Hier riecht’s nach Gauck

17.2.2012 – Das deutsche Wintermärchen ist vorbei. Was Medien, Bevölkerung, Vernunft und Anstand in Monaten nicht erreichen konnten, hat die Staatsanwaltschaft mit einem kurzen „Wuff“ bewerkstelligt: Nachdem sie Ermittlungen eingeleitet und die Aufhebung seiner Immunität beantragt hat, ist Christian Wulff heute vom Amt des Bundespräsidenten zurückgetreten.

Die Kanzlerin geniert sich nicht lange dafür, dass sie uns innerhalb von 20 Monaten bereits das dritte Staatsoberhaupt vor die Nase setzen wird. Kaum hat sie ihr „tiefes Bedauern“ über das politische Ableben ihres ehemaligen Wunschkandidaten zum Ausdruck gebracht, da stellt sie bereits in Aussicht, dass der elfte Bundespräsident in enger Abstimmung mit SPD und Grünen ausgesucht werden soll. Das riecht nach Gauck.

Eierlegende Wollmilchsau

Joachim Gauck bezeichnet sich selber als linken, liberalen, konservativen, aufgeklärten Patrioten. Frei nach Goethes Faust, in dessen Vorspiel der am wirtschaftlichen Erfolg interessierte Theaterdirektor seinem Dichter mit auf den Weg gibt:

Die Masse könnt Ihr nur durch Masse zwingen,
Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus.
Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen;
Und jeder geht zufrieden aus dem Haus.

Die Beliebigkeit, mit der Gauck bereits bei der letzten Wahl zum Bundespräsidenten der Kandidat fast aller politischen Lager hätte werden können, zeigt sich vor allem darin, dass er bereits 1999 als mögliches Staatsoberhaupt im Gespräch war. Damals allerdings innerhalb der CDU.

Der Neutralitätsbegriff von Joachim Gauck  manifestiert sich nicht in einem „Ich stehe über allem“ sondern „Ich kann mit allen“. Wirklich mit allen? Nicht ganz, denn mit der Linkspartei steht der Pfarrer und DDR-Bürgerrechtler auf dem Kriegsfuß. Deren Überwachung durch den Verfassungsschutz wurde von Gauck im Sommer 2010 deutlich unterstützt:

„Wenn der Verfassungsschutz bestimmte Personen oder Gruppen innerhalb dieser Partei observiert, wird es dafür Gründe geben. Er ist nicht eine Vereinigung von Leuten, die neben unserem Rechtsstaat existiert und Linke verfolgt.“

Während seiner Amtszeit als Beauftragter für die Stasi-Unterlagen von 1990 bis 2000 geriet Gauck selber in den Verdacht, „Begünstigter der Staatssicherheit“ gewesen zu sein. Der Vorwurf war vom letzten Innenminister der DDR, Peter-Michael Diestel, erhoben worden. Dieser legte in einem entsprechenden Verfahren vor dem Rostocker Landgericht unter anderem acht eidesstattliche Erklärungen früherer Stasi-Mitarbeiter vor, die belegen sollten, dass Gauck selber Komplize des Geheimdienstes gewesen sei.

Unter anderem wurde hier angeführt, dass die Söhne Gaucks mit Genehmigung der Stasi nicht nur in den Westen hätten ausreisen, sondern –  hierbei handelt es sich um eine einmalige Ausnahme – bereits ein Jahr später zu einem Verwandtenbesuch wieder in die DDR hätten einreisen dürfen. Gauck hatte im Jahr 2000 zunächst eine einstweilige Verfügung gegen Diestel erwirkt, die es diesem untersagte, Gauck öffentlich mit der Stasi in Verbindung zu bringen. Das Landgericht in Rostock hatte die einstweilige Verfügung allerdings am 22. September 2000 aufgehoben.

Im Jahr 2001 trafen Gauck und Diestel erneut vor Gericht aufeinander. Diesmal wurde vor dem Oberlandgericht in Rostock verhandelt. Letztlich einigten sich beide gütlich und brachten das Verfahren damit juristisch zum Ende.

Sarrazin und Occupy

Ende 2010 ermahnte der unterlegene Präsidentschaftskandidat Gauck die Bevölkerung, sich gründlicher über politische Vorgänge und Entscheidungen zu informieren. Dem Tagesspiegel sagte er am 30. Dezember 2010:

„Es gibt in der Demokratie nicht nur eine Bringschuld der Politik, sondern auch eine Holschuld der Bürger. Wenn Wähler in einer Konsumentenhaltung verharren, anstatt sich für die objektiven Probleme der Allgemeinheit zu interessieren und sich mit den Vorschlägen und Maßnahmen der Politik wirklich auseinanderzusetzen, gerät die Demokratie auf Dauer in Gefahr.“

„Nicht die Kleidung der Ehefrau des Verteidigungsministers ist wichtig, sondern die Lage der Sozialsysteme oder die Notwendigkeit der Rente mit 67.“

Regierung und Opposition forderte er gleichzeitig auf, ihre Politik verständlicher zu erklären. Nur wer seine Entscheidungen ausführlich begründe, können Ängste vor unpopulären, aber notwendigen Maßnahmen abbauen.

„Politiker müssen eine Sprache finden, die auch von den einfachen Menschen verstanden wird.“

Im selben Interview attestierte Joachim Gauck dem früheren Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin, in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ „Mut bewiesen“ zu haben:

„Er hat über ein Problem, das in der Gesellschaft besteht, offener gesprochen als die Politik.“

Der politischen Klasse rät Gauck, aus dem Erfolg von Sarrazins Buch zu lernen, dass „ihre Sprache der politischen Korrektheit bei den Menschen das Gefühl weckt, dass die wirklichen Probleme verschleiert werden sollen“.

Im Oktober 2011 äußerte sich Gauck über die Occupy-Bewegung. Er halte die Antikapitalismus-Debatte für „unsäglich albern“, die Protestbewegung würde „schnell verebben“ und überhaupt sei sie von „romantischen Vorstellungen“ geprägt. Politiker sollen nach seiner Auffassung nicht das Sagen in der Finanzwirtschaft haben, da es zweifelhaft sei, zu glauben, dass unsere Einlagen dann sicherer wären.

Für die Energiewende der Bundesregierung findet Joachim Gauck kritische Worte: Man könne wichtige politische Entscheidungen, wie etwa den Ausstieg aus der Kernkraft, nicht von der Gefühlslage der Nation abhängig machen.

Schließlich trifft sein Rundumschlag auch noch die Stuttgart 21 Bewegung. Hier warnt Gauck vor einer Protestkultur, „die aufflammt, wenn es um den eigenen Vorgarten geht“. Die deutsche Neigung zu Hysterie und Angst nannte er „abscheulich„.

Wenn sich Angela Merkel dafür entscheidet, Joachim Gauck als gemeinsamen Kandidaten der Regierung, der SPD und der Grünen zu nominieren, dann müssen wir uns auf einen elften Bundespräsidenten einstellen, der die geheimdienstliche Überwachung der Linkspartei für angemessen und das Buch von Thilo Sarrazin für politisch vorbildlich hält, für den Kapitalismus-Kritik albern, soziale Einschnitte und Rente mit 67 notwendig, der Atomausstieg gefühlsduselig und die berechtigte Sorge weiter Teile der Bevölkerung um ihre Lebensqualität abscheulich sind.

Die Kanzlerin wird die Kandidatenfrage in jedem Fall nutzen, um dem Schaden, den Wulff und Köhler ihrer Reputation zugefügt haben, zu begrenzen. Dies gelingt am besten mit einem Nachfolger, dessen politische Beliebigkeit ihn für möglichst viele Lager wählbar macht. Es riecht nach Gauck.

146 Kommentare

Eingeordnet unter Innenpolitik, Politik

146 Antworten zu “Hier riecht’s nach Gauck

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  2. Lieber Jacob: glaubst du wirklich die Superangie ruft ganz laut: ich bin doof und ihr hattet (fast) alle recht?

  3. Avatar von daweed daweed

    Heiner Flassbeck for President, wäre mein realistischer Tip.

  4. Henry Valentino für President, wäre mein Tip.

  5. „Die Kanzlerin wird die Kandidatenfrage in jedem Fall nutzen, um dem Schaden, den Wulff und Köhler ihrer Reputation zugefügt haben, zu begrenzen.“

    Natürlich wird sie das, es bleibt ihr ja nichts anderes übrig. Den Schaden hat sie nämlich selbst mit angerichtet, da sie, wie schon im Fall Guttenberg, zu lange an ihrem Wulff festhielt. Es ist diese Uneinsichtigkeit wie auch im Fall Adolf Sauerland, die diese ganze Geschichte so unapettitlich macht. Vorbei die Zeiten, da Politiker noch Verantwortung übernahmen. Willy Brandt wäre da zu nennen oder auch Rudolf Seiters. Das nimmt alles keine gute Wendung. Aber wie könnte es auch – Politik ist ja angeblich ein Haifischbecken. Hierzu gibt es übrigens neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die auch auf den Fall Wulff ein gewisses Licht werfen: http://www.ybersinn.de/2012/02/17/im-haifischbecken/

  6. Avatar von "Toni"W.Bergmann "Toni"W.Bergmann

    Ich habe das dumpfe Gefühl das dieser politische Gauck(ler) tatsächlich noch einmal auf den Schild gehoben wird. Als Atheist möchte man da ausrufen: Herr erbarme dich unser! Ein Mann der fast einen ganzen Tag mit
    seinen Stasiunterlagen allein im Kämmerlein saß bevor er deren Beauftragter wurde, der sich also reinwaschen durfte, soll unser aller Bupräsi
    werden. Schlimmer gehts nimmer. Für welches Bürgerrecht hat dieser Mann
    eigentlich gekämpft? Das immer mehr Menschen unter Brücken schlafen dürfen, für Ausbeutung ohne Ende, einer immer größer werdenden Armut in
    Deutschland, Löhne von denen Niemand existieren kann? Dies ließe sich fortsetzen den dieser Mann ist belibig und ein Opportunist reinsten Wassers.
    Mann könnte sogar auf den dummen Gedanken kommen das Wulf fallen mußte damit diese Figur übernehmen kann. Er währe der ideale Erfüllungsgehilfe des Kapitals . Hoffentlich wird diese Option nicht zur Realität.

  7. Gauck als Bundespräsident ist den Teufel mit dem Beelzebub austreiben!
    Die Hexenjagd, die er in seiner Behörde betrieben hat, ist widerlich und in der Geschichte einmalig.
    Oder ist euch bekannt, dass je die Akten der GESTAPO oder anderer Geheimdienste dieser Erde geöffnet wurden? Ist Euch bekannt, dass es in irgendeinem Land der Erde möglich ist, einen missliebigen Politiker mit einer „Geheimdienstkarte“ zu diffamieren und aus der Regierung zu entfernen?
    Wer redet über die Machenschaften der vielen bundesrepublikanischen Geheimdienste?
    Wer legt deren Akten offen und zieht deren Mitarbeiter und Mitläufer zur Rechenschaft?
    Gauck darf KEIN poliitsches Amt inne haben. Er ist gefährlich, falsch, verlogen und von der miesesten Sorte Mensch.
    Darum hat er es ja wohl auch „so weit gebracht.“
    Aber die Werbetrommel der Propagandamaschinerie wird sicherlich gerührt und alle Menschen werden Hurraaaa! schreien.
    Alles nicht neu. Darum nicht besser.

    • Avatar von WannaText nurfuechseschleichenlaut

      Über die Akten der GETAPO kann ich nichts sagen, aber ich verstehe nicht, dass du es für falsch hältst, die StaSi Akten durch zu arbeiten. Denn sie dokumentieren die Verbrechen, die in der DDR stattgefunden habe. Eventuell sind sie hier sogar noch wichtiger als die GESTAPO Papiere, denn die Gräultaten der Faschisten sind durch aus offensichtlicher gewesen, wohin gegen die DDR ihre Menschenrechtsverletzungen, Verschleppungen, Folter und Morde doch besser getarnt hat.
      Von daher halte ich es für wichtig, dass sie durchgearbeitet werden, um eine Heroisierung des Polizeistaates zu unterbinden.

      P.s.: Ja nur Füchse schleichen laut. Solltest du mal drauf achten. 😉
      P.p.s.: Verzeih mir, dass ich so oft auf deine Kommentare antworte. u_u

      Gruß.

      • Es geht nicht darum, die Verbrechen der Stasi und DDR zu verschleiern, es geht darum, dass es einseitig geschieht und in welcher Art und Weise es geschieht – und die Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit ja eben gerade nur mehr als halbherzig erfolgte.

        Die DDR mit dem Faschismus zu vergleichen, ist nun vollkommen daneben. (Ich weiß nicht, ob auch Du das tust, in der Öffentlichkeit wird das von der Propagandamaschinerie jedoch gern so dargestellt)
        Ich wüsste nicht, dass die DDR die Menschen zu Millionen als Arbeitssklaven in „Konzentrationslagern“ eingesperrt hätte und sie dort elendiglich krepieren lassen hat. Auch diese Lüge und Ungerechtigkeit stört mich außerordentlich!

        Wer fragt nach den Verbrechen der BRD gegen die eigene Bevölkerung? Hartz IV, zum Beispiel, (Arbeitslosigkeit überhaupt) ist in meinen Augen millionenfaches Verbrechen. Oder empfindest Du es als gerecht und „rechtmäßig“, dass Millionen Menschen unverschuldet in Armut getrieben werden? Wer zieht die dafür Verantwortlichen zur Rechenschaft? Auch Beteiligung an Kriegen und die damit verbundenen schamlosen Lügen zähle ich zu Verbrechen. Wer bestraft die Schuldigen, die Lügner?
        Wer spricht noch von den Berufsverboten und Notstandsgesetzen? Wer spricht von der Zensur in der BRD? Wer zieht die Verantwortlichen zur Rechenschaft?

        P.S. Ja, ich weiß, dass Füchse laut schleichen, aber Mäuse sind auch nicht gerade leise.
        P.P.S. Warum bittest Du um Verzeihung, wenn Du mir widersprichst? Ist das nicht Sinn einer jeden Unterhaltung – zum Schluss mehr zu wissen als vorher und jeder legt seinen Standpunkt dar?

        • Avatar von Unbekannt bernie@gmx.de

          @Solveigh Calderin

          Reg dich nicht auf, im Netz sind alle möglichen Sp… unterwegs, und da ist eben auch der ein oder andere Provo-Troll drunter.

          Ich stimme mit dir völlig überein, aber ob „nurfuechseschleichenlaut“ das tut halte ich für ebenso fraglich, wie wenn er dir eine Antwort schreibt, denn schon das hirnlose Pseudonym weist eben auf einen Provo-Troll hin.

          Solche Typen kennen eben nur die Verbrechen des Kommunismus, den die gleich mit Sozialismus gleich setzen, um damit gleich die Nazi- und internationale Faschismusverbrechen bis heute mit zu verharmlosen.

          Die Verbrechen das Kapitalismus interssieren die nicht die Bohne, da bin ich mir sicher, und da können noch so Unmengen von Menschen im Namen das Kapitalismus abgeschlachtet werden – interessiert „nurfuechseschleichenlaut“ nicht – Man ist ja so selbstgerecht, und hält sein eigenes System als „nurfuechseschleichenlaut“ für den Himmel auf Erden.

          Ironie der Geschichte: Genau dasselbe dachten einst autoritäre Kommunisten über das stalinistische Sowjetsystem – Es gibt eben, rein hirmäßig, eben doch Überschneidungen zwischen Unmenschen, und zwar ganz egal ob die nun autoritär-diktatorische Kommunisten oder terror-der-Ökonomie-Kapitalisten sind.

          Ganz zynische Grüße
          Bernie

  8. Avatar von Unbekannt Peter-Rath@g,

    Die Vorwürfe gegen Wulff sind zum Schluß immer kleinteiliger geworden, die juristische Aufarbeitung düfte ausgehen wie das berühmte Hornberger Schießen und der erfolgreiche Hinrichtungsjornalismus wird kaum zu einem kritisch-investigativen Journalismus mutieren, wer die realen gesellschaftlichen Probleme thematisiert. Meine Einschätzung zum Wulff-Baushing bleibt:

    Peter Rath-Sangkhakorn:
    Zum Wulff-Bashing – 2012-01-17

    Hape Kerkeling hat treffend angemerkt, womit wir es hier wirklich zu tun haben: „Der angebliche Skandal um unseren Präsidenten ist vielmehr ein Skandal unserer maroden und
    degenerierten Presse und Mediengesellschaft.
    Was immer Wulff auch gemacht hat, den Gossenjournalismus der BILD-Zeitung kann man nun wahrlich nicht als Inkarnation einer zu verteidigenden Pressefreiheit ansehen, der eigentliche Kreditskandal ist die billige Vergabe von 486 Mrd. Euro durch die EZB an die Banken, denen damit wieder ein leistungsloses Rieseneinkommen ermöglicht wird. Und wenn jemand – und dies mit Gegenleistungen – von Maschmayer gepampert wurde, war es Schröder.Man sollte eher kritisieren, wie Nahles, Oppermann & Co. einen auf Wohlfahrtsausschuß machen!

    Der Schlüssel für das Wulff-Bushing dürfte seine wenig beachtete Rede vom 24.8. in Lindau sein. Hier war in seinen deutlichen Worten zur Banken- und Finanzmarktkrise zu erkennen: Er war zwar Merkels Kandidat, jedoch offensichtlich nicht ihr Erfüllungsgehilfe. (Hier fand er
    deutliche Worte zum Verhältnis von Risiko und Haftung, er übte Kritik an der EZB-Politik und an der Privatisierung der Gewinne und Sozialisierung der Verluste aufgegriffen?)
    In diesem Zusammenhang ist dann auch die Frage zu stellen, wem Wulff auf der Hintergrund der von interessieren Kreisen angestellten Überlegungen, wie sich sich etwa in dem jüngsten Biedenkopf-Papier („Runter vom Schuldenberg“) mit dem Vorschlag einer dem
    Bundespräsidenten mit einer verschärften Schuldenbremse zu unterstellenden „Deutschen Finanzagentur“ niederschlagen, hinderlich ist. Übrigens: keiner der bisherigen Bundespräsidenten war makellos – soll auch keine Entschuldigung sein:
    Theodor Heuss hatte für Hitlers Ermächtigungsgesetz gestimmt und selbst der ehrenwerte Herr von Weizsäcker hat an Rudolf Augstein Briefe geschrieben, als seine Verstrickung als Boeringer-Prokurist in Napalm-Geschäfte thematisiert wurde.
    Nur: wenn wir nach der Wahl zwischen Wulff und Gauck (letzterer machte ja deutlich: die Kirche in der DDR war nicht nur das Nest der Opposition, sie war zugleich der Hort der Reaktion) schon so etwas wie ein vielleicht kleineres Übel haben, sollten wir uns doch mal angenehm überraschen lassen. Wulff ist zwar auch ein kleiner Emporkömmling, doch wirkt beim ihm eine christliche Bewahrpastoral als Bremse. – Und selbst wenn demnächst die in einigen Blogs schon laufenden Diskussionen um die Firt/Fist-Lady öffentlich werden: wenn sie
    denn wirklich als Sozialarbeiterin im Bereich der hormonellen Entsorgung tätig war, das ist immer noch ehrenwerter als was wir von Huren und alternden Strichjungen im Wissenschaftsbetrieb und in den Medien tagtäglich präsentiert bekommen.

  9. Avatar von Unbekannt Andrea

    Du hast völlig recht. Gauck wird BP.

    Ich werde wohl die Glotze abschaffen. Es reicht mir völlig, wenn ich Gaucks misantrophisches Freiheits-Blabla lesen muss, aber live im Fernsehen – da trifft mich der Schlag.

    Da ich aber eine unverbesserliche Optimistin bin, hoffe ich, dass Gauck dermaßen übertreibt, dass einigen Bürgern hoffentlich eindlich ein Licht aufgeht.

    Nun ja, die Hoffnung stirbt zuletzt…..

    PS: Es riecht übrigens nicht nach Gauck, sondern es stinkt – und zwar zum Himmel. Sollte ich jemals auch nur wieder in Erwägung ziehen, SPD oder Grüne zu wählen, dann soll mich auf der Stelle der Blitz erschlagen.

  10. Avatar von Unbekannt Peter-Rath@gmx.de

    hier die komplette E-Mail-Adresse

  11. Avatar von nö

    schlimmer wirds nimmer
    Gauck geht gar nicht

  12. Avatar von Bernie Bernie

    @Jacob Jung

    Ich teile deine Befürchtung ausdrücklich, denn die Ausklammerung der größten Oppositionspartei – eben der Linkspartei – durch die bekennende Thatcheristin Angela Merkel riecht wirklich starck nach Joachim Gauck.

    Gruß
    Bernie

  13. Ja, Toni Bergmann, man könnte es allen Ernstes annehmen, dass es um die Inthronisierung von Gauck geht.
    Wulff stand bestimmten Teilen maßgeblicher Hinterzimmer im Wege, deshalb musste er fallen. Dabei hat er nichts anderes gemacht als das, was alle anderen auch tun. Leid tut er mir nicht, und mich langweilt die Wulff-Geschichte schon.

    Gauck als Bundespräsident der BRD? Warum nicht, er wäre ein sprechendes Aushängeschild, und so wüsste jeder, wie es um das Land bestellt ist, es stünde nackt da, unmaskiert. Warum also nicht Gauck?

  14. Wer wissen will, wie Gauck denkt sollte sich mit seinem Buch beschäftigen.

    Gauck vertritt das abstrakte Freiheitsideal des Liberalismus, das sich auf die bürgerlichen Abwehrrechte gegen den Staat beschränkt und in dem ansonsten jeder seines Glückes Schmied sein kann. Soziale Grundrechte, die die materielle Voraussetzung für die Wahrnehmung der Freiheit für diejenigen sind, die nicht „Bürgermeister“ werden, „Firmen gründen“, „unbekannte Kontinente“ erforschen oder als „Befreite“ Regierungschefin werden (S. 337), sind ihm suspekt.

    Wie bei den Ordoliberalen à la Hayek gelten ihm solche Gesellschaftsvorstellungen, die auf eine soziale Basis für die Verwirklichung von Freiheit drängen, als tendenziell totalitär.

    weiterlesen: http://www.nachdenkseiten.de/?p=5927

  15. Avatar von Peter Petereit Peter Petereit

    „Spiegel online“ veranstaltet grad ein „Voting“ für seine Wunschkandidaten unter dem Motto: Wer wird Bundespräsident. Alternativen werden nicht angeboten. So wird „Demokratie gemacht“…
    Hier ist noch eine Alternative:
    http://www.s-o-z.de/?p=62831

  16. Avatar von Andrea Andrea

    Die SZ fabuliert gerade darüber, dass „im Netz schon für Gauck getrommelt“ wird.

    Mein Kommentar, dass die Homepage „Wir-für-Gauck“ von Nico Lumma, seines Zeichens „einer der bekanntesten Social-Media-Experten in Deutschland“, seines Zeichens Ex-Direktor für Social Media bei Scholz & Friends (ja genau, die Werbeagentur, auf deren Mist auf die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft gewachsen ist) betrieben wird, wurde zensiert.

    Man könnte Anhängerin von Verschwörungstheorien werden…..

    • Avatar von Bernie Bernie

      @Andrea

      Du bist ebensowenig eine Anhängerin von Verschwörungstheorien wie die Macher von Nachdenkseiten, Albrecht Müller und Wolfgang Lieb.

      Die weisen schon seit Jahren auf solche Vorgänge hin, und erst kürzlich berichteten die – wieder einmal – über Bilder mit gestellten, und von PR-Profis, gekauften „Demonstranten“.

      Tja, die Realität ist eben brutaler als jede „Verschwörungstheorie“, und dass zeigt, dass die, die uns als „Verschwörungstheoretiker“ abtun wollen es einfach nicht kapiert haben wie die PR-Maschinerie in Deutschland mittlerweile „Volksverdummung“ (Zitat mein 2006 nach schwerer, kurzer Krankheit verstorbener Vater) betreibt.

      Trauriger Gruß
      Bernie

    • Man könnte Anhängerin von Verschwörungstheorien werden…..
      wahrlich, wahrlich…
      Nur, was bringt’s uns?

  17. Ich habe eigentlich keine Ahnung, wer da demnächst wer wird. Aber ich habe Bock, auch eine Spekulation abzugeben, wer der Nächste wird:
    Ich muss mich noch immer ein wenig wundern: Da kommen Leute in irgend eine Machtposition, weil sie so tolle Hechte sind. Plötzlich findet zufällig einer geklaute Passagen in einer Doktorarbeit oder Rabatte bei einem Autokoauf, um nur mal zwei zu nennen. Alles immer genau zum richtigen Zeitpunkt. Darf ich davon ausgehen, dass alle derzeit bedeutenden Politiker mit Doktor-Titel korrekte Doktor-Arbeiten geschrieben haben und dass kein Politiker beim Einkauf seines Viertwagens fragwürdige Rabatte bekommen hat? Im Moment scheint sich keiner mehr für diese Fragen zu interessieren und ich frage das jetzt nicht, weil mir hier jemand leid täte, nein, ich frage das nur, weil möglicherweise diese ständigen Kapriolen einfach nur ein grosses inszeniertes Kaspertheater ist. Vielleicht so nach dem Motto:“Wenn Du mir hier nicht entgegenkommst, dann schiess ich Deinen Guttenberg ab!“ und die andere Seite dann:“Was glaubst Du, wie lange dann Dein Wulff stehen wird!“.
    Verhielte sich das so oder so ähnlich, dann müsste doch der der neue Bundespräsident als Qualifikation möglichst viel Dreck am Stecken haben, der noch nicht öffentlich verwertet worden ist, damit er bei Bedarf möglichst gekonnt abservierbar wäre. Engt das den in Frage kommenden Personenkreis ein :-))

  18. ja, es riecht nach Gauck, weil die Kanzlerin einen Kandidaten braucht, der endlich mal wieder eine ganze Amtszeit durchhält, was bei Gauck wahrscheinlich ist. Ob Gauck nun wirklich der richtige Kandidat ist, hängt immer von der Betrachtungsweise ab. Ein Bundespräsident der Beliebigkeit ist auch nicht das, was Deutschland jetzt unbedingt braucht, sondern einen Mann mit klarem Blick und klaren Worten. Und auch Gaucks Vergangenheit hat Flecken, die ihn angreifbar machen könnten, siehe Diestel.
    Wie wäre es , wenn die Piraten mal gefragt würden, wer ihr Kandidat wäre, ein transparenter, offener und ehrlicher Kandidat ausserhalb des Politikbetriebes. Obwohl, den hatten wir mit Köhler ja auch schon….

  19. Avatar von Verfasser BoleB

    Ich schliesse mich dem ersten Kommentator an und halte Gauck eher für unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen. Im Netz wird nach meinem Eindruck übrigens nicht für Gauck getrommelt, sondern für Schramm. Mein Tipp ist Lammert.

  20. Pingback: Hinweise des Tages II | NachDenkSeiten – Die kritische Website

  21. WULFFS ABTRITT

    Spät trat er, doch er trat
    zurück. Der weite Weg nach oben
    entschuldigt auch sein Säumen …

    Richard Albrecht, 170212

    http://bewegung.taz.de/aktionen/wulf-muss-weg/beschreibung
    http://duckhome.de/tb/archives/9861-WULFFS-ABTRITT.html

  22. Avatar von Emm Ess Emm Ess

    @ Jacob: „Was Medien, Bevölkerung, Vernunft und Anstand in Monaten nicht erreichen konnten, hat die Staatsanwaltschaft mit einem kurzen „Wuff“ bewerkstelligt:“
    Man sollte die Staatsanwaltschaft nicht zu sehr loben. Diese Einrichtung der Exekutive ist ganz legal „weisungsgebunden“ und muss das tun, was die Regierung jeweils anweist.
    Im Übrigen bin ich wieder einmal der Meinung, dass das Amt des Bundespräsidenten komplett abgeschafft gehört. Dies wäre doch ein idealer Zeitpunkt.
    Man sollte in einem human angehauchten Staat niemanden zwingen, am laufenden Band sinnlose Sonntagsreden halten zu müssen. Da gibt s genügend Leute, die das schon freiwillig tun. Mal ganz abgesehen von den Kosten, die solch ein Amt verschlingt.
    Der Gauck soll seine Reden von mir aus an normalen Wochentagen in der Kirche halten. Der braucht solch ein weltliches Amt schon gar nicht.

  23. Avatar von picard2606 picard2606

    Ich schliesse mich der Forderung nach dem Abschaffen dieses Amtes an. Der Sinn des BP erschliesst sich mir nicht. Das Amt ist auch irgendwie unausfüllbar, einerseits soll man weitestgehend meinungsfrei sei, andererseits aber so eine Art Übervater der Republik.

    Lothar Matthäus wäre übrigens frei.

    Zu Gauck: ich kann mir über den Mann schwer eine Meinung bilden. Er wirkt wie jemand, der noch in der Vergangenheit gefangen ist und nicht begreift, das eine die Gefahr heute nicht die einer kommunistischen Diktatur, sondern einer sogenannten marktkonformen Demokratie ist – beides führt in letzter Instanz zur kompletten Entmachtung und zum Freiheitsverlust der Zivilgesellschaft.

    Ich muss aber offen zugeben, das mir jemand, der für die Rente mit 67 ist und das klar ausdrückt, lieber ist als jemand, der jegliche Diskussion weggrinst und gleichzeitig mit Privatrenten-Drückerkolonnen im Bett liegt. An die Dolchstoßlegende, das der einzige kapitalismuskritische Ton, den Wulff je von sich gab, das Bashing ausgelöst haben soll, mag ich nicht glauben. Der Mann ist das Königsbeispiel eines Politikers, der komplett mit Hochfinanz und Großkapital verstrickt ist. OK, das gilt heute für 99,98% unserer Politiker, und die Rolle der BILD in der Affäre ist ekelhaft. Aber das heisst nicht, das der Druck, der auf Wulff ausgeübt wurde, schlecht ist.

    Da ist mir der klassische Liberalismus eines Gauck, der eine klare Trennung von Politik und Markt/Konzernen postuliert, trotz aller absolut berechtigter Kritik an dem Mann lieber.

  24. die grosse frage, die immer noch nicht beantwortet wurde, ist doch, warum musste wulff gehen? war er für seine hintermänner nicht korrupt genug, hat er friede springers kaffee kritisiert, oder, oder, oder?
    so nebenbei ein paar 1000der einsparen und vom kapital gefälligkeiten annehmen ist in dieser republik ja eher usus als bemerkenswert.
    und zum parteieienübergreifenden kandidaten: da bietet sich der gauckler ja förmlich an; immer brav der knecht und sprachrohr dessen, der ihn bezahlt. wenn wir mit diesem mc carthy für arme gestraft werden sollten, denn man gute nacht deutschland.

    • Avatar von Bernie Bernie

      @landbewohner

      Dazu gibt es, sogar noch 1 Tag vor dem Rücktritt Wulffs auf Ad Sinistram einen bemerkenswerten Text:

      „[…]Friede Springer entlässt den Bundespräsidenten
      Donnerstag, 16. Februar 2012[…]“

      Quelle und ganzer Text:

      http://ad-sinistram.blogspot.com/2012/02/friede-springer-entlasst-den.html

      Gruß
      Bernie

    • Ein nicht zu unterschätzender Punkt: Er hat es als „im Stand der Sünde Lebender“ (geschieden und wiederverheiratet) gewagt, in aller Öffentlichkeit den Papst bei dessen Deutschlandbesuch von Angesicht zu Angesicht zu Reformen aufzufordern – was für einen großen bis den größten Teil der deutschen Katholiken befreiend und ehrlich war – für die einflussreichen Hardliner aber offene und zutiefst ergrimmende Blasphemie. Und für sie ist es ein doppelter Genuss, damit auch Merkel über „ihren Kandidaten“ eins auszuwischen, der sie die klaren Worte an den Papst zum Holocaust-Leugner Williamson bis heute nicht verziehen haben.

      Andererseits darf sich Wulff nicht beklagen, schließlich hat er für sperrangelweit offene Einfallstore für Angriffe gesorgt und ist gefallen über seinen typischen Jungpolitiker-Umgang damit (Salamitaktik, immer nett sein wollen, immer Recht haben…).
      Zur Gauck-Diskussion sage ich nichts, weil ich die hier herrschende wohlige Behaglichkeit im gemeinsamen Gauck-Bashing nicht stören will. Wenn man jemand nicht mag, pickt man sich eben die ins Weltbild passenden Zitatbröckchen zusammen, aber das machen alle so und ist halt normal. Ist nur leider genauso „differenziert“ wie CSU-Generalsekretäre, die aus ihren Zitatbröckchen ein Linke-Verbot zusammenphantasieren wollen.

  25. Avatar von Unbekannt bernie@gmx.de

    Interessant fand ich gerade, dass ein versprengtes Häuflein vor dem BP-Sitz demonstriert hat, und das gerade wo Wulff zurückgetreten ist. Die PR-Maschinerie für Gauck läuft übrigens schon auf Hochtouren, wie ein – angeblich – einsamer Gauck-Demonstrant beweist, der ein Gauck-For-President-Plakat hochhielt. Dank Nachdenkseiten weiß ich nun jedoch, dass man schon für ganz andere Punkte professionelle „Demonstranten“ engagieren konnte, und der via TV gezeigte „Demonstrant“ roch denn doch stark nach Lobbyist.
    Ich kann mich auch irren, aber seit der Entlarvung, die Nachdenkseiten regelmäßig über gekaufte Demonstranten liefert bin ich um einiges kritischer geworden was Fernseh-Beiträge mit „Demonstranten“ angeht.

    Gruß
    Bernie

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