Zapfenstreich für Christian Wulff: Ende eines Märchens

8.3.2012 – Am heutigen Abend wird Christian Wulff mit militärischen Ehren aus seinem Amt verabschiedet. Hierzu versammeln sich bei eintretender Dunkelheit einige alte Männer in Uniform, zünden lodernde Fackeln an und lauschen gemeinsam sperriger Blasmusik. Angesichts geldwerter Vorteile in Höhe von 479.000 Euro pro Jahr, wird der Altbundespräsident auch diesen Tiefpunkt seiner politischen Karriere mit einem Lächeln überstehen.

Gerätselt wird noch darüber, warum sich Wulff ausgerechnet das Lied „Somewhere over the Rainbow“ gewünscht hat. Dabei liegt diese Entscheidung doch wirklich auf der Hand. Immerhin handelt es sich hierbei um den Soundtrack zu dem 20 Monate währenden Märchen, das jetzt wie ein Traum hinter dem Jungen aus Großburgwedel liegt.

The Wizard of Bellevue

Mit einem parteipolitischen Wirbelsturm schleudert Angela, die böse Hexe des Ostens, den jungen Christian mitsamt seinem Großburgwedeler Klinkerhäuschen in das magische Land Bellevue. Dort landet er auf Friede, der bösen Hexe des Westens, die den Unfall zwar überlebt, in der Folge aber auf Rache sinnt. Sie setzt ihre Hofberichterstatter, allen voran den fliegenden Affen Kai, darauf an, den unerfahrenen Christian ins Verderben zu stürzen.

Der gute Zauberer Olaf rät seinem Schützling Christian, sich auf die Suche nach dem Zauberer von Bellevue zu machen, der Hilfe leisten könnte. Gemeinsam mit einem Versicherungsverkäufer, der statt Stroh gerne ein Gehirn hätte, einem Event-Manager, der ein Herz möchte und einem ängstlichen Rentner aus der Schweiz, der sich mehr Mut wünscht, macht sich Christian auf den weiten Weg. Mit seinen drei Begleitern muss er unterwegs viele Abenteuer bestehen, die ihn an die Nordseeküste, auf die Balearen und ins ferne Florida führen.

Als sie schließlich auf den Zauberer von Bellevue stoßen, gibt der ihnen den Auftrag, die böse Hexe des Westens und ihren fliegenden Affen zu besiegen. Christian nimmt all seinen Mut zusammen und fordert den fliegenden Affen am Rubikon zum Kampf heraus. Mittlerweile bereut die böse Hexe des Ostens, Christian nach Bellevue geschleudert zu haben und versagt ihm ihre Unterstützung. Sie hat sich längst einem anderen Günstling zugewandt, dem ein besserer Draht zum lieben Gott nachgesagt wird und den sie aus alten Zeiten gut kennt.

Christian unterliegt im Kampf gegen die böse Hexe des Westens und ihren fliegenden Affen. Doch bevor er ernsthaften Schaden nimmt, wacht er im Klinkerhäuschen in Großburgwedel auf und stellt fest, dass alles nur ein Traum gewesen ist. Seine Freunde und Begleiter sind verschwunden und nur eine Truhe Gold unter seinem Bett erinnert noch an das überstandene Abenteuer.

Erleichtert tritt Christian in seinen kleinen Garten und als es dunkel wird entzündet er dort ein paar Fackeln und singt zufrieden das Lied „Somewhere over the Rainbow“.

 

54 Kommentare

Eingeordnet unter Politik

54 Antworten zu “Zapfenstreich für Christian Wulff: Ende eines Märchens

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  2. Michael Morawietz

    Ich habe mir noch einmal einige Informationen zu Herrn Wulff besorgt und zitiere hier einmal einen Absatz aus Wikipedia ( ja, Schande über mich ):

    „[ … ] Als Oppositionsführer im niedersächsischen Landtag warf Wulff im Jahr 1999 dem damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Glogowski in einer Sponsoringaffäre vor, „seine Unabhängigkeit und damit seine politische Handlungsfähigkeit“ verloren zu haben, so dass deshalb die Niederlegung des politischen Amts unvermeidlich wurde.[15] Wulff ging nach dem Rücktritt Glogowskis noch weiter, indem er forderte, dessen Pension, mindestens aber dessen Übergangsgeld zu kürzen. [ … ]“.

    Zumindest aber habe ich alle Quellen gegengechecked.

    Herr Wulff ist also insofern noch lange nicht Geschichte, denn sein Körper geht zwar, aber der Geist, von dem er beseelt gewesen ist, der bleibt. In manchen Kulturen nennt man das auch Seelenwanderung. Diesem Geist hier möchte ich mal den Arbeitsnamen „Präsidenten-Jumper“ verpassen.

  3. Ende eines Märchens ? Ja dieser Märchenerzähler ist weg. Ja gut. Er hat uns genug genervt. Aber wer kommt jetzt ?
    Der von allen bejubelte Messias .Einer der in Bigamie lebt und als Notnagel in der deutschen Politik seiner Ruf schon weg hat. Na warten wir es ab. Prost Mahlzeit.

  4. Pingback: A Tale of Two Presidents | Cora Buhlert

  5. Pingback: Jacobs Woche (4.3. – 10.3.2012) | Jacob Jung Blog

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