Wie wir Griechenland zerstören

14.2.2012 – Mit eiserner Hand zwingt die EU Griechenland von einem Sparpaket ins nächste. Unter der Führung unserer unbarmherzigen Kanzlerin fordern wir immer weitere Privatisierungen und Lohnkürzungen, den Verkauf von öffentlichem Eigentum und den fortgesetzten Abbau von Stellen im öffentlichen Dienst oder drastische Kürzungen bei den ohnehin geringen Sozialleistungen.

Unter irreführenden Begriffen wie „Hilfspaket“ oder „Sparplan“ setzen wir die Wiege der Demokratie unter das postdemokratische Diktat und reagieren mit gespielter Verwunderung darauf, dass die bisherigen Maßnahmen wirkungslos bleiben und dass die griechische Gesellschaft zunehmend mit Wut auf die von uns verordnete Not reagiert.

Wer Not säht, erntet Wut

Das griechische Parlament hat am Wochenende dem insgesamt achten Sparplan innerhalb der letzten drei Jahre zugestimmt, während Hundertausende Menschen auf den Straßen und Plätzen von Athen gegen den Kurs ihrer nicht gewählten und unrechtmäßigen Regierung protestierten.

Die Griechen mussten erleben, wie sich ihr Land unter dem Diktat der EU in wenigen Jahren zu einer postdemokratischen und neoliberalen Gesellschaft nach deutschem Vorbild entwickelt hat. Als Gegenleistung für sogenannte „Hilfspakete“ haben die europäischen Staatsoberhäupter und der IWF Forderungen durchgesetzt, die mit erheblichen Auswirkungen auf die Lebensumstände der Menschen in Griechenland verbunden sind.

Hierzu zählen unter anderem der drastische Abbau sozialer Leistungen, die Erhöhung von Verbrauchersteuern, die fortgesetzte Privatisierung von öffentlichem Eigentum, die Schließung von Krankenhäusern und Schulen oder die Senkung von Löhnen im öffentlichen Dienst und in der privaten Wirtschaft.

Der aktuell beschlossene „Sparplan“ sieht weitere Einschnitte vor. So müssen im öffentlichen Dienst noch in diesem Jahr wiederum 15.000 Stellen abgebaut werden. Bis 2015 sollen insgesamt 150.000 öffentliche Arbeitsplätze wegfallen. Der griechische Staat muss seine Ausgaben um weitere 1,5 Prozent des BIP senken und wird alleine die Ausgaben im Gesundheitssystem um 1,1 Milliarden Euro und öffentliche Investitionen um 400 Millionen Euro kürzen.

Die Griechen reagieren mit zunehmender Empörung auf die Verschlechterung der Lebensverhältnisse in ihrem Land. Die Proteste haben längst den Mittelstand erreicht und obwohl Hunderttausende auf den Straßen und Plätzen der großen Städte demonstrieren, finden Berichte über die Protestbewegung nur selten Einzug in die deutschen Medien.

Experten bezweifeln die Wirksamkeit

Die bisher geleisteten „Hilfspakete“ kommen weder bei der Bevölkerung an noch verbessern sie die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Griechenland. Hauptsächlich dienen die Milliardenbeträge den investierten Banken als Garantie für die Rückzahlung von Staatsanleihen und werden als Druckmittel eingesetzt, um den postdemokratischen Umbau des griechischen Staates und seiner Gesellschaft zu erpressen.

Die Folgen der europäischen „Hilfen“ sind grausam und verschlechtern die Lage der griechischen Bevölkerung nachweislich von Monat zu Monat. Nach dem Beginn der unheiligen Kombination aus sogenannten „Hilfspaketen“ und absurden „Sparplänen“, ist die griechische Wirtschaft im Jahr 2010 um 4,5 Prozent und im Jahr 2011 um 6,8 Prozent geschrumpft. Die Arbeitslosigkeit hat sich von 13,9 Prozent im Jahr 2010 auf mittlerweile 20,9 Prozent erhöht. Mehr als eine Million erwerbsfähige Griechen sind inzwischen ohne Job. Besonders hart ist dabei die Gruppe der bis zu 24-jährigen Betroffen. Hier erreicht die Arbeitslosigkeit mittlerweile knapp 50 Prozent.

Dabei wird in der europäischen Öffentlichkeit immer wieder bewusst ein unberechtigter Zorn auf die Griechen geschürt, die angeblich über ihre Verhältnisse gelebt haben sollen. Die „normalen“ Menschen in Griechenland haben dabei weder von den Machenschaften ihrer korrupten Regierung noch von den Spekulationen der Finanzwirtschaft profitiert. Mit Begriffen wie „Hilfe“ oder „Sparen“ soll suggeriert werden, dass die griechische Bevölkerung ihre Lage selber verschuldet hat und dass die europäischen Staaten mit gutem Recht fordern müssen, dass sich die Griechen weiter einschränken, um unsere „Hilfe“ zu verdienen.

In Wirklichkeit wird Griechenland durch die bank- und investorenfreundlichen Maßnahmen immer weiter in die Misere getrieben. Die Milliardenbeträge aus den sogenannten „Rettungsschirmen“ kommen weder der sozialen noch der wirtschaftlichen Entwicklung zugute sondern verstärken nur die Faktoren, die Griechenland Schritt für Schritt zerstören.

„Jetzt zählen nur noch Taten“

Wenn Außenminister Westerwelle in einem aktuellen Spiegel-Interview betont, es könne im Fall Griechenland keine Vorleistungen mehr geben und die Situation mit dem populistischen Aufruf „Jetzt zählen nur noch Taten“ anheizt, dann wirkt dies ebenso zynisch und verächtlich, als wenn Vizekanzler und Wirtschaftsminister Philipp Rösler in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“ fordert, Griechenland müsse Vereinbartes auch umsetzen:

“Erst wenn das passiert, erst dann kann es neue Hilfen geben und darauf ist Griechenland ja dringend angewiesen.“

Der 86-jährige Komponist, Schriftsteller und Politiker Mikis Theodorakis wurde bei den Demonstrationen am Wochenende in Athen Opfer von Tränengasangriffen. Sondereinheiten der Polizei sprühten ihm das Reizgas direkt ins Gesicht. Seinen Protest konnte er wegen Atemnot nicht fortführen.

In einem Aufruf hatte Theodorakis erklärt:

“Wir bitten Sie nicht, unseren Kampf aus Solidarität zu unterstützen, nicht, weil unser Land die Wiege von Platon und Aristoteles, Perikles und Protagoras, der Konzepte von Demokratie, Freiheit und Europa war. Wir bitten Sie nicht um eine besondere Behandlung, weil wir als Land eine der schlimmsten Katastrophen in Europa in den 1940er Jahren erlitten haben und wir vorbildlich gekämpft haben, dass der Faschismus sich nicht auf dem Kontinent etabliert hat.

Wir bitten Sie, es in Ihrem eigenen Interesse zu tun. Wenn Sie heute die Opferung der griechischen, irischen, portugiesischen und spanischen Gesellschaft auf dem Altar der Schulden und die Banken zulassen, wird bald die Reihe an Ihnen sein. Sie werden nicht auf den Ruinen der europäischen Gesellschaften gedeihen.”

In einer Presseerklärung vom gestrigen Tag ruft Pierre Laurent, der Vorsitzende der Europäischen Linkspartei, alle europäischen Bürger dazu auf, Solidarität mit dem griechischen Volk zu zeigen und Widerstand zu leisten:

„Wir rufen alle europäischen Bürger auf, sich vor den griechischen Botschaften in den EU Ländern zu versammeln und ihre Solidarität mit dem griechischen Volk zu demonstrieren. Wir rufen auch all jene auf, die diesen katastrophalen Sparplänen in ganz Europa widerstehen, zusammen zu arbeiten für die Formierung einer Gegenoffensive aller europäischen Völker.“

Während in der Öffentlichkeit das Märchen vom längst verstorbenen Griechen verbreitet wird, dessen Angehörige über Jahre die Rente weiterkassieren, ist es in Wirklichkeit so, dass die Allianz aus Banken, EU-Finanzministern und Staatschef und dem IWF den griechischen Staat in seiner jetzigen Form künstlich am Leben erhält, um auf Kosten der europäischen Steuerzahler so viel Geld aus dem geschwächten „Patienten“ zu pressen, wie nur möglich.

Vom ersten „Sparpaket“ an herrschte unter den Akteuren Einigkeit darüber, dass man die völlige Zerstörung der griechischen Gesellschaft in Kauf nimmt, um Vermögen von unten nach oben zu verteilen und die europäischen Staaten Schritt für Schritt in die finanzfaschistische Diktatur zu zwingen.

 

José Manuel Barroso wird mit einer Online-Petition dazu aufgefordert, den Wucherzinsen gegenüber Griechenland Einhalt zu gebieten und sich dafür einzusetzen, dass das Überleben und der Schutz der Menschenwürde als wichtiger erachtet werden, als das Zurückzahlen von Schulden.

Zeigt Eure Solidarität mit den Menschen in Griechenland, indem Ihr die Petition zeichnet, sie teilt, verbreitet und dabei mithelft, dass innerhalb der nächsten sechs Wochen eine Million Unterschriften zusammen kommen.

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139 Kommentare

Eingeordnet unter Außenpolitik, DIE LINKE, Empfohlen, Politik, Revolution

139 Antworten zu “Wie wir Griechenland zerstören

  1. Lucia

    Habe soeben diesen Blog dank nachdenkseiten entdeckt und bin von der Qualität des Blogs und der Diskussionsrunde beieindruckt. Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, hab einen Franzosen geheiratet und lebe seit 24 Jahren in Frankreich, im Elsass, nahe der Grenze. Das nur um zu erklären warum ich “Merkozy”, die Desinformation und Manipulation in beiden Ländern, mit allen Konsequenzen für ganz Europa, besonders nah erlebe. Zwei wichtige Prinzipien von Demagogie/Propaganda werden von beiden angewandt :
    1. Teile, um zu herrschen. Entgegen aller scheinheiligen Behauptungen, man wolle die Menschen in einem Europa in Frieden und Wohlstand (haha) vereinen. In Frankreich, das eigentlich ein sehr zentralisiertes Land mit grossem republikanisch geprägtem Nationalbewusstsein (De Gaulle) war, wird den Regionen immer mehr “Unabhängigkeit” und “Eigenverantwortung” in ihrer Verwaltung zugestanden. Gleichzeitig werden sie gezielt untereinander in Konkurrenz gebracht, um Förderungen zB für Wirtschafts- und Bildungszentren zu erhalten (“poles d’excellence”).
    In Deutschland lese ich jetzt viel davon, dass endlich Schluss sein solle mit dem “ungerechten” Länderfinanzausgleich”, dass jedes Bundesland gefälligst so ordentlich wirtschaften sollen wie die Schwaben und Bayern. Ist es nicht flagrant wie diese Entsolidarisierung der Bundesländern der Entsolidarisierung auf europäischer Ebene entspricht ? Belgien ist de fakto ein geteiltes Land (angeblich war doch Von Rompoy ein so vorzüglicher Vermittler, und was ist dabei rausgekommen….), Spanien Regionen sind bereits politisch sehr autonom, in Italien werden die Gegensätze Nord-Süd immer grösser, aus Yougoslawien wurden X-Kleinststaaten. Grenzüberschreitende Eurodistrikte werden geschaffen, die direkt von der EU gefördert werden. Jede Region soll sich als “Marke” selbst vermarkten und sich im wirtschaftlichen Wettbewerb zu den anderen behaupten. Mit der tatsächlichen Identität einer Region hat das nichts mehr zu tun, hier gehts um Kommerz. Schönes neues Europa….
    2 TINA – there is no alternative. Es ist eine Frechheit, dass Merkozy in ihrem gemeinsamen Fernsehinterview unwiedersprochen behaupten dürfen, der von ihnen eingeschlagene Weg und die von ihnen getroffenen Vereinbarungen seien unantastbar und überhaupt nicht diskutierbar. Auch wenn Sarkozy nicht wiedergewâhlt wird und die Franzosen somit ihr demokratisches Recht auf eine Alternative zum Ausdruck bringen. In Griechenland gehts jetzt auch darum, unbedingt die verpflichtende Unterschrift aller Parteien zu erhalten, damit NACH DEN WAHLEN keine Alternative mehr ist zu VOR DEN WAHLEN; Das ist bereits das Ende der Demokratie.

    • Merkel-Bananen-Betrüger-Banken-Republik-Deutschland

    • Uwe

      Naja, so einfach ist das auch nicht. Ich lebe seit 13 jahren in Italien und es gibt so etwas wie eine Mentalitaet, lieber klean. Jedem, der schonmal ueber seine eigenen Stadtgrenzen hinweggereisst ist, sollte das schonmal aufgefallen sein, aber das ist ja ‘politically incorrect’.
      Man kann desshalb durchaus sagen, dass in Europa und ganz besonders in Italien, z.B. die Steuerehrlichkeit abnimmt, je weiter man nach Sueden kommt.
      Das liegt einfach an Braeuchen, die seit Jahrhunderten weitergegeben werden.
      Griechenland bringt es auf eine noch hoehere Hinterziehungsquote als Italien, wo es 40.000 Jachtbesitzer gibt, die weniger als 30K€ Jahresverdienst angeben und ca. 160Mrd!!! hinterzogen werden. Der Staat ist in Mittelmeeranreinerstaaten kaum present, es zaehlt vielmehr der Familienclan. Ist ja auch ok, solange sich das selber traegt, aber die koennen doch nicht erwarten, dass der dt. Lokfuehrer, der 1500€ verdient, seinem griechischen Kollegen den Lohn von 5000€ finanziert. Der ganze Konflikt ist weniger einer zwischen Deutsch und Griechisch, denn zwischen ARM und REICH. Im Uebrigen, mein Lieber ‘klean’, ist Deine Art mit Andersdenkenden umzugehen nichts anderes als faschistoid – und ich bin mir ganz sicher Du kommst aus Deutschland.

  2. Katja

    @ Albino

    Die Alternative? Sofortiger Austritt Griechenlands aus der EU, sofortige Streichung sämtlicher Staatsschulden. Erst nachdem das passiert ist, kann das Land an einen Neuanfang denken.
    Alles andere dient nur dazu, Griechenland zu einem deutschen Protektorat zu machen. Und dass die Griechen auf diesen Begriff zurückgreifen, vor allem die griechischen Boulevardmedien, hat ja einen realen Kern in ihrer Geschichte.

    • Du sagst, Griechenland soll aus der EU austreten und die Staatsschulden sollen gestrichen werden. Erstens ist es unvollstellbar einem Land 300 Milliarden Schulden zu erlassen. Denn dieses Geld wird dann in anderen Staatskassen fehlen. Und zweitens wird, meiner Meinung nach, die ganze Schuldenanhäufung danach von Vorne beginnen. Es ist ein Umdenken in der Ganzen Gesellschaft und Regierung Griechenlands nötig, damit die Situation verbessert werden kann. Die Moral gegenüber Geld und Arbeit muss sich dort dringend verändern….

      • klean

        Und zweitens wird … die ganze Schuldenanhäufung danach von Vorne beginnen [...] Die Moral gegenüber Geld und Arbeit muss sich dort dringend verändern…
        Wo kommst Du denn her?

        • Ich komme aus der Schweiz. Um zu verdeutlichen, was ich damit meine: Ich habe mit mit jemandem gesprochen der vor einiger Zeit aus Griechenland ausgewandert ist. Er sagte, dass dort oft die Freizeit vor der Arbeit kommt. Das funktioniert so nicht. Schon immer hiess es bei mir zuhause: Die Schule kommt vor der Feizeit. Die Moral ist, dass man etwas zur Gesellschaft und zur wirtschaftlichen Lage beitragen will. Das ist jedoch nicht die Einstellung, die in Griechenland herrscht. Ein Beispiel sind die ewigen Streiks. Klar ist man unzufrieden und geht mal an einen Protest. Aber danach sollte das Thema gegessen sein und man sollte wieder arbeiten gehen und so seinen Teil zur Verbesserung der Lage beitragen. Das ist in Griechenland aber nicht der Fall.
          Ich bin kein Wirtschaftsgenie oder so, aber das ist meine Ansicht zu dieser Sache…

        • Lucia

          @bergdietikon96 kommentar zum mail vom 15.2. um 22h54
          “Ein Beispiel sind die ewigen Streiks. Klar ist man unzufrieden und geht mal an einen Protest. Aber danach sollte das Thema gegessen sein….”

          Das Streikrecht ist in den Demokratien gesetzlich verankert, damit die Arbeit”nehmer” (das sind die, die eigentlich ihre Arbeit “geben”), ihre Rechte verteidigen können. Wenn der Streik nur als Ventil verstanden wird, das besagt “ok du darfst jetzt mal kurz und ausnahmsweise Dampf ablassen – aber bitte so dass es der Wirtschaft nicht schadet” – dann hat er keinen Sinn. Es nutzt nichts “mal an einen Protest zu gehen”, wenn diejenigen, gegen die sich der Streik richtet, nicht zum Dialog oder irgendwelchen Kompromissen/Zugeständnissen bereit sind. übrigens gab es in Griechenland nicht “ewige” Streiks, sondern immer wieder Streik eben weil die Proteste ignoriert werden.
          Wichtig ist es zu erfahren, für oder gegen was die Streikenden protestieren. Dann kann sich jeder entscheiden, ob er diese Anliegen teilt, ob er den Streik für gerechtfertigt hält. Ich denke, gerade die Streikenden in Griechenland tun viel für die Gesellschaft, und das ist keine “Freizeit”. Es ist eine Frage der Moral unserer Gesellschaft, ob “die Wirtschaft” uns zu ihren Sklaven macht, oder ob sie nicht vielmehr der Gesellschaft, den Menschen, dienen soll. Den Menschen, die in Griechenland noch Mut haben zu streiken und nicht resigniert sind, will ich meinen Respekt bezeugen. Danke dass ihr für eine bessere und gerechtere Gesellschaft kämpft.

        • Hmmm… So habe ich das Ganze noch gar nie angesehen. Da hast du schon Recht. Danke viel mal für deine Antwort Lucia!!!

        • klean

          @bergdietikon96
          Ich komme aus der Schweiz.
          War mir schon klar nachdem ich zunächst Dein Blog beäugt habe – hätte konkreter fragen sollen, welchem geistigen Erdloch Du entstiegen bist.

          Ich habe mit jemandem gesprochen der vor einiger Zeit aus Griechenland ausgewandert ist. Er sagte, dass dort oft die Freizeit vor der Arbeit kommt.
          Kennste einen, kennste alle – was soll dieser Pauschalisierungsmüll?

          … unvollstellbar einem Land 300 Milliarden Schulden zu erlassen. Denn dieses Geld wird dann in anderen Staatskassen fehlen. [...] Ich bin kein Wirtschaftsgenie oder so, aber das ist meine Ansicht …
          Zum einen ist die EZB inzwischen der größte Gläubiger Griechenlands und zum anderen gibt es einen Typen, (welcher sich mittlerweile, wenn er über politische Dinge sinniert seiner Worte bedienen sollte) der einst gesagt hat: “Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!” Ansonsten läuft man mal schnell Gefahr populistisch-polemischen Schwachsinn bar jeder (Grund-)Kenntnis abzusondern und sich aufgrund dessen politisch leicht verführbar zu machen, aber um am Ende versöhnlich zu werden: Ich schieb dies jetzt einfach auf Deinen Geburtsjahrgang und sage deshalb frohen Mutes – Man lernt nie aus.

        • Also zum ersten Abschnitt deines Kimmentares: Ich weiss zwar nicht, was du mit deinem Begriff “geistiges Erdloch” meinst, jedoch finde ich, zeugt es nicht vob politisch kortektem Diskutieren, wennman irgend so ein Spruch fallen lässt.
          Zu deiner zweiten Kritik. Ich habe nie gesagt, dass ich diese Person kenne und ihn so einschätze. Das ist sicher kein Pauscgalisierungsmüll von meiner Seite. Diese Person hat über sein eigenes Volk so geredet. Ich habe leditlich geschrieben, was er gesagt hat.
          Und nun zum letzten Teil. Das mit der EZB habe ich nicht gewusst. Danke für diese Info.

        • Zur politischen Verführung und so… Fals das eine Anspielung auf meine Meinungen auf meinem eigenen Blog ist (würde deine Meinung auch dort begrüssen). Ich diskutiere über solche Dinge immer mit Personen, die auch eine andere Meinung haben und entscheide zum Schluss, was mein Standpunkt ist.
          PS: Entschuldige die vielen Schreibfehler, doch ich muss gezwungenermassen von meinem Handy aus schreiben. Was mir nicht sonderlich liegt… :-)

        • klean

          Du bist schon so ein bissel trollig. Wenn Dir jemand also sagt, dass dort oft die Freizeit vor der Arbeit kommt mag das zwar erstmal stimmen, bleibt aber ein subjektiver Eindruck desjenigen und da diese Person wohl schwerlich für sein eigenes Volk in Gänze sprechen kann, da er “nur” den vollen Einblick in seinem Umfeld hat, umfaßt das sicherlich auch keine gut 10 Millionen andere Jemande. Wenn Du aus dieser Subjektivität aber den für Dich persönlich objektiven Schluss ziehst: “Das ist jedoch nicht die Einstellung, die in Griechenland herrscht.” ist es hier daher ein Leichtes das als Pauschalisierungsmüll abzustempeln.
          Es bedrückt mich schon, daß Du für diesen simplen Sachverhalt noch eine ausführliche nachgeschobene Erläuterung benötigst. Und dann noch auf Polital Correctness zu pochen, macht es irgendwie noch bedrückender.

        • Lucia

          @ bergdietikon @ klean
          @klean – die schweiz als “geistiges erdloch” – Sie werfen berdietikon pauschalurteile vor und treiben diese selbst auf den gipfel. Die Schweiz ist in vieler Hinsicht – Souveränität, Direkte Demokratie, Ausgewogenheit in Autonomie und Solidarität der Regionen bei drei/vier Landessprachen – ein interessantes Land. Das aktuelle Schweiz-Bashing – als ob es nicht viel effektivere Steueroasen gäbe, bis hin innerhalb unserer “heiligen Kuh EU” siehe Luxembourg – liegt in meinen Augen auch darin, dass die Souveränität der Schweiz vielen ein Dorn im Auge ist.
          Ihre respektlose und unhöfliche Art zu “argumentieren” finde ich persönlich viel “trolliger” als die von bergdietikon96

          bergdietikon96 – klar habe mich gefreut über Ihre nachdenkliche Zustimmung. übrigens sagte ich auch zu meinen Kinder, solang sie klein waren : erst die Hausaufgaben, dann spielen. Wenn sie (meine inzwischen grossen Kinder) und Sie, bergdietikon, das beherzigt haben und weitervermitteln, find ich das prima. Nur glaub ich nicht dass es das Problem Griechenlands sei, dass es dort eine solche “Moral” nicht gebe, weil die Griechen generell zu freizeitorientiert oder faul wären. Und selbst wenn der Lebensrhythmus und die Prioritäten in Griechenland anders sind, tun wir gut daran, das zu respektieren. womöglich sollten wir, auch im Zusammmenhang mit Krankheit durch Stress bei uns, sogar unsere ins Extreme gehende “Arbeitsmoral” nicht unbedingt für besser halten.
          Danke jedenfalls für Ihre Beiträge und die guten Umgangsformen;
          Freundliche Grüsse, Lucia

      • klean

        @ Lucia
        schweiz als “geistiges erdloch”
        Diese Verknüpfung habe ich nirgendwo postuliert und entsteht ausschließlich im Kopf des Lesers. Ich verstehe dennoch das meine zugegeben provokante Antwort mißverstanden werden kann und stelle daher unmißverständlich klar, daß es mir fern liegt die Schweiz bzw. die Schweizer zu diskreditieren.
        Ich wollte ausdrücken, daß hier in diesem Diskussionsstrang seitens bergdietikon96 mit gefährlichem Halbwissen hantiert wurde. Dies ist durch meine Formulierung gründlich mißlungen. Yup und es heißt Political Correctness für evt. weitere Mißverständnisse.

        • Lucia

          @ Klean
          Danke für die Antwort und Richtigstellung. Was heisst denn “Yup” ? Ich kenn das nur als “young urban professional”… Ich möchte auch nicht missverstanden werden, und zwar als “Anstandswauwau” und Verfechter von “political correctness”. Sonst würde die Diskussion steril. Nur, “Halbwissen” ist ein Problem von uns allen, “Ganzwissen” haben wir, glaube ich alle nicht. Und gefährlich ist Halbwissen erst, wenn es sich für Ganzwissen hält was Diskussionpartner bergdietikon96 ganz offensichtlich nicht tut.
          Freundliche Grüsse Lucia

        • klean

          @ Lucia
          So firm in Abkürzungen bin ich leider nicht, sollte einfach “Ja” bedeuten und die Political Correctness-Erwähnung bezog sich nur grammatikalisch auf einen meiner vorigen Kommentare.

  3. Masseri Roberto

    Es ist doch befremdend (und kitschig) wenn so grosse Worte wie Wiege der Demokratie, Wiege von Platon und weiteres Namedropping herumgeboten werden. Was war an der griechischen Gesellschaft demokratisch? In einer funktionierenden Demokratie werden Postenchacher verfolgt, illegales Bauen bestraft, Steuerhinterziehung nicht als Kavaliersdelikt gesehen und Schmiergeldzahlungen auf den Ämtern nicht geduldet. Griechenland ist moralisch verkommen, alle machten mit. Niemand kümmerte sich um Jugendarbeitslosigkeit, der eigene Vorteil ist am nächsten – und die neue Generation hat es so übernommen. Wenigstens hier sollte einmal sachlich diskutiert werden, statt immer nur alle anderen als Schuldige zu sehen. Alle diese pathetischen Aufrufe hätten vor 10 oder 20 Jahren beginnen sollen. Ob es heute kracht oder in 2-3 Jahren: Gekracht hätte es auf jeden Fall. Mit oder ohne EU.

    • fischi

      Mache mal kurz die Augen zu und versetze Dich jetzt nach Deutschland.
      Der einzige Unterschied ist das in Griechenland die kleinen Leute auch den Staat bescheißen durften.
      Deutschland hat nicht mal die UNO-Konvension gegen Korruption unterschrieben und ist da mit einem illusterem Kreis von ganz wenigen Staaten.

  4. Pingback: HEUTE DIE GRIECHEN UND MORGEN WIR | mein name ist mensch

  5. Die Vampire sind unterwegs.
    in Gestalt von IWF, EZB und Europäischer Union.
    Früher hat der IWF im Namen des Gottes des Geldes
    Argentinien, Brasilien und Uruguay verwüstet
    mit Militärdiktaturen überzogen. Seine Losung:
    Kampf gegen die Subversion. Das Ziel: den Widerstand
    gegen die alleinseligmachende Religion des Geldes zu brechen,
    das die Hohepriester des Kapitals aus God own’s country
    ohne Unterlass verkündigten: Löhne herunter, Zinsen nach oben
    das Wort dafür :Schuldendienst. Die Ernte war reichlich:
    Plünderungen, Verwüstungen, Entführungen, Geheimgefängnisse.
    Nach der Blutspur kamen die Segnungen des Marktes :
    in Argentinien übertraf die Zahl der Opfer des Neoliberalismus
    die 30 000 Tote und Verschwundenen der Militärdiktatur.
    Doch diese Staaten haben sich von der Schuldknechtschaft befreit
    Schon haben die Schergen des internationalen Finanzkapitals
    ein neues Opfer ausgemacht am südlichen Rand Europas
    Destabilisierung heißt jetzt das Programm, das code word dafür
    Finanzhilfen oder Rettungspakete. Ein Krieg wird erklärt
    gegen die griechische Bevölkerung. Für diesen Krieg braucht man jedoch
    keine Truppen, keine Bomben, keine Besatzer. Es genügt die Androhung,
    Griechenland den Geldhahn abzudrehen und die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen mit psychologischer Kriegsführung der willfährigen Internationalen Presse,die ihre Herren, nämlich die großen Banken und Versicherungen schützen müssen.
    An der Spitze dieser unheilvollen Troika von IWF, EZB und Europäischer Kommission marschiert die eiserne Kanzlerin
    mit starrem Blick auf markkonforme Demokratie
    singt sie das Hohelied auf das Modell Deutschland
    mit seinen Millionen Arbeitslosen, die im Hartz IV Ghetto darben.
    Der Abgrund rückt immer näher.
    Die Menschen in ihrer Verzweiflung, Angst und Hoffnungslosigkeit
    klammern sich an die Fantasmen von Nationalismus und Fremdenhass.
    Die Geschichte wiederholt sich….

  6. K.S.

    Deinen Artikel, Jakob, habe ich heute in der f.a.z.online als 3-fachen Kommentar gelesen, allerdings unter dem Namen Heino Ewerth. Hat der den geklaut?

    Deinem Artikel habe ich nichts hinzufügen. Ich denke auch so.

    Wie in manchen Beiträgen hier im Blog bin ich allerdings nicht der Meinung, dass das, was gerade mit GR passiert, etwas mit dem Kapitalismus zu tun hat.

    Es soll eine “Zwangs-Transformation” vom demokratischen Denken zum neoliberalen Wirtschaftsdenken stattfinden, was zu viele in Ordnung und gut finden.
    Im Klartext heisst das: Zurück in die Formen des Mittelalters, in dem das Lehnswesen und die Grundherrschaft die wichtigsten Bausteine für das wirtschaftliche, politische und soziale System gewesen sind.
    In dem Aufsatz von Colin Crouch “Das lange Leben des Neoliberalismus” las ich einen Satz, der fast alles auf den Punkt bringt. Mit meinen Worten: Der Neoliberalismus will keine Menschen, sondern Schuldner. Nur als solche ist der Mensch wertvoll.

    Es geht also im Wesentlichen darum, die Menschen so aufzuklären, dass sie verstehen, was eine neoliberale Marktwirtschaft für alle bedeutet: Freiheit für die Eliten, Ketten für das Volk.
    Das hat wenig mit Dikatur und Faschismus zu tun, hat aber den Geruch davon, denn die Heere von Arbeitslosen wird man irgendwann irgendwo zwangsverpflichten als Aufpasser für die Arbeitssklaven, wie z.B. in Afgh. praktiziert wird. Und Afgh. gilt als Experiment für die Einführung der neoliberalen Marktideologie. Dort mit Gewalt. In GR über die Finanzen.
    Papademus, der grieschiche Oberchef, sagte: “Der ganze Staat SOLL (fett von mir) neu gegründet werden”

    Die Tranformation der BW mit Nato und EU heisst: Nationenbuilding. Die Parole dazu: zerschlagen – aufbauen – dirigieren.

    Auf der Site http://www.imi-online.de kann sehr gut nachgelesen werden, wie Europa sich als Wirtschaftsimperium entwickeln will.
    Um dagegen aufzustehen und Nein zu sagen, bedarf es Wissen und Verbündete, die Aufklärung in die Medien – und wenn es da nicht geschieht, in die Blogs bringen, wie hier.

    Gerne würde ich irgendwo irgendwie meine Soidarität mit GR und meinen Abscheu vor dieser neoliberalen Politik deutlich machen. Mal sehen, vielleicht schicke ich eine mail an das griechische Konsulat.

    Dir jedenfalls Danke für die viele Arbeit.

    • Hm, also wenn die Kommentare nicht entsprechend gekennzeichnet oder verlinkt ist, dann hat “Heino Ewerth”, den ich nicht kenne, geklaut. Das mag ich zwar nicht so gerne, aber ist ja für eine gute Sache :D

      Danke für den Hinweis und das Lob, liebe Grüße, Jacob

  7. Pingback: Ein exzellenter Clip und zwei lesenswerte Artikel « ziegenhodensuppe

  8. Über 200 Milliarden der Schulden sind illegitim. Die Wirtschaft ist allein letztes Jahr um 7% eingebrochen. Die Schulden sind duch die ganzen Aktionen noch weiter explodiert. Griechenland hatte zu Beginn der “Krise” Angebote aus Russland und China mit 1% Zinsen welche Papandreou jedoch ablehnte. Hier geht es ganz klar darum dem Land die Infrastruktur zu rauben. Vom Erdöl, Gas usw. hört man hier natürlich nichts. Das ist Finanzkolonialismus höchsten Ausmasses. Wer das belächelt sollte beim recherchieren eines besseren belehrt werden. Ein ungewählter Banker an der Macht führt die Interessen der Hochfinanz direkt aus. So etwas gravierendes für die Demokratie in Italien und Griechenland hat sich so schleichend an den Massen vorbeigeschlichen das es den Leuten bald normal vorkommt.

  9. Lucia

    Liebe Griechen,
    Natürlich will Merkeldeutschland Griechenland retten und zwar so :
    Lasst unsere Experten kommen (die, die auch die DDR so erfolgreich abgewickelt haben), wir machen eine schnelle und effiziente Bestandsaufnahme aller Firmen und Staatseigentümer. Was uns interessiert, übernehmen und kaufen wir gern, natürlich zum Schnäppchenpreis. Wir strukturieren um, schaffen im Handumdrehen einen tollen Mehrwert, der gehört dann uns. Dafür dürft ihr dann auf Billiglohnbasis für uns arbeiten. Ihr habt Sonne und Meer, lasst Siemens und Co. investieren, wir bauen euch tolle Wind- und Solaranlagen für unsere schöne saubere “grüne” Energie (so sauber und effizient wie Biosprit, Energiesparlampen un CO2-Handel), wir kriegen die Energie und die Managergehälter, Ihr die Billigjobs und die Risiken. Die Deutschen haben Angst um ihr Geld, sie investieren gerne in eure Immobilien, vor allem auf Zwangsversteigerungsbasis, Geiz ist GEIL. Seid ihr nett zu uns kaufen wir auch wieder euer Olivenöl, oder vielleicht gleich den ganzen Hain – dann könnt ihr für uns produzieren, auf Billigstlohnbasis, wir kümmern uns dann um ein anständiges Biolabel und verkaufen es teuer in unseren Bioläden, für unser gutes Gewissen. Eurer jungen und gesunden Elite spendieren wir gerne Deutschkurse im Goetheinstitut, die besten bekommen dann auch einen Job bei uns in Deutschland, dann können wir auch die Löhne für unsere eigene verwöhnte Elite noch ein bisschen drücken. Und tut bitte was für Euer Markenimage ! Wir hatten Euch doch so gern, die schönen Kalender mit weissen Häusern blauem Himmel faulen Katzen, die Sirtaki-Alexis Sorbas-Romantik, der Ouzou umsonst im Restaurant, die tolle Kreta-Diät eure ganze coole Lebensphilosophie. Zieht euro Trachtenkostüme an, tanzt für uns, bringt die Touristenghettos auf Vordermann, versteckt eure Armen, Kranken und Jammerer. Aber bitte zum Schnäppchenpreis, all-in inclusive. Wir prüfen natürlich vorher trotzdem, ob’s die Tunesier, die Ägypter oder Türken noch billiger machen. Aber nein, euch Griechen mögen wir besonders gern, euch haben wir doch die Demokratie zu verdanken …. was wir daraus gemacht haben ?? ähhh….

  10. Art Vanderley

    Die Rolle Deutschlands ist unhistorisch und besonders schäbig.

    Nach 1945 lag Deutschland am Boden und es gab mehr als genug Gründe , es sich seinem Elend zu überlassen.

    Was haben die Amerikaner gemacht?
    Sie haben Hilfe geleistet , ohne Bedingungen , ohne Ansicht der Verbrechen , und den Marshall-Plan aufgelegt- sicher auch aus Eigeninteresse und der Angst vor einem neuen Versailles.

    Trotzdem – aus dieser Erfahrung heraus müssten es zuallererst die Deutschen sein , die auf ein ähnliches Vorgehen in Griechenland drängen , zumal die Verfehlungen der Griechen nicht ansatzweise vergleichbar sind mit den damaligen Gründen des deutschen Zusammenbruchs.

    Aber in Deutschland wurde noch nie verstanden , daß ein konstruktiver – und vielleicht auch starker – Einfluß auf Europa auch etwas mit Großmut zu tun hat.

    • defabc7

      Quatsch mit Soße!

      Eines Vorweg: Der Vergleich zwischen Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und Griechenland heute, der hinkt ganz gewaltig. Denn: Deutschland war wirklich von den Siegermächten militärisch besetzt und wurde sogar aufgeteilt!!! Fast ein Drittel des deutschen Territoriums wurde dauerhaft annektiert, die Bevölkerung vertrieben! Trifft das etwa auf Griechenland heute zu?! Sicher, (West-)Deutschland wurde wieder aufgebaut – und war 45 Jahre lang kein souveräner Staat mehr!

      Also: Hirn einschalten, dann schreiben!!!!!!

      “Gerade Deutschland…”, da ist es wieder, das überstrapazierte Wort.

      Die Milliarden, die Deutschland bereits abgedrückt hat, obwohl es selbst hoch verschuldet ist, die zählen einfach mal nicht! Klar! Die Leistungsfähigkeit Deutschlands – wird außer acht gelassen.

      Der Versuch, in Griechenland durch konkrete Maßnahmen eine Besserung zu erreichen – dient nur dazu, die Griechen zu “unterwerfen”. Ebenfalls klar!

      Dass man nicht tatenlos zusehen will, wie Hilfsgelder sinnlos verbrennen – das kann nur heißen, man will die Griechen entmündigen! Auch klar – hier sind Imperialisten am Werk!

      Leute, was erwartet ihr eigentlich? Anstatt irgend einen Dreck zu bloggen, solltet ihr mal konkrete Vorschläge machen, was zu passieren hat.

      • Lucia

        @defabe7
        Eins vorweg, der Vergleich mit Nachkriegsdeutschland scheint mir auch nicht ganz angebracht. Aber Sie scheinen zu denken, dass Deutschland das eigentliche Opfer des Krieges war und womöglich noch mehr “geopfert” hat als Griechenland heute. Nochmals, Griechenland hat keinen Krieg geführt.

        Die militärische Besetzung Deutschland ist eine Folge des Krieges der von Nazideutschland ausging, die Teilung ist eine Folge des Zweifrontenkrieges mit dem sich Nazideutschland zwei Grossmächte zum Feind gemacht haben, die untereinander in Konkurrenz standen. Wobei zu bemerken ist, dass auch die Sowjetunion ihren “Anteil” an Deutschland nicht einfach einverleibt hat sondern als “eigenständigen” Satellitenstaat DDR bestehen liess. Die Westdeutschen waren für die USA geopolitisch und als Erfolgsmodell der “freien Welt” besonders wichtig. Das war ihr “Glück”. Auch Westdeutschland war eine Art Satellitenstaat, aber unter angenehmeren Bedingungen.
        Eigentlich war die Teilung Deutschland fast der entscheidende Vorteil in der Nachkriegszeit, denn beide Grossmächte versuchten, am deutschen Modellversuch die Vorzüge der jeweiligen Ideologie zu untermauern. Wobei ich das Schicksal der Vertriebenen nicht berücksichtigt habe, und nicht kleinreden will.

        Was das Geld betrifft :
        Können Sie sagen, wie hoch eigentlich Deutschlands Kriegsschulden infolge des zweiten Weltkrieges waren ? Wieviel musste Deutschland tatsächlich zahlen ? An wen ? Wieviel wurde erlassen ? Warum ?

        Also ganz konkret : ohne Schuldenerlass kein Wiederaufbau. Privatinvestoren müssen für Ihr Risiko haften. Grosskapitalisten und Banken die darauf setzten, Europa wirds schon richten, haben sich diesmal auch verzockt. Wer auf Kreditausfallversicherung gesetzt hat, mag der grosse Gewinner sein (solange die Versicherer zahlen können). That’s the game.

        Wer in Griechenland in grossem Stil betrogen und die Steuern nicht bezahlt hat, soll dafür vor Gericht kommen und erst wieder freikommen, wenn das nachweislich geschuldete Steuergeld bezahlt wurde, alle Oasen mögen helfen, da soll man aber nicht nur auf die Schweiz schauen (als vielleicht einzig souveräner Staat vielen ein Dorn im Auge), da gibts noch andere Steuerparadiese von denen man nicht so gern spricht…

        Hilfsgelder sollen konkret den Menschen zugute kommen, in Form von akzeptablen Löhnen und Renten, in den öffentlichen Einrichtungen (Krankenhäuser, Schulen) und in Form eines auf demokratische Weise verwalteten Fonds, der diejenigen Griechen unterstützt die konkrete Pläne für eine Wiederaufbau haben. Privatisierung von öffentlichem Gut und Schnäppchenjäger / Heuschrecken müssen verhindert werden.

        Jetzt nur mal zum Stil des Kommentar : muss es so grossmäulig sein ? Vielleicht ist Ihr Hirn wirklich eingeschaltet, aber so ne Schreibe zeigt, dass die Birne leicht überhitzt ist.

        Trotzdem, freundlich Grüsse
        Lucia

        • defabc7@web.de

          “Die Teilung Deutschlands war ein entscheidender Vorteil…” Nun, das ist Ihre Meinung, wie auch immer begründet.

          Warum wird hier eigentlich so getan, als ob man den Griechen nicht helfen würde? Das ist doch ganz klar nicht der Fall… Und lassen Sie bitte mal den Krieg stecken, der ist Vergangenheit. Man sollte meinen, dass Deutschland heute ein gleichberechtigter Partner unter den Ländern dieser Erde ist.

          Die anderen Vorschläge – in allen Ehren. Mir gefällt es auch nicht, dass die Banken sich verspekuliert haben und nun die Hand aufhalten. Das ist ein Unding. Das Ganze geht in die falsche Richtung, das ist korrekt.

          Nur lehne ich es entschieden ab, Erstens Deutschland (bzw. Frau Merkel) als Alleinschuldigen an der Misere hinzustellen (wie man es 1918/19 schon mal versucht hat) Das ist ja Grundthema dieses Blogs (Wie WIR Griechenland zerstören). Es ist ein gerüttelt Maß Eigenverschulden dabei, das sollte man doch bitteschön nicht übersehen. Und es wird versucht zu helfen, nicht zu zerstören, auch das sollte gewürdigt werden. Was haben wir denn davon, Griechenland zu zerstören?

          Und Zweitens bin ich nicht mit der Argumentation von Art Vanderley einverstanden, der die arg strapazierte Nazi-Keule auspackt.

        • Lucia

          @defabc7
          Danke für die Antwort und die wesentlich angenehmere Formulierung. Mein Kommentar zur Nachkriegszeit sollte eine Anregung sein, dass man die Dinge auch anders sehen kann, mich interessiert Geschichte seit ich feststellung musste, dass es “die Geschichte” eben nicht gibt, so wie man sie uns in der Schule lernte. Ich denke schon, dass die Vergangenheit für unsere Gegenwart wichtig ist, aber dass die Art und Weise, wie “Mahnen und Gedenken” , der alleinige Verweis auf unsere “histiorische Schuld” heute das Geschichtsverständnis überlagert (diese ewigen Nazifilme…) dem nicht gerecht wird.
          Ich meine dass es eine Illusion ist, Deutschland sei “gleichberechtigter Partner” unter den Ländern dieser Erde. Das Beziehungsgeflecht, die Abhängigkeiten, das Verstecken vor wahren Beweggründen die Diplomatie heisst etc etc – haben gar nix mit gleichberechtiger Partnerschaft zu tun. Gleichberechtigung gibt es da nicht. Drum gefällt es mir auch nicht wenn gesagt wird “wie wir Griechenland zerstören”, als ob es nur wir Deutsche wären. Ich weiss, ich widerspreche mir da gewissermassen selbst, was den ironischen Merkeldeutschland-Kommentar betrifft. Hätte aber genausogut über Sarkozyfrankreich oder ObamaUSA etc schreiben können. Wobei den Deutschen Griechenland wirklich eine “Herzensangelegenheit” ist, wie eine enttäuschte Liebe. Aber warum sollen Schäuble/Merkel hier bestimmen was die richtige Politik sind ? Oder sind sie’s garnicht, wer oder was steckt auf europäischer und internationaler Ebene dahinter ?
          Freundliche Gruesse Lucia

      • Art Vanderley

        @ defabc7

        Wenn Sie nicht verstehen , daß es sich in beiden Fällen um Situationen der Hilfe handelt , ist das Ihr Problem.
        Wundert mich auch nicht , angesichts Ihrer Antwort bestätigt sich nur ein weiteres Mal , daß sehr viele Deutsche keine Ahnung davon haben , daß auf eine solch erlebte Hilfe ein entsprechendes eigenes Verhalten folgen sollte – da könnte man auch zu dem Schluß kommen , daß die damalige Hilfe unverdient war.

        Offen gestanden , es erstaunt mich immer wieder , daß immer noch Leute glauben , mit primitven und aggressiven Formulierungen etwas zu erreichen.
        Mir sagt das nur , daß ich da einen wunden Punkt getroffen habe.

        • defabc7@web.de

          Auf ein Wort: Ist Griechenland militärisch besetzt? Ja oder nein? Ist Griechenland ein souveräner Staat? Ja oder nein?

          Merke: Niemals Äpfel mit Birnen vergleichen.

          Primitiv ist höchstens der übliche Versuch, aus purem Opportunismus die alte Nazi-Keule zu schwingen, wie Sie und viele andere es tun. “Gerade die Deutschen sollten…” – Ich kann es nicht mehr hören!

          Natürlich brauchen die Griechen Hilfe. Aber die gebotene Solidarität mit dem Zweiten Weltkrieg zu begründen, das ist schon ein starkes Stück.

        • Art Vanderley

          @ defabc7

          Ob Griechenland militärisch besetzt ist oder nicht , ist irrelevant.
          Es geht nicht darum , die Situationen 1 zu 1 gleichzusetzen, wenn Sie diesen Anspruch stellen , werden Sie aus der Geschichte nie irgendwas ableiten können.

          Ich vergleiche auch keineswegs mit dem 2.Weltkrieg, das wäre absurd und das haben Sie selber hineininterpretiert.

          Und das Naziding , wie kommen Sie denn darauf?

          Wir sind nicht die bösen Immer-Nazis , eigentliche eine Banalität, es geht einzig und allein darum , daß wir Hilfe erhalten haben in einer sehr schwierigen Situation und es hätte seinerzeit auch anders laufen können , es gab in den USA ernsthafte Überlegungen , Deutschland zu re-agrarisieren und zu deindustrialisieren.

  11. Reblogged this on "Die Dreckschleuder" and commented:
    Ich reblogge sehr selten Artikel anderer Blogs… dieser Artikel hat es verdient “weitergereicht” zu werden… und zwar mit Lesebefehl.

  12. Pingback: Online-Petition für Griechenland: 1 Million Unterschriften | Jacob Jung Blog

  13. Pingback: Bitte lesen, zeichnen und weitergeben | Totschka – Auf den Punkt

  14. Pingback: Petition für Griechenland « Notizen aus der Unterwelt

  15. Couprevers

    Also ich muss sagen dass die Einsicht in die Problematik sehr gering ist. Diesbezüglich ist die Qualität der Kommentare unzureichend. Die meisten akzeptieren die falschen Grundprämissen welche dem Betrug zugrunde liegen. Daraus kann keine Lösung folgen. Die ewige Empörung kann also weitergehen. Für immer offensichtlich. Die große Freude scheint es zu sein aus der Froschperspektive “die da oben” zu kritisieren. Viel Spaß dabei!

    • Lucia

      @Couprevers

      Mit dieser “Kritik an der Kritik” machen Sie es sich sehr einfach. Teilen Sie doch bitte Ihre Einsicht in die Problematik und die richtigen “Grundprämissen” mit – seien Sie kein Frosch ! Nur zu sagen, ich weiss es besser und es nicht zu begründen, das ist eine vorerst mal eine Anmassung. Also, was sehen Sie aus Ihrer Vogelperspektive ?

      • Absolut richtig, Lucia – nur “Ersatzgeld” ändert das System nicht!

        Wir müssen das Herz des Kapitalismus treffen – das Geld

        John Holloway macht hier drei Kernaussagen:

        1. Wir müssen das Herz des Kapitals treffen: Das Geld.

        2. So lange wir die Rolle des Geldes respektieren, werden wir reintegriert… Das Geld zu brechen ist der Weg der Rebellion, die nicht wieder absorbiert werden kann.

        3. So wie wir uns zur Ruhe setzen und institutionalisieren haben wir verloren.

        http://hesikamiscellaneous.wordpress.com/2012/02/16/wir-mussen-das-herz-des-kapitals-treffen-das-geld/

        • Lucia

          @ Solveigh Calderin
          Danke für den Kommentar. An “Ersatzgeld” glaube ich auch nicht. Zur “Geldfrage” habe ich nachfolgend @couprevers versucht, Stellung zu nehmen.
          Was ganz anderes :
          Mich hat Ihre “Rumpelstilzchen” Referenz am Anfang der Kommentare intrigiert : Genügt es, das Problem (falls alles in einem Problem wurzelt) bei seinem richtigen Namen zu nennen, um es zu vernichten ?

          Ich weiss nicht warum mir in diesem Zusammenhang der Religionsunterricht einfällt (wahrscheinlich assoziiere ich “Märchen” und “Bibel”), und zwar die Sache mit den Talenten. Da bekommt doch einer von Gott ein Talent, der nächste zwei Talente und der letzte drei Talente. Der mit dem einen Talent will nix riskieren und bringt es in Sicherheit. Der zweite tut was er kann und kann die Talente “verdoppeln”. Der letzte, der von vornherein am meisten bekam, holt ein Maximum raus und macht den Supergewinn. Der kriegt auch das meiste Lob von Gott und wird uns als Vorbild hingestellt. Der von vornherein Benachteiligte und dadurch ängstlich gemachte wird gerügt/bestraft.
          Ich konnte die “Moral” dieses Gleichnisses nie verstehen. Aber ist das nicht auch die “Moral” unseres Systems?

          Freundliche Grüsse Lucia

        • Nein, es reicht natürlich nicht die Probleme beim richtigen Namen zu nennen, damit sie sich selbst vernichten. Das war eine Metapher, wie auch Märchen immer Metaphern sind.
          Es ist nichts desto trotz unbdingt notwendig, alles beim richtigen Namen zu nennen und nichts zu beschönigen, damit ich mich in der Welt und im Dschungel der Manipulationen nicht verirre.
          Das “sich selbst vernichten” (was bei Rumpelstilzchen ja tatsächlich geschah) ist eine Metapher auf eine Aussage eines sehr klugen Herrn vor mehr als 150 Jahren gewesen, der bereits damals sagte, dass dieses kapitalistische System zum Untergang verurteilt ist und “sich seine eigenen Totengräber schafft”. Dieser kluge Mensch hieß Karl Marx.
          Außerdem gilt: Die Angst vor der Angst ist schlimmer als die eigentliche Angst. Und kannst du der Angst einen Namen geben, kannst du sie benennen, hat sie keine Macht mehr über dich. Das steckte in meiner Metapher (und im Märchen vom Rumpelstilzchen) auch mit drin.

          Die von Ihnen genannte Bibelgeschichte kenne ich nicht. Aber natürlich, genau so funktioniert dieses System, und zwar schon seit vielen tausend Jahren, seit es Privateigentum gibt, um genau zu sein.
          Schauen Sie sich im Alten Testament an, wie das Volk Kanaas ausgeplündert, vertrieben, mit Krieg überzogen, mit schlimmsten Grausamkeiten “im Namen Gottes” “bestraft” wurde, nur weil die Kanaaiten es wagten genau da zu wohnen, wo die Israeliten meinten, dies sei das ihnen von ihrem grausamen Gott verheißene Land und weil die Kanaaiten überhaupt nicht einsahen, warum sie ihren Glauben, ihre Sprache, Kultur und Identität aufgeben sollten, nur weil eben diese Israeliten ungefragt und unerlaubt in ihr Land kamen und siedelten – und vergleichen Sie mit der Politik der USA, Israels und ihrer Verbündeten heute. Vergleichen Sie die Geschichte im Alten Testament mit dem, was Isreal heute mit den Palästinensern macht – es spielt sich übrigens in genau demselben Land ab. Das Land Kanaas wurde zum Land Palästinas. Sie werden keine Unterschiede feststellen.
          Seit dem Alten Testament gilt in der westlichen Welt (denn das ist allen aus dem Alten Testament hervorgegangen Religionen innewohnend): Alles, was anders ist als ich, ist schlecht, und hat entweder wie ich zu werden (die eigene Indentität, Tradition, Kultur, Sprache verlieren) oder es wird ausgemerzt, ausgerottet, gemordet, beraubt, was immer Sie sich an Schrecklichkeiten vorstellen können. Das können durchaus ganze Völker sein, wie zum Beispiel den Ureinwohnern Amerikas geschehen. Daran hat sich seit dem Alten Testament gar nichts geändert.
          Und das ist schrecklich.

        • Lucia

          @ Solveigh Calderin
          Dank für die antwort. Ich kam mir nach absenden meiner vorherigen nachricht an Sie etwas albern vor, weil ich nicht sehr “bibelfest” bin und auch zu sehr von Thema abkomme, das heisst zu viel “rumphilosophiere” womöglich um “intelligent/positiv” rüberzukommen, was keinem Griechen hilft.
          Trotzdem, weils mich wirklich interessiert und Ihre Antwort interessant ist :
          Was die Bibel, insbesondere das alte Testament betrifft bleibt mir auch aus Religions”unterricht” in erinnerung, dass man uns immer sagte, brutale Inhalte wie zb Gott will dass der Vater den Sohn opfert, oder die Geschichte Hiobs, seien nicht wörtlich zu nehmen, sondern “so oder so” zu auszulegen und zu verstehen, und dann wurde die Geschichte “political correct” ganz anders gedeutet als ich sie verstand. In diesem Sinne kann ich nachvollziehen was Sie zum “grausamen Gott” sagen. Inwieweit das geschichtliche Wahrheit ist, die sich noch dazu quasi identisch wiederholt und sich in der Gegenwart im Prinzip genauso abspielt …macht mich nachdenklich, habe aber Zweifel
          Freundliche Grüsse Lucia

        • Ich verstehe Ihre Zweifel sehr gut. Ich habe viele Jahre gebraucht, um die Parallelen zu verstehen, zumal ich keinen Religionsunterricht besucht habe, sondern zunächst, als mir die Bibel als Kind in die Finger kam (ich habe alles gelesen, was ich fand), aus dem Bauch heraus die Grausamkeit dieses Gottes empfand und mich fragte, wie Menschen einen solchen Gott anbeten können?

          Mir sind Bibeltexte dann immer wieder begegnet und langsam, ganz langsam verstand ich die Zusammenhänge zwischen der Gesellschaft, in der wir leben, und den Religionen.

          Die Geschichte der Vertreibung der Kanaaniten und der Umgang mit dem palästinensischen Volk heute, aber auch der Umgang mit jedem Anderdenkenden/Gläubigen ist mir mehr als deutlich. Es muss nur verglichen werden.
          Zumal das Land der Kanaaniten tatsächlich das heutige Palästina ist und – wie ich eben lerne – schon damals war. http://de.wikipedia.org/wiki/Kanaan

          Zum anderen geht es nicht darum, ob es sich immer geschichtlich genau so zugetragen hat, wie es in der Bibel beschrieben ist. Die Bibel ist Handlungsanleitung für die Gläubigen. Und wenn wir uns in unserer westlichen Welt umschauen, so wird seit Jahrtausenden genau nach diesen “Anweisungen” gehandelt.

          Auch Ihnen freundliche Grüße.

  16. Reblogged this on Nova Station and commented:
    Wer glaubt denn wirklich daran, dass “die Griechen” sich einen Lenz mit “unsrem deutschen Geld” machen?

  17. Couprevers

    @Lucia

    Die Grundprämisse ist Geld. Alle folgenden Funktionen des Systemes sind sekundär. Wirtschaft, Militär, Politik, Information, usw…. .
    Geld hat eine Reihe von spezifischen Eigenschaften. Manche davon klingen vielleicht abstrakt sind aber hyperkonkret, also so real dass sie kaum wahrgenommen werden.
    -Geld ist Schuld
    -Geld ist beliebig vermehrbar und beweglich und fügbar
    -Geldschöpfung (und damit Geld) ist in Privatbesitz
    -Menschen (glauben sie) sind abhängig von Geld
    Alles andere folgt. Es ist also völlig sinnlos unterwürfige Bittschriften an das mittlere Management zu senden oder empört asoziale Sekundärfunktionen von Schuldscheinen zu kritisieren.

    Die Lösung wäre Erkenntnis dieses grundsätzlichen Fehlers und natürlich Änderung hin zu einem allgemeinnützlichen Tauschmittel. Also Aufklärung und Humanismus.
    Freundliche Grüße

    • Lucia

      @couprevers

      Danke für die Antwort. Ich sehe durchaus, dass sich unser Geldsystem ad absurdum geführt hat. Die virtuelle Geldmenge im Umlauf beträgt das X-fach des tatsächlichen Wertes der “Weltproduktion”. Der Preis den wir für eine konkrete Ware oder eine Dienstleistung zahlen, hat absolut nichts mehr zu tun mit dem “wahren” Warenwert. Das hat glaube ich viel mit dem Marketing zu tun, das einen künstlichen Mehrwert schafft durch Werbung/Manipulation oder gewollte “Rarität” einer Ware. Ich erlebe (agressive Einführung von kontaktlosem Zahlen z.B.), dass die Banken den totalen Wechsel vom realen Bargeld zum virtuellen Buchungsgeld erzwingen wollen, dafür wenden sie und die Politik unheimlich viel Energie auf (Bekämpfung von überfallen, Schwarzarbeit, Bargeld ist unhygienisch etc). Damit soll uns endgültig der reale Bezug zu dem was wir konkret als Konsumenten tun verloren gehen und wir werden 100prozent kontrollierbar, was Staat und Wirtschaft gleichermassen interessiert. Ich habe auch schon gehört, dass die “Erfindung” von Zinsen bei dieser Entwicklung entscheidend waren. Ich schätze auch, dass, wenn wir alle unser Erspartes konkret in Bargeld ausbezahlt haben wollen, die ganze Illusion zusammenbricht, daher die grosse Angst vorm Bankenrun (Welche Macht wir dadurch haben… das ist verführerisch, doch wir leben ja alle INMITTEN dieser Illusion “Geld”, daher : was sind die Folgen ? Davor haben WIR Angst, und diese Angst nutzt natürlich dem System). Soweit im Groben die Gedanken die ich mir zum Thema Geld bisher machte ….

      “Die Lösung wäre Erkenntnis dieses grundsätzlichen Fehlers und natürlich änderung hin zu einem allgemeinnützlichn Tauschmittel. Also Aufklärung und Humanismus.” – Was heisst das genau und konkret ? Wie die Dinge verändern ? Die “Revolutionen” der Gegenwart sind kein Paradigmenwechsel, im Gegenteil. Das Chaos des Aufstandes/der Katastrophe nutzt letzlich dem System … wie also die Dinge ändern ?

      Freundliche Gruesse auch von Lucia

  18. Malau

    Was im Falle Griechenlands grade passiert ist doch nur eine Reorganisation neoliberalistischer offensichtlich gescheiterter Strukturen. Weil diese sind es die korrupte “homo oeconomicus”-Politiker, sowie die Investmentmacht der Bankien hervorbringen.
    Griechenland zeigt dass der Neoliberalismus in seinen Grundfesten langfristig nicht funktionell ist, das heißt dass er das Leben und Glück einer Gesellschaft nicht gewährleisten kann, weil es in diesem Modus nicht universalisierbar ist. Die Güter des Kapitalismus (wobei der Fehler schon in der Fokussierung dieser liegt) gehen eben in immer größerer Zahl an immer weniger und korrumpieren dabei das Volk, von dem die Macht dann lange nicht mehr ausgeht.
    Es ist aber nicht überraschend dass Merkozy das Problem nicht an der Wurzel packen, sondern versuchen eine gescheiterte neoliberalistische Struktur durch eben neoliberalistische Verfahren wieder grade zu biegen. Und weil jedem, Menschen klar sein muss, wie dumm ein Zwingen Griechenlands in genau die Investmentpolitik, die sie zerstört hat, zum Preis von Sozial-, Gesundheits- und SOLIDARITÄTS-Abbau ist (wobei die Millitärausgaben schön oben bleiben, schließlich ist Griechenland das einzige Land auf das Rüstungsexporteur Deutschland verweisen kann, wenn es darum geht welches der Endbestimmungsländer nicht durch Menschenrechtsorganisationen geächtet ist und mit deutschen Waffen die eigene Zivilbevölkerung hinschlachtet), muss die Politik- und Medienlandschaft den “faulen Griechen” zum Sündenbock machen.
    Hier zeigt sich der Neoliberalismus eben nur in einer internen strukturellen Bereinigung, einer Selbsterneuerung die ebenso kurzfristig währt, denn die wahren Funktionsschwierigkeiten zeigen sich in globaler Perspektive. In unserem Umgang mit der sogenannten dritten Welt werden soloche Praktiken bald nicht mehr Fuss fassen, weil alle Kinder versklavt und alle Sklaven verschlissen sind. Und hier zeigt sich dann die Struktur, die es so schwierig macht Geld wieder auf seine ursprünglich unschädliche Bedeutung zu relativieren oder Demokratie und Solidarirät wiederherzustellen (von Menschenrechten braucht man noch garnicht zu sprechen). DAfür müsste diese globale Unterdrückungs-Mechanismus wieder ausgehebelt werden und das müsste letztendlich zu einer Veränderung unseres Konsumverhaltens auf der imperialistischen Nordhalbkugel führen.
    Das war jetzt kurz und damit nicht konkret, aber die Mechanismen die jetzt in Griechenland so deutlich hervortreten und in der internationalen “”Beziehungen” zu afrikanischen und südamerikanischen Ländern verschleiert werden, sind meiner Meinung nach politisch- und philosophisch-theoretisch auf diese neoliberalistische Funktionsweise zurückzuführen.

    • Lucia

      @ Malau

      Danke für diesen Beitrag, der so kurz nicht ist und auch sehr konkret ist. Ich verstehe den letzten Absatz so dass Sie noch viel mehr hierzu zu sagen haben. Auf weitere Beiträge freue ich mich also. Ich bin nach jedem Beitrag auch frustriert, weil bei weitem nicht “alles” gesagt ist. Es besteht aber auch die Gefahr sich im Detail “zu verlieren”. Trotzdem, um Zusammenhänge zu verstehen, braucht man den kritischen Blick auf das Detail, denn “der Teufel steckt im Detail”.
      Oder nicht ? Gibt es wirklich “die Wurze des Bösen”, die wir nur ausreissen müssen, um das Problem/die Probleme unserer “Weltordnung” zu regeln ?

      Viele Grüsse Lucia

      • Lucia

        @ Malau

        Mist, soll natürlich heissen “die Wurzel des Bösen”…

      • Malau

        Danke für diese Anmerkung. Ich glaube da liegt ein kritischer und wichtiger Punkt. Denn wenn man, wie ich es jetzt implizit gemacht habe, eine Wurzel des Bösen postuliert, sind damit Überzeugungs- und Handlungsanweisungen verbunden, die leicht dogmatisch werden. Das erste Ziel einer politischen oder geselschaftlichen Kritik und Reflexion sollte es aber wohl aber sein, eben solche Vorurteile und Dogmen zu entlarven und damit zu entmachten (Was ja im Falle des Neoliberalismus keine hohe Kunst ist, da theoretische Amateurfehler nur hübsch verkauft werden).Ist diese Entlarvung noch so effektiv, setzt sie dabei wieder dogmatische Axiome ist sie ebenso gefährlich wie das Alte. Entscheidend ist zu jedem Problem dieser Art die Diskursebene in die man sich selbst eingliedert und vor allem in die man alle Übrigen einlädt und aus der heraus dann ein flexibeles aber überzeugtes Handeln hervorgebracht werden kann.
        Gut hab ich mich jetzt doch im Detail verloren?!

        • Lucia

          @ Malau
          Danke für diese Klarstellung, die sehr präzise dieses “essentielle Detail” auf den Punkt bringt (also das Gegenteil von “sich im Detail verlieren”).. Gruss Lucia

  19. Pingback: Online-Petition für Griechenland: 1 Million Unterschriften « Die Linke in Grevesmühlen

  20. LP1965

    was für eine einseitige darstellung in diesem artikel. zuviele verallgemeinerungen, zu wenig fakten. das thema ist so komplex und doch gibt es so viele “experten” – offensichtlich ist alles ganz einfach, ähnlich wie bei fußball. vor dem fernseher sieht man besser als auf dem platz….

  21. ulrich

    “dass das Überleben und der Schutz der Menschenwürde als wichtiger erachtet werden, als das Zurückzahlen von Schulden.”

    Interessant , es ist also gerechtfertig , das Vertrauen und die Solidarität der europäischen Freunde und Brüder zu missbrauchen wenn es der griechischen Menschenwürde dient. Und ich dachte die Griechen hätten Stolz.

  22. ulrich

    @Lucia
    “Aber Sie scheinen zu denken, dass Deutschland das eigentliche Opfer des Krieges war und womöglich noch mehr “geopfert” hat als Griechenland heute. Nochmals, Griechenland hat keinen Krieg geführt.”

    im Prinzip befindet sich Griechenland seit 30zig Jahren im Krieg, allerdings in einem Bürgerkrieg. Es wurde alles getan um den Staat zugrunde zu richten. Und das hat man nun ja auch vollends geschaft.
    Sich jetzt (nachdem der karren an die Wand gefahren ist ) hinzustellen und dem Kapitalismus oder die Deutschen zu Sündenböcken zu erklären erinnert stark an die Weimarer Republik. Damals waren es die Juden und die Kommunisten.
    Weder ist Griechenland gezwungen worden dem kapitalistischen Modell zu folgen , noch hat jemand Griechenland gezwungen in die EU einzutreten.

    • Lucia

      @ Ulrich
      Wenn ich schrieb dass Griechenland (in den letzten Jahrzehnten) keinen Krieg geführt hat meinte ich das im Sinne eines Agressors in einem Angriffskrieg gegen ein oder mehrere Länder, da wir von Nazideutschland sprachen. (Inwieweit Griechenland als Satellit des “westilichen Bündnisses” am Irak- oder Afghanistankrieg beteiligt ist/war habe ich dabei nicht berücksichtigt). Ich kann zu Ihrem Kommentar vorerst nicht Stellung nehmen, da ich nichts über einen dreissigjährigen Bürgerkrieg in dem sich Griechenland befindet, weiss. Klären sie mich bitte auf. Welche Bevölkerungsgruppen innerhalb Griechenlands bekämpf(t)en sich, aus welchen Gründen, mit welchen Mitteln ? Die Referenzen zu Weimar kommen mir auch wie eine 0-8-15 Argumentation vor. Ich glaube, Sie irren, wenn Sie davon ausgehen, dass Länder / Regierungen “freie” Entscheidungen treffen, ohne Zwänge (seien es auch nur die sogenannten “Sachzwänge”).

      Freundliche Grüsse Lucia

  23. Pingback: Online-Petition für Griechenland: 1 Million Unterschriften | (B)logbuch konyhakert

  24. @ulrich

    Weder ist Griechenland gezwungen worden dem kapitalistischen Modell zu folgen , noch hat jemand Griechenland gezwungen in die EU einzutreten.

    Bist Du Dir da ganz sicher? Oder anders gefragt, wer in Griechenland hat das bewirkt und warum?
    @Art Vanderley

    Wir sind nicht die bösen Immer-Nazis , eigentliche eine Banalität, es geht einzig und allein darum , daß wir Hilfe erhalten haben in einer sehr schwierigen Situation und es hätte seinerzeit auch anders laufen können , es gab in den USA ernsthafte Überlegungen , Deutschland zu re-agrarisieren und zu deindustrialisieren.

    Und warum wurde das nicht getan? Weil es vorteilhafter war, Deutschland wieder auf die Beine kommen zu lassen.
    Was die meisten Kommentatoren übersehen, ist die Tatsache, das ein kleiner Kreis von Personen über das Schicksal von Millionen Menschen entscheidet. Ist das demokratisch? Sollte sich diese Form von “Rettung” in Griechenland fortsetzen, prognostiziere ich eine neue Art von “Terrorismus” ähnlich der ETA. Die Marionetten im griechischen Parlament haben nicht genug Arsch in der Hose, um der EU, dem IWF, der Weltbank etc. den Stinkefinger zu zeigen. In Griechenland braut sich etwas zusammen, das unser Vorstellungsvermögen (noch) überschreitet. Sollte Griechenland bis Jahresende nicht die Drachme haben, kommt es zur Explosion. Dann werden diejenigen, die zinsgünstige Hilfe aus Russland und China abgelehnt haben, fluchtartig das Land verlassen.

    • Ein Herr Schäuble hat schon unverblümt gefordert, die Wahlen in Griechenland doch “ausfallen” zu lassen.
      Griechenland ist der Testlauf für die Diktatur in ganz Europa.

      Ganz abgesehen von den angebotenen Darlehen aus Russland und China – warum musste Griechenland überhaupt soviele Schulden aufnehmen?
      Achja, deutsche U-Boote kaufen! – Und die Bürger sollen das bezahlen? Welches Volk lässt sich das gefallen?
      Und: Die Hilfe ist ja keine Hilfe, sie dient ausschließlich der weiteren Enteignung Griechenlands und des griechischen Volkes.

      Wer glaubt wirklich, Schulden durch neue, höhere Schulden bezahlen zu können?

  25. Pingback: Online-Petition für Griechenland: 1 Million Unterschriften | Contrapaganda

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