Nur wenn wir es nicht ändern bzw. zumindest publizieren wird sich daran nix ändern….

  10. Betr. WULFF

    @ Blogger

    Auch ich meine, die CAUSA PRÄSIDENTENWULFF wird wie vor 25 Jahren die CAUSA EHRENWORTBARSCHEL recht BÖS ENDEN (http://wernerenke.de) – es muß ja nicht im Schweizer Badezimmer sein sein – und setz mal´n politlyrischen Fünfzeiler ab:

    DER BDP, DER BPD
    WIRD ZEIT WIRD ZEIT
    NUN IST´S SOWEIT
    DASS ER ABGEH´:
    SCHEIDEN TUT WEH;-)

    Richard Albrecht

  11. Pingback: Ungerechtigkeit als gesellschaftliches Prinzip | Heinrichplatz TV

  12. Zu ungerchtigkeiten der Gesellschaft die wir als Individium
    nunmal angehören stellt sich die Frage nach dem Recht
    des Tötens. Leider habe ich keine Rubrik von Tierrechten
    oder Tötens gefunden deswegen tagge ich nun mal hier.
    Der Betreiber der Webseite möchte Ihn dann bitte in die
    entsprechende Rubrik einordnen vorausgesetzt er möchte
    demnächst lieber Vegetarierer werden und jene Tierschützer
    mit unterstützen.
    Hier der Banner und dann weiter unter Dokus


    Mit freundlichen Grüssen

  13. monopoli

    Reblogged this on monopoli.

  14. Pingback: Ungerechtigkeit als gesellschaftliches Prinzip « linkepower

  15. Pingback: (via Instapaper) | Christians Webfundstuecke

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